
Lichen planus (Knötchenflechte): Haut, Mund, Behandlung & Krebsrisiko
Was Lichen planus (Knötchenflechte, Lichen ruber planus) ist, warum er nicht ansteckend ist und wie er sich an Haut, Mundschleimhaut, Genitalbereich, Kopfhaut und Nägeln zeigt. Dazu Auslöser wie Medikamente, die Rolle von Hepatitis C und Amalgam, der Verlauf, die Behandlung nach der europäischen Leitlinie, das Krebsrisiko im Mund in Zahlen, Mundpflege, Kosten und wann Sie zum Arzt sollten.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 22.10.2026
Lichen planus, auf Deutsch Knötchenflechte und oft auch Lichen ruber planus genannt, ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die Haut, Mundschleimhaut, Genitalbereich, Kopfhaut und Nägel betreffen kann. An der Haut zeigt er sich mit stark juckenden, flachen, rötlich-violetten Knötchen, typischerweise an den Beugeseiten der Handgelenke und an den Unterschenkeln. Diese Hautform heilt bei den meisten Betroffenen innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst ab. Im Mund, im Genitalbereich, an der Kopfhaut und an den Nägeln verläuft Lichen planus dagegen meist chronisch. Behandelt wird zuerst mit Kortison zum Auftragen, bei schweren Verläufen auch mit Lichttherapie oder Tabletten. Eine eigene deutsche Leitlinie gibt es nicht; Orientierung gibt eine europäische Leitlinie von 2020, deren Gültigkeit bis März 2022 angegeben war. Weil sich auf chronisch entzündeter Mund- oder Genitalschleimhaut selten Krebs entwickeln kann, gehören dort regelmäßige Kontrollen dazu.
Was ist Lichen planus?
Beim Lichen planus richten sich Abwehrzellen des eigenen Immunsystems, vor allem bestimmte T-Zellen, gegen Zellen der Haut oder Schleimhaut. Warum das geschieht, ist nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen von einem Zusammenspiel aus Veranlagung und Auslösern aus, etwa Medikamenten oder Infektionen. Mit mangelnder Hygiene hat Lichen planus nichts zu tun.
Unterschieden werden drei Hauptformen, die einzeln oder gleichzeitig auftreten können: der Lichen planus der Haut, der Schleimhaut (vor allem im Mund, dort auch Lichen ruber mucosae oder oraler Lichen planus genannt) und der Kopfhaut (Lichen planopilaris). Hinzu kommt der Befall der Nägel.
Wie häufig ist Lichen planus? Die Schätzungen der europäischen Leitlinie reichen von etwa 0,1 bis gut 1 Prozent der Bevölkerung. Am häufigsten beginnt er zwischen 30 und 60 Jahren, bei Kindern ist er selten. An der Haut erkranken Frauen und Männer etwa gleich oft, beim Lichen planus im Mund sind 60 bis 75 Prozent der Betroffenen Frauen. Für den oralen Lichen planus kam eine weltweite Auswertung von 46 Studien auf knapp 0,9 Prozent der Bevölkerung, mit höheren Werten ab 40 Jahren.
Begleiterkrankungen. Menschen mit Lichen planus haben laut europäischer Leitlinie häufiger andere Erkrankungen des Immunsystems, etwa kreisrunden Haarausfall, Vitiligo oder einen Lichen sclerosus, beim Befall des Mundes auch häufiger Schilddrüsenerkrankungen. Außerdem treten erhöhte Blutfette öfter auf; die Leitlinie empfiehlt deshalb, die Blutfettwerte zu kontrollieren.
Symptome: Woran erkennt man Lichen planus?
Wie Lichen planus aussieht, hängt stark davon ab, wo er auftritt. Etwa jede fünfte betroffene Person hat laut europäischer Leitlinie gar keine Beschwerden, und im Mund bleibt die Erkrankung oft lange unbemerkt.
An der Haut
Typisch sind flache, glänzende, vieleckige Knötchen mit rötlich-violetter Farbe, die oft stark jucken. Auf dunkler Haut wirken sie eher braun. Bei genauem Hinsehen, besonders mit Lupe oder Dermatoskop, zeigt sich auf den Knötchen ein feines weißliches Netz, die sogenannte Wickham-Streifung. Bevorzugte Stellen sind:
- die Beugeseiten der Handgelenke und die Unterarme,
- die Unterschenkel, vor allem an der Schienbeinseite,
- der untere Rücken und die Kreuzbeinregion,
- seltener Rumpf, Genitalbereich oder Gesicht.
Die Knötchen stehen oft in Gruppen, verteilen sich meist auf beiden Körperseiten gleich und können zu größeren Flächen zusammenfließen. Neue Knötchen entstehen gern dort, wo die Haut gereizt wurde, etwa entlang von Kratzspuren, so dass sie wie eine Linie aussehen. Fachleute nennen das Köbner-Phänomen. Meist beginnt der Ausschlag plötzlich an Armen oder Beinen; bei etwa einem Drittel breitet er sich nach einer Woche oder später über größere Teile des Körpers aus.
Nach dem Abheilen bleiben häufig bräunliche Flecken zurück, besonders bei dunkler Haut. Sie können lange bestehen bleiben, sind aber keine aktive Entzündung mehr.
Sonderformen. An den Schienbeinen kann sich ein hypertropher Lichen planus (Lichen planus verrucosus) mit dicken, warzenartig verhornten Platten bilden. Er juckt besonders stark, verläuft oft über Jahre und tritt häufig zusammen mit einer Venenschwäche der Beine auf. Weil sich in seltenen Fällen auf solchen Herden weißer Hautkrebs entwickeln kann, gehören sie in ärztliche Verlaufskontrolle. Daneben gibt es seltene Formen mit Bläschen, ringförmigen Herden, Befall der Hautfalten oder einer Verteilung über den ganzen Körper.
