
Dellwarzen entfernen: Behandlung, Kosten & Verlauf
Dellwarzen (Mollusca contagiosa) sind meist harmlos und heilen oft von allein. Wann Abwarten genügt, welche Methoden (Kürettage, Kryotherapie, KOH) infrage kommen, was sie kosten und wann eine ärztliche Abklärung ratsam ist.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 23.7.2026
Dellwarzen – medizinisch Mollusca contagiosa – sind kleine, kuppelförmige Hautknötchen mit einer typischen Vertiefung in der Mitte. Sie zählen zu den häufigsten Hautinfektionen im Kindesalter, treten aber auch bei Erwachsenen auf. Trotz des Namens haben sie mit „echten“ Warzen nur wenig gemein: Ausgelöst werden Dellwarzen durch ein Pockenvirus, nicht durch Humane Papillomaviren (HPV). Bei gesundem Immunsystem heilen sie häufig von allein ab – eine Behandlung ist deshalb nicht immer nötig. Ob und wie behandelt wird, entscheidet sich individuell und sollte mit einer Hautärztin oder einem Hautarzt besprochen werden.
Was sind Dellwarzen?
Dellwarzen entstehen durch eine Infektion mit dem Molluscum-contagiosum-Virus, einem DNA-Virus aus der Familie der Pockenviren (Poxviridae). Das Virus vermehrt sich in der obersten Hautschicht und bildet dort umschriebene Knötchen. Typisch sind stecknadelkopf- bis erbsengroße Papeln (meist etwa 1–5 mm), die hautfarben, rosafarben oder leicht weißlich, glatt und glänzend sind und in der Mitte die namensgebende zentrale Delle tragen. In dieser Delle findet sich eine breiige, weißliche Masse aus virusbeladenen Hautzellen, die als hochinfektiös gilt und beim Aufkratzen leicht verschleppt wird.
Die Knötchen verursachen meist keine Schmerzen, können aber jucken oder sich entzünden, vor allem wenn sie mechanisch gereizt werden. Sie treten einzeln oder in Gruppen auf; bei Kindern finden sich mitunter Dutzende Papeln. Handflächen und Fußsohlen bleiben typischerweise ausgespart. Für die Diagnose genügt in der Regel die Blickdiagnose durch eine erfahrene Ärztin oder einen erfahrenen Arzt. Dellwarzen sind gutartig und stehen in keinem Zusammenhang mit Hautkrebs.
Abgrenzung zu echten Warzen. Gewöhnliche Warzen (Verrucae) werden überwiegend durch Humane Papillomaviren (HPV) verursacht. Sie sind eher rau, fest und verhornt, besitzen keine zentrale Delle und sitzen häufig an mechanisch belasteten Stellen wie Fingern oder Fußsohlen. Dellwarzen dagegen sind glatt, weich und kuppelförmig mit der typischen Delle. Weil beiden Formen unterschiedliche Viren zugrunde liegen, unterscheiden sich zum Teil auch die Behandlungswege.
Ansteckung & Verlauf
Dellwarzen werden vor allem durch direkten Hautkontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Auch eine Schmierinfektion über gemeinsam genutzte Gegenstände wie Handtücher, Waschlappen, Kleidung oder Spielsachen sowie eine Übertragung im Schwimmbad sind möglich. Bei Erwachsenen können Dellwarzen zudem über enge körperliche und sexuelle Kontakte übertragen werden, insbesondere im Genitalbereich. Zwischen Ansteckung und dem Auftreten der ersten Knötchen (Inkubationszeit) vergehen typischerweise etwa zwei bis acht Wochen. Durch Kratzen können Viren in benachbarte Hautbezirke verschleppt werden (Auto-Inokulation), sodass die Zahl der Papeln über Wochen zunimmt.
Besonders häufig betroffen sind Kinder, mit einem Häufungsgipfel im Grundschulalter, sowie Menschen mit Neurodermitis (atopischem Ekzem), da die gestörte Hautbarriere dem Virus den Eintritt erleichtert. Bei geschwächtem Immunsystem kann der Verlauf ausgedehnter und langwieriger sein.
Bei intaktem Immunsystem ist die Infektion in der Regel selbstlimitierend: Die Knötchen heilen häufig innerhalb von sechs bis zwölf Monaten von allein ab, teils dauert es ein bis zwei Jahre oder länger. Die Abheilung wird oft von einer entzündlichen Phase begleitet, in der einzelne Knötchen gerötet und geschwollen sind – ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem die viralen Zellen erkennt. Meist heilen Dellwarzen ohne Narben ab; gelegentlich bleiben vorübergehend hellere oder dunklere Flecken zurück. Der Verlauf ist häufig wechselhaft: Während einzelne Papeln abheilen, können andernorts neue entstehen. Eine Meldepflicht für einzelne Fälle besteht nicht, und ein genereller Ausschluss vom Kindergarten oder von der Schule wird aus infektionshygienischer Sicht nicht als sinnvoll angesehen.
