
Seborrhoisches Ekzem: Ursachen, Behandlung & Kopfgneis beim Baby
Was das seborrhoische Ekzem (seborrhoische Dermatitis) ist, woran Sie es an Kopfhaut, Augenbrauen, Nase, Ohren und Brust erkennen, welche Rolle der Hefepilz Malassezia spielt und was pilzhemmende Shampoos und Cremes, Kortison und Calcineurin-Hemmer laut Studien leisten. Dazu: warum es wiederkommt, Kopfgneis beim Säugling und der Unterschied zum Milchschorf, Warnzeichen und was die Kasse zahlt.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 22.10.2026
Das seborrhoische Ekzem, auch seborrhoische Dermatitis genannt, ist eine häufige, nicht ansteckende Entzündung der Haut an Stellen mit vielen Talgdrüsen: Kopfhaut und Haaransatz, Augenbrauen, die Falten neben der Nase, an den Ohren und über dem Brustbein. Typisch sind gerötete Flecken mit gelblich-fettigen Schuppen, die meist wenig jucken. Beteiligt ist der Hefepilz Malassezia, der normalerweise harmlos auf der Haut lebt. Bei Jugendlichen und Erwachsenen verläuft das Ekzem in Schüben. Heilen lässt es sich bisher nicht, gut in Schach halten aber schon: mit pilzhemmenden Shampoos und Cremes, etwa mit Ketoconazol oder Ciclopirox, bei stärkerer Entzündung kurz mit Kortison und danach oft mit einer Erhaltungsbehandlung. Bei Babys sieht es anders aus. Der Kopfgneis, die Säuglingsform, ist harmlos und heilt meist bis zum ersten Geburtstag von selbst ab. Mit Milchschorf meinen deutsche Fachquellen etwas anderes, nämlich einen juckenden Ausschlag, der eine beginnende Neurodermitis anzeigen kann. Im Alltag werden beide Begriffe allerdings oft verwechselt.
Was ist ein seborrhoisches Ekzem?
Ein Ekzem ist eine Entzündung der Haut; der Ratgeber Ekzem stellt die verschiedenen Formen im Überblick vor. „Seborrhoisch“ kommt von Seborrhoe, der verstärkten Talgbildung. Das Ekzem zeigt sich vor allem dort, wo die Haut viele Talgdrüsen hat.
Nach Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wirken mehrere Dinge zusammen: viel Talg, der Hefepilz Malassezia, der die Haut normalerweise unbemerkt besiedelt, und die Abwehrreaktion der Haut darauf. Eine Infektion im üblichen Sinn ist das nicht. Anstecken können Sie sich und andere deshalb nicht, auch nicht innerhalb der Familie.
Das seborrhoische Ekzem ist verbreitet: Laut IQWiG haben etwa 3 bis 10 von 100 Menschen damit zu tun, Männer häufiger als Frauen. Zum ersten Mal zeigt es sich typischerweise im jungen Erwachsenenalter oder ab etwa 50. Daneben gibt es einen frühen Gipfel bei Säuglingen in den ersten drei Lebensmonaten.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen bleibt das Ekzem meist über Jahre bestehen, mal stärker, mal schwächer. Im Sommer verschwindet es oft für eine Weile, im Winter oder in stressigen Zeiten kommt es häufig zurück. Eine Behandlung, die es dauerhaft heilt, gibt es laut IQWiG nicht. Harmlos ist es laut IQWiG dennoch. Weil es oft im Gesicht sitzt, belastet es aber viele. Wer sehr darunter leidet, kann das ärztlich ansprechen; manchmal hilft auch eine Verhaltenstherapie, gelassener mit der Erkrankung umzugehen.
Symptome: woran Sie es erkennen
Typisch sind Flecken mit gelblichen, fettig glänzenden Schuppen. Auf heller Haut sind sie gerötet, auf dunkler Haut erscheinen sie eher heller als die Umgebung. Meist jucken sie wenig oder gar nicht; an der Kopfhaut berichten manche aber von Juckreiz. Das Ekzem entwickelt sich langsam. Auf der Kopfhaut beginnt es oft unauffällig mit Schuppen und kann sich zu dicken, fest haftenden Schuppenplatten entwickeln.