Im Mund
Der Lichen planus der Mundschleimhaut ist die häufigste Schleimhautform. Laut MSD Manual ist bei etwa der Hälfte der Menschen mit Lichen planus der Mund mitbetroffen. Es gibt zwei Grundformen, oft auch Mischformen:
- Netzartige (retikuläre) Form: feine, weißliche Streifen und Netze, meist an der Innenseite der Wangen, an der Zunge oder am Zahnfleisch. Sie macht meist wenig oder keine Beschwerden; manche bemerken nur eine leichte Rauigkeit.
- Erosive Form: gerötete, wunde oder offene Stellen, die brennen und schmerzen, besonders bei scharfen oder sauren Speisen. Am Zahnfleisch kann sie wie eine hartnäckige Zahnfleischentzündung aussehen. In schweren Fällen ist Essen so schmerzhaft, dass die Ernährung leidet.
Der Lichen planus der Schleimhaut wird häufig spät erkannt. In einer Studie mit 72 Betroffenen an sechs deutschen Universitätskliniken vergingen vom Beginn der Beschwerden bis zur Diagnose im Mittel 18 Monate, und die Befragten hatten im Schnitt drei verschiedene Ärztinnen oder Ärzte aufgesucht. Gut ein Viertel von ihnen hatte zusätzlich Herde an der Haut.
Im Genitalbereich
Bei Frauen kann Lichen planus die Vulva und, anders als der Lichen sclerosus, auch die Scheide befallen. Typisch sind Brennen, Wundsein, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und gerötete, wunde Stellen. Die erosive Form kann zu Verklebungen und einer Verengung der Scheide führen. Tritt sie zusammen mit wunden Stellen am Zahnfleisch auf, sprechen Fachleute vom vulvovaginal-gingivalen Syndrom. Mund und Vulva können gleichzeitig betroffen sein; deshalb soll die Praxis bei oralem Lichen planus gezielt nach Beschwerden im Genitalbereich fragen. Bei Männern zeigt er sich vor allem an der Eichel, oft als ringförmige oder wunde Stellen.
Genitaler Lichen planus wird leicht übersehen oder verwechselt. Die europäische Leitlinie rät deshalb, Menschen mit Lichen planus immer auch nach Beschwerden im Genitalbereich zu fragen. Sie dürfen das Thema in der Praxis auch selbst ansprechen.
Lichen planus oder Lichen sclerosus? Beide Namen klingen ähnlich, und im Intimbereich sehen sich die Erkrankungen manchmal zum Verwechseln ähnlich. Der Lichen sclerosus betrifft meist den Genital- und Analbereich, kann aber auch außerhalb davon auftreten; die Scheide spart er typischerweise aus. Der Lichen planus kann dagegen auch Scheide, Mund, Haut, Kopfhaut und Nägel befallen. Oft klärt erst eine Gewebeprobe, welche Erkrankung vorliegt; selten bestehen beide nebeneinander. Mehr dazu im Ratgeber zum Lichen sclerosus.
An der Kopfhaut
Der Lichen planopilaris greift die Haarwurzeln an. An der Kopfhaut zeigen sich Rötung und Schuppung rund um die Haare, später glatte, glänzende, kahle Stellen, an denen keine Haaröffnungen mehr zu sehen sind. Oft jucken, brennen oder schmerzen die Stellen. Weil die Haarwurzeln dabei vernarben, ist der Haarverlust an diesen Stellen meist dauerhaft. Eine Sonderform ist die frontal fibrosierende Alopezie: Sie betrifft vor allem Frauen nach den Wechseljahren, lässt den Haaransatz an Stirn und Schläfen langsam zurückweichen und kann auch zum Verlust der Augenbrauen führen.
Je früher die Entzündung gebremst wird, desto mehr Haarwurzeln bleiben erhalten. Wer an der Kopfhaut Jucken, Brennen oder Rötung zusammen mit Haarausfall bemerkt, sollte das zeitnah abklären lassen. Einen Überblick über die vielen Ursachen von Haarverlust gibt der Ratgeber Haarausfall.
An den Nägeln
Bei etwa 10 Prozent der Menschen mit Lichen planus der Haut sind die Nägel betroffen. Typisch sind dünnere Nägel, Längsrillen und Nägel, die vorne einreißen. Schreitet die Entzündung fort, kann die Haut am Nagelansatz mit dem Nagelbett verwachsen (Pterygium), bis hin zum dauerhaften Verlust des Nagels. Nagelveränderungen haben viele Ursachen, nicht nur Nagelpilz; bei Lichen planus kommt es darauf an, früh zu behandeln.
Seltene Orte
Selten befällt Lichen planus die Speiseröhre. Dann kann Schlucken schmerzen, oder Essen bleibt stecken, weil sich Engstellen bilden. Laut europäischer Leitlinie halten manche Fachleute bei Menschen mit Lichen planus und solchen Beschwerden eine Spiegelung der Speiseröhre für angebracht. Sehr selten sind die Augen betroffen, etwa mit einer hartnäckigen Bindehautentzündung oder Vernarbungen an den Tränenwegen.
