
Ekzem: Formen, Ursachen, Epikutantest & Behandlung
Welche Ekzemformen es gibt (Kontakt-, Hand-, dyshidrotisches, seborrhoisches, nummuläres, Exsikkations- und Stauungsekzem), woran Sie sie erkennen, wie der Hautarzt den Auslöser findet, wie nach Leitlinie behandelt wird, was die Kasse zahlt und was bei einem Ekzem durch die Arbeit gilt.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 20.10.2026
Ein Ekzem ist eine nicht ansteckende Entzündung der Haut; Ärztinnen und Ärzte sagen gleichbedeutend auch Dermatitis. Typisch sind Juckreiz und Rötung, je nach Stadium mit Bläschen, Nässen und Krusten oder mit trockener, verdickter, rissiger Haut. Hinter dem Begriff stecken verschiedene Formen mit eigenen Auslösern: vom Kontaktekzem durch Spülmittel oder Nickelschmuck über das seborrhoische Ekzem an Kopfhaut und Gesicht bis zum Stauungsekzem an den Unterschenkeln. Behandelt wird meist nach denselben Grundsätzen: Auslöser finden und meiden, die Hautbarriere pflegen und die Entzündung kurzzeitig mit Wirkstoffen wie Kortison dämpfen. Ob eine Kontaktallergie dahintersteckt, kann ein Epikutantest in der Hautarztpraxis klären; bei medizinischer Indikation ist er Kassenleistung. Bei möglichem Berufsbezug sollte früh ein Hautarztverfahren eingeleitet werden. Mit entsprechendem Behandlungsauftrag kann der Unfallversicherungsträger berufsbezogene Diagnostik, Behandlung und Prävention übernehmen.
Was ist ein Ekzem? Symptome und Verlauf
In der akuten Phase ist die Haut gerötet und geschwollen, es bilden sich Knötchen oder Bläschen, die aufplatzen, nässen und verkrusten können. Hält die Entzündung an oder kehrt sie immer wieder, wird das Ekzem chronisch: Die Haut verdickt sich, ihre Felderung tritt gröber hervor, sie schuppt, verhornt und reißt ein. An Händen und Füßen entstehen dann oft schmerzhafte Risse (Rhagaden). Häufigstes Symptom aller Ekzemformen ist der Juckreiz; manche spüren eher Brennen, Stechen oder Schmerzen.
Ansteckend ist ein Ekzem nicht. Aufgekratzte Ekzemhaut kann sich aber mit Bakterien infizieren, meist mit Staphylococcus aureus. Gelbliche Krusten, Eiter oder zunehmende Schmerzen sprechen dafür.
Wie lange ein Ekzem anhält, hängt von Form und Auslöser ab. Ein Kontaktekzem kann abheilen, sobald der Auslöser wegfällt. Die Hautbarriere braucht laut Handekzem-Leitlinie aber oft noch Wochen bis Monate, bis sie wieder voll belastbar ist, auch wenn äußerlich nichts mehr zu sehen ist. Andere Formen, etwa das seborrhoische Ekzem, verlaufen dauerhaft in Schüben.
Ekzemformen im Überblick
Eingeteilt wird nach Ursache und Erscheinungsbild. Mischformen sind häufig; die Tabelle hilft bei der Einordnung, ersetzt aber keine Diagnose.
