
Vitiligo (Weißfleckenkrankheit): Ursachen, Behandlung & Kosten
Was Vitiligo (Weißfleckenkrankheit) ist, warum sie nicht ansteckend ist, welche Formen es gibt, warum bei der Diagnose die Schilddrüse untersucht wird und wie Hautärzte sie nach der S2k-Leitlinie von 2026 behandeln: Ruxolitinib-Creme, Kortison- und Calcineurin-Salben, Schmalband-UVB und Excimer, Tabletten, Operationen, Camouflage und Sonnenschutz. Dazu ehrliche Erfolgsaussichten, Hilfe bei seelischer Belastung, Kinder, Kosten und wann Sie zum Arzt sollten.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 21.10.2026
Vitiligo, auf Deutsch Weißfleckenkrankheit, ist eine erworbene und nicht ansteckende Erkrankung, bei der das Immunsystem die pigmentbildenden Zellen der Haut angreift. Es entstehen scharf begrenzte, milchig-weiße Flecken. Sie tun meist nicht weh, belasten aber viele Betroffene stark. Je nach Studie haben weltweit etwa 0,1 bis 2 Prozent der Menschen eine Vitiligo, die deutsche Leitlinie rechnet mit rund 306.000 Betroffenen in Deutschland. Heilbar ist Vitiligo bisher nicht. Eine Behandlung kann das Fortschreiten aber oft stoppen und vor allem im Gesicht viel Farbe zurückbringen, an Händen und Füßen gelingt das selten. Die im Juli 2026 verabschiedete S2k-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (Version 2.0, laut AWMF-Register gültig bis 2031) empfiehlt ab 12 Jahren bei Flecken im Gesicht die Ruxolitinib-Creme als erste Wahl und bei ausgedehnter oder rasch fortschreitender Vitiligo die Lichttherapie mit Schmalband-UVB, eine Kassenleistung. Bei der Diagnose sollen außerdem die Schilddrüsenwerte bestimmt werden, weil Vitiligo häufig mit einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse einhergeht.
Was ist Vitiligo?
Die Farbe der Haut stammt vom Pigment Melanin, das bestimmte Zellen in der Oberhaut bilden, die Melanozyten. Bei der häufigsten Form, der nicht-segmentalen Vitiligo, greifen fehlgeleitete Abwehrzellen (T-Zellen) diese Pigmentzellen an und zerstören sie. Die Leitlinie beschreibt das Zusammenspiel so: Eine erbliche Veranlagung mit mehr als 50 bekannten Genvarianten trifft auf Pigmentzellen, die empfindlich auf sogenannten oxidativen Stress reagieren. Der Botenstoff Interferon-gamma bringt Hautzellen über den JAK-STAT-Signalweg dazu, Lockstoffe auszuschütten, die immer neue Abwehrzellen anziehen, ein sich selbst verstärkender Kreislauf. Genau dort setzen die neuen Medikamente an, die JAK-Hemmer. Ein Teil der Abwehrzellen bleibt als „Gedächtnis" dauerhaft in der Haut. Das erklärt, warum Flecken nach einer Behandlung oft an denselben Stellen zurückkehren.
Die Erkrankung ist nicht ansteckend und verursacht in der Regel keine körperlichen Beschwerden. Manche Menschen spüren Juckreiz, wenn neue Flecken entstehen. Wichtiger im Alltag ist die Sonne: Die weißen Stellen haben keinen Pigmentschutz und bekommen schneller einen Sonnenbrand. Typisch ist das Köbner-Phänomen, bei dem neue Flecken dort auftreten, wo die Haut gerieben, verletzt oder entzündet war, etwa an Hals, Ellenbogen oder Knöcheln. In den Flecken können auch die Haare weiß werden (Leukotrichie), was die Aussicht auf Wiederfärbung verschlechtert, weil die Haarwurzeln ein wichtiges Reservoir für neue Pigmentzellen sind. Manchmal bildet sich um ein Muttermal ein heller Hof, ein sogenannter Halo-Naevus, der zusammen mit Vitiligo vorkommen kann.
Der Verlauf ist schwer vorherzusagen. Bei vielen wechseln ruhige Phasen mit Schüben, in denen neue Flecken entstehen; bei manchen kehrt die Farbe stellenweise von selbst zurück. Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft betont seit ihrer ersten Leitlinie von 2021, dass Vitiligo eine Krankheit ist und keine kosmetische Störung. Betroffene sollten nicht mit dem Hinweis abgewiesen werden, das sei „nur kosmetisch".
Wer bekommt Vitiligo?
Vitiligo kommt weltweit und bei allen Hauttypen vor. Wie häufig sie ist, hängt stark von der Erhebungsmethode ab. Eine Übersichtsarbeit von 2024 schätzt die Lebenszeithäufigkeit einer ärztlich festgestellten Vitiligo auf 0,36 Prozent der Bevölkerung, bei Erwachsenen auf 0,67 und bei Kindern auf 0,24 Prozent. In Deutschland fanden Hautärzte bei Reihenuntersuchungen von mehr als 120.000 Berufstätigen bei 0,77 Prozent eine Vitiligo. In den Abrechnungsdaten einer Krankenversicherung tauchte die Diagnose dagegen nur bei 0,17 Prozent auf. Die Leitlinie geht deshalb davon aus, dass viele Betroffene gar nicht (mehr) in Behandlung sind, oft weil sie die Therapien für wenig wirksam halten.
Vitiligo beginnt meist zwischen 10 und 30 Jahren. Bei der häufigen nicht-segmentalen Form gibt es zwei Altersgipfel, um das zehnte und um das 34. Lebensjahr. Eine familiäre Häufung ist bekannt: Bei etwa 25 bis 50 Prozent der Betroffenen haben auch Verwandte eine Vitiligo. Vererbt wird dabei eine Neigung, nicht die Erkrankung selbst.