Ähnliche Erkrankungen
Juckende Knötchen, weiße Stellen im Mund oder wunde Schleimhaut haben viele mögliche Ursachen. Die Unterscheidung gehört in ärztliche Hände, weil sich die Behandlung zum Teil deutlich unterscheidet.
| Erkrankung | Was anders ist |
|---|---|
| Lichenoide Arzneimittelreaktion | sieht aus wie Lichen planus, wird aber durch ein Medikament ausgelöst; kann sich bessern, wenn das Mittel ärztlich ersetzt wird |
| Lichen sclerosus | meist im Genital- und Analbereich, aber auch extragenital möglich; Scheide typischerweise frei; weißliche, feste oder dünne Haut |
| Schuppenflechte | scharf begrenzte rote Herde mit silbrig-weißer Schuppung, oft an Ellenbogen, Knien und Kopfhaut |
| Ekzem | juckt ebenfalls, aber meist unscharf begrenzt und nässend oder schuppend, ohne violette, glänzende Knötchen |
| Mundsoor (Candida) | weiße Beläge, die sich meist abwischen lassen; kann einen oralen Lichen planus auch zusätzlich überlagern |
| Leukoplakie | weißer Fleck im Mund, der sich nicht abwischen lässt und kein Netzmuster zeigt; muss ebenfalls ärztlich abgeklärt werden |
| Blasenbildende Autoimmunerkrankungen (Pemphigus, Schleimhautpemphigoid) | ebenfalls wunde Stellen an Zahnfleisch und Mund; Abgrenzung über Gewebeprobe mit Immunfluoreszenz |
| Lupus erythematodes | kann an Haut und Mund ähnlich aussehen; Abgrenzung über Gewebeprobe mit Immunfluoreszenz |
Wie sich ein neuer Ausschlag allgemein einordnen lässt und welche Warnzeichen es gibt, beschreibt der Ratgeber Hautausschlag.
Ursachen und Auslöser
Medikamente
Eine Reihe von Medikamenten kann eine lichenoide Arzneimittelreaktion auslösen, die einem Lichen planus an Haut oder Mund gleicht. Die europäische Leitlinie und das MSD Manual nennen unter anderem:
- Blutdruckmittel wie ACE-Hemmer und Betablocker sowie entwässernde Mittel (Diuretika) wie Hydrochlorothiazid,
- Schmerz- und Rheumamittel aus der Gruppe der NSAR,
- Malariamittel, Goldsalze und Penicillamin,
- Sulfonylharnstoffe gegen Diabetes,
- TNF-Blocker, wie sie bei Rheuma oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden,
- einige Krebsmedikamente, darunter Imatinib, sowie einzelne Impfstoffe.
Auch Krebs-Immuntherapien mit Checkpoint-Hemmern können lichenoide Veränderungen im Mund auslösen, meist im ersten Behandlungsjahr. Weil die Reaktion mit Verzögerung auftreten kann, berücksichtigt die europäische Leitlinie Medikamente aus den zwei Jahren vor Beginn der Beschwerden. Bringen Sie deshalb eine vollständige Medikamentenliste zum Termin mit.
Wichtig: Setzen Sie ein verdächtiges Medikament nicht eigenmächtig ab, gerade wenn es um Blutdruck, Herz oder eine Krebsbehandlung geht. Ob ein Wechsel sinnvoll und möglich ist, entscheiden die verordnende Praxis und die Hautarztpraxis gemeinsam.
Hepatitis C
Ein Zusammenhang mit der Virusinfektion Hepatitis C ist seit Langem bekannt, aber nicht überall gleich stark. In einer Metaanalyse von 2010 hatten Menschen mit Lichen planus deutlich häufiger eine Hepatitis C als Vergleichspersonen; die statistische Kennzahl (Odds Ratio) lag bei knapp 5. Der Zusammenhang hängt jedoch von der Region ab: In einer Studie aus Mitteldeutschland mit 143 Menschen mit oralem Lichen planus fand sich keine einzige Hepatitis-C-Infektion, und die Autoren hielten einen routinemäßigen Test dort nicht für angezeigt. Die europäische Leitlinie empfiehlt einen Test vor allem für Menschen aus Regionen, in denen Hepatitis C häufig ist, etwa aus Afrika, dem Nahen Osten oder Asien. Ob ein Bluttest bei Ihnen sinnvoll ist, entscheidet die Praxis anhand Ihrer Vorgeschichte.
Amalgam und andere Zahnmaterialien
Im Mund gibt es eine wichtige Unterscheidung. Sitzen die weißen oder geröteten Stellen nur dort, wo die Schleimhaut eine Füllung berührt, etwa an der Wangenschleimhaut direkt neben einer Amalgamfüllung, spricht man von einer oralen lichenoiden Läsion. Sie kann eine Kontaktreaktion auf das Füllungsmaterial sein. In einer Studie mit 81 Betroffenen besserten sich solche Kontaktreaktionen nach dem Austausch der berührenden Amalgamfüllungen bei 93 Prozent, beim eigentlichen oralen Lichen planus ohne Bezug zu Füllungen dagegen nicht.
Eine neuere Metaanalyse von Beobachtungsstudien kommt ebenfalls zu deutlich höheren Abheilungschancen nach einem gezielten Austausch, vor allem bei direktem Kontakt und positivem Allergietest; die Autoren weisen aber auf Hinweise für eine verzerrte Studienauswahl und auf eine nur mäßige Aussagekraft hin. Für den Austausch aller Füllungen gibt es laut einer Fachübersicht keinen Beleg. Die europäische Leitlinie empfiehlt einen Allergietest (Epikutantest), wenn Herde direkt an Füllungen grenzen. Ein Austausch sollte also gezielt und nach gemeinsamer Abwägung von Zahnarzt- und Hautarztpraxis erfolgen.
Stress und andere Faktoren
Stress, Ängste und Depressionen werden mit Lichen planus in Verbindung gebracht. Ob sie ihn auslösen oder eher eine Folge der belastenden Erkrankung sind, ist umstritten. Rauchen und Alkohol erhöhen beim Lichen planus im Mund das Krebsrisiko; die europäische Leitlinie hält es für manche Betroffene für angezeigt, darauf und auf scharfe Speisen zu verzichten.
Diagnose
Oft erkennt die Hautärztin oder der Hautarzt einen klassischen Lichen planus der Haut schon am Aussehen, unterstützt durch das Dermatoskop. Zur Sicherung wird häufig eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen, am besten vom Rand eines typischen Herdes. Eine Probe aus dem Grund eines Geschwürs ist dagegen oft nicht aussagekräftig. Die Probe wird unter örtlicher Betäubung entnommen und feingeweblich untersucht, bei wunden Schleimhautstellen oft zusätzlich mit einer Immunfluoreszenz, um blasenbildende Autoimmunerkrankungen abzugrenzen.
