
Röschenflechte (Pityriasis rosea): Verlauf, Dauer, Ansteckung und was hilft
Wie eine Röschenflechte mit dem großen Primärmedaillon beginnt und sich im Tannenbaummuster ausbreitet, wie lange sie dauert, ob sie ansteckend ist, wie sie sich von Hautpilz, Syphilis und Schuppenflechte unterscheidet, was gegen den Juckreiz hilft und warum Schwangere sie ärztlich abklären lassen sollten.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 22.10.2026
Die Röschenflechte (Pityriasis rosea, umgangssprachlich auch Rosenflechte) ist ein häufiger, gutartiger Hautausschlag, der von selbst wieder verschwindet, meist innerhalb von sechs bis acht Wochen. Sie beginnt typischerweise mit einem einzelnen, größeren, rosafarbenen und schuppenden Fleck. Ein bis zwei Wochen später folgen viele kleine ovale Flecken am Rumpf, die sich am Rücken oft wie die Zweige eines Tannenbaums entlang der Hautlinien anordnen. Die Erkrankung gilt als kaum ansteckend und braucht meist keine Behandlung; gegen Juckreiz helfen Hautpflege und bei Bedarf eine Kortisoncreme. Lassen Sie die Diagnose trotzdem einmal ärztlich sichern: Hautpilz, Schuppenflechte oder eine Syphilis können ähnlich aussehen und brauchen eine ganz andere Behandlung. Wenn Sie schwanger sind, melden Sie einen neuen Ausschlag umgehend in Ihrer frauenärztlichen Praxis.
So verläuft eine Röschenflechte
Der Ablauf ist so typisch, dass Ärztinnen und Ärzte die Diagnose meist allein durch Ansehen und Nachfragen stellen können. Er hat zwei Phasen.
Vorher manchmal Beschwerden wie bei einem Infekt. Einige Tage vor dem Ausschlag fühlen sich manche Menschen müde und leicht krank, haben Halsschmerzen, Kopfschmerzen, leichtes Fieber oder Gelenkschmerzen. Viele merken davon nichts.
Phase 1: das Primärmedaillon. Zuerst erscheint ein einzelner runder oder ovaler Fleck, das Primärmedaillon, auch „Mutterplatte“ genannt. Er ist leicht erhaben, meist zwei bis fünf, manchmal bis zehn Zentimeter groß und sitzt laut NHS meist an Brust, Oberschenkel, Oberarm oder Hals, laut DermNet häufig auch an Bauch oder Rücken. Auf heller Haut ist er rosa mit rötlichem Rand, auf dunkler Haut eher dunkler mit hellerem Rand. Eine feine Schuppenkrause läuft knapp innerhalb des Randes. Diesen ersten Fleck haben nach Übersichtsarbeiten etwa 80 bis 90 von 100 Betroffenen; er kann aber auch fehlen.
Phase 2: die Aussaat. Etwa 5 bis 15 Tage später folgen viele kleinere, ovale Flecken von etwa einem halben bis zwei Zentimetern, meist an Brust und Rücken, oft auch an Oberarmen und Oberschenkeln, auf beiden Körperseiten ähnlich verteilt. Ihre Längsachse richtet sich nach den natürlichen Spaltlinien der Haut. Am Rücken entsteht so das bekannte Tannenbaummuster, am oberen Brustkorb manchmal eine V-Form. Die Flecken kommen in Schüben, der Ausschlag kann sich vor dem Abheilen noch einmal verstärken. Gesicht, Kopfhaut, Handflächen und Fußsohlen bleiben bei Erwachsenen meist frei.
Juckreiz. Die meisten Betroffenen haben mäßigen Juckreiz, manche gar keinen. Nach Angaben von DermNet juckt es bei bis zu einem Viertel stark.
Abheilen. Die Flecken verblassen langsam und ohne Narben. Zurück bleiben können hellere oder dunklere Hautstellen, auf brauner oder schwarzer Haut häufiger und deutlicher. Sie normalisieren sich meist innerhalb einiger Monate.
