
Krätze (Skabies): erkennen, behandeln, Ansteckung stoppen
Woran Sie Krätze (Skabies) erkennen, wie die Milben übertragen werden, wie die Hautärztin oder der Hautarzt die Diagnose stellt und wie die Behandlung mit Permethrin-Creme oder Ivermectin-Tabletten abläuft. Dazu: Mitbehandlung der Kontaktpersonen, Wäsche, Regeln für Kita und Schule nach dem Infektionsschutzgesetz und was die Kasse zahlt.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 20.10.2026
Krätze (medizinisch Skabies) ist ein Befall der obersten Hautschicht mit winzigen Krätzmilben. Das Leitsymptom ist starker Juckreiz, der nachts in der Bettwärme zunimmt. Typisch sind feine, gewundene Milbengänge, etwa zwischen den Fingern, an den Handgelenken oder im Genitalbereich. Übertragen wird Krätze vor allem durch längeren, engen Hautkontakt, mit mangelnder Hygiene hat sie nichts zu tun. Gut behandelbar ist sie meist mit einer verschreibungspflichtigen Permethrin-Creme, in bestimmten Fällen mit Ivermectin-Tabletten. Ob die Behandlung gelingt, hängt an drei Punkten, die oft unterschätzt werden: die Creme lückenlos auftragen, die Behandlung nach ärztlichem Schema wiederholen und enge Kontaktpersonen gleichzeitig mitbehandeln. Untersuchung und verschreibungspflichtige Mittel zahlt die gesetzliche Krankenkasse; Erwachsene leisten nur die übliche Rezeptzuzahlung.
Was ist Krätze?
Auslöser ist die Krätzmilbe Sarcoptes scabiei var. hominis, ein Spinnentier, das auf den Menschen spezialisiert ist. Die Weibchen werden nur 0,3 bis 0,5 Millimeter groß und sind mit bloßem Auge höchstens als Pünktchen zu erkennen. Sie graben Gänge in die Hornschicht und legen dort ihre Eier ab. Der Juckreiz entsteht als Reaktion des Immunsystems auf Milben, Eier und Kot. Deshalb vergehen beim ersten Befall Wochen, bis überhaupt etwas juckt.
Krätze ist in Deutschland kein Randphänomen. Eine allgemeine Meldepflicht gibt es nicht, das Robert Koch-Institut (RKI) hat deshalb Abrechnungsdaten der Krankenkassen ausgewertet: 2018 wurde bei mehr als 380.000 Menschen Skabies diagnostiziert, rund neunmal so häufig wie 2009. Im Jahr 2023 zählten die Kliniken 7.094 Behandlungsfälle mit Krätze als Hauptdiagnose.
Mit Sauberkeit hat das nichts zu tun: Mangelnde Hygiene gilt nicht als Risikofaktor. Gründliches Waschen kann das Hautbild sogar so abschwächen, dass die Krätze übersehen wird; Fachleute sprechen dann von „gepflegter Skabies“. Betroffen sind Menschen jeden Alters, vor allem dort, wo es viel Hautkontakt gibt: in Familien mit kleinen Kindern, in Partnerschaften, in Kitas und in Pflegeheimen. Wer Krätze bekommt, hat sich angesteckt. Über die Körperpflege sagt das nichts aus.
Krätze erkennen: Symptome und typische Stellen
Das wichtigste Zeichen ist Juckreiz, der nachts und in der Bettwärme stärker wird und sich oft über große Teile des Körpers ausbreitet. Viele schlafen schlecht und kratzen sich im Schlaf auf. Auf der Haut zeigen sich:
- Milbengänge: feine, komma- oder bogenförmige, oft unregelmäßig gewundene Linien von wenigen Millimetern bis etwa einem Zentimeter Länge, manchmal mit einem winzigen Bläschen am Ende,
- kleine rote Knötchen, Bläschen oder Pusteln,
- Kratzspuren und ein ekzemartiger Ausschlag, der auch Stellen betrifft, an denen gar keine Milben sitzen.