| Form | Typische Stellen | Kennzeichen und Auslöser |
|---|---|---|
| Irritatives Kontaktekzem | Handrücken, Fingerzwischenräume, Fingerseiten | Reizung durch Wasser, Seifen, Reinigungs- oder Lösungsmittel; keine Allergie |
| Allergisches Kontaktekzem | dort, wo der Stoff die Haut berührt, manchmal mit Streuherden | Allergie vom Spättyp, etwa gegen Nickel oder Duftstoffe; Beschwerden 1 bis 3 Tage nach Kontakt |
| Atopisches Ekzem (Neurodermitis) | je nach Alter Gesicht, Gelenkbeugen, Hände | erbliche Veranlagung, oft Beginn im Kindesalter, starker Juckreiz |
| Seborrhoisches Ekzem | Kopfhaut, Augenbrauen, Nasen-Mund-Falten, Brustbein | gelblich-fettige Schuppen auf geröteter Haut, juckt meist kaum |
| Dyshidrotisches Ekzem | Handinnenflächen, Fingerseiten, Fußsohlen | stark juckende Bläschen in Schüben |
| Nummuläres Ekzem | Beine, Arme, Handrücken | münzförmige Herde von 1 bis 10 cm, nässend oder verkrustet |
| Exsikkationsekzem | Unterschenkel, vor allem im höheren Alter | sehr trockene Haut mit netzartigen Einrissen, gehäuft im Winter |
| Stauungsekzem | Unterschenkel, Knöchel | Folge eines Venenleidens (chronisch-venöse Insuffizienz) |
Das Handekzem beschreibt keine eigene Ursache, sondern die Lage: An den Händen treffen oft mehrere Formen zusammen, etwa ein irritatives Kontaktekzem bei bestehender Neurodermitis.
Die Neurodermitis ist die bekannteste Ekzemform. Laut gesund.bund.de erkranken etwa 15 von 100 Kindern daran, bei Erwachsenen 2 bis 5 von 100. Diagnostik und Stufentherapie bis zu modernen Systemtherapien beschreibt unser Ratgeber zur Neurodermitis-Behandlung; diese Seite konzentriert sich auf die übrigen Formen.
Kontaktekzem: Reizung oder Allergie?
Beim irritativen Kontaktekzem ist die Haut schlicht überfordert. Wasser, Seifen, Reinigungsmittel, Säuren, Laugen oder Lösungsmittel greifen nach und nach die schützende Hornschicht an. Das kann jeden treffen, entscheidend ist die Dosis: Das Risiko wächst mit der Menge an Feuchtarbeit, also mit nassen Händen oder langem Tragen dichter Handschuhe, und kaltes, trockenes Wetter verstärkt den Effekt. Es ist die häufigste Form des Handekzems.
Beim allergischen Kontaktekzem reagiert das Immunsystem auf einen bestimmten Stoff, oft schon in sehr kleinen Mengen. Zuerst sensibilisiert sich der Körper unbemerkt. Erst bei späterem Kontakt entzündet sich die Haut, typischerweise 12 bis 72 Stunden danach; deshalb bringen viele den Ausschlag gar nicht mit dem Auslöser in Verbindung. Häufige Kontaktallergene sind laut gesund.bund.de:
- Metalle wie Nickel und Kobalt, etwa in Modeschmuck oder Gürtelschnallen
- Duftstoffe und ätherische Öle in Kosmetika, Parfüm und Seifen
- Klebstoffe, auch von Pflastern, sowie Latex
- Reinigungs- und Lösungsmittel
- Pflanzen wie Kamille und Arnika
- auf die Haut aufgetragene Arzneimittel
In einer europäischen Studie war rund jeder siebte Teilnehmende gegen Nickel sensibilisiert. Im Friseurhandwerk spielen Haarfärbemittel mit p-Phenylendiamin eine große Rolle. Eine erworbene Kontaktallergie bleibt ein Leben lang bestehen; die Haut heilt aber in der Regel ab, wenn Sie den Stoff konsequent meiden.
Beide Formen gehen oft ineinander über: Gereizte Haut lässt Allergene leichter eindringen, sodass aus einem irritativen Ekzem später eine Allergie werden kann. Als gesichert gilt ein irritatives Kontaktekzem erst, wenn eine Allergie ausgeschlossen ist.
Handekzem und dyshidrotisches Ekzem
Laut S2k-Leitlinie haben innerhalb eines Jahres mindestens 9 von 100 Menschen ein Handekzem, Frauen häufiger als Männer. Chronisch heißt es, wenn es länger als drei Monate besteht oder mindestens zweimal im Jahr wiederkommt. Risikofaktoren sind eine Neurodermitis, auch eine nur in der Kindheit, Kontaktallergien, Feuchtarbeit, kaltes und trockenes Wetter sowie Rauchen. Bei bis zu jedem fünften Betroffenen sind die Füße mitbeteiligt. Ist nur eine Hand befallen, sollte eine Pilzinfektion ausgeschlossen werden.