Bei Kindern und auf dunkler Haut
Bei Kindern kann die Röschenflechte laut NHS auch Gesicht und Kopfhaut betreffen; häufiger als bei Erwachsenen sitzt sie zudem in Achseln und Leisten (inverse Form). Auf dunkler Haut wirken die Flecken nicht rosa, sondern grau, violett, dunkelbraun oder fast schwarz, was die Einordnung erschwert. In einer amerikanischen Untersuchung an Schwarzen Kindern war bei 30 Prozent das Gesicht beteiligt, und bei 62 Prozent blieben Pigmentveränderungen zurück.
Untypische Verläufe
Nicht jede Röschenflechte hält sich an das Lehrbuch. Es gibt Verläufe ohne Primärmedaillon, mit mehreren großen Flecken, mit Bläschen oder Knötchen, mit sehr starkem Juckreiz oder mit Befall vor allem der Arme und Beine. Gerade dann ist eine ärztliche Abklärung wichtig, weil die Verwechslungsgefahr mit anderen Erkrankungen steigt.
Wer bekommt eine Röschenflechte – und warum?
Die Röschenflechte ist nicht selten. In einer bevölkerungsbezogenen Studie aus den USA erkrankten pro Jahr etwa 170 von 100.000 Menschen. Am häufigsten trifft sie Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 35 Jahren, Frauen möglicherweise etwas häufiger als Männer. Grundsätzlich kann sie in jedem Alter auftreten.
Die Ursache ist nicht sicher geklärt. Am meisten spricht für eine Reaktivierung der humanen Herpesviren 6 und 7. Mit diesen Viren stecken sich fast alle Menschen schon im Kleinkindalter an, häufig in Form des Dreitagefiebers; danach bleiben sie im Körper. Die Studien, die diesen Zusammenhang zeigen, sind allerdings klein und teilweise widersprüchlich. Die Viren gehören zwar zur selben Familie wie die Erreger von Lippenherpes und Gürtelrose, es sind aber andere Typen. Ein Bluttest auf diese Viren hilft bei der Diagnose nicht weiter, weil fast jeder Antikörper dagegen hat.
Medikamente können einen ähnlichen Ausschlag auslösen. Das MSD-Manual nennt unter anderem ACE-Hemmer, das Entwässerungsmittel Hydrochlorothiazid, Barbiturate, Metronidazol und Allopurinol, DermNet zusätzlich entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR und Isotretinoin. Solche Ausschläge sind oft ausgedehnter und jucken stärker; sie bilden sich zurück, wenn das Mittel abgesetzt wird. Setzen Sie verordnete Medikamente aber nie auf eigene Faust ab, sondern sprechen Sie mit der verordnenden Praxis.
Und Stress? In den ärztlichen Quellen, auf denen dieser Ratgeber beruht, ist Stress nicht als gesicherter Auslöser beschrieben. Erblich ist die Röschenflechte nicht.
Ist Röschenflechte ansteckend?
Nach heutigem Wissen kaum. Der britische Gesundheitsdienst NHS schreibt, dass sie nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Die britische Fachgesellschaft der Hautärzte (British Association of Dermatologists) weist darauf hin, dass sie manchmal gehäuft in Familien oder Schulen auftritt, schätzt das Risiko, andere anzustecken, aber als sehr gering ein. Diese zeitlichen Häufungen sind ein Grund, warum Fachleute einen infektiösen Auslöser vermuten.
Für den Alltag heißt das: Sie müssen keinen Abstand halten, keine Wäsche gesondert waschen und niemanden warnen. Anders ist es bei den Erkrankungen, mit denen die Röschenflechte verwechselt werden kann. Hautpilz ist mäßig ansteckend, eine Syphilis wird beim Sex übertragen. Auch deshalb lohnt sich die Abklärung.
Röschenflechte oder etwas anderes?