Die Milben bevorzugen warme Körperstellen mit dünner Hornschicht. Typisch sind die Zwischenräume von Fingern und Zehen, die Handgelenke, die Streckseiten der Ellenbogen, die vorderen Achselfalten, der Brustwarzenhof, Bauchnabel und Gürtellinie, Gesäß und Pofalte, die Leisten, Knöchel und inneren Fußränder sowie bei Männern der Penisschaft. Längliche Knötchen am Penisschaft gelten als nahezu beweisend. Kopf, Nacken, Handflächen und Fußsohlen bleiben bei Erwachsenen meist frei.
Säuglinge und Kleinkinder sind anders betroffen: Bei ihnen sitzen die Hautveränderungen häufig auch an Kopfhaut, Gesicht, Handflächen und Fußsohlen, oft mit Bläschen und Pusteln. Babys sind dann unruhig und haben weniger Appetit.
Im Anfangsstadium ist Krätze schwer zu erkennen. Beim ersten Befall dauert es meist zwei bis fünf Wochen, bis es juckt. Anfangs sind oft nur wenige Knötchen zu sehen, und viele denken zuerst an ein Ekzem, eine Allergie oder Insektenstiche. Wer schon einmal Krätze hatte, bemerkt eine erneute Ansteckung dagegen nach ein bis vier Tagen. Hellhörig sollten Sie werden, wenn mehrere Menschen im selben Haushalt gleichzeitig nachts Juckreiz haben.
Eine Sonderform ist die knotige Skabies (Scabies nodosa) mit stark juckenden, rötlich-braunen Knoten, bevorzugt am Genitale, in den Leisten und Achseln. Diese Knoten können auch nach erfolgreicher Behandlung noch Monate bestehen bleiben. Die seltene, hochansteckende Borkenkrätze beschreiben wir weiter unten. Fotos zeigen wir bewusst nicht: Krätze sieht von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus, und ein Bildvergleich ersetzt keine Untersuchung.
Wie ansteckend ist Krätze?
Bei der gewöhnlichen Krätze braucht es für eine Übertragung in der Regel großflächigen, ununterbrochenen Hautkontakt von etwa 5 bis 10 Minuten: beim Schlafen in einem Bett, beim Kuscheln mit Kindern, beim Sex oder bei der Körperpflege eines anderen Menschen. Ein Händedruck oder eine kurze Umarmung reichen normalerweise nicht aus. Über Bettwäsche, Handtücher oder Polstermöbel ist eine Ansteckung möglich, bei der gewöhnlichen Form aber selten. Außerhalb des Körpers bleiben die Milben bei Zimmertemperatur nach Einschätzung des RKI wahrscheinlich höchstens 48 Stunden ansteckend; bei 50 °C sterben sie innerhalb von zehn Minuten.
Tückisch ist die lange Zeit bis zu den ersten Beschwerden: Ansteckend ist man schon, bevor es juckt. Deshalb werden enge Kontaktpersonen auch ohne Symptome mitbehandelt. Umgekehrt endet die Ansteckungsfähigkeit nach der Behandlung schnell, bei gewöhnlicher Krätze direkt nach Abschluss der ersten ordnungsgemäßen Cremebehandlung oder 24 Stunden nach Einnahme von Ivermectin. Engen Körperkontakt sollten Sie nach der Creme vorsichtshalber noch 36 Stunden meiden. Wer Krätze hatte, kann sich später erneut anstecken.
Wann zum Arzt?
Gehen Sie in die Hausarzt-, Kinderarzt- oder direkt in eine Hautarztpraxis, wenn
- es seit Tagen oder Wochen vor allem nachts juckt und sich keine andere Erklärung findet,
- Sie feine Gänge, Knötchen oder Bläschen an den typischen Stellen bemerken,
- Partnerin, Partner, Kinder oder Mitbewohner ähnliche Beschwerden haben oder Sie engen Kontakt zu jemandem mit gesicherter Krätze hatten,
- nach einer Behandlung neue Gänge oder Knötchen auftauchen.