Typische Stellen sind laut IQWiG und MSD Manual:
- behaarte Kopfhaut und Haaransatz, bei Männern auch der Bart
- Augenbrauen und die Haut zwischen ihnen
- die Falten von den Nasenflügeln zu den Mundwinkeln und die angrenzenden Wangen
- hinter den Ohren und im äußeren Gehörgang
- die Lidränder: Gelegentlich entzünden sie sich mit trockenen gelben Krusten, die Bindehaut kann gereizt sein
- die Haut über dem Brustbein und am Rücken zwischen den Schulterblättern
- Hautfalten unter der Brust, in den Achseln und Leisten, bei Männern manchmal der Genitalbereich
Und die Haare?
Dauerhafter Haarausfall gilt nicht als typische Folge. Das MSD Manual beschreibt keinen Haarausfall; eine Ketoconazol-Shampoo-Fachinformation nennt zwar eine häufige Begleitung durch Haarverlust, belegt damit aber keine Verursachung durch das Ekzem. Fallen Ihnen über Wochen deutlich mehr Haare aus, lassen Sie das abklären, denn dann kann auch eine andere Ursache dahinterstecken. Mehr dazu im Ratgeber Haarausfall.
Ursachen und Auslöser
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Neben Talg und Malassezia spielen nach IQWiG und MSD Manual eine Rolle:
- eine familiäre Veranlagung,
- Stress, seelisch wie körperlich,
- Kälte und das Klima: Im Winter wird das Ekzem oft schlimmer, Sonnenlicht bessert es häufig,
- Hormone und Bakterien auf der Haut,
- Erkrankungen des Nervensystems, vor allem die Parkinson-Krankheit,
- eine geschwächte Abwehr, etwa durch eine HIV-Infektion.
Bei Parkinson und bei geschwächter Abwehr tritt das Ekzem häufiger auf und ist oft ausgeprägter. Bei geschwächter Abwehr kann es sich laut IQWiG sogar über die gesamte Haut ausbreiten und spricht schlechter auf die Behandlung an. Die meisten Menschen mit seborrhoischem Ekzem haben aber keine dieser Erkrankungen; dafür ist das Ekzem schlicht zu häufig. Was ein auffälliger Verlauf für die Abklärung bedeutet, steht weiter unten unter „Wann zum Arzt?“.
Kopfgneis oder Milchschorf? Zwei Begriffe, die oft vermischt werden
Viele Eltern sagen „Milchschorf“, wenn sie Schuppen auf dem Kopf ihres Babys meinen. Deutsche Fachquellen wie das IQWiG, das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte trennen aber zwei Dinge:
| Kopfgneis (Gneis) | Milchschorf | |
|---|---|---|
| Was dahintersteckt | seborrhoisches Ekzem des Säuglings | entzündlicher Ausschlag, kann Vorbote einer Neurodermitis sein |
| Beginn | meist in den ersten drei Lebensmonaten | meist nach dem dritten Lebensmonat |
| Aussehen | fest haftende, gelblich-fettige, weiß-gelbe bis bräunliche Schuppen | gerötete Haut mit Schuppen und Krusten, teils nässend; die Kruste erinnert an angebrannte Milch im Topf |
| Juckreiz | nein, das Baby wirkt ungestört | meist stark |
| Wo noch | Gesicht, Hals, Hautfalten, Windelbereich | Gesicht, auch Arme |
| Verlauf | heilt meist bis zum ersten Geburtstag ohne Folgen ab | hält länger an; kann der Beginn einer Neurodermitis sein |
Ganz einheitlich ist der Sprachgebrauch nicht. Das MSD Manual nennt die dicken gelben Schuppenkrusten des seborrhoischen Ekzems im ersten Lebensmonat „Milchschorf“, und auch die deutsche Zusammenfassung eines Cochrane-Reviews übersetzt das englische cradle cap so. Lassen Sie sich davon nicht verunsichern. Wichtiger als der Name ist, was Sie sehen: Fettige Schuppen ohne Juckreiz bei einem zufriedenen Baby sprechen für Kopfgneis. Juckreiz, deutliche Rötung oder Nässen sprechen eher für Milchschorf und gehören in die Kinderarztpraxis, ebenso ein Ausschlag, der sich im Gesicht ausbreitet. Wie die Neurodermitis behandelt wird, erklärt der Ratgeber Neurodermitis.