Im Mund gilt: Wenn das Bild nicht eindeutig ist, wenn es wunde oder verdickte Stellen gibt oder wenn die Behandlung mit Kortison nicht anschlägt, ist eine Gewebeprobe besonders wichtig. Fehlendes Ansprechen auf Kortison ist laut zahnmedizinischer Leitlinie zu Vorstufen von Mundhöhlenkrebs ein Grund mehr für eine Biopsie. Für die Verlaufskontrolle unauffälliger Herde nutzen Zahnarztpraxen manchmal eine schonende Bürstenbiopsie, die aber weniger zuverlässig ist als eine Gewebeprobe mit dem Skalpell.
Zur Abklärung gehören außerdem:
- eine genaue Medikamentenliste der letzten Jahre,
- je nach Herkunft und Vorgeschichte ein Test auf Hepatitis C, laut MSD Manual auch auf Hepatitis B,
- die Blutfettwerte, wie die europäische Leitlinie empfiehlt,
- bei Herden an Zahnfüllungen eventuell ein Allergietest,
- die Frage nach Beschwerden an anderen Orten, auch im Genitalbereich, an der Kopfhaut, beim Schlucken und an den Augen.
Verlauf: Heilt Lichen planus wieder ab?
Das hängt von der Form ab.
- Haut: Der klassische Lichen planus der Haut klingt laut europäischer Leitlinie bei mehr als der Hälfte der Betroffenen innerhalb von sechs Monaten ab, bei rund 85 Prozent innerhalb von 18 Monaten. Rückfälle sind möglich. Die bräunlichen Flecken danach können lange bleiben. Der hypertrophe Lichen planus an den Schienbeinen verläuft dagegen oft über Jahre.
- Mund und Genitalbereich: Hier ist Lichen planus meist eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft und häufig schwer zu behandeln ist. Ziel ist, Beschwerden zu lindern, Narben zu verhindern und Veränderungen früh zu erkennen.
- Kopfhaut und Nägel: Die Entzündung kann Haarwurzeln und Nagelbett dauerhaft zerstören. Laut europäischer Leitlinie wird etwa die Hälfte der Menschen mit Nagelbefall trotz Behandlung nicht geheilt. Umso wichtiger ist ein früher Beginn.
Behandlung
Lichen planus lässt sich bisher nicht ursächlich heilen. Die Behandlung lindert Juckreiz und Schmerzen, beschleunigt das Abheilen und soll Narben verhindern. Eine eigene deutsche Leitlinie gibt es nicht; eine Übersicht zu dermatologischen Leitlinien von 2021 bezeichnet die europäische Leitlinie als Lückenschluss für Deutschland. Diese europäische S1-Leitlinie des European Dermatology Forum und der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie ist 2020 erschienen, beruht auf Expertenkonsens und Literatur bis 2018 und war laut Deckblatt bis März 2022 gültig. Eine Neufassung haben wir bei unserer Recherche im Oktober 2026 nicht gefunden.
Zwei Dinge sollten Sie wissen:
- Die Studienlage ist dünn. Selbst für Kortison, den Standard, fehlen große, gut gemachte Vergleichsstudien. Vieles beruht auf Erfahrung und kleineren Studien.
- Vieles ist Off-Label. Acitretin ist laut der zitierten deutschen Fachinformation nur zur symptomatischen Behandlung schwerster, konventionell nicht behandelbarer Formen an Haut und Schleimhäuten zugelassen. Bei Glukokortikoiden und jedem anderen konkreten Präparat muss die Praxis prüfen, ob die Zulassung zu Ihrer Form passt; viele Mittel werden außerhalb ihrer Zulassung eingesetzt. Das ist auch für die Kostenübernahme wichtig.
Welche Behandlung im Einzelfall passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Praxis, je nach Ort, Ausdehnung, Beschwerden, Begleiterkrankungen und Lebenssituation.
Lichen planus der Haut
| Stufe laut europäischer Leitlinie | Möglichkeiten | Wichtig zu wissen |
|---|---|---|
| Erste Wahl | stark oder sehr stark wirksames Kortison als Creme oder Salbe; bei dicken Herden Kortison als Spritze direkt in den Herd; reicht das nicht, Kortison als Tabletten oder Spritze für einige Wochen; Acitretin; Ciclosporin | Kortison zum Auftragen ist der Standard, obwohl gute Vergleichsstudien fehlen; Kortison als Tabletten nur kurz |
| Zweite Wahl | Lichttherapie mit UVB, auch kombiniert mit Acitretin; Tacrolimus- oder Pimecrolimus-Salbe; Sulfasalazin | Lichttherapie als Serie in der Praxis |
| Weitere Möglichkeiten | unter anderem Hydroxychloroquin, Methotrexat, Mycophenolat, Azathioprin, photodynamische Therapie, Excimer-Licht | meist wenige, kleine Studien; Off-Label |
Gegen den Juckreiz helfen neben der Behandlung der Entzündung Tabletten gegen Juckreiz (Antihistaminika) und Cremes mit kühlenden oder juckreizlindernden Zusätzen wie Menthol oder Polidocanol. Müde machende Antihistaminika wirken bei starkem Juckreiz laut europäischer Leitlinie manchmal besser, können aber tagsüber müde machen und die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen, etwa im Straßenverkehr.