Zeitnah abklären lassen sollten Sie den Verdacht bei Säuglingen, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei geschwächtem Immunsystem und bei pflegebedürftigen Angehörigen. Rasch handeln sollten Sie, wenn sich dicke Schuppen oder Borken bilden (Verdacht auf Borkenkrätze) oder wenn aufgekratzte Stellen eitern, gelbliche Krusten bilden, sich die Rötung ausbreitet oder Fieber dazukommt. Dann kann eine bakterielle Infektion dahinterstecken, die zusätzlich behandelt werden muss.
Behandeln Sie nicht auf Verdacht selbst. Die wichtigsten Mittel gibt es ohnehin nur auf Rezept, und Kortisoncremes, die man „gegen den Ausschlag“ aufträgt, können das Hautbild verschleiern und die Diagnose erschweren. Das RKI empfiehlt, die Diagnose von einer Dermatologin oder einem Dermatologen stellen oder absichern zu lassen.
Diagnose beim Hautarzt
Zuerst geht es um die Vorgeschichte: Seit wann juckt es, wann besonders, und hat jemand im Umfeld ähnliche Beschwerden? Danach werden die typischen Stellen untersucht. Am schnellsten gelingt der Nachweis meist mit dem Dermatoskop, einer beleuchteten Speziallupe. Am Ende eines Gangs zeigt sich die Milbe als kleines dunkles Dreieck, das an einen Drachen erinnert (englisch kite sign). Für die Dermatoskopie wurde in Studien eine Sensitivität von rund 98 Prozent berichtet. Sie setzt aber Erfahrung voraus und ist bei stark pigmentierter Haut weniger zuverlässig.
Ergänzend kann die Praxis etwas Hautmaterial aus einem Gang abschaben oder einen durchsichtigen Klebestreifen aufdrücken und unter dem Mikroskop nach Milben, Eiern oder Kotballen suchen. Bluttests helfen nicht weiter, eine Gewebeprobe ist normalerweise nicht nötig. Weil bei der gewöhnlichen Krätze oft nur 10 bis 15 erwachsene Milben auf der ganzen Haut leben, schließt ein einzelner unauffälliger Befund Krätze nicht sicher aus. Ob bei typischem Bild trotzdem behandelt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
Behandlung: Creme, Tabletten und der richtige Ablauf
Krätze sollte immer behandelt werden, gemeinsam mit den engen Kontaktpersonen. Eingesetzt werden Arzneimittel, die Milben abtöten (Skabizide). Welches passt, hängt von Alter, Hautzustand, Schwangerschaft, Begleiterkrankungen und der Situation im Umfeld ab. Ein Hinweis zur Einordnung: Die deutsche Leitlinie von 2016 ist abgelaufen, eine neue S3-Leitlinie wurde im Oktober 2025 angemeldet. Die Angaben hier folgen deshalb vor allem dem zuletzt 2024/2025 aktualisierten RKI-Ratgeber.
Permethrin-Creme (5 %) ist laut RKI das Mittel der ersten Wahl. Sie ist zur Krätzebehandlung verschreibungspflichtig, ab dem dritten Lebensmonat zugelassen und kann nach ärztlicher Abwägung auch in Schwangerschaft und Stillzeit verwendet werden. Typischer Ablauf, maßgeblich ist immer die Anleitung Ihrer Praxis:
- Vorbereiten: Fingernägel kurz schneiden. Die Haut sollte trocken sein; nach Duschen oder Baden etwa eine halbe Stunde warten. Frische Kleidung und Bettwäsche bereitlegen.
- Lückenlos auftragen: den ganzen Körper vom Unterkiefer abwärts, auch hinter den Ohren, in allen Hautfalten, zwischen Fingern und Zehen, an Handgelenken, Achseln, Bauchnabel, Pofalte, Genitalbereich, Fußsohlen und unter den Nägeln. Das RKI empfiehlt inzwischen, zur Sicherheit auch das Gesicht mitzubehandeln (Augen und Mund aussparen). Bei Säuglingen und Kleinkindern, bei denen oft auch die Kopfhaut befallen ist, erklärt die Praxis, welche Stellen zusätzlich eingecremt werden. Erwachsene brauchen etwa 25 bis 30 Gramm Creme. Für den Rücken hilft eine zweite Person, am besten mit Einmalhandschuhen.