Das dyshidrotische Ekzem heißt in der aktuellen Leitlinie akut rezidivierendes vesikuläres Handekzem. Plötzlich erscheinen stark juckende Bläschen an den Handinnenflächen und seitlich an den Fingern, manchmal an den Fußsohlen. Sie können zu Blasen zusammenfließen und trocknen nach einigen Wochen unter Schuppung ab. Die Schübe treffen am häufigsten jüngere Erwachsene. Begünstigend wirken Neurodermitis, Kontaktallergien (der Kontakt muss nicht an den Händen stattfinden), Pilzinfektionen wie Fußpilz, Rauchen, Wärme und Stress. Mit den Schweißdrüsen hat das Ekzem nach heutigem Wissen nichts zu tun, auch wenn der alte Name das nahelegt. Sehr häufige Schübe können in ein chronisches Handekzem übergehen.
Seborrhoisches Ekzem an Kopfhaut und Gesicht
Das seborrhoische Ekzem betrifft nach gesund.bund.de etwa 3 bis 10 von 100 Menschen, Männer häufiger als Frauen, meist ab dem jungen Erwachsenenalter oder ab etwa 50. Typisch sind rote Flecken mit gelblich-fettig glänzenden Schuppen, auf dunkler Haut eher hellere Flecken, an talgdrüsenreichen Stellen: behaarte Kopfhaut und Haaransatz, Augenbrauen, die Falten zwischen Nase und Mundwinkeln, Brustbein und Hautfalten. Anders als bei Neurodermitis juckt es meist kaum.
Als Ursache gilt ein Zusammenspiel aus Talgbildung, dem Hefepilz Malassezia und der Abwehr der Haut. Behandelt wird mit pilzhemmenden Shampoos oder Cremes, Salicylsäure gegen die Schuppen und bei stärkerer Entzündung kurzzeitig mit Kortison. Dauerhaft heilbar ist es bei Erwachsenen bisher nicht: Im Sommer bessert es sich oft, im Winter oder unter Stress kehrt es häufig zurück. Bei Säuglingen sitzt es meist am Kopf und heilt in der Regel innerhalb eines Jahres ohne Behandlung ab.
Nummuläres, Exsikkations- und Stauungsekzem
Nummuläres Ekzem
Der Name kommt von nummus, lateinisch für Münze: Typisch sind runde Herde von einem bis zehn Zentimetern, die jucken oder brennen, erst nässen und dann verkrusten, meist an Beinen, Armen und Handrücken. Männer erkranken oft ab 50, Frauen eher jung. Die Ursache ist wenig erforscht; Neurodermitis, Kontaktallergien, sehr trockene Haut und Durchblutungsstörungen der Beine können beteiligt sein. Das Ekzem verläuft in Schüben über Monate bis Jahre. Behandelt wird mit entzündungshemmenden Salben, bei Infektion zusätzlich mit einem Antibiotikum. Die Handekzem-Leitlinie befürwortet bei dieser Form einen Epikutantest.
Exsikkationsekzem
Das Austrocknungsekzem trifft vor allem ältere Menschen, deren Haut weniger Fett bildet. Auslöser sind übertriebene Körperpflege, also zu häufiges Duschen und Baden, oder Medikamente; harntreibende Mittel (Diuretika) können es verstärken. Typisch sind juckende, netzartige Einrisse an den Unterschenkeln, die an gesprungenes Porzellan erinnern, gehäuft im Winter. Oft hilft schon, seltener zu duschen und die Haut konsequent rückzufetten, zum Beispiel mit harnstoffhaltiger Pflege. Bei starkem Juckreiz kommt vorübergehend eine Kortisoncreme infrage.