Behandeln oder abwarten?
Da Dellwarzen meist von selbst abheilen, ist eine Behandlung nicht zwingend erforderlich. Bei immungesunden Kindern mit wenigen, beschwerdefreien Knötchen ist ein abwartendes Vorgehen eine anerkannte Option. Abwarten bedeutet dabei nicht „nichts tun“: Dazu gehören Aufklärung über den Verlauf, einfache Hygienemaßnahmen, das Vermeiden von Kratzen, die Behandlung eines begleitenden Ekzems sowie das Abdecken der Knötchen.
Für eine aktive Behandlung sprechen unter anderem:
- starker Juckreiz oder wiederkehrende Entzündungen bis hin zu bakteriellen Superinfektionen
- ein ausgedehnter Befall mit zahlreichen Läsionen, der die Lebensqualität einschränkt
- Dellwarzen im Genitalbereich bei Jugendlichen und Erwachsenen, um eine Ansteckung von Partnern zu verringern; bei genitalem Befall Erwachsener sollte zusätzlich eine Beratung und gegebenenfalls eine Untersuchung auf andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) angeboten werden
- ein geschwächtes Immunsystem – hier steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund
- ein deutlicher kosmetischer oder psychosozialer Leidensdruck, etwa bei sichtbaren Knötchen im Gesicht
Wichtig: Von aggressiver Selbstbehandlung – Ausdrücken, Aufkratzen oder ätzende Hausmittel – ist dringend abzuraten, da sie Infektionen, Narben und eine weitere Ausbreitung begünstigen kann. Bei Warnzeichen wie starker Entzündung, Eiterbildung, Fieber, rascher Zunahme oder bei Lokalisation an Augenlidern und im Genitalbereich sollte zeitnah eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Behandlungsmethoden
Keine einzelne Methode hat sich als klar überlegen erwiesen. Die Wahl richtet sich nach Alter, Zahl und Lage der Knötchen, Schmerzempfindlichkeit, Begleiterkrankungen sowie den Wünschen der Betroffenen und sollte ärztlich beraten werden.
Kürettage (Auslöffeln). Die Knötchen werden mit einem scharfen Löffel (Kürette) ausgeschabt. Der Eingriff kann schmerzhaft sein; deshalb wird – vor allem bei Kindern – häufig etwa 30–60 Minuten vorher eine betäubende Creme (z. B. EMLA) aufgetragen. In einer Untersuchung waren nach nur einer Sitzung bei rund 70 Prozent der Behandelten keine Dellwarzen mehr nachweisbar, nach zwei bis drei Sitzungen deutlich mehr; die Zufriedenheit war hoch. Mögliche Nebenwirkungen sind kleine Blutungen, Pigmentverschiebungen und selten Narben.
Kryotherapie (Vereisung). Die Läsionen werden mit flüssigem Stickstoff vereist. Das Verfahren ist etabliert, kann aber Brennen und Schmerzen verursachen; danach bilden sich häufig eine Blase oder Kruste. Pigmentstörungen sind möglich. Für sehr zahlreiche, kleinste Papeln bei kleinen Kindern ist die Kryotherapie eher weniger geeignet.
Kaliumhydroxid-Lösung (KOH, z. B. InfectoDell). Diese Lösung zur Heimanwendung löst eine gewollte Entzündungsreaktion aus. Sie wird sparsam und punktuell nur auf die einzelnen Knötchen aufgetragen, wobei die umgebende Haut ausgespart wird. Laut Beipackzettel darf sie nicht bei Kindern unter zwei Jahren, nicht in Augennähe, auf Schleimhäuten oder auf aufgekratzter Haut und nicht bei Immunschwäche angewendet werden; weitere Gegenanzeigen sind eine akute Neurodermitis (Anwendung erst nach Abklingen des Ekzems) sowie eine Neigung zu Keloiden oder hypertrophen Narben. Kurzzeitiges Brennen und Rötung sind häufig; bei Überdosierung oder zu häufiger Anwendung kann die Lauge jedoch ätzend wirken und zu Verätzungen und stärkeren Hautschäden führen. Bei starker Reaktion sollte die Behandlung pausiert und ärztlicher Rat eingeholt werden. Selten kommt es zu Narben – vor allem, wenn die Knötchen zusätzlich aufgekratzt werden.
Cantharidin. Dieser blasenbildende Wirkstoff wird vor allem in den USA eingesetzt, wo seit 2023 ein Präparat (Ycanth) ab dem zweiten Lebensjahr zugelassen ist. In Deutschland steht diese Behandlung bislang nicht regulär zur Verfügung. Studien zeigen zudem nur einen begrenzten Zusatznutzen gegenüber Placebo.