- Einwirken lassen: 8 bis 12 Stunden, am besten über Nacht. Werden zwischendurch die Hände gewaschen, sofort neu eincremen.
- Abduschen, frische Kleidung anziehen und das Bett frisch beziehen.
- Wiederholen: Das RKI empfiehlt eine zweite Anwendung nach 7 bis 10 Tagen, um Anwendungsfehler auszugleichen. Die Fachinformationen unterscheiden sich je nach Präparat: Manche sehen eine feste Wiederholung nach 7 bis 14 Tagen vor, andere nur bei fortbestehendem Befall. Maßgeblich sind das verordnete Präparat und das ärztlich festgelegte Schema.
Die Creme kann die Haut austrocknen und reizen. Eine milde, rückfettende Pflege nach der Behandlung hilft.
Ivermectin-Tabletten sind seit 2016 in Deutschland zur Krätzebehandlung zugelassen und ebenfalls verschreibungspflichtig. Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht (200 Mikrogramm pro Kilogramm); zugelassen sind sie ab 15 Kilogramm. Für gewöhnliche Skabies sieht die Fachinformation zunächst eine einmalige Dosis vor; anhaltender Juckreiz allein ist kein Grund für eine zweite Einnahme. Eine Wiederholung innerhalb von etwa zwei Wochen kommt insbesondere bei neuen typischen Hautveränderungen, positivem Milbennachweis sowie bei ausgedehnter oder Borkenkrätze, Immunschwäche oder Ausbruchssituationen infrage. Das genaue Schema legt die Praxis fest. Infrage kommen die Tabletten etwa, wenn eine lückenlose Ganzkörperbehandlung schwer umsetzbar ist, bei stark entzündeter Haut, bei Pflegebedürftigen, bei Ausbrüchen in Einrichtungen oder wenn die Creme nicht gewirkt hat. In der Schwangerschaft ist Ivermectin keine Standardtherapie und kommt allenfalls nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung infrage.
Weitere Mittel sind Benzylbenzoat (für Kinder in niedrigerer Konzentration), das an drei aufeinanderfolgenden Tagen aufgetragen wird, und Crotamiton, das drei bis fünf Tage lang angewendet wird. Beide sind nicht verschreibungspflichtig und gelten als Alternativen, wenn Permethrin nicht infrage kommt.
Wenn es nach der Behandlung weiter juckt: Auch wenn alle Milben tot sind, reagiert die Haut noch eine Weile auf ihre Reste. Dieses postskabiöse Ekzem kann einige Wochen anhalten, Fachquellen nennen bis zu etwa drei Wochen für das Abheilen. Rückfettende Pflege und, nach ärztlicher Verordnung, eine Kortisoncreme lindern die Beschwerden. Juckreiz allein ist kein Grund, erneut ein Skabizid aufzutragen. Tauchen dagegen neue Gänge oder Knötchen auf, sollte die Praxis prüfen, ob die Behandlung nicht gewirkt hat oder ob Sie sich erneut angesteckt haben.
Wenn die Behandlung nicht wirkt, liegt das meist an Anwendungsfehlern: ausgelassene Hautstellen, zu kurze Einwirkzeit, nicht gekürzte Fingernägel, eine vergessene zweite Anwendung oder Kontaktpersonen, die nicht gleichzeitig behandelt wurden. Daneben mehren sich laut RKI Berichte über Milben, die weniger empfindlich auf Permethrin reagieren; eine echte Resistenz gilt aber als nicht sicher bewiesen. Bei Therapieversagen entscheidet die Hautärztin oder der Hautarzt über einen Wechsel oder eine Kombination der Mittel.
Kontaktpersonen, Wäsche und Wohnung
Ein Ping-Pong-Effekt in Familien entsteht meist dadurch, dass nicht alle mitbehandelt wurden. Alle engen Kontaktpersonen sollten möglichst am selben Tag behandelt werden, auch wenn sie (noch) keine Beschwerden haben: Menschen im selben Haushalt mit engem Körperkontakt, Partnerinnen und Partner, Kinder, die mit im Bett schlafen, pflegende Angehörige. Danach sollten sie bis zu sechs Wochen auf nächtlichen Juckreiz achten, denn so lange können erste Symptome auf sich warten lassen.