Die Formen: nicht-segmental, segmental, unklassifizierbar
Die Einteilung entscheidet über Prognose und Behandlung. Die Leitlinie von 2026 unterscheidet nach dem Vorbild der europäischen Vitiligo Task Force drei Gruppen:
| Form | Typisches Bild | Verlauf |
|---|---|---|
| Nicht-segmentale Vitiligo (die weitaus häufigste Form) | Flecken auf beiden Körperseiten, oft symmetrisch: um Mund und Augen, an Hals, Achseln, Ellenbogen, Knien, Hand- und Fußrücken, Fingern; Genitalbereich nicht selten und oft früh betroffen; auch Lippen und Schleimhäute möglich. Unterformen: akrofazial (Gesicht, Hände, Füße), generalisiert, universal (fast die ganze Haut), gemischt | chronisch, schubweise, kaum vorhersehbar, Rückfälle häufig |
| Segmentale Vitiligo (je nach Studie 6 bis 15 Prozent) | Flecken nur auf einer Körperseite in einem umschriebenen Bereich; weiße Haare treten früh auf | beginnt meist im Kindesalter und kommt üblicherweise nach ein bis zwei Jahren zum Stillstand |
| Nicht klassifizierbare Vitiligo | ein einzelner weißer Fleck an Haut oder Schleimhaut | kann der Anfang einer der beiden anderen Formen sein; Einordnung im Verlauf |
Ebenso wichtig ist die Aktivität. Als stabil gilt eine Vitiligo, wenn sich zwölf Monate lang nichts verändert hat. Als aktiv gilt sie, wenn die Flecken in den letzten sechs Monaten nachweislich zugenommen haben, als rasch fortschreitend, wenn innerhalb von drei Monaten viele neue Flecken aufgetreten sind oder bestehende deutlich gewachsen sind. Hinweise auf Aktivität erkennt die Hautärztin oder der Hautarzt an winzigen, wie Konfetti verstreuten Flecken, unscharfen, nur teilweise aufgehellten Rändern, geröteten Rändern und am Köbner-Phänomen. Eine aktive Vitiligo wird früher und intensiver behandelt, weil zerstörte Pigmentzellen sich schlecht erholen. Operationen kommen umgekehrt nur bei stabiler Vitiligo infrage.
Begleiterkrankungen: warum die Schilddrüse untersucht wird
Vitiligo tritt überdurchschnittlich oft zusammen mit anderen Autoimmun- und Entzündungskrankheiten auf. Am deutlichsten ist der Zusammenhang mit der Schilddrüse: In einer Auswertung hatten 14 bis 15 Prozent der Menschen mit Vitiligo eine autoimmune oder andere Schilddrüsenerkrankung, das Risiko stieg mit dem Alter. Die Leitlinie empfiehlt deshalb, bei der Diagnose einmal den TSH-Wert und die Antikörper gegen Thyreoperoxidase (TPO-Antikörper) zu bestimmen. Weil die Antikörper einer Schilddrüsenentzündung vorausgehen können, wird der TSH-Wert später je nach Verlauf oder bei Verdacht erneut kontrolliert. Die frühere Leitlinie von 2021 hatte noch eine jährliche Bestimmung empfohlen. Eine festgestellte Schilddrüsenerkrankung wird eigenständig behandelt, meist hausärztlich oder internistisch.
Häufiger als in der Allgemeinbevölkerung kommen außerdem vor:
- kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata), siehe den Ratgeber Haarausfall,
- Schuppenflechte, die etwa dreimal so oft auftritt, mehr dazu unter Schuppenflechte behandeln,
- Neurodermitis, vor allem bei jüngeren Betroffenen (Ratgeber Neurodermitis),
- Diabetes und das metabolische Syndrom; bei Hinweisen darauf rät die Leitlinie zur Abklärung in der Hausarzt- oder internistischen Praxis,
- weitere Autoimmunerkrankungen wie Lupus, rheumatoide Arthritis, systemische Sklerodermie oder eine perniziöse Anämie,
- eine Innenohr-Schwerhörigkeit, die in Studien doppelt bis fünfmal so häufig war; auch im Innenohr gibt es Pigmentzellen.
Die Begleiterkrankungen können die Behandlung beeinflussen: Wer zum Beispiel zusätzlich eine schwere Neurodermitis hat, profitiert unter Umständen von einem Medikament, das beide Erkrankungen erfasst.
Hautkrebs ist bei Vitiligo nach den bisherigen Studien nicht häufiger, eher seltener; eine große Kohortenstudie fand sogar ein deutlich niedrigeres Risiko für weißen Hautkrebs. Die Leitlinie rät trotzdem, an der regulären Hautkrebs-Früherkennung teilzunehmen und die weißen Stellen konsequent vor UV-Strahlung zu schützen.
Diagnose beim Hautarzt
Meist reicht der Blick einer erfahrenen Hautärztin oder eines Hautarztes. Im Gespräch geht es um Beginn und Verlauf der Flecken, mögliche Auslöser wie Verletzungen oder Sonnenbrände, Vorbehandlungen, Begleiterkrankungen, Vitiligo oder Autoimmunerkrankungen in der Familie und Ihren Hauttyp. Die Leitlinie arbeitet dazu mit einer Checkliste.
Ausdehnung messen. Die betroffene Fläche wird in Prozent der Körperoberfläche geschätzt. Als Faustregel entspricht Ihre Handfläche samt Fingern etwa einem Prozent. Für Studien und genauere Verlaufskontrollen gibt es Punktwerte wie den VASI. Fotos unter gleichen Bedingungen helfen, Veränderungen später objektiv zu beurteilen.
Wood-Licht. In einem abgedunkelten Raum wird die Haut mit langwelligem UV-Licht beleuchtet. Vitiligo-Flecken leuchten dabei hell auf, auch solche, die bei heller Haut mit bloßem Auge kaum zu sehen sind. Die Lampe zeigt außerdem Zeichen der Aktivität und hilft bei der Abgrenzung gegen andere Ursachen.
Labor und Fragebögen. Neben TSH und TPO-Antikörpern bestimmt die Praxis weitere Werte nur bei konkreten Hinweisen, etwa Vitamin B12 und Folsäure bei Blutarmut. Die Leitlinie empfiehlt außerdem, die Belastung durch die Erkrankung und Anzeichen von Angst oder Depression mit kurzen Fragebögen zu erfassen (zum Beispiel jeweils zwei Fragen aus dem PHQ-2 und GAD-2). Das ist keine Unterstellung, sondern hilft, rechtzeitig Unterstützung anzubieten.
Gewebeprobe. Eine Biopsie ist nur in Einzelfällen nötig, wenn das Bild nicht eindeutig ist.