Stauungsekzem
Es entsteht an den Unterschenkeln, wenn das Blut wegen schwacher Venen schlecht abfließt (chronisch-venöse Insuffizienz). Die Haut juckt, rötet sich, schuppt, verdickt und verfärbt sich; unbehandelt können offene Stellen entstehen, die sich infizieren. Entscheidend ist die Behandlung der Ursache mit ärztlich verordneten Kompressionsstrümpfen und mehrmals täglich hochgelagerten Beinen; gegen die Entzündung hilft eine Kortisoncreme. Antibiotikacremes, Wollwachs und manche Sportsalben können das Ekzem laut MSD Manual verschlimmern.
Wann zum Hautarzt? Warnzeichen
Sofort den Notruf 112 wählen Sie, wenn Zunge oder Rachen anschwellen, Atemnot oder Kreislaufprobleme auftreten. Das ist kein Ekzem, sondern eine allergische Sofortreaktion; mehr dazu im Ratgeber Nesselsucht.
Noch am selben Tag ärztlich vorstellen, außerhalb der Sprechzeiten über den Bereitschaftsdienst 116117, sollten Sie sich bei:
- plötzlich vielen kleinen Bläschen oder Krusten mit Fieber und Krankheitsgefühl, besonders bei Neurodermitis; das kann eine Herpesinfektion der Ekzemhaut sein (Ekzema herpeticatum)
- einer sich rasch ausbreitenden, schmerzenden Rötung mit Fieber oder Schüttelfrost
- einer offenen Stelle am Unterschenkel mit zunehmender Rötung, Schwellung oder Schmerzen
Einen zeitnahen Termin in der Hautarztpraxis brauchen Sie, wenn
- ein Ekzem trotz Pflege und Meiden möglicher Auslöser nicht innerhalb weniger Wochen besser wird,
- ein Handekzem länger als drei Monate besteht oder immer wiederkommt,
- gelbliche Krusten oder Eiter auf eine Infektion hindeuten,
- nur eine Hand betroffen ist oder ein Herd sich ringförmig ausbreitet (Pilz?),
- ein einzelner Herd über Wochen nicht abheilt; hinter einem vermeintlichen Ekzem können auch Schuppenflechte, Krätze, Pilzinfektionen oder selten Frühformen von Hautkrebs und Lymphome der Haut stecken,
- Sie einen Zusammenhang mit Ihrer Arbeit vermuten.
Diagnostik: Gespräch, Epikutantest und Abstrich
Am Anfang steht das Gespräch: über Beginn und Verlauf, Beruf, Hobbys, Haushalt, Kosmetika, Schmuck, Medikamente und bisherige Cremes. Fotos früherer Schübe helfen. Untersucht wird die gesamte Haut einschließlich der Füße.
Der Epikutantest (Pflastertest) gilt als Goldstandard für den Nachweis einer Kontaktallergie. Beim Handekzem soll er laut S2k-Leitlinie erfolgen, wenn es länger als drei Monate besteht, nicht auf eine geeignete Behandlung anspricht oder ein Allergieverdacht besteht. So läuft er ab:
- Kleine Testkammern mit möglichen Allergenen werden auf gesunde Rückenhaut geklebt: eine Standardreihe mit den häufigsten Kontaktallergenen, je nach Beruf und Verdacht ergänzt um weitere Reihen oder eigene Produkte wie Kosmetika oder Arbeitsstoffe.
- Nach 24 bis 48 Stunden werden die Pflaster entfernt und die Reaktionen erstmals beurteilt.
- Ein bis zwei Tage später folgt die zweite Ablesung. Weil manche Allergene erst nach fünf bis sieben Tagen reagieren, kann eine weitere hinzukommen.
Bis zur letzten Ablesung sollten Sie nicht duschen und nicht stark schwitzen. Laut Allergieinformationsdienst sollte das Ekzem vorher seit mindestens zwei Wochen abgeheilt sein. Höher dosierte Kortisontabletten oder viel Sonne beziehungsweise eine UV-Therapie in den vier Wochen davor sind Gründe, den Test zu verschieben.