Für die Wohnung reichen gezielte Maßnahmen, die Sie am Tag der Behandlung erledigen:
- Waschen: Kleidung, Unterwäsche, Handtücher und Bettwäsche, die zuletzt benutzt wurden, bei mindestens 50 °C waschen (das RKI nennt mindestens zehn Minuten bei dieser Temperatur) oder heiß im Trockner trocknen.
- Verpacken: Was sich nicht waschen lässt, etwa Schuhe, Kuscheltiere oder Jacken, 72 Stunden in einem verschlossenen Plastiksack bei mindestens 21 °C lagern. Alternativ mindestens fünf Stunden bei unter −10 °C einfrieren.
- Polstermöbel und Matratzen: gründlich absaugen oder 48 Stunden nicht benutzen. Bei gewöhnlicher Krätze ist das laut RKI nicht zwingend.
- Bett nach der Behandlung frisch beziehen.
Desinfektionsmittel oder ein Kammerjäger sind überflüssig. Eine Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt hält Desinfektionsmaßnahmen für unwirksam und eine professionelle Schädlingsbekämpfung für unnötig.
Borkenkrätze (Scabies crustosa)
Die Borkenkrätze ist selten, aber ernst. Sie entsteht, wenn das Immunsystem die Milben nicht in Schach hält, etwa bei Immunschwäche, unter immunsuppressiven Medikamenten, bei Demenz oder neurologischen Erkrankungen und bei stark pflegebedürftigen Menschen. Statt etwa einem Dutzend leben dann bis zu Millionen Milben auf der Haut. Typisch sind dicke Schuppen, Krusten und Borken, oft an Händen, Füßen und Nägeln, häufig auch an Kopfhaut, Gesicht und Hals. Weil der Juckreiz gering sein oder ganz fehlen kann, wird sie leicht übersehen.
Borkenkrätze ist hochansteckend; hier genügen kurze Hautkontakte. Betroffene werden isoliert und möglichst stationär behandelt, meist mit einer Kombination aus Permethrin-Creme und mehrfach gegebenen Ivermectin-Tabletten sowie schuppenlösender Behandlung. Kontaktpersonen der letzten sechs Wochen werden untersucht und mitbehandelt. Die Hygieneregeln sind strenger: Nicht waschbare Dinge werden zum Beispiel mindestens sieben Tage verpackt gelagert.
Kita, Schule, Arbeit: Was das Infektionsschutzgesetz regelt
Meldepflicht: Für Ärztinnen und Ärzte gibt es in Deutschland keine allgemeine Meldepflicht für einzelne Krätzefälle; in Sachsen gelten zusätzliche Regeln. Stattdessen regelt das Infektionsschutzgesetz (IfSG) den Umgang in Einrichtungen.
Kita, Schule, Hort, Heim, Ferienlager: Nach § 34 Abs. 1 IfSG dürfen Kinder und Erwachsene, die an Krätze erkrankt sind oder bei denen ein Verdacht besteht, diese Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen oder dort mit Kontakt zu den Betreuten arbeiten, bis nach ärztlichem Urteil keine Weiterverbreitung mehr zu befürchten ist. Eltern müssen die Einrichtung informieren, die Leitung benachrichtigt das Gesundheitsamt. Pflegeheime, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und Gemeinschaftsunterkünfte haben eigene Benachrichtigungspflichten (§§ 35 und 36 IfSG).
Rückkehr: Bei gewöhnlicher Krätze ist sie laut RKI möglich, sobald die erste ordnungsgemäße Behandlung abgeschlossen ist, bei Ivermectin 24 Stunden nach der Einnahme. Ein schriftliches Attest schreibt das Gesetz nicht generell vor. Das RKI hält es aber für sinnvoll, dass Einrichtungen einen Nachweis über die ärztlich verordnete Behandlung verlangen. Bei Borkenkrätze gelten diese kurzen Fristen nicht.