Andere Ursachen heller Flecken
Nicht jeder weiße oder hellere Fleck ist Vitiligo. Vitiligo ist immer erworben, die Haut ist meist vollständig entfärbt. Wichtige Unterschiede laut Leitlinie:
| Mögliche Ursache | Typische Hinweise |
|---|---|
| Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) | häufige Pilzinfektion der Haut; lässt sich mit einem Hautabstrich unter dem Mikroskop und dem Wood-Licht leicht ausschließen, mehr im Ratgeber Hautpilz |
| Idiopathische getropfte Hypomelanose (Hypomelanosis guttata idiopathica) | häufigste Form heller Flecken überhaupt, vor allem bei älteren Menschen; kleine, scharf begrenzte helle Flecken an Armen und Beinen; die Pigmentzellen bleiben erhalten |
| Progressive makuläre Hypomelanose | helle Flecken vor allem am Rumpf; unter dem Wood-Licht orangerote Punkte an den Haarfollikeln; ein Hautbakterium ist beteiligt, was die Behandlung verändert |
| Aufhellung nach Entzündungen, Pityriasis alba | hellere Stellen nach Neurodermitis, Schuppenflechte, Verbrennungen oder Vereisung; die Haut war vorher entzündet oder verletzt |
| Lichen sclerosus | weißliche, dünne Stellen vor allem im Genitalbereich, oft mit starkem Juckreiz, Schmerzen und Einrissen; kann vernarben und braucht eine eigene Behandlung |
| Angeborene Flecken (z. B. Naevus depigmentosus, Piebaldismus mit weißer Stirnlocke) | angeboren statt erworben; leuchten im Wood-Licht nicht |
| Medikamente und Chemikalien | vitiligoartige Flecken z. B. unter bestimmten Krebs-Immuntherapien oder nach Imiquimod-Creme, nach Kontakt mit Phenolverbindungen |
| Seltene Ursachen | etwa eine helle Form des Hautlymphoms (Mycosis fungoides); bei unklarem Befund klärt eine Biopsie |
Dunkle Pigmentflecken wie Altersflecken sind dagegen das Gegenteil, nämlich zu viel Pigment; sie werden im Ratgeber Altersflecken entfernen erklärt.
Behandlung: Ziele und realistische Erwartungen
Grundlage dieses Ratgebers ist die S2k-Leitlinie „Diagnostik und Therapie der Vitiligo" (AWMF-Registernummer 013-093, Version 2.0, Stand 27. Juli 2026, laut AWMF-Register gültig bis 2031). Sie ersetzt die erste deutschsprachige Leitlinie von 2021 und wurde von Fachgesellschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gemeinsam mit dem Deutschen Vitiligo-Bund im strukturierten Konsens erarbeitet. Eine systematische Bewertung aller Studien gehört bei dieser Stufe nicht dazu, darauf weist die Leitlinie selbst hin. Die Empfehlungen gelten für die typischen Situationen; im Einzelfall kann die Praxis begründet abweichen.
Vor der Therapie steht ein Gespräch über das Ziel. Die Leitlinie unterscheidet drei Ziele: das Fortschreiten stoppen (Stabilisierung), Farbe zurückgewinnen (Repigmentierung) oder, in seltenen Ausnahmefällen, die verbliebene Pigmentierung entfernen (Depigmentierung). Die Entscheidung soll gemeinsam getroffen werden, unter Berücksichtigung von Form, Aktivität, Ausdehnung, Körperstelle, Begleiterkrankungen, seelischer Belastung, Hauttyp und den bisherigen Erfahrungen. Behandeln ist kein Muss: Wer mit den Flecken gut leben kann, darf sich auch gegen eine Therapie entscheiden und sich auf Sonnenschutz beschränken.
Einige Grundregeln helfen, die Erwartungen einzuordnen:
- Geduld. Fast alle Behandlungen brauchen Monate, bevor sich Farbe zeigt. Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor Unterbehandlung, also zu kurzer oder zu sparsamer Anwendung.
- Die Körperstelle entscheidet. Gesicht und Hals sprechen am besten an, Arme, Beine und Rumpf mittelmäßig, Ellenbogen, Hände und Füße kaum. Flecken mit weißen Haaren sind besonders hartnäckig.
- Früh ist besser. Nach klinischen Hinweisen verbessert ein früher Beginn die Aussichten, vor allem bei rasch fortschreitender Vitiligo, bevor Pigmentzellen endgültig verloren sind.
- Rückfälle sind häufig. Auch nach gutem Ansprechen kann die Farbe wieder verschwinden. Manche Behandlungen lassen sich deshalb in niedriger Frequenz zur Vorbeugung fortsetzen.
| Behandlung | Wofür vor allem | Gesetzliche Kasse |
|---|---|---|
| Ruxolitinib-Creme | nicht-segmentale Vitiligo mit Flecken im Gesicht, ab 12 Jahren; erste Wahl laut Leitlinie | verordnungsfähig, Zuzahlung ab 18 |
| Kortisoncreme | begrenzte Flecken am Körper, nicht im Gesicht, höchstens 4 bis 6 Monate | verordnungsfähig, Zuzahlung ab 18 |
| Tacrolimus- oder Pimecrolimus-Salbe | Gesicht, Hautfalten, Kinder unter 12, segmentale Form | für Vitiligo nicht zugelassen, Kostenfrage vorab klären |
| Schmalband-UVB, ganzer Körper | ausgedehnte, aktive oder rasch fortschreitende Vitiligo | Kassenleistung |
| Excimer-Laser oder -Lampe | einzelne Flecken, segmentale oder stabile kleinflächige Vitiligo | Selbstzahlerleistung |
| Kortison-Stoßtherapie (Tabletten) | rasch fortschreitende Vitiligo stoppen | auf Rezept, Zuzahlung ab 18 |
| Upadacitinib (Tablette) | nicht-segmentale Vitiligo ab 12 Jahren, wenn eine innerliche Therapie infrage kommt; seit Juli 2026 zugelassen | auf Rezept, Nutzenbewertung läuft |
| Hauttransplantation | stabile, behandlungsresistente segmentale oder begrenzte Vitiligo | Kostenübernahme vorab klären |
| Depigmentierung | sehr ausgedehnte Vitiligo mit wenig Restpigment, Ausnahmefall | meist Privatrezept |
Cremes und Salben
Ruxolitinib-Creme: die erste speziell zugelassene Behandlung
Seit April 2023 ist in der EU eine Creme mit dem JAK-Hemmer Ruxolitinib (15 mg pro Gramm) zugelassen, und zwar für die nicht-segmentale Vitiligo mit Beteiligung des Gesichts bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren. Die Leitlinie von 2026 empfiehlt sie für diese Gruppe mit starkem Konsens als Erstlinientherapie. Die Creme unterbricht den Entzündungskreislauf über den JAK-STAT-Signalweg, damit verbliebene Pigmentzellen wieder Farbe bilden können.
Was die Studien zeigen. In zwei Zulassungsstudien mit 674 Teilnehmenden erreichten nach 24 Wochen rund 30 von 100 Behandelten im Gesicht eine Wiederfärbung von mindestens 75 Prozent, mit einer wirkstofffreien Creme waren es 7 bis 11 von 100. Nach einem Jahr durchgehender Anwendung waren es etwa 50 von 100 im Gesicht, rund 30 von 100 erreichten mindestens 90 Prozent. Am ganzen Körper hatte nach einem Jahr etwa die Hälfte mindestens 50 Prozent der Farbe zurück. Viele verbesserten sich im zweiten Jahr weiter: Von denen, die nach einem Jahr noch nicht fast vollständig gefärbt waren und weiter cremten, erreichten bis Woche 104 66 von 100 im Gesicht mindestens 75 Prozent. Wie bei allen Vitiligo-Behandlungen sprechen Kopf und Hals am besten an, Hände und Füße am schlechtesten.