Ein positives Ergebnis beweist noch nicht, dass dieser Stoff Ihr Ekzem auslöst; jede Reaktion wird auf ihre Bedeutung im Alltag geprüft. Ein negativer Test schließt eine Allergie umgekehrt nicht völlig aus, etwa wenn der verantwortliche Stoff nicht getestet wurde. Lassen Sie sich nachgewiesene Allergene schriftlich geben, zum Beispiel in einem Allergiepass. Die deutsche S3-Leitlinie zur Durchführung des Epikutantests von 2019 ist abgelaufen und wird überarbeitet.
Je nach Befund folgen ein Pricktest oder eine Blutuntersuchung bei Verdacht auf eine Sofortallergie, etwa gegen Latex oder Lebensmitteleiweiße in der Lebensmittelverarbeitung, ein Abstrich auf Bakterien und Pilze und in Ausnahmefällen eine Gewebeprobe.
Behandlung: Auslöser meiden, Haut schützen, Entzündung hemmen
Grundlage ist, die Auslöser zu kennen und zu meiden; sonst kehrt das Ekzem meist zurück. Die Empfehlungen unten stammen überwiegend aus der S2k-Leitlinie zum Handekzem (Stand 2023, gültig bis 2028). Die S1-Leitlinie Kontaktekzem von 2021 war nur bis August 2026 gültig; eine aktualisierte Fassung lag bei Redaktionsschluss nicht vor.
Basispflege und Hautschutz im Alltag
Regelmäßiges Eincremen empfiehlt die Leitlinie allen mit Handekzem, auch wenn die Studienlage dünn ist und kein Produkt nachweislich besser wirkt als andere. Die Pflege sollte möglichst keine starken Allergene enthalten; kritisch sind vor allem Duftstoffe, manche Konservierungsmittel und Pflanzeninhaltsstoffe. Bewährt hat sich tagsüber eine schnell einziehende Creme, abends eine reichhaltigere. Außerdem rät die Leitlinie:
- Hände mit lauwarmem Wasser und milden, seifenfreien Reinigern waschen und gut abtrocknen; keine Bürsten oder Lösungsmittel.
- Sind die Hände nicht sichtbar schmutzig, etwa in Pflege oder Küche, lieber desinfizieren als waschen; das belastet die Hautbarriere weniger.
- Dichte Schutzhandschuhe nur so lange wie nötig tragen, ab etwa zehn Minuten mit Baumwollhandschuhen darunter, bei Durchfeuchtung wechseln.
- Bei Feuchtarbeit keine Ringe, im Winter wärmende Handschuhe.
Kortison und andere Cremes
Kortisoncremes sind bei den meisten Ekzemformen das wichtigste Mittel gegen die Entzündung. Beim Handekzem empfiehlt die Leitlinie sie als kurzzeitige Erstlinientherapie, die Wirkstärke nach Schweregrad: leicht eher Klasse II, mittelschwer II bis III, schwer III und kurzzeitig IV. Bevorzugt werden Wirkstoffe mit geringem Risiko für Hautverdünnung; einmal täglich reicht meist. Zur Vorbeugung von Rückfällen kann die Behandlung danach in größeren Abständen weiterlaufen. Wird ein Ekzem unter einer Creme schlechter, kann eine Allergie gegen Wirkstoff oder Grundlage dahinterstecken.
Calcineurin-Hemmer (Tacrolimus, Pimecrolimus) sind nur für das atopische Ekzem zugelassen, bei anderen Formen ist ihr Einsatz off-label. Sie verdünnen die Haut nicht und eignen sich für Gesicht und Lider, wirken beim Kontaktekzem laut Allergieinformationsdienst aber schwächer als starke Kortisonpräparate.