Kopfgneis beim Säugling: meist reicht Abwarten
Kopfgneis ist sehr häufig. Wie häufig, ist unsicher; ein Cochrane-Review nennt Schätzungen von bis zu 71 von 100 Säuglingen in den ersten drei Lebensmonaten. Er sieht oft eindrucksvoller aus, als er ist: Das Ekzem stört die Kinder nicht, ist nicht ansteckend und verschwindet von selbst, meist bis zum ersten Geburtstag, nur selten erst bis zum zweiten. Eine Behandlung ist laut IQWiG nicht nötig. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt erkennt den Gneis meist auf einen Blick, weitere Untersuchungen braucht es in der Regel nicht. Fragen Dritte nach, ob das ansteckend sei, dürfen Sie das ruhig verneinen.
Wenn Sie die Schuppen lösen möchten
Nötig ist das nicht. Wenn dicke Schuppen Sie stören, empfehlen IQWiG, das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit und der Kinderärzteverband ein sanftes Vorgehen:
- Die Kopfhaut abends dünn mit Öl einreiben und über Nacht einwirken lassen.
- Am nächsten Tag mit einem milden Babyshampoo auswaschen.
- Die aufgeweichten Schuppen vorsichtig mit einer weichen Babybürste oder einem feinen Kamm lösen.
- Nicht abkratzen oder abzupfen: Die deutschen Quellen warnen vor Narben, der britische Gesundheitsdienst NHS vor Infektionen.
Beim Öl sind sich die Fachquellen nicht einig. IQWiG, das Bundesinstitut und der Kinderärzteverband nennen Olivenöl oder Babyöl. Der NHS rät dagegen ausdrücklich von Olivenöl ab und empfiehlt eine Pflegecreme oder Kokosöl; von Erdnussöl rät er wegen des Allergierisikos ausdrücklich ab. Belastbare Studien gibt es zu keinem dieser Öle. Ungeklärt ist laut den Autorinnen und Autoren des Cochrane-Reviews auch, ob Olivenöl das Wachstum von Malassezia fördert. Eine einheitlich belegte Empfehlung lässt sich daraus nicht ableiten; fragen Sie bei Unsicherheit die Kinderarztpraxis oder Apotheke nach einem geeigneten Produkt. Fragen Sie im Zweifel bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung nach.
Was Sie beim Baby besser lassen
- Shampoos für Erwachsene, auch Anti-Schuppen-Shampoos. Für Ketoconazol-Shampoo etwa fehlen laut Fachinformation Daten bei Kindern; es wird für sie nicht empfohlen. Seife und Produkte mit Duftstoffen meiden Sie ebenfalls besser.
- Mittel mit Salicylsäure nur nach ärztlicher Rücksprache. Der Cochrane-Review verweist auf Fallberichte von Vergiftungen bei Säuglingen nach der Anwendung auf der Haut.
- Rezeptfreie Kortisoncremes: Sie sind nur für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren gekennzeichnet. Ob ein Baby eine Creme braucht, entscheidet die Kinderarztpraxis.