Rückfälle. Bei Menschen, die nach einem Jahr fast vollständig wieder Farbe hatten und dann auf eine wirkstofffreie Creme umgestellt wurden, fiel im Folgejahr bei 29 von 100 die Wiederfärbung im Gesicht wieder unter 75 Prozent, unter fortgesetzter Behandlung bei 15 von 100. Mehr als die Hälfte dieser Rückfälle kam in den ersten vier Monaten nach dem Absetzen. Eine erneute Behandlung brachte bei drei von vier Betroffenen im Mittel nach etwa zwölf Wochen wieder eine Wiederfärbung von mindestens 75 Prozent im Gesicht. Wann man aufhört, sollten Sie deshalb mit der Praxis besprechen.
So wird sie angewendet (laut Fachinformation):
- zweimal täglich dünn auf die weißen Stellen, mit mindestens acht Stunden Abstand,
- auf höchstens 10 Prozent der Körperoberfläche gleichzeitig; das entspricht etwa zehn Handflächen samt Fingern,
- nicht mehr als zwei 100-Gramm-Tuben im Monat,
- die behandelten Stellen zwei Stunden lang nicht waschen; andere Cremes, Pflege oder Sonnenschutz frühestens zwei Stunden später auf dieselben Stellen,
- nicht auf Lippen, Augen oder Schleimhäute; danach die Hände waschen, außer die Hände werden behandelt.
Die Leitlinie rät, auch einen etwa einen Zentimeter breiten Rand gesunder Haut um die Flecken mitzubehandeln, weil die Farbe auch vom Rand her zurückkehrt. Oft braucht es mehr als 24 Wochen. Sind nach 52 Wochen weniger als 25 Prozent der behandelten Flächen wieder gefärbt, soll die Behandlung nach der Leitlinie beendet werden.
Nebenwirkungen und Vorsicht. Häufigste Nebenwirkung ist Akne an den behandelten Stellen (bei etwa 6 von 100), dazu leichter Juckreiz. Gelegentlich wurde eine Gürtelrose beobachtet; dann kann die Behandlung pausiert werden. Bei Behandelten wurde vereinzelt weißer Hautkrebs festgestellt, meist bei Menschen mit Risikofaktoren wie früherer Lichttherapie; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt. Fachinformation und Leitlinie empfehlen regelmäßige Hautuntersuchungen. In Schwangerschaft und Stillzeit darf die Creme nicht angewendet werden; Frauen, die schwanger werden können, müssen während der Behandlung und vier Wochen danach zuverlässig verhüten. Ob die Creme mit Lichttherapie kombiniert werden sollte, ist laut Fachinformation nicht belegt. Die Leitlinie empfiehlt eine Kombination mit Ruxolitinib für den Fall, dass Lichttherapie plus Kortison- oder Calcineurin-Salbe nach drei bis sechs Monaten nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird und die Belastung hoch ist, und dann mit Aufklärung über die fehlenden Langzeitdaten.
Kortisoncremes: am Körper, zeitlich begrenzt
Kortisonhaltige Cremes (topische Kortikosteroide) bremsen die Entzündung und können einzelne Flecken wieder färben oder eine aktive, begrenzte Vitiligo stabilisieren. Die Leitlinie empfiehlt sie nur außerhalb des Gesichts und der Hautfalten: Im Gesicht drohen bei längerer Anwendung dünne Haut, sichtbare Äderchen, vermehrter Haarwuchs und Entzündungen um den Mund, an den Augenlidern sogar grüner oder grauer Star. Verwendet werden moderne, stark wirksame Präparate (Klasse III) mit geringem Risiko für Hautverdünnung, etwa mit Mometasonfuroat oder Methylprednisolonaceponat, und zwar höchstens vier bis sechs Monate. Ein mögliches Schema ist drei Monate lang einmal täglich oder sechs Monate lang im Wechsel von zwei Wochen Anwendung und zwei Wochen Pause. Hände, Füße und Flecken mit weißen Haaren sprechen kaum an. Auch Kinder können am Körper behandelt werden, wobei die Aufnahme des Wirkstoffs über die Haut bedacht werden muss.
Tacrolimus und Pimecrolimus: Gesicht, Hautfalten, Kinder
Die Calcineurin-Hemmer Tacrolimus und Pimecrolimus sind nur für die Neurodermitis zugelassen, werden aber seit mehr als 20 Jahren außerhalb der Zulassung (off-label) bei Vitiligo eingesetzt. Sie hemmen die Entzündung und fördern die Pigmentbildung, ohne die Haut zu verdünnen. Deshalb eignen sie sich für Gesicht und Hautfalten. Die Leitlinie nennt sie als mögliche erste Wahl bei nicht-segmentaler Vitiligo ohne Gesichtsbeteiligung, bei der segmentalen Form und bei Kindern unter 12 Jahren.
Angewendet wird zweimal täglich, je nach Ansprechen mindestens sechs bis zwölf Monate. Erste Farbe zeigt sich oft nach 9 bis 24 Wochen. Allein aufgetragen wirken sie vor allem im Gesicht und am Hals: In einer Auswertung erreichten dort 35 von 100 eine Wiederfärbung von mehr als drei Vierteln, an Rumpf, Armen und Beinen nur 2 von 100. Kombiniert mit Lichttherapie stiegen die Werte auf 55 beziehungsweise 16 von 100. Am Körper hilft auch ein Abdecken über Nacht, etwa mit einer Hydrokolloidfolie. Typische Nebenwirkungen sind anfängliches Brennen und Jucken sowie eine Gesichtsrötung nach Alkohol. Ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs oder Lymphome fanden Studien nicht. Ist die Farbe zurück, kann die Salbe zweimal pro Woche weiter aufgetragen werden; in einer Studie sank das Rückfallrisiko im ersten Jahr dadurch von etwa 48 auf 26 Prozent.
Weil die Anwendung bei Vitiligo nicht zugelassen ist, klärt die Praxis mit Ihnen auf, was das bedeutet, und auch, wer die Kosten trägt (siehe Kosten).
Lichttherapie: Schmalband-UVB und Excimer
Schmalband-UVB am ganzen Körper. Die Bestrahlung mit UVB-Licht um 311 Nanometer ist die am besten untersuchte Behandlung der Vitiligo. Sie dämpft die Abwehrreaktion und regt Pigmentzellen und ihre Vorläuferzellen an. Die Leitlinie empfiehlt sie bei ausgedehnter, rasch fortschreitender oder auf Cremes nicht ausreichend ansprechender Vitiligo. Bestrahlt wird zwei- bis dreimal pro Woche mit einer Dosis, die eine gerade sichtbare Rötung erzeugt, mindestens drei bis sechs Monate lang, mit Kontrollen alle acht bis zwölf Wochen.