Mehrere Erkrankungen können einer Röschenflechte ähneln, vor allem am Anfang, wenn nur der erste Fleck da ist. Diese Übersicht hilft beim Einordnen, ersetzt aber keine Untersuchung.
| Erkrankung | Was anders ist | Wie geklärt wird |
|---|---|---|
| Ringelflechte (Hautpilz, Tinea corporis) | kreisrunde rote Herde, die nach außen wachsen, zur Mitte hin abblassen und einen schuppigen, oft verdickten Rand haben; mäßig ansteckend, z. B. über Haustiere | Hautschuppen vom Rand unter dem Mikroskop, bei Bedarf Pilzkultur; mehr im Ratgeber Hautpilz |
| Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) | weiße oder braune Flecken vor allem an Brust, Nacken, Rücken und Armen, bei Kindern auch im Gesicht; harmlos und nicht ansteckend | Hautschuppen mit einem Klebestreifen abnehmen und unter dem Mikroskop ansehen |
| Sekundäre Syphilis | Ausschlag laut gesund.bund.de häufig zuerst an Handflächen und Fußsohlen, dazu mitunter Fieber, geschwollene Lymphknoten oder kleinfleckiger Haarausfall; Wochen vorher kann an der Eintrittsstelle, etwa an Penis, Schamlippen, Mund oder After, ein schmerzloses Geschwür aufgetreten sein | Bluttest; mehr im Ratgeber Geschlechtskrankheiten |
| Psoriasis guttata (tropfenförmige Schuppenflechte) | viele kleine, tropfenförmige, schuppende Herde, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, meist ein bis zwei Wochen nach einer Infektion mit Streptokokken, etwa einer Halsentzündung | Untersuchung, ggf. Gewebeprobe; mehr im Ratgeber Schuppenflechte behandeln |
| Arzneimittelreaktion | Beginn nach einem neuen Medikament, oft ausgedehnter und stärker juckend als eine typische Röschenflechte | Medikamentenliste, Verlauf nach Absetzen in Absprache mit der Praxis, ggf. Gewebeprobe |
| Nummuläres Ekzem | münzförmige, juckende Herde von einem bis zehn Zentimetern, die zunächst nässen und dann verkrusten, meist an Beinen oder Armen; verläuft oft über Jahre in Schüben | Untersuchung; mehr im Ratgeber Ekzem |
Handflächen oder Fußsohlen betroffen? Dann sollte eine Syphilis ausgeschlossen werden. Das MSD-Manual für Fachkreise empfiehlt einen Bluttest auf Syphilis außerdem, wenn kein Primärmedaillon auftritt oder der Ausschlag ungewöhnlich verläuft oder verteilt ist. Eine Syphilis lässt sich laut gesund.bund.de gut mit Antibiotika behandeln. Sprechen Sie es deshalb offen an, wenn Sie in den letzten Monaten neue Sexualpartnerinnen oder Sexualpartner hatten; die Ärztin oder der Arzt entscheidet dann, ob ein Test sinnvoll ist.
Keine Kortisoncreme auf Verdacht. Solange nicht klar ist, ob ein Pilz dahintersteckt, sollten Sie keine Kortisoncreme verwenden. Sie kann laut MSD-Manual das typische Bild eines Hautpilzes verschleiern, sodass er schwerer zu erkennen ist. Mehr dazu im Ratgeber Hautausschlag, der auch andere Ausschlagsformen einordnet.
Diagnose in der Praxis
Meist genügen das Gespräch und der Blick auf die Haut. Gefragt wird, wo und wann der erste Fleck auftrat, ob Sie neue Medikamente nehmen, ob Sie schwanger sind und ob Sie vorher krank waren. Fotos aus den ersten Tagen helfen, besonders wenn das Primärmedaillon schon wieder verblasst ist.
Je nach Befund folgen gezielte Untersuchungen:
- Pilztest: Hautschuppen vom Rand eines Flecks werden unter dem Mikroskop untersucht. So lässt sich eine Ringelflechte oder Kleienpilzflechte nachweisen oder weitgehend ausschließen.
- Bluttest auf Syphilis: bei Befall von Handflächen oder Fußsohlen, fehlendem Primärmedaillon, ungewöhnlichem Verlauf oder entsprechendem Risiko.