Für keine der untersuchten Behandlungen ist ein Nutzen beim Kopfgneis gut belegt. Der Cochrane-Review von 2019 fand nur sechs kleine Studien mit 310 Kindern, die Aussagekraft war sehr gering. Ob etwa Biotin zum Einnehmen hilft, blieb offen. In den meisten Studien heilte der Ausschlag unabhängig von der Behandlung ab. Die Autorinnen und Autoren halten es daher für vertretbar, gar nicht zu behandeln.
Breitet sich das Ekzem auf die Hautfalten oder den Windelbereich aus und nässt dort, kann laut IQWiG Zinkpaste helfen. Mehr zu entzündeter Haut unter der Windel im Ratgeber Windeldermatitis.
Behandlung bei Jugendlichen und Erwachsenen
Das Ziel ist, Rötung und Schuppen zurückzudrängen und Schübe kurz zu halten. Meist genügen Mittel zum Auftragen; Tabletten sind laut IQWiG in der Regel nicht nötig. Eine eigene deutsche Leitlinie zum seborrhoischen Ekzem haben wir bei Redaktionsschluss im Oktober 2026 nicht gefunden. Dieser Abschnitt stützt sich deshalb auf die Gesundheitsinformationen des IQWiG, zwei Cochrane-Übersichtsarbeiten, das MSD Manual und die Fachinformation eines Ketoconazol-Shampoos. Beide Cochrane-Reviews werten überwiegend kleine, kurze Studien von höchstens vier Wochen aus. Wie gut die Mittel langfristig wirken, ist deshalb wenig untersucht.
Pilzhemmende Mittel: Ketoconazol und Ciclopirox
Weil Malassezia beteiligt ist, sind pilzhemmende Wirkstoffe (Antimykotika) die Basis. Die meisten Daten gibt es zu Ketoconazol und Ciclopirox. Ein Cochrane-Review von 2015 wertete 51 Studien mit gut 9.000 Teilnehmenden aus:
- Mit Ketoconazol 2 % war das Risiko, nach vier Wochen noch nicht abgeheilt zu sein, um 31 Prozent geringer als mit einem Scheinmedikament. Zum Vergleich: In den Placebogruppen war im Median bei 69 von 100 Behandelten der Ausschlag nach vier Wochen noch da. Die Aussagekraft dieser Studien ist gering.
- Gegenüber Kortison wirkte Ketoconazol ähnlich gut, Nebenwirkungen traten aber um 44 Prozent seltener auf.
- Ciclopirox 1 % war ebenfalls wirksamer als ein Scheinmedikament, bei ähnlich vielen Nebenwirkungen. Zwischen Ketoconazol und Ciclopirox zeigte sich kein klarer Unterschied.
Ketoconazol und Ciclopirox zum Auftragen sind nach der Arzneimittelverschreibungsverordnung von der Verschreibungspflicht ausgenommen; ob ein passendes Präparat verfügbar und für Alter sowie Darreichungsform zugelassen ist, klären Sie in der Apotheke. Ketoconazol-Shampoo ist als Arzneimittel apothekenpflichtig.
Kopfhaut: Shampoos richtig anwenden
Für ein 2-prozentiges Ketoconazol-Shampoo sieht die Fachinformation (Stand Februar 2021) bei Erwachsenen und Jugendlichen vor:
- Behandlung: zweimal pro Woche, im Abstand von drei bis vier Tagen, über zwei bis vier Wochen
- Anwendung: auf die betroffenen Stellen auftragen, drei bis fünf Minuten einwirken lassen, dann ausspülen; nicht in die Augen bringen
- Vorbeugung: danach einmal pro Woche oder alle zwei Wochen über drei bis sechs Monate
In Schwangerschaft und Stillzeit darf das Shampoo laut Fachinformation nach Abwägung von Nutzen und Risiko verwendet werden; Stillende sollten es nicht im Brustbereich anwenden.
Bei dicken Schuppenkrusten kann es helfen, sie vorher aufzuweichen, etwa mit Olivenöl über Nacht, und am nächsten Tag mit einem milden Shampoo auszuwaschen. In der Apotheke gibt es außerdem Mittel mit Salicylsäure, die Schuppen lösen. Wer trockenes oder lockiges Haar nicht so oft waschen möchte, kann nach IQWiG auf einen wirkstoffhaltigen Schaum ausweichen, der nicht ausgespült wird.