Was ist realistisch? Eine Metaanalyse von 35 Studien fand nach einem halben Jahr bei durchschnittlich etwa 19 von 100 Behandelten eine Wiederfärbung von mehr als drei Vierteln, nach einem Jahr bei etwa 36 von 100. Bei etwa 80 von 100 kam eine fortschreitende Vitiligo unter zwei bis drei Bestrahlungen pro Woche über drei bis sechs Monate zum Stillstand. Nach erfolgreicher Behandlung kehrten die Flecken innerhalb von ein bis zwei Jahren bei 43 bis 55 von 100 zurück. Am besten sprechen Kopf und Hals an, kaum dagegen Ellenbogen, Hände und Füße. Günstig sind ein dunklerer Hauttyp, eine kurze Krankheitsdauer und Flecken ohne weiße Haare. Die Bestrahlung lässt sich mit Cremes kombinieren, was die Wirkung meist verbessert: im Gesicht mit Tacrolimus oder Pimecrolimus, am Körper mit Kortisoncremes.
Zur Dauer gibt es zwei Leitlinien mit leicht unterschiedlichem Akzent. Die allgemeine UV-Leitlinie (Version 5.0, Stand Januar 2026) rät, die Behandlung zu beenden, wenn sich nach drei bis spätestens sechs Monaten keine Farbe zeigt, und insgesamt 12, höchstens 24 Monate nicht zu überschreiten. Die Vitiligo-Leitlinie hält eine Bestrahlung über ein Jahr hinaus für möglich, solange sich der Befund weiter bessert und kein erhöhtes Hautkrebsrisiko besteht; endet die Besserung, soll die Behandlung beendet werden. Große Auswertungen mit mehr als 110.000 Behandelten fanden nach Schmalband-UVB kein erhöhtes Hautkrebsrisiko, auch nicht nach mehr als 100 Sitzungen. Ablauf, Nebenwirkungen und Vorsichtsregeln erklärt der Ratgeber Lichttherapie beim Hautarzt. Eine PUVA-Therapie mit Tabletten gilt bei Vitiligo als weitgehend überholt, weil Schmalband-UVB besser abschneidet.
Excimer-Laser und Excimer-Lampe. Diese Geräte bündeln UVB-Licht mit 308 Nanometern und bestrahlen nur die Flecken. Das schont die gesunde Haut, verhindert, dass sie dunkler wird und der Kontrast zunimmt, und kommt mit weniger UV-Dosis aus. Die Leitlinie nennt die gezielte Bestrahlung für die segmentale Vitiligo und für stabile, kleinflächige nicht-segmentale Vitiligo, auch bei Kindern, möglichst kombiniert mit einer Creme. Erste Farbe zeigt sich je nach Stelle zwischen der 3. und 20. Sitzung. Nach 24 bis 30 Sitzungen oder sechs Monaten waren im Schnitt etwa ein Viertel der behandelten Flecken zu mehr als drei Vierteln wieder gefärbt, an Rumpf und Unterarmen deutlich mehr, an Hand- und Fußrücken am wenigsten. Nebenwirkungen sind Rötung, Juckreiz, Brennen, trockene Haut und dunklere Ränder. Anders als die Ganzkörperbestrahlung ist die Excimer-Behandlung laut Leitlinie keine Kassenleistung.
Zu Hause bestrahlen? Kleine UVB-Handgeräte schnitten in einer Auswertung nicht schlechter ab als die Bestrahlung in der Praxis. Die Leitlinie weist aber darauf hin, dass die Voraussetzungen dafür im deutschsprachigen Raum noch wenig entwickelt sind. Bestrahlen Sie nie ohne ärztlichen Behandlungsplan, und ein Solarium ist kein Ersatz.
Tabletten: Kortison-Stoßtherapie und JAK-Hemmer
Orale Minipulstherapie. Breitet sich eine Vitiligo rasch aus, kann eine Kortison-Stoßtherapie die Krankheit stabilisieren. Dabei nehmen Betroffene an zwei aufeinanderfolgenden Tagen pro Woche Kortisontabletten ein, gefolgt von fünf Tagen Pause, über etwa drei Monate. Studien berichten bei rasch fortschreitender Vitiligo von einer Stabilisierung bei mehr als 80 von 100. Farbe bringt das Kortison allein meist nicht zurück, deshalb wird es mit Lichttherapie oder Cremes kombiniert. Mögliche Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen, Akne, Schlaf- und Zyklusstörungen sowie eine höhere Infektanfälligkeit; die Behandlung gehört unter regelmäßige ärztliche Kontrolle. Bei Kindern ist sie möglich, aber nur nach besonders sorgfältiger Abwägung mit Blick auf Wachstum und Entwicklung und mit kinderärztlicher Begleitung.
Upadacitinib, der erste zugelassene JAK-Hemmer als Tablette. Seit Juli 2026 ist Upadacitinib in der EU auch für die nicht-segmentale Vitiligo zugelassen, für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren (ab 30 Kilogramm), die für eine innerliche Therapie infrage kommen. Eingenommen wird eine Tablette täglich. In zwei Zulassungsstudien mit 614 Teilnehmenden, die meist schon lange erkrankt waren, erreichten nach 48 Wochen 23 bis 25 von 100 im Gesicht eine Wiederfärbung von mindestens 75 Prozent (mit Placebo 6 bis 7 von 100). Am ganzen Körper hatten 19 bis 21 von 100 mindestens die Hälfte der Farbe zurück (Placebo 6 von 100). Zeigt sich nach 48 Wochen kein Nutzen, soll das Absetzen erwogen werden.
Upadacitinib wirkt im ganzen Körper und hat ein anderes Sicherheitsprofil als eine Creme. Möglich sind Infektionen, Veränderungen der Blutwerte und erhöhte Blutfette. Gürtelrose ist eine häufige Nebenwirkung. Vor Beginn soll deshalb der Impfstatus geprüft werden; fehlende Impfungen einschließlich einer Impfung gegen Gürtelrose werden nur nach Alter, individuellem Risiko, Zulassung und geltenden Impfempfehlungen nachgeholt. Für JAK-Hemmer als Tabletten gelten in der EU seit 2023 besondere Vorsichtsregeln, nachdem in einer großen Studie mit einem anderen JAK-Hemmer schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse, Blutgerinnsel, Krebs und schwere Infektionen häufiger aufgetreten waren als unter TNF-Blockern: Menschen ab 65 Jahren, mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Risikofaktoren dafür, etwa langjährigem Rauchen, oder mit erhöhtem Krebsrisiko sollen sie nur erhalten, wenn es keine geeignete Alternative gibt. Bei Tuberkulose, schweren Infektionen, schwerer Lebererkrankung und in der Schwangerschaft ist das Medikament ausgeschlossen; während der Behandlung und vier Wochen danach ist eine zuverlässige Verhütung nötig. Wichtig zur Einordnung: Die Leitlinie (Stand 27. Juli 2026) berücksichtigt diese Zulassung noch nicht und führt Upadacitinib unter den Wirkstoffen in klinischen Studien. Eine Leitlinienempfehlung, für wen genau die Tablette infrage kommt, gibt es deshalb bisher nicht. Weitere JAK-Hemmer werden in Studien geprüft.