Topische und immunmodulierende Mittel. Imiquimod, Retinoide oder Podophyllotoxin werden in ausgewählten Situationen genutzt. Für Imiquimod ist die kontrollierte Evidenz eher zurückhaltend zu bewerten – in Studien war es hinsichtlich der Abheilung nicht besser als ein Vehikel, führte aber zu mehr lokalen Reaktionen. Solche Mittel kommen eher bei genitalem Befall, bei Erwachsenen oder wenn destruktive Verfahren nicht toleriert werden infrage und sollten ausschließlich nach ärztlicher Verordnung angewendet werden. Imiquimod und Podophyllotoxin werden zudem in Schwangerschaft und Stillzeit nicht empfohlen.
Laser. Eine Lasertherapie (z. B. CO₂-Laser) bleibt eher Erwachsenen oder therapieresistenten Verläufen vorbehalten. Sie ist kostenintensiv und im Kindesalter kein Standardverfahren.
Kosten
Im deutschen Gesundheitssystem übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Behandlung in der Regel, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht – etwa bei Juckreiz, wiederkehrenden Entzündungen, bakteriellen Superinfektionen, Genitalbefall oder einer Immunschwäche. Bei Kindern mit medizinischer Indikation ist das meist der Fall. Erfolgt die Entfernung dagegen aus rein kosmetischen Gründen, wird sie häufig als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) nach der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet und ist selbst zu zahlen.
Die folgenden Selbstzahler-Richtwerte sind lediglich orientierend und können je nach Praxis, Region, Zahl der Läsionen und Aufwand abweichen:
| Leistung | Richtwert |
|---|---|
| Kürettage (wenige Läsionen, inkl. Betäubung) | ca. 40–80 € pro Sitzung |
| Kürettage (ausgedehnter Befall) | ca. 80–150 € oder mehr pro Sitzung |
| Kryotherapie (wenige Läsionen) | ca. 20–50 € pro Sitzung |
| Kryotherapie (viele oder wiederholte Sitzungen) | ca. 50–100 € |
| Lasertherapie | ca. 100–250 € pro Sitzung |
| Kaliumhydroxid-Lösung (Medikament) | ca. 20–40 € |
| Imiquimod-Creme (Medikament) | ca. 70–120 € |
Klären Sie vor einer Behandlung, die als IGeL abgerechnet wird, die Kosten schriftlich und fragen Sie in der Praxis nach, ob die Kasse zahlt oder ob eine Selbstzahlerleistung vorliegt.
Vorbeugung & Rückfall vermeiden
Weil das Sekret der Dellwarzen ansteckend ist, hilft konsequente Hygiene, die Ausbreitung zu begrenzen: regelmäßiges Händewaschen, keine gemeinsame Nutzung von Handtüchern, Waschlappen und Kleidung sowie eigene Pflegeartikel. Die Knötchen sollten nicht ausgedrückt, gequetscht oder aufgekratzt werden, und die Fingernägel sind möglichst kurz zu halten. Beim Sport mit Körperkontakt und beim Schwimmen empfiehlt es sich, betroffene Stellen mit Kleidung oder einem wasserdichten Verband abzudecken; bei ausgeprägtem Befall kann ein vorübergehender Verzicht auf das Schwimmen sinnvoll sein. Beim Sex senken Kondome das Risiko, bieten aber keinen vollständigen Schutz, da Dellwarzen auch auf nicht bedeckter Haut sitzen können.
Bei Neurodermitis oder sehr trockener Haut stabilisiert eine konsequente Basispflege die Hautbarriere und kann so vorbeugen. Bereits bestehende Dellwarzen sollten allerdings nicht eingecremt werden, um eine Verschleppung der Viren zu vermeiden.
Auch nach erfolgreicher Behandlung oder Spontanheilung können erneut Dellwarzen auftreten – etwa, weil noch Viren in der Haut verblieben sind oder eine neue Ansteckung erfolgt ist. Das ist kein Zeichen einer gescheiterten Behandlung. Langfristig ist die Prognose günstig: Die meisten Menschen entwickeln nach einiger Zeit eine Immunität, sodass Dellwarzen nicht dauerhaft wiederkehren.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
- AOK: Dellwarzen bei Kindern und Erwachsenen – entfernen oder abwarten? (abgerufen 2026-07-23)
- Techniker Krankenkasse: Was sind Dellwarzen? (abgerufen 2026-07-23)
- Apotheken Umschau: Dellwarzen (Mollusca contagiosa) (abgerufen 2026-07-23)
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten): Molluscum contagiosum (abgerufen 2026-07-23)
- Gesundheitsamt Main-Kinzig-Kreis: Merkblatt Dellwarzen (abgerufen 2026-07-23)
- derma.plus: Dellwarzenentfernung mittels Kürettage (abgerufen 2026-07-23)
- IUSTI: European Guideline for the Management of Genital Molluscum Contagiosum (2020) (abgerufen 2026-07-23)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.