Weitere Anti-Schuppen-Wirkstoffe sind Selendisulfid und Teer. Teerhaltige Arzneimittel sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Zinkpyrithion, das ältere Ratgeber oft nennen, ist in der EU seit März 2022 in Kosmetika verboten, also auch in gewöhnlichen Anti-Schuppen-Shampoos. Aus der Ausnahme von der Verschreibungspflicht folgt nicht, dass derzeit ein zugelassenes Arzneimittel mit Zinkpyrithion verfügbar ist; das sollte in der Apotheke geprüft werden.
Gesicht, Augenbrauen und Bart
Im Gesicht reichen bei leichten Formen oft Ketoconazol-Creme oder andere pilzhemmende Cremes aus der Gruppe der Imidazole, laut MSD Manual zweimal täglich aufgetragen. Bart und Augenbrauen werden laut MSD Manual ähnlich wie die Kopfhaut behandelt. Die Haut dort reagiert aber empfindlicher auf Kortison.
Für die Pflege rät das IQWiG zu milden, nicht zu fetthaltigen Produkten. Leichtes Make-up ist ab und zu kein Problem; die Stellen dauerhaft unter dickem Make-up zu verstecken, ist dagegen nicht sinnvoll. Der übliche UV-Schutz bleibt notwendig; gezielte Sonnenexposition ist keine Behandlung des seborrhoischen Ekzems. Fettarme Sonnenschutzlotionen eignen sich besser als sehr reichhaltige Sonnencremes.
Entzündete Lidränder mit Krusten oder gereizte Augen sollten Sie ärztlich ansehen lassen, statt sie selbst mit Shampoo oder Kortison zu behandeln.
Kortison: kurz und gezielt
Kortisonhaltige Cremes, Gele, Lösungen oder Shampoos wirken entzündungshemmend. Laut IQWiG waren nach zwei bis vier Wochen bei 30 von 100 Menschen alle entzündeten Stellen verschwunden, mit einem Scheinmedikament nur bei 8 von 100. Eine Studie über zwölf Wochen bestätigte das. Ob und wann das Ekzem danach zurückkommt, lässt sich nicht sagen. Schwache und starke Präparate wirkten in den Studien kurzfristig ähnlich gut.
Für eine Dauerbehandlung eignet sich Kortison nicht. Mögliche Nebenwirkungen sind dünnere Haut, die sich durch erweiterte Äderchen zeigen kann, Haarwurzelentzündungen und Pigmentstörungen; Akne und Rosazea können sich verschlechtern. Im Gesicht wirkt Kortison stärker, dort reichen schwache bis mittelstarke Mittel, an den Lidern nur schwache. Bei richtiger Anwendung ist das Risiko laut IQWiG sehr gering. Wer zusätzlich eine Rosazea hat, findet mehr dazu im Ratgeber Rosacea.
Wer längere Zeit Kortison verwendet hat, sollte es nicht abrupt absetzen. Die Fachinformation des Ketoconazol-Shampoos empfiehlt für den Wechsel, morgens noch ein schwaches Kortisonpräparat und abends das Shampoo zu verwenden und das Kortison über zwei bis drei Wochen auszuschleichen.
Rezeptfrei gibt es Hydrocortison-Cremes bis 0,5 Prozent. Die stärkere dieser rezeptfreien Varianten ist für höchstens zwei Wochen gedacht, alle sind nur für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren gekennzeichnet. Ohne gesicherte Diagnose sollten Sie Kortison im Gesicht nicht auf eigene Faust über längere Zeit verwenden.