Andere Mittel. Methotrexat, Ciclosporin, Azathioprin oder Minocyclin wurden nur in kleinen Studien mit uneinheitlichen Ergebnissen getestet und sind für Vitiligo nicht zugelassen. Für Biologika gibt es keine ausreichenden Belege; unter TNF-Blockern kann sich eine Vitiligo sogar verschlechtern oder neu auftreten.
Operative Verfahren bei stabiler Vitiligo
Wenn einzelne Stellen seit mindestens zwölf Monaten stabil sind und auf andere Behandlungen nachweislich nicht angesprochen haben, kann eine Transplantation Farbe zurückbringen. Am besten eignen sich laut Leitlinie die segmentale und die begrenzte nicht-segmentale Vitiligo. Operationen kommen erst nach den konservativen Behandlungen, nicht als erster Schritt.
Die Möglichkeiten reichen von winzigen Hautstanzen (Punch-Grafts) über sehr dünne Spalthaut oder Saugblasen-Transplantate bis zu Zellsuspensionen: Dabei wird aus einer kleinen Hautprobe eine Lösung mit Pigmentzellen gewonnen und direkt auf die vorbereitete Fläche aufgebracht. In Studien gelang mit Spalthaut bei 78 bis 91 Prozent und mit nicht kultivierten Zellen bei 66 bis 85 Prozent eine gute Wiederfärbung. Gesicht, Hals, Rumpf und Genitalbereich sprechen besser an als Ellenbogen, Knie und Augenlider. Das Endergebnis ist meist nach etwa zehn Monaten erreicht, oft mit leichten Farbunterschieden. Risiken sind neben Blutungen und Infektionen Farbabweichungen, Narben an der Entnahmestelle, eine pflastersteinartige Oberfläche, kleine Hautgrieß-Zysten und neue Flecken durch die Verletzung. Bei Neigung zu wulstigen Narben (Keloiden) rät die Leitlinie ab. Im Labor vermehrte Pigmentzellen sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht mehr erhältlich. Die Kostenübernahme klären Sie vorab mit Ihrer Versicherung.
Depigmentierung: wenn kaum noch Pigment übrig ist
Bei sehr ausgedehnter Vitiligo, starkem Kontrast und hoher Belastung kann es sinnvoll sein, die verbliebenen dunklen Inseln zu entfärben statt die weißen Flächen zu färben. Die Behandlung ist auf Dauer angelegt und nicht umkehrbar. Die Leitlinie empfiehlt eine sehr sorgfältige Auswahl und ein Gespräch darüber, wie das soziale Umfeld eine bleibend helle Haut aufnehmen wird. Eingesetzt werden eine Bleichcreme mit Monobenzon über viele Monate, für kleinere Flächen Laser, Vereisung oder ein Säurepeeling. Kontaktekzeme unter Monobenzon sind sehr häufig, und bei etwa einem Viertel kehrt in den Monaten danach etwas Pigment zurück. Monobenzon ist in Deutschland nicht als Fertigarzneimittel erhältlich und wird mit Privatrezept über die internationale Apotheke bezogen. Danach ist lebenslang konsequenter Sonnenschutz nötig.
Camouflage, Selbstbräuner und Sonnenschutz
Abdecken. Medizinische Camouflage-Produkte decken die Flecken mit hoher Pigmentdichte ab, sind wasserfest und mit Fixierspray lange haltbar. Die Leitlinie empfiehlt, eine Beratung zu Camouflage oder Korrektur-Make-up anzusprechen. Nach der Vorgängerfassung von 2021 sollte das Make-up täglich und schonend entfernt werden, weil kräftiges Reiben neue Flecken auslösen kann; Kosmetikinstitute und Selbsthilfegruppen bieten Kurse an. Selbstbräuner tönen die Haut für drei bis fünf Tage. Beim Permanent-Make-up nannte die damalige Leitlinie Risiken wie Infektionen, Allergien und Narben und wies darauf hin, dass ein dauerhaft zufriedenstellendes Ergebnis wegen des unvorhersehbaren Verlaufs nicht garantiert ist.
Sonnenschutz. Die weißen Flecken bräunen nicht und verbrennen schnell. Verwenden Sie Sonnenschutz mit hohem UVA- und UVB-Schutz und nutzen Sie Kleidung, Hut und Schatten. Ein Sonnenbrand reizt die Haut, und gereizte Haut kann neue Flecken bilden. Gleichzeitig fördert dosiertes UV-Licht die Wiederfärbung, das ist der Grund für die Lichttherapie. Den Mittelweg, also wie viel Sonne für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit der Praxis, vor allem während einer Behandlung.
Nahrungsergänzung, Antioxidanzien und alternative Angebote
Weil oxidativer Stress an der Entstehung beteiligt ist, werden Antioxidanzien und Pflanzenextrakte als Tabletten oder Cremes angeboten. Die Leitlinie bewertet die Studienlage nüchtern: Als alleinige Behandlung sind sie nicht gut belegt, in Kombination mit Schmalband-UVB gibt es nur kleine Studien mit wechselnden Ergebnissen. Eine Pseudokatalase-Creme schnitt in einer unkontrollierten Studie bei Kindern gut ab, in placebokontrollierten Studien bei Erwachsenen bestätigte sich das nicht. Zu Vitamin-D-Tabletten als Vitiligo-Behandlung enthält die Leitlinie keine Empfehlung. Rezeptfreie Nahrungsergänzungsmittel gehören nicht zu den Kassenleistungen.
Seien Sie skeptisch bei Produkten oder Angeboten, die eine Heilung versprechen. Nach heutigem Stand ist Vitiligo nicht heilbar, und eine wirksame Behandlung braucht eine gesicherte Diagnose und ärztliche Begleitung. Wenn Sie ergänzende Mittel ausprobieren möchten, sprechen Sie das mit Ihrer Praxis ab, damit sie die eigentliche Behandlung nicht verzögern.