Weil der klassische Lichen planus der Haut meist von selbst abheilt, rät die europäische Leitlinie, den Nutzen einer Behandlung immer gegen ihre Nebenwirkungen abzuwägen. Ein klinischer Leitfaden aus den Universitätshautkliniken Berlin und Tübingen in der Zeitschrift der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft empfiehlt zu Beginn Kortison zum Auftragen, ergänzt bei Bedarf durch eine Lichttherapie mit UVB oder PUVA. Wie eine Bestrahlungsserie abläuft und welche Risiken sie hat, erklärt der Ratgeber Lichttherapie.
Lichen planus im Mund
Die Behandlung im Mund ist oft mühsam. Wer keine Beschwerden hat, braucht laut MSD Manual meist keine Behandlung, wohl aber Kontrollen. Bei Brennen, Schmerzen oder wunden Stellen kommen in Frage:
- Kortison zum Auftragen ist die erste Wahl, als Haftsalbe, Gel, Mundspülung oder Spray. Üblich ist laut europäischer Leitlinie eine Anwendung zweimal täglich über ein bis zwei Monate, danach nach Bedarf. Wie Sie das Mittel genau auftragen oder spülen, zeigt Ihnen die Praxis.
- Kortison als Spritze in hartnäckige wunde Stellen ist möglich, aber schmerzhaft.
- Kortison als Tabletten kommt bei ausgedehnten, sehr schmerzhaften erosiven Formen als kurzer Stoß in Frage, nicht als Dauerbehandlung.
- Tacrolimus oder Pimecrolimus gelten als zweite Wahl, wenn Kortison nicht reicht. Sie wirken in Studien ähnlich gut wie Kortison, brennen aber häufiger. Für den Mund sind sie nicht zugelassen; die Fachinformation der Tacrolimus-Salbe nimmt Schleimhäute ausdrücklich aus. Der Einsatz ist deshalb eine bewusste Off-Label-Entscheidung.
- Retinoide wie Acitretin als Tablette oder Isotretinoin zum Auftragen werden in der europäischen Leitlinie genannt. Die weißen Stellen können unter Retinoiden zum Auftragen verschwinden, kamen nach dem Absetzen in allen beschriebenen Fällen aber innerhalb von zwei bis fünf Wochen wieder. In der deutschen Querschnittsstudie waren nur 8 Prozent der Befragten mit Retinoiden mittel bis sehr zufrieden.
- Weitere Tabletten wie Ciclosporin, Hydroxychloroquin, Azathioprin, Mycophenolat oder Methotrexat kommen bei schweren Verläufen in Frage, alle außerhalb ihrer Zulassung.
Eine aktuelle Übersicht in der Fachzeitschrift Dermatologie hält fest, dass auch Kortison im Mund nur schwach durch Studien belegt ist; eine Cochrane-Auswertung von 35 Studien mit knapp 1.500 Menschen fand im Vergleich zu einem Scheinmedikament vor allem eine bessere Chance auf Schmerzlinderung. Ein Standard für alle gibt es nicht. In der deutschen Querschnittsstudie bekamen 68 Prozent der Befragten mindestens ein innerlich wirkendes Medikament, und solche Mittel wurden am häufigsten abgesetzt, weil sie nicht ausreichend wirkten.
Gegen Schmerzen beim Essen können laut MSD Manual betäubende Mundspülungen mit Lidocain vor den Mahlzeiten helfen. Halten Sie sich an die verordnete Häufigkeit.
Achtung, Soor: Kortison im Mund und der Lichen planus selbst begünstigen eine Pilzinfektion mit Candida. Wenn neue weiße, abwischbare Beläge auftreten oder das Brennen trotz Behandlung zunimmt, sprechen Sie die Praxis darauf an.
Lichen planus im Genitalbereich
Die Grundsätze ähneln denen im Mund. Die europäische Leitlinie schlägt vor, mit einer sehr stark wirksamen Kortisonsalbe wie Clobetasolpropionat oder mit einem Calcineurin-Hemmer zu beginnen und danach mit einem schwächeren Kortison seltener weiterzubehandeln. Für die Scheide gibt es Zubereitungen, die mit einem Applikator oder als Zäpfchen eingeführt werden.
Wichtigstes Ziel bei der erosiven Form ist, Verwachsungen und Narben zu verhindern. Bei Frauen können dafür Scheidendehner (Dilatatoren) zusammen mit Kortison in der Scheide eingesetzt werden; bei nicht beschnittenen Männern wird empfohlen, die Vorhaut regelmäßig zurückzuschieben, damit sie nicht verengt. In seltenen Fällen sind Operationen nötig, um Verwachsungen zu lösen. Betäubende Gele und niedrig dosierte Mittel, die auch gegen Nervenschmerzen eingesetzt werden, können Beschwerden lindern. Wegen des erhöhten Krebsrisikos bei genitalem Schleimhautbefall sind langfristige Kontrollen wichtig.
Kopfhaut und Nägel
Beim Lichen planopilaris kommt es auf Tempo an: Je schneller die Entzündung abklingt, desto weniger Haarwurzeln vernarben. Die europäische Leitlinie nennt Kortison zum Auftragen oder als Spritze in die Kopfhaut, Kortison als Tabletten bei rasch fortschreitendem Verlauf sowie Ciclosporin, Hydroxychloroquin, Methotrexat und Tacrolimus. In einer Vergleichsstudie schnitt Methotrexat besser ab als Hydroxychloroquin. Bei der frontal fibrosierenden Alopezie werden dieselben Mittel eingesetzt; ob Haarausfall-Tabletten wie Finasterid helfen, ist laut Leitlinie zweifelhaft. Eine Haartransplantation sollte laut dem deutschen Klinikleitfaden frühestens ein Jahr nachdem die Entzündung zur Ruhe gekommen ist geplant werden.
Bei den Nägeln empfiehlt die europäische Leitlinie, sofort zu behandeln, um bleibende Schäden zu vermeiden, etwa mit Kortison-Spritzen in den Nagelbereich, Kortison-Spritzen in den Muskel oder kurzzeitig Kortison als Tabletten. Rückfälle sind häufig.