Calcineurin-Hemmer: Tacrolimus und Pimecrolimus
Die entzündungshemmenden Wirkstoffe Tacrolimus (Salbe) und Pimecrolimus (Creme) sind verschreibungspflichtig und nur für die Neurodermitis zugelassen. Beim seborrhoischen Ekzem werden sie off-label eingesetzt, also außerhalb der Zulassung. Laut MSD Manual kommen sie vor allem infrage, wenn eine längere Behandlung nötig ist, etwa im Gesicht, und pilzhemmende Mittel allein nicht genügen.
Im Cochrane-Review von 2014 wirkten sie kurzfristig ähnlich gut wie Kortison, Nebenwirkungen waren aber häufiger, allerdings in nur zwei kleinen Studien. Bei der Tacrolimus-Salbe bemerkt laut Europäischer Arzneimittel-Agentur mehr als 1 von 10 Behandelten Brennen und Juckreiz an der behandelten Stelle.
Ein Off-Label-Einsatz ist nach Angaben des Gemeinsamen Bundesausschusses nur in Ausnahmefällen eine Kassenleistung. Fragen Sie deshalb vorher, ob Sie ein Kassen- oder ein Privatrezept bekommen.
Licht und Tabletten
Weil Sonnenlicht das Ekzem oft bessert, probieren manche eine Lichttherapie mit UV-B. Belastbare Empfehlungen dazu fanden wir nicht; mehr zur Methode im Ratgeber Lichttherapie. Tabletten sind bei gewöhnlichem Verlauf in der Regel nicht nötig. Bei sehr ausgedehnten oder hartnäckigen Formen entscheidet die Hautarztpraxis, ob eine Behandlung von innen infrage kommt.
Warum es wiederkommt: die Erhaltungsbehandlung
Das seborrhoische Ekzem ist bei Erwachsenen chronisch und kehrt nach dem Ende einer Behandlung häufig zurück. Das ist kein Zeichen, dass die Behandlung falsch war. Das MSD Manual empfiehlt deshalb, ein pilzhemmendes Shampoo auch nach dem Abklingen ein- bis zweimal pro Woche weiterzuverwenden. Die Fachinformation des Ketoconazol-Shampoos sieht zur Vorbeugung eine Anwendung pro Woche oder alle zwei Wochen über drei bis sechs Monate vor. Kommt ein Schub, können Sie die Behandlung erneut aufnehmen. Wie gut eine Erhaltungsbehandlung über viele Monate schützt, ist allerdings kaum in Studien untersucht.
Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt einen festen Plan: welches Mittel im Schub, welches zur Vorbeugung und wann Kortison erlaubt ist. Das verhindert, dass aus kurzen Kortisonphasen unbemerkt eine Dauerbehandlung wird.
Ähnliche Hauterkrankungen: Abgrenzung
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt das seborrhoische Ekzem am Aussehen und an den typischen Stellen. Nur selten ist ein Abstrich nötig, etwa um eine bakterielle Infektion auszuschließen; eine Gewebeprobe braucht es in der Regel nicht. Verwechselt werden kann es vor allem mit diesen Erkrankungen:
| Erkrankung | Woran sie sich eher unterscheidet | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Schuppenflechte | scharf begrenzte, dickere Schuppenherde, oft auch an Ellbogen, Knien oder Nägeln; Mischformen mit dem seborrhoischen Ekzem kommen vor | Schuppenflechte |
| Neurodermitis | deutlicher Juckreiz, unscharf begrenzte Rötung, auf der Kopfhaut eher feine weiße, trockene Schuppen, oft Gelenkbeugen | Neurodermitis |
| Rosazea | Rötung, Knötchen und Pusteln im Gesicht, aber keine Schuppen; beide Erkrankungen können gleichzeitig bestehen | Rosacea |
| Kopf- oder Hautpilz | runde Herde, abgebrochene Haare, Pusteln oder Krusten; bei Erwachsenen auf der Kopfhaut selten | Hautpilz |
| Kontaktekzem | juckender Ausschlag nach Kontakt mit einem Reizstoff oder Allergen, etwa Haarfärbemittel | Ekzem |
| Borkenflechte | honiggelbe Krusten, ansteckende bakterielle Infektion, vor allem bei Kindern | Borkenflechte |
Wann zum Arzt?