Geschwister: Anders als etwa bei Masern sieht das Gesetz für Krätze kein Besuchsverbot für gesunde Mitbewohner vor; § 34 Abs. 3 nennt Skabies nicht. Im Einzelfall, etwa bei einem Ausbruch, kann das Gesundheitsamt aber weitere Maßnahmen festlegen. Geschwister sollten mitbehandelt werden, wenn längerer enger Hautkontakt bestand, etwa gemeinsames Schlafen in einem Bett oder regelmäßiges Kuscheln. Ob eine Mitbehandlung nötig ist, klärt die behandelnde Praxis beziehungsweise bei einem Ausbruch das Gesundheitsamt.
Arbeit: Das Tätigkeitsverbot nach § 34 betrifft nur die Arbeit mit Betreuten in Gemeinschaftseinrichtungen. Für Erwachsene nennt das RKI denselben Zeitpunkt: Nach Abschluss der ersten ordnungsgemäßen Behandlung können sie wieder zur Arbeit gehen. In Pflege- und Gesundheitsberufen kommen die Hygienepläne der Einrichtung hinzu. Ob Sie bis dahin krankgeschrieben werden, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Untersuchung und Behandlung der Krätze sind reguläre Kassenleistungen und keine Selbstzahlerleistung (IGeL).
| Leistung | Gesetzlich Versicherte |
|---|---|
| Untersuchung in der Haus-, Kinder- oder Hautarztpraxis, Dermatoskopie, Mikroskopie | Kassenleistung |
| Permethrin-Creme 5 % (verschreibungspflichtig) | Kassenrezept; Zuzahlung 10 % des Preises, mindestens 5 €, höchstens 10 € je Packung |
| Ivermectin-Tabletten (verschreibungspflichtig) | Kassenrezept; gleiche Zuzahlungsregel |
| Benzylbenzoat, Crotamiton (rezeptfrei) | Erwachsene zahlen in der Regel selbst; für Kinder unter 12 Jahren und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 Jahre können sie bei ärztlicher Verordnung zulasten der Kasse abgegeben werden |
| Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren | von der Rezeptzuzahlung befreit |
Eine offene Frage ist oft die vorbeugende Mitbehandlung von Kontaktpersonen ohne Beschwerden: Ob und wie die Kasse sie übernimmt, ist nicht immer eindeutig, darauf weist auch das RKI hin. Sprechen Sie in der Praxis an, wer im Haushalt mitbehandelt werden soll und wie die Rezepte ausgestellt werden. Bedenken Sie dabei die Menge: Für zwei Anwendungen braucht ein Erwachsener rechnerisch etwa 50 bis 60 Gramm Creme.
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Verwandte Behandlungen
Quellen
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Skabies (Krätze) (abgerufen 2026-10-20)
- Robert Koch-Institut: Häufig gestellte Fragen zu Skabies (Krätze) (abgerufen 2026-10-20)
- infektionsschutz.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Erregersteckbrief Krätze (Skabies) (abgerufen 2026-10-20)
- Sunderkötter C, Wohlrab J, Hamm H: Scabies – Epidemiology, Diagnosis, and Treatment. Deutsches Ärzteblatt International 2021;118:695–704 (abgerufen 2026-10-20)
- MSD Manual (Ausgabe für medizinische Fachkreise): Skabies (abgerufen 2026-10-20)
- Pharmazeutische Zeitung: Krätze – Permethrin als erste Wahl (abgerufen 2026-10-20)
- Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 34: Gesundheitliche Anforderungen, Mitwirkungspflichten, Aufgaben des Gesundheitsamtes (abgerufen 2026-10-20)
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1: verschreibungspflichtige Stoffe (abgerufen 2026-10-20)
- Bundesministerium für Gesundheit: Zuzahlung und Erstattung von Arzneimitteln (abgerufen 2026-10-20)
- AWMF: Anmeldung der S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Skabies (Registernummer 013-052) (abgerufen 2026-10-20)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.