Neue Wirkstoffe: noch Forschung
Die Entzündung beim Lichen planus wird wesentlich vom Botenstoff Interferon-Gamma angetrieben. Daran setzen JAK-Hemmer an, Tabletten, die bei anderen Erkrankungen bereits zugelassen sind. In einer kleinen Phase-II-Studie mit 12 Menschen mit Lichen planus der Haut, die alle Baricitinib erhielten, sprachen nach 16 Wochen 83 Prozent an; finanziert wurde die Studie unter anderem vom Hersteller. Für andere JAK-Hemmer gibt es bisher vor allem Fallberichte. Am Universitätsklinikum Bonn begann 2024 eine Studie mit dem TYK2-Hemmer Deucravacitinib, der für die Schuppenflechte zugelassen ist. Für den Lichen planus ist keiner dieser Wirkstoffe zugelassen. Ob sie sich bewähren, müssen größere, kontrollierte Studien zeigen. Wenn Sie Interesse an einer Studienteilnahme haben, fragen Sie in einer Universitätshautklinik nach.
Wichtige Hinweise zu Tabletten
- Acitretin ist laut Fachinformation für schwerste, anders nicht behandelbare Formen des Lichen ruber planus der Haut und Schleimhäute zugelassen. Es ist stark fruchtschädigend. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen es nur mit sicherer Verhütung nehmen, beginnend einen Monat vor der Behandlung bis drei Jahre nach dem Ende. In dieser Zeit ist auch Blutspenden für alle Behandelten tabu. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen während der Einnahme und zwei Monate danach keinen Alkohol zu sich nehmen, auch nicht in Speisen oder Arzneimitteln. Sehr häufig sind trockene Lippen und Schleimhäute; Leberwerte und Blutfette werden vor und während der Behandlung regelmäßig kontrolliert.
- Methotrexat darf laut Fachinformation unter anderem bei Geschwüren in der Mundhöhle sowie in Schwangerschaft und Stillzeit nicht gegeben werden. Ob es für Sie in Frage kommt, prüft die Praxis.
- Kortison als Tabletten wird beim Lichen planus nur kurz eingesetzt, um einen schweren Schub zu bremsen; für eine Dauerbehandlung ist es wegen der Nebenwirkungen ungeeignet.
- Für die meisten innerlich wirkenden Mittel gehören regelmäßige Blutkontrollen dazu. Eine geplante oder eingetretene Schwangerschaft sollten Sie immer sofort ansprechen.
Mundpflege und Alltag mit oralem Lichen planus
Was Sie selbst tun können, ersetzt die Behandlung nicht, macht aber oft einen spürbaren Unterschied. Die europäische Leitlinie und eine zahnmedizinische Übersicht nennen:
- Gründliche, schonende Mundhygiene. Eine gute Mundhygiene hilft, zusätzliche Infektionen zu verhindern. Putzen Sie sorgfältig, aber ohne Druck. Wenn Ihre Zahnpasta brennt, sprechen Sie das in der Zahnarztpraxis an.
- Verletzungen der Schleimhaut vermeiden und regelmäßig zur zahnärztlichen Betreuung gehen, auch zur professionellen Zahnreinigung. Sprechen Sie scharfe Zahnkanten oder drückende Prothesen an.
- Nicht rauchen. Bei Rauchenden mit oralem Lichen planus war das Risiko für Mundhöhlenkrebs in einer Metaanalyse deutlich erhöht.
- Alkohol meiden oder einschränken; auch er erhöht das Krebsrisiko.
- Scharfe und saure Speisen meiden, wenn sie Beschwerden auslösen, etwa Chili, Zitrusfrüchte oder Essig.
- Stress spielt bei manchen Betroffenen möglicherweise eine Rolle; die europäische Leitlinie hält psychologische Unterstützung bei immer wiederkehrenden Beschwerden für manche Betroffene für hilfreich.
- Selbst nachsehen. Schauen Sie sich die Mundschleimhaut gelegentlich mit Spiegel und guter Beleuchtung an und achten Sie auf neue Knoten, verdickte oder raue Stellen und Wunden, die nicht heilen.
Hausmittel oder Nahrungsergänzungen, die eine Heilung versprechen, gibt es nicht. Die europäische Leitlinie listet zwar pflanzliche Stoffe wie Curcuminoide oder Lycopin unter den Möglichkeiten der dritten Wahl, die Belege dafür sind aber schwach. Besprechen Sie solche Versuche vorher mit der Praxis.
Krebsrisiko: einordnen statt fürchten
Auf chronisch entzündeter Schleimhaut kann sich selten ein Plattenepithelkarzinom entwickeln, im Mund also Mundhöhlenkrebs. Fachleute zählen den oralen Lichen planus deshalb zu den Veränderungen, die in Krebs übergehen können. Die Zahlen schwanken je nach Studie:
- Eine Metaanalyse von 101 Studien mit über 38.000 Betroffenen kam 2024 auf 1,43 Prozent, die im Lauf der jeweiligen Beobachtung an Mundhöhlenkrebs erkrankten. Lagen in der Gewebeprobe bereits Zellveränderungen (Dysplasien) vor, waren es 5,13 Prozent.
- Eine andere Metaanalyse mit strengen Diagnosekriterien kam auf 0,44 Prozent und hält höhere Angaben für überschätzt.
- Eine deutsche Studiengruppe fasst die neueren Daten als etwa 1 Prozent zusammen, im Mittel drei bis sechseinhalb Jahre nach Krankheitsbeginn.
Umgekehrt heißt das: Die allermeisten Menschen mit oralem Lichen planus bekommen keinen Krebs. Höher ist das Risiko bei erosiven und atrophen Formen, bei Herden an der Zunge, beim Rauchen, bei regelmäßigem Alkohol, bei einer Hepatitis-C-Infektion und bei Zellveränderungen in der Gewebeprobe.