Beim Baby
Noch am selben Tag in die Kinderarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 oder eine Kinder-Notdienstpraxis, wenn
- ein Baby unter drei Monaten 38 °C oder mehr misst, auch ohne weitere Krankheitszeichen (Empfehlung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte); dann nicht bis später am Tag abwarten, sondern sofort in die Praxis, eine Kinderklinik oder Notaufnahme,
- der Ausschlag zusammen mit Fieber auftritt oder Ihr Kind krank wirkt, schlapp ist oder schlecht trinkt.
In den nächsten Tagen sollten Sie Ihr Kind vorstellen, wenn
- Schuppen oder Krusten bluten, nässen oder die Haut darunter anschwillt; das kann auf eine Infektion oder eine andere Erkrankung wie Neurodermitis oder Krätze hindeuten,
- der Ausschlag sich auf große Flächen oder den ganzen Körper ausbreitet,
- die Haut stark juckt, deutlich gerötet ist oder nässt, also eher nach Milchschorf als nach Kopfgneis aussieht, oder sich der Ausschlag im Gesicht ausbreitet,
- sich trotz Pflege über mehrere Wochen nichts bessert,
- der Windelbereich stark entzündet ist.
Bleibt der Gneis über den ersten Geburtstag hinaus, sprechen Sie das bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung an.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen
Noch am selben Tag, außerhalb der Sprechzeiten über 116117, bei
- einer sich rasch ausbreitenden, schmerzenden Rötung mit Fieber oder Schüttelfrost,
- Rötung und Schuppung fast der gesamten Haut mit Krankheitsgefühl.
Einen zeitnahen Termin in der Haus- oder Hautarztpraxis brauchen Sie, wenn
- Sie unsicher sind, ob es sich wirklich um ein seborrhoisches Ekzem handelt,
- es nach etwa vier Wochen konsequenter Behandlung nicht besser ist,
- Lidränder oder Augen beteiligt sind,
- Pusteln, nässende Krusten, Schmerzen oder deutlicher Haarausfall dazukommen,
- das Ekzem plötzlich sehr ausgeprägt auftritt, sich weit ausbreitet oder kaum auf die Behandlung anspricht.
Im letzten Fall ist es sinnvoll, auch die Abwehrlage abzuklären. Europäische Empfehlungen nennen insbesondere ein schweres oder therapieresistentes seborrhoisches Ekzem als Anlass, eine HIV-Testung anzubieten. Das heißt nicht, dass ein seborrhoisches Ekzem auf HIV hindeutet. Es heißt nur, dass ein Test in dieser Situation angeboten werden sollte, damit eine mögliche unerkannte Infektion nicht übersehen wird.
Kosten: Was zahlt die Kasse?
- Arztbesuch: Untersuchung und Behandlung in der Haus-, Kinder- oder Hautarztpraxis sind für gesetzlich Versicherte Kassenleistung.
- Rezeptfreie Arzneimittel wie Ketoconazol-Shampoo oder -Creme, Ciclopirox zum Auftragen und niedrig dosierte Hydrocortison-Cremes: Sie sind nach § 34 SGB V von der Kassenversorgung ausgeschlossen. Ausnahmen gelten für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und für Jugendliche mit Entwicklungsstörungen bis 18 Jahre; für sie zahlt die Kasse ärztlich verordnete rezeptfreie Arzneimittel.
- Verschreibungspflichtige Mittel, etwa stärkere Kortisonpräparate: Bei medizinischer Notwendigkeit zahlt die Kasse. Gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren leisten 10 Prozent Zuzahlung, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, aber nie mehr als das Mittel kostet.
- Calcineurin-Hemmer werden beim seborrhoischen Ekzem off-label verordnet; eine Kassenleistung ist das nur in Ausnahmefällen.