Ergänzend helfen feuchte Umschläge und Gerbstoffe bei Bläschen und Nässen, Salicylsäure oder Harnstoff bei dicker Hornhaut, pilzhemmende Mittel beim seborrhoischen Ekzem. Antibiotika sind nur bei echter Infektion angezeigt; Antihistaminika-Tabletten können vor allem nächtlichen Juckreiz lindern.
Wenn Cremes nicht reichen: chronisches Handekzem
Für mittelschwere bis schwere chronische Handekzeme, die auf Kortisoncremes nicht ausreichend ansprechen, sieht die Leitlinie weitere Stufen vor:
- Lichttherapie der Hände, etwa mit UVB oder als örtliche PUVA, wegen des Hautkrebsrisikos bei hoher Gesamtdosis nicht als Dauerbehandlung.
- Alitretinoin, ein Vitamin-A-Abkömmling, ist laut Leitlinie das einzige für das schwere chronische Handekzem zugelassene Medikament zum Einnehmen. Verdickte, schuppende Formen sprechen eher an als solche mit Bläschen; ohne ausreichende Wirkung nach drei bis vier Monaten wird es abgesetzt. Weil der Wirkstoff das ungeborene Kind schädigt, brauchen Frauen im gebärfähigen Alter vor, während und bis einen Monat danach eine sichere Verhütung und regelmäßige Schwangerschaftstests.
- Kortisontabletten nur kurzzeitig bei schweren Schüben; Ciclosporin, Methotrexat oder Azathioprin in ausgewählten Fällen, meist off-label. Bei einem atopischen Handekzem kommen auch die für Neurodermitis zugelassenen Systemtherapien infrage.
Neuer als die Leitlinie ist eine Creme mit dem Wirkstoff Delgocitinib, einem JAK-Hemmer. Sie ist seit September 2024 in der EU für Erwachsene mit mittelschwerem bis schwerem chronischem Handekzem zugelassen, wenn Kortisoncremes nicht ausreichen oder nicht geeignet sind. Einen Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Therapie sah der Gemeinsame Bundesausschuss 2025 nicht als belegt an.
Ekzem durch die Arbeit: Hautarztverfahren und BK 5101
Das Handekzem ist die häufigste berufsbedingte Hautkrankheit, vor allem in Berufen mit viel Feuchtarbeit oder Allergenkontakt wie Friseurhandwerk, Reinigung, Pflege, Metallverarbeitung, Bäckereien und Bau.
Bei Verdacht auf einen beruflichen Zusammenhang überweist Sie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zum Hautarzt. Dort geht mit Ihrem Einverständnis der Hautarztbericht an die Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse, und das Hautarztverfahren beginnt. Der Unfallversicherungsträger kann dann die hautärztliche Behandlung, ein Hautschutzseminar mit berufsdermatologischer Beratung und passende Schutzhandschuhe für einige Monate übernehmen. Bei schweren Verläufen gibt es ein dreiwöchiges stationäres Heilverfahren in einem berufsdermatologischen Zentrum mit anschließender ambulanter Arbeitspause. Die Kosten trägt die Unfallversicherung, nicht die Krankenkasse. Früh zu kommen lohnt sich: Die Maßnahmen wirken bei leichten bis mittelschweren Ekzemen besser als bei schweren.
Als Berufskrankheit Nr. 5101 gelten "schwere oder wiederholt rückfällige Hauterkrankungen". Seit dem
- Januar 2021 ist der sogenannte Unterlassungszwang entfallen: Eine Anerkennung ist auch möglich, wenn Sie weiter in Ihrem Beruf arbeiten. Kommt ein berufsbedingtes Ekzem trotz mehrmonatiger Behandlung und Prävention immer wieder oder bleibt es behandlungsbedürftig, wird eine Berufskrankheiten-Anzeige erstattet; bei begründetem Verdacht sind Ärztinnen und Ärzte gesetzlich dazu verpflichtet.
Kosten: Was zahlt die Kasse?
- Kassenleistung: Untersuchung, Epikutantest einschließlich Testsubstanzen, Abstriche und bei Bedarf eine Gewebeprobe.
- Verschreibungspflichtige Medikamente wie Kortisoncremes: Rezeptzuzahlung von 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.