Der juckende Lichen planus der Haut wird nicht bösartig. Eine Ausnahme sind die dicken, hypertrophen Herde an den Unterschenkeln, auf denen sich selten weißer Hautkrebs bilden kann; mehr dazu im Ratgeber zum weißen Hautkrebs. Auch beim erosiven Lichen planus im Genitalbereich ist das Risiko erhöht.
Was Sie tun können: nicht rauchen, Alkohol meiden, zu den Kontrollen gehen und selbst auf Veränderungen achten. Eine Patienteninformation, die im Auftrag von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung erstellt wurde, rät, jede Veränderung der Mundschleimhaut abklären zu lassen, die länger als zwei Wochen besteht, etwa weiße oder rote Flecken, die sich nicht abwischen lassen, oder wunde Stellen, die leicht bluten und nicht heilen. Bei bekanntem Lichen planus gilt das für alles, was neu ist oder sich anders verhält als sonst.
Kontrollen: wie oft?
Ein einheitliches Kontrollintervall gibt es nicht; es hängt vom Befund ab und wird von der Praxis festgelegt.
- Mund: Eine zahnmedizinische Übersicht aus dem Jahr 2024 nennt bei unauffälligen, gleichmäßigen Herden Kontrollen etwa alle vier Monate und beruft sich dabei auf die deutsche zahnmedizinische Leitlinie zu Vorstufen von Mundhöhlenkrebs in der Fassung von 2019/2020. Bleiben Herde trotz Behandlung bestehen, sollen laut europäischer Leitlinie wiederholt Gewebeproben entnommen werden.
- Genitalbereich: Beim erosiven Befall empfiehlt die europäische Leitlinie eine langfristige Nachsorge.
- Haut: Der klassische Hautausschlag wird nicht bösartig; wann Sie wiederkommen, richtet sich nach den Beschwerden. Dicke, hypertrophe Herde an den Beinen gehören dagegen in regelmäßige ärztliche Verlaufskontrolle.
Sagen Sie Ihrer Zahnarztpraxis, dass Sie einen Lichen planus haben, und Ihrer Hautarztpraxis, wenn im Mund etwas Neues auftritt. Die Zusammenarbeit beider Fächer erleichtert die Verlaufskontrolle.
Seelische Belastung
Ein Lichen planus kann sehr belasten: der Juckreiz, die Schmerzen beim Essen oder beim Sex, sichtbare Flecken, Haarverlust und die Sorge um das Krebsrisiko. Der deutsche Klinikleitfaden beschreibt eine sehr hohe psychosoziale Belastung, und viele Betroffene haben einen langen Weg bis zur Diagnose hinter sich. Sprechen Sie die Belastung in der Praxis an; eine psychotherapeutische Unterstützung kann sinnvoll sein. Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe finden Sie über die Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS).
Wenn Sie nicht mehr weiterwissen oder Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, warten Sie nicht: Rufen Sie den Notruf 112 an oder die TelefonSeelsorge, kostenfrei und rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.
Wer behandelt Lichen planus?
Lichen planus liegt an der Grenze mehrerer Fächer.
- Hautarztpraxis: erste Anlaufstelle für Haut, Kopfhaut, Nägel und oft auch für Mund und Genitalbereich; Diagnose, Gewebeprobe, Behandlung, Lichttherapie.
- Zahnarztpraxis und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie: Kontrollen der Mundschleimhaut, Gewebeproben, Behandlung im Mund, Prüfung von Füllungen und Prothesen.
- Frauenarztpraxis und Urologie: Befall im Genitalbereich, Verwachsungen, Verengungen.
- Magen-Darm-Medizin und Augenheilkunde: bei Schluckbeschwerden oder Augenbeteiligung.
Schwer behandelbare Verläufe, vor allem am Mund oder im Genitalbereich, werden zum Beispiel in Spezialsprechstunden von Universitätshautkliniken betreut. Wenn die Behandlung nicht anschlägt, dürfen Sie um eine Überweisung bitten.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Lichen planus ist eine Krankheit. Untersuchung, Behandlung und Kontrollen fallen deshalb unter die Krankenbehandlung, auf die gesetzlich Versicherte Anspruch haben. Bei einigen Bausteinen zahlen Sie trotzdem selbst oder sollten die Kosten vorher klären.
| Leistung | Gesetzliche Krankenversicherung |
|---|---|
| Untersuchung, Gewebeprobe, Bluttests, Kontrollen in Haut- und Zahnarztpraxis | können bei medizinischer Notwendigkeit über die Kasse abgerechnet werden |
| Verschreibungspflichtige Kortisonpräparate | nur bei passender Zulassung und erfüllten Verordnungsvoraussetzungen zulasten der GKV verordnungsfähig; gesetzliche Zuzahlung ab 18 Jahren |
| Acitretin | laut zitierter Fachinformation nur bei schwersten, konventionell nicht behandelbaren Formen von Haut und Schleimhäuten zugelassen; bei erfüllten Zulassungsbedingungen verordnungsfähig, gesetzliche Zuzahlung ab 18 Jahren |
| Tacrolimus, Pimecrolimus, Ciclosporin, Methotrexat, Hydroxychloroquin und andere | beim Lichen planus off-label; Kassenleistung nur ausnahmsweise; Kassen- oder Privatrezept vorab mit der Praxis klären |
| Rezeptfreie Mittel wie betäubende Mundgele, viele Antihistaminika, Pflegecremes | Erwachsene zahlen sie meist selbst; Kindern unter 12 Jahren können medizinisch notwendige rezeptfreie Arzneimittel auf Kassenrezept verordnet werden, Pflegekosmetika jedoch nicht |
| UVB- oder PUVA-Bestrahlung in der Hautarztpraxis | kann bei medizinischer Begründung über die Kasse abgerechnet werden; Einzelheiten im Ratgeber Lichttherapie |
| Austausch von Amalgamfüllungen wegen lichenoider Veränderungen | keine allgemeine Erstattung belegt; vorab mit Zahnarztpraxis und Krankenkasse klären |
Zuzahlung. Für verordnete Arzneimittel zahlen gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro je Packung, jedoch nie mehr als das Mittel kostet. Rezeptfreie Arzneimittel sind für Erwachsene von der Erstattung ausgeschlossen; Ausnahmen gelten für Kinder unter 12 Jahren und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 Jahre.