- Pflegeprodukte, Babyöl, Babyshampoo und kosmetische Anti-Schuppen-Shampoos zahlen Sie selbst.
Was ein rezeptfreies Präparat kostet, hängt von Wirkstoff, Packungsgröße und Apotheke ab; einen belastbaren Pauschalpreis gibt es nicht. Bietet Ihnen eine Praxis eine Leistung privat an, muss sie Sie vorher in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren.
Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)
Gesetzliche Kasse (GKV): Untersuchung und Behandlung können bei medizinischer Notwendigkeit zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden; für verordnete Arzneimittel zahlen gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren die gesetzliche Zuzahlung. Rezeptfreie Shampoos und Cremes zahlen Erwachsene in der Regel selbst; für Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr können medizinisch notwendige rezeptfreie Arzneimittel ärztlich zulasten der Kasse verordnet werden. Einen belastbaren Pauschalpreis gibt es nicht.
Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Seborrhoisches Ekzem (aktualisiert 31.01.2024) (abgerufen 2026-10-22)
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Seborrhoisches Ekzem – Welche Mittel helfen Jugendlichen und Erwachsenen? (aktualisiert 31.01.2024) (abgerufen 2026-10-22)
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Seborrhoisches Ekzem bei Säuglingen (aktualisiert 31.01.2024) (abgerufen 2026-10-22)
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Glossar – Milchschorf (abgerufen 2026-10-22)
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Kortison richtig anwenden und Nebenwirkungen vermeiden (abgerufen 2026-10-22)
- Okokon EO et al.: Topical antifungals for seborrhoeic dermatitis. Cochrane Review CD008138, 2015 (abgerufen 2026-10-22)
- Kastarinen H et al.: Topical anti-inflammatory agents for seborrhoeic dermatitis of the face or scalp. Cochrane Review CD009446, 2014 (abgerufen 2026-10-22)
- Victoire A et al.: Interventionen zur Behandlung des frühkindlichen seborrhoischen Ekzems (einschließlich Milchschorf). Cochrane Review CD011380, 2019 (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Seborrhoische Dermatitis (Stand April 2025) (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: Seborrhoische Dermatitis (Stand April 2025) (abgerufen 2026-10-22)
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (kindergesundheit-info.de): Hautprobleme bei Babys – Kopfgneis und Milchschorf (abgerufen 2026-10-22)
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (Kinderärzte im Netz): Kopfgneis verschwindet meist von selbst (abgerufen 2026-10-22)
- NHS (Großbritannien): Cradle cap (Kopfgneis), geprüft 03.10.2025 (abgerufen 2026-10-22)
- Fachinformation eines Ketoconazol-2-%-Shampoos (Stand Februar 2021) (abgerufen 2026-10-22)
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Beurteilungsbericht (EPAR) zur Tacrolimus-Salbe (abgerufen 2026-10-22)
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV), Anlage 1 – verschreibungspflichtige Stoffe (abgerufen 2026-10-22)
- PTAheute (Deutscher Apotheker Verlag): Ab März Zink-Pyrithion in Kosmetik verboten (Verordnung (EU) 2021/1902) (abgerufen 2026-10-22)
- HIV in Europe / EuroTest: Guidance overview – Indikatorerkrankungen für das Angebot eines HIV-Tests (2019) (abgerufen 2026-10-22)
- aponet.de (ABDA): Babys bis 3 Monate – ab 38 Grad Fieber zum Arzt (Empfehlung des BVKJ) (abgerufen 2026-10-22)
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Off-Label-Use (abgerufen 2026-10-22)
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (abgerufen 2026-10-22)
- § 31 SGB V – Arznei- und Verbandmittel (Zuzahlung ab 18 Jahren) (abgerufen 2026-10-22)
- § 61 SGB V – Zuzahlungen (abgerufen 2026-10-22)
- § 630c BGB – Informationspflichten (wirtschaftliche Aufklärung) (abgerufen 2026-10-22)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.