Vitiligo bei Kindern
Kinder sind in Studien unterrepräsentiert, viele Empfehlungen beruhen deshalb auf kleineren Untersuchungen. Die Leitlinie nennt für Kinder:
- Tacrolimus- oder Pimecrolimus-Salbe als mögliche erste Wahl unter 12 Jahren, auch im Gesicht (außerhalb der Zulassung),
- Kortisoncremes nur außerhalb des Gesichts und mit Blick auf die Aufnahme über die Haut,
- Lichttherapie im Einzelfall ab etwa sechs Jahren, wenn das Kind die Schutzbrille trägt und ruhig in der Kabine bleibt; Kinder sprechen tendenziell besser an als Erwachsene, und ein erhöhtes Hautkrebsrisiko fand sich bisher nicht,
- die gezielte Bestrahlung einzelner Flecken, die sich wegen der kleinen Fläche besonders eignet,
- eine Kortison-Stoßtherapie nur bei rasch fortschreitender Vitiligo und nach besonders sorgfältiger Abwägung.
Ruxolitinib-Creme und Upadacitinib sind erst ab 12 Jahren zugelassen. Die segmentale Form beginnt typischerweise im Kindesalter und kommt meist nach ein bis zwei Jahren zum Stillstand, was eine frühe Behandlung in dieser Phase umso wichtiger macht. Achten Sie auf die seelische Seite: Manche Kinder werden wegen der Flecken gehänselt oder gemobbt. Dann kann psychologische Unterstützung sinnvoll sein. Der Deutsche Vitiligo-Bund hat ein eigenes Angebot für Kinder (Vitiligo-Kids).
Leben mit Vitiligo: die seelische Belastung ernst nehmen
Vitiligo tut nicht weh, kann aber stark belasten. Die Leitlinie fasst große Auswertungen zusammen: Angstsymptome und depressive Symptome sind bei Menschen mit Vitiligo deutlich häufiger als bei Hautgesunden, in Metaanalysen hatte etwa jede dritte Person Angst- oder depressive Symptome. Besonders belastend sind sichtbare Flecken und Flecken im Genitalbereich, oft unabhängig davon, wie groß die Fläche ist. Viele erleben Blicke, Fragen oder Ausgrenzung und ziehen sich zurück oder meiden bestimmte Situationen; auch Partnerschaft und Sexualität können leiden.
Die Leitlinie empfiehlt deshalb, die Belastung von Anfang an anzusprechen, psychosoziale Hilfe früh zu vermitteln und Selbsthilfeorganisationen zu empfehlen. In Deutschland ist das vor allem der Deutsche Vitiligo-Bund e.V., der als Patientenvertretung an der Leitlinie mitgearbeitet hat und Selbsthilfegruppen, Treffen und Informationen anbietet. Hilfreich kann auch ein zweiter Arzttermin einige Wochen nach der Diagnose sein, wenn sich die ersten Fragen gesetzt haben. Wenn die Erkrankung Ihre Stimmung, Ihren Schlaf oder Ihren Alltag dauerhaft beeinträchtigt, sprechen Sie Ihre Haus- oder Hautarztpraxis auf eine psychotherapeutische Unterstützung an.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Vitiligo ist eine Krankheit, und die zentralen Behandlungen sind für gesetzlich Versicherte grundsätzlich zugänglich. Einige Bausteine zahlen Sie aber selbst, und bei anderen lohnt eine Klärung vorab.
| Leistung | Gesetzliche Krankenversicherung |
|---|---|
| Untersuchung, Wood-Licht, empfohlene Schilddrüsenwerte | Teil der ärztlichen Versorgung bei Vitiligo |
| Schmalband-UVB in der Praxis | Kassenleistung (laut Leitlinie Gebührenordnungsposition 30430 des EBM) |
| Excimer-Laser oder -Lampe | laut Leitlinie Selbstzahlerleistung (IGeL) nach der Gebührenordnung für Ärzte; kein belastbarer Pauschalpreis |
| Ruxolitinib-Creme | verschreibungspflichtig; im Rahmen der Zulassung verordnungsfähig; gesetzliche Zuzahlung ab 18 Jahren |
| Kortisoncremes, Kortisontabletten | verordnungsfähig; gesetzliche Zuzahlung ab 18 Jahren |
| Tacrolimus- oder Pimecrolimus-Salbe | für Vitiligo nicht zugelassen; Kassenleistung nur in Ausnahmefällen; Kostenfrage mit der Praxis klären |
| Upadacitinib | verschreibungspflichtig, für Vitiligo seit Juli 2026 zugelassen; Nutzenbewertung beim G-BA läuft; gesetzliche Zuzahlung ab 18 Jahren |
| Hauttransplantation | Kostenübernahme vorab mit der Kasse klären; aufwendige Zellverfahren werden laut Leitlinie in aller Regel nicht übernommen |
| Monobenzon zur Depigmentierung | Privatrezept über die internationale Apotheke |
| Camouflage-Produkte und Kurse | Kosmetika; eine Kostenübernahme konnten wir nicht belegen, fragen Sie im Einzelfall nach |
| Antioxidanzien, Nahrungsergänzung | keine Kassenleistung |
Zuzahlung. Für verordnete Arzneimittel zahlen gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Packung, jedoch nie mehr als das Mittel kostet.
Kein Lifestyle-Ausschluss. Arzneimittel, die vor allem der Lebensqualität dienen, sind von der Kassenversorgung ausgeschlossen und in Anlage II der Arzneimittel-Richtlinie aufgelistet. Diese Liste (Stand August 2025) enthält weder ein Anwendungsgebiet Vitiligo noch Ruxolitinib oder Upadacitinib. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte 2019 geprüft, ein Beta-Carotin-Präparat für Vitiligo dort aufzunehmen, das Verfahren 2020 aber eingestellt. Für die Ruxolitinib-Creme liegt bei Vitiligo kein Beschluss des G-BA zur Nutzenbewertung vor; der G-BA nennt die Creme 2026 aber neben der Schmalband-UVB-Therapie als Teil der Vergleichstherapie für die Bewertung von Upadacitinib. Die Leitlinie rät Praxen, die behandelte Fläche und die verordnete Menge zu dokumentieren, um Rückfragen zur Wirtschaftlichkeit vorzubeugen. Ob Sie die Creme auf Kassenrezept erhalten, entscheidet die Praxis im Einzelfall.
Off-Label-Salben. Eine Anwendung außerhalb der Zulassung ist nach Angaben des G-BA nur in Ausnahmefällen eine Kassenleistung. Tacrolimus und Pimecrolimus stehen für Vitiligo nicht auf der Liste der im Off-Label-Use verordnungsfähigen Wirkstoffe (Anlage VI, Stand Juni 2026). Fragen Sie deshalb, ob Sie ein Kassen- oder ein Privatrezept erhalten.