Off-Label auf Rezept. Wird ein Mittel außerhalb seiner Zulassung eingesetzt, zahlt die gesetzliche Kasse es nach Angaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) nur in Ausnahmefällen. Weil beim Lichen planus vieles off-label ist, fragen Sie vor Beginn, ob Sie ein Kassen- oder ein Privatrezept bekommen und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.
Bei privater Versicherung rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Ärzte beziehungsweise Zahnärzte ab; wie viel erstattet wird, regelt Ihr Tarif.
Wann zum Arzt?
Vereinbaren Sie einen Termin in einer Haut- oder Zahnarztpraxis, wenn
- juckende, flache, rötlich-violette Knötchen auftreten, die nicht von selbst verschwinden,
- Sie im Mund weißliche Streifen oder Netze bemerken oder es beim Essen brennt,
- es im Genitalbereich brennt, wund ist oder Sex schmerzhaft geworden ist,
- Ihre Nägel dünner werden, Längsrillen bekommen oder einreißen, ohne dass es eine klare Ursache gibt,
- Sie einen bekannten Lichen planus haben und neue Beschwerden an einer anderen Stelle bemerken.
Zeitnah, also nicht erst beim nächsten Routinetermin, sollten Sie sich vorstellen, wenn
- im Mund eine Wunde, ein Knoten, eine verdickte oder raue Stelle oder ein weißer oder roter Fleck neu entsteht, länger als zwei Wochen besteht oder unter der Behandlung nicht heilt,
- dasselbe im Genitalbereich auftritt oder ein dicker Herd an den Beinen zu einem Knoten wächst,
- Sie an der Kopfhaut Jucken, Brennen oder Rötung mit Haarausfall bemerken oder der Haaransatz an der Stirn zurückweicht,
- das Schlucken schmerzt oder Essen stecken bleibt,
- Ihre Augen anhaltend gerötet, trocken oder schmerzhaft sind; dann ist eine augenärztliche Untersuchung nötig,
- die Beschwerden trotz regelmäßiger Behandlung schlechter werden.
Am selben Tag sollten Sie Ihre Praxis kontaktieren oder außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 anrufen, wenn
- sich nach Beginn eines neuen Medikaments plötzlich ein großflächiger Ausschlag ausbreitet; setzen Sie wichtige Medikamente nicht eigenmächtig ab, sondern klären Sie das Vorgehen telefonisch,
- Ihr Mund so schmerzt, dass Sie kaum noch essen oder trinken können,
- Sie unter Acitretin schwanger geworden sind oder es sein könnten.
Rufen Sie den Notruf 112, wenn ein Ausschlag Blasen bildet oder sich die Haut ablöst und gleichzeitig wunde Stellen an Mund, Augen oder Genitalien sowie Fieber oder ein starkes Krankheitsgefühl auftreten, besonders in den ersten Wochen nach Beginn eines neuen Medikaments. Das können Zeichen einer schweren Arzneimittelreaktion wie des Stevens-Johnson-Syndroms sein, die im Krankenhaus behandelt werden muss. Auch bei Atemnot gilt: 112.
Weitere Hauterkrankungen von A bis Z stellt unser Überblick Hautkrankheiten vor.
Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Therapie in Ihrem Fall geeignet ist, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)
Gesetzliche Kasse (GKV): Untersuchung, Gewebeprobe, Kontrollen und zugelassene verschreibungspflichtige Arzneimittel wie Kortisonpräparate oder Acitretin können bei medizinischer Notwendigkeit zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet beziehungsweise verordnet werden; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen je Packung 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Rezeptfreie Mittel zahlen Erwachsene selbst. Tacrolimus, Ciclosporin, Methotrexat und andere Mittel werden bei Lichen planus off-label eingesetzt; eine Kostenübernahme ist nur im Ausnahmefall möglich und vorab zu klären. UVB- und PUVA-Bestrahlungen in der Hautarztpraxis können bei medizinischer Begründung über die Kasse abgerechnet werden. Für den Austausch von Amalgamfüllungen wegen eines Lichen planus ist keine allgemeine Erstattung belegt.
Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
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- Nast A et al.: Aktuelle dermatologische Leitlinien in Deutschland und Europa (Hautarzt 2021) (abgerufen 2026-10-22)
- Solimani F et al.: Lichen planus – ein Klinikleitfaden (J Dtsch Dermatol Ges 2021) (abgerufen 2026-10-22)
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- Hertrampf K, Kunkel M: Diagnostik und Management von Vorläuferläsionen des oralen Plattenepithelkarzinoms, Aktualisierung der S2k-Leitlinie 2020 (zm 18/2020) (abgerufen 2026-10-22)
- ÄZQ im Auftrag von Bundesärztekammer und KBV: Patienteninformation Mundhöhlenkrebs (2014) (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse (Stand Mai 2024) (abgerufen 2026-10-22)
- G-BA: Off-Label-Use, Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten (abgerufen 2026-10-22)
- SGB V § 27: Krankenbehandlung (abgerufen 2026-10-22)
- SGB V § 34: Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (abgerufen 2026-10-22)
- SGB V § 61: Zuzahlungen (abgerufen 2026-10-22)
- TelefonSeelsorge Deutschland: kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar (abgerufen 2026-10-22)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.