- Pflegecremes und rezeptfreie Mittel zahlen Erwachsene in der Regel selbst. Für Kinder bis 12 Jahre übernimmt die Kasse verordnete rezeptfreie Arzneimittel, reine Kosmetika aber nicht.
- Lichttherapie: Selektive Phototherapie, etwa mit UVB, und PUVA können bei entsprechender medizinischer Indikation über den EBM abgerechnet werden. Die selektive UVA1-Bestrahlung ist in der ambulanten GKV-Versorgung ausgeschlossen.
- Berufsbedingtes Ekzem: Im Hautarztverfahren kann die Unfallversicherung nach Behandlungsauftrag die Kosten übernehmen.
Bietet Ihnen eine Praxis eine Leistung privat an, muss sie Sie vorher in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren; einen verlässlichen Pauschalpreis gibt es nicht.
Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)
Gesetzliche Kasse (GKV): Untersuchung, Epikutantest und verordnete Therapien sind bei medizinischer Indikation Kassenleistung (Rezeptzuzahlung 5–10 €); Pflegecremes zahlen Erwachsene meist selbst. Bei möglicher beruflicher Ursache kann die Unfallversicherung nach Einleitung des Hautarztverfahrens und entsprechendem Behandlungsauftrag Kosten übernehmen.
Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
- AWMF S2k-Leitlinie Diagnostik, Prävention und Therapie des Handekzems (013-053, Stand 2023, gültig bis 2028) (abgerufen 2026-10-20)
- AWMF S1-Leitlinie Kontaktekzem (013-055, Stand 2021, Gültigkeit bis 08/2026) (abgerufen 2026-10-20)
- AWMF S3-Leitlinie Durchführung des Epikutantests mit Kontaktallergenen und Arzneimitteln (013-018, Stand 2019, abgelaufen) (abgerufen 2026-10-20)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Kontaktallergie (abgerufen 2026-10-20)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Seborrhoisches Ekzem (abgerufen 2026-10-20)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Dyshidrotisches Ekzem (abgerufen 2026-10-20)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Nummuläres Ekzem (abgerufen 2026-10-20)
- Allergieinformationsdienst (Helmholtz Munich): Kontaktallergie – Diagnose (abgerufen 2026-10-20)
- Allergieinformationsdienst (Helmholtz Munich): Kontaktallergie – Verbreitung (abgerufen 2026-10-20)
- Allergieinformationsdienst (Helmholtz Munich): Kontaktallergie – Behandlung (abgerufen 2026-10-20)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Stauungsdermatitis (abgerufen 2026-10-20)
- Schnürle J: Blickdiagnose – Jucken am Unterschenkel (Ekzema craquelé). Bayerisches Ärzteblatt 7-8/2018 (abgerufen 2026-10-20)
- Altmeyers Enzyklopädie: Liddermatitis (Übersicht) (abgerufen 2026-10-20)
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Beurteilungsbericht (EPAR) zum Wirkstoff Delgocitinib (abgerufen 2026-10-20)
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Beschluss zur Nutzenbewertung des Wirkstoffs Delgocitinib (2025) (abgerufen 2026-10-20)
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Hauterkrankungen (abgerufen 2026-10-20)
- Berufskrankheiten-Verordnung (BKV), Anlage 1 – BK-Nr. 5101 (abgerufen 2026-10-20)
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (abgerufen 2026-10-20)
- Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein: EBM-Reform 2020 – Dermatologie (Allergietestung, Phototherapie) (abgerufen 2026-10-20)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit, mit IQWiG): Neurodermitis (abgerufen 2026-10-20)
- § 202 SGB VII – Anzeigepflicht von Ärztinnen und Ärzten bei Berufskrankheiten (abgerufen 2026-10-20)
- § 61 SGB V – Zuzahlungen (abgerufen 2026-10-20)
- § 630c BGB – Informationspflichten (wirtschaftliche Aufklärung) (abgerufen 2026-10-20)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.