Upadacitinib. Für die Vitiligo-Anwendung hat der G-BA am 15. Oktober 2026 eine Nutzenbewertung begonnen; die Bewertung soll im Januar 2027 veröffentlicht werden, ein Beschluss steht noch aus.
Privat Versicherte erhalten eine Rechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte; was erstattet wird, hängt vom Tarif ab.
Wann zum Arzt?
Vereinbaren Sie einen Termin in der Hautarztpraxis, wenn
- neue weiße oder deutlich hellere Flecken auftreten, deren Ursache nicht geklärt ist,
- Flecken im Gesicht, an den Augenlidern, an den Händen oder im Genitalbereich entstehen,
- ein Kind helle Flecken bekommt,
- sich ein weißer Hof um ein Muttermal bildet; lassen Sie ihn ansehen, vor allem wenn sich das Muttermal selbst verändert,
- Sie unter einer Krebs-Immuntherapie helle Flecken bemerken; informieren Sie dann auch Ihr onkologisches Behandlungsteam.
Möglichst rasch, innerhalb weniger Tage, sollten Sie sich vorstellen, wenn
- sich die Flecken schnell ausbreiten, also innerhalb von Wochen bis drei Monaten viele neue Flecken entstehen oder bestehende deutlich wachsen; dann kann eine frühe Behandlung Pigmentzellen retten,
- weiße Stellen im Intimbereich jucken, brennen, schmerzen, einreißen oder Beschwerden beim Wasserlassen machen, denn dahinter kann ein Lichen sclerosus stecken.
Während einer Behandlung rufen Sie noch am selben Tag in der Praxis an (außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117), wenn
- unter Ruxolitinib-Creme oder Upadacitinib ein schmerzhafter Ausschlag mit Bläschen auftritt, der auf eine Gürtelrose hindeutet,
- nach einer Lichttherapie eine schmerzhafte Rötung, Schwellung oder Blasen entstehen,
- Sie unter Upadacitinib Fieber, Schüttelfrost oder andere Zeichen einer ernsten Infektion bekommen,
- Sie unter Ruxolitinib-Creme oder Upadacitinib schwanger werden.
Rufen Sie den Notruf 112, wenn unter Upadacitinib plötzlich Atemnot, Brustschmerzen, Lähmungen oder Sprachstörungen auftreten; ein plötzlich geschwollenes, schmerzhaftes Bein lassen Sie noch am selben Tag ärztlich abklären.
Seelische Krisen. Wenn die Belastung so groß wird, dass Sie an Suizid denken, holen Sie sich sofort Hilfe: über den Notruf 112 oder die TelefonSeelsorge, die kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar ist.
Hausarzt oder Internist sind die richtige Anlaufstelle, wenn Laborwerte auf eine Schilddrüsenerkrankung, Diabetes oder Blutarmut hindeuten. Einen Überblick über weitere Hauterkrankungen finden Sie unter Hautkrankheiten.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Therapie in Ihrem Fall geeignet ist, entscheidet Ihre Hautärztin oder Ihr Hautarzt gemeinsam mit Ihnen.
Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)
Gesetzliche Kasse (GKV): Die Lichttherapie mit Schmalband-UVB ist bei Vitiligo eine Kassenleistung. Zugelassene verschreibungspflichtige Cremes und Tabletten können zulasten der Kasse verordnet werden; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen je Packung 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Die Excimer-Behandlung ist laut Leitlinie eine Selbstzahlerleistung, Nahrungsergänzungsmittel zahlt die Kasse nicht. Bei Salben außerhalb der Zulassung, Operationen und Camouflage die Kosten vorher klären.
Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo (013-093), Version 2.0, Stand 27.07.2026 (abgerufen 2026-10-21)
- AWMF-Leitlinienregister: Eintrag 013-093 (Version 2.0, gültig bis 2031) (abgerufen 2026-10-21)
- AWMF S1-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Vitiligo (2021, Vorgängerfassung, durch die S2k-Leitlinie 2026 ersetzt) (abgerufen 2026-10-21)
- EMA: Produktinformation Ruxolitinib-Creme 15 mg/g (Fachinformation, deutsch) (abgerufen 2026-10-21)
- EMA: Produktinformation Upadacitinib (Fachinformation, deutsch), Anwendungsgebiet Vitiligo seit 24.07.2026 (abgerufen 2026-10-21)
- EMA: EPAR-Übersicht Upadacitinib (Anwendungsgebiete, Einschränkungen, Sicherheitsmaßnahmen) (abgerufen 2026-10-21)
- EMA: Maßnahmen zur Minimierung schwerer Nebenwirkungen von JAK-Inhibitoren (Artikel-20-Verfahren, 10.03.2023) (abgerufen 2026-10-21)
- Rosmarin D et al.: Two Phase 3, Randomized, Controlled Trials of Ruxolitinib Cream for Vitiligo (N Engl J Med 2022) (abgerufen 2026-10-21)
- Seneschal J et al.: Expertenempfehlungen der International Vitiligo Task Force, Teil 2: Therapie (J Eur Acad Dermatol Venereol 2023) (abgerufen 2026-10-21)
- AWMF S1-Leitlinie Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie (013-029), Version 5.0, Stand 09.01.2026 (abgerufen 2026-10-21)
- G-BA: Nutzenbewertungsverfahren Upadacitinib, neues Anwendungsgebiet nicht-segmentale Vitiligo (begonnen 15.10.2026) (abgerufen 2026-10-21)
- G-BA: Informationen zur zweckmäßigen Vergleichstherapie bei nicht-segmentaler Vitiligo (Stand September 2026) (abgerufen 2026-10-21)
- G-BA: Arzneimittel-Richtlinie Anlage II, Lifestyle-Arzneimittel (Stand 20.08.2025) (abgerufen 2026-10-21)
- G-BA: Einstellung des Verfahrens zur Ergänzung der Anlage II für das Anwendungsgebiet Vitiligo (Beschluss vom 20.08.2020) (abgerufen 2026-10-21)
- G-BA: Off-Label-Use, Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten (abgerufen 2026-10-21)
- SGB V § 61: Zuzahlungen (abgerufen 2026-10-21)
- gesund.bund.de (mit IQWiG): Vitiligo (Weißfleckenkrankheit), Stand 20.04.2021 (abgerufen 2026-10-21)
- gesund.bund.de: Lichen sclerosus, Symptome und Therapie (abgerufen 2026-10-21)
- Deutscher Vitiligo-Bund e.V. (Selbsthilfeorganisation) (abgerufen 2026-10-21)
- TelefonSeelsorge Deutschland: kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar (abgerufen 2026-10-21)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.