- Gewebeprobe (Biopsie): bei Zweifel an der Diagnose oder wenn der Ausschlag länger als etwa zwei Monate besteht. Unter örtlicher Betäubung wird ein wenige Millimeter großes Stück Haut entnommen; laut EADV-Merkblatt ist das auch in der Schwangerschaft sicher.
Erste Anlaufstelle kann die Hausarztpraxis sein, bei Kindern die Kinder- und Jugendarztpraxis. Bei unklarem oder untypischem Bild, starkem Juckreiz oder langem Verlauf ist die Hautarztpraxis die richtige Adresse.
Behandlung: Was hilft wirklich?
Die wichtigste Nachricht zuerst: Die Röschenflechte heilt auch ohne Behandlung ab. Die Behandlung zielt auf den Juckreiz und darauf, sich in der Zwischenzeit wohler zu fühlen. Wer keine Beschwerden hat, braucht nichts zu tun. Eine Cochrane-Übersicht von 2019, die die bis Oktober 2018 gefundenen kontrollierten Studien auswertete, kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Die im Alltag üblichen Maßnahmen wie Pflegecremes, Kortisoncremes, Antihistaminika und Lichttherapie sind durch gut gemachte Studien bislang nicht belegt. Sie werden trotzdem empfohlen, weil sie Beschwerden lindern können und wenig schaden.
Haut schonen und Juckreiz lindern
- Rückfettend pflegen: Eine parfümfreie Pflegecreme oder Lotion beruhigt trockene, juckende Haut.
- Seife und Duschgel meiden: Waschen Sie sich lieber mit Wasser und einem Seifenersatz wie einem Duschöl oder einer Waschemulsion ohne Duftstoffe. Seife trocknet die Haut zusätzlich aus.
- Lauwarm statt heiß duschen und die Haut danach tupfen statt reiben.
- Weite Kleidung aus Baumwolle reibt weniger als enge oder kratzige Stoffe.
- Vorsicht bei Hausmitteln: Unter den 14 Studien der Cochrane-Übersicht war keine zu Hausmitteln oder Homöopathie. Ätherische Öle wie Teebaumöl, Kamille und Arnika können laut gesund.bund.de selbst Kontaktallergien auslösen und einen gereizten Ausschlag verschlimmern.
Kortisoncremes
Bleibt der Juckreiz störend, empfiehlt die britische Fachgesellschaft der Hautärzte eine milde Kortisoncreme oder -salbe, zweimal täglich auf die betroffenen Stellen; bei starkem Juckreiz kann die Ärztin oder der Arzt ein stärkeres Präparat verordnen. Rezeptfreie, schwach wirksame Kortisoncremes aus der Apotheke wenden Sie nur kurz und so an, wie es die Packungsbeilage vorgibt. Bei Kindern, in der Schwangerschaft und im Gesicht oder Genitalbereich lassen Sie sich vorher beraten. Kortisontabletten kommen nur bei sehr starkem Juckreiz in Betracht; als Routine raten Fachquellen davon ab, unter anderem wegen möglicher Rückfälle nach dem Absetzen.
Antihistaminika
Antihistaminika, also Allergietabletten, empfehlen NHS und die britische Fachgesellschaft gegen den Juckreiz; nicht müde machende Präparate gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Ob sie bei der Röschenflechte besser wirken als keine Behandlung, ist laut Cochrane-Übersicht nicht ausreichend untersucht.
Lichttherapie
Sonnenlicht und künstliches UV-Licht können laut MSD-Manual den Juckreiz lindern und die Heilung beschleunigen. Die 2026 aktualisierte S1-Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft „Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie“ (Registernummer 013-029, Version 5.0, Stand 9. Januar 2026, gültig bis 8. Januar 2031) hält fest: Bei chronisch verlaufender Röschenflechte kann eine Behandlung mit Breitband-UVB, Schmalband-UVB 311 nm oder mittelhoch dosiertem UVA1 erwogen werden. Das ist eine Kann-Empfehlung im Expertenkonsens, gestützt auf wenige kleine Studien. In der Praxis kommt die Lichttherapie deshalb vor allem bei ausgedehntem, lang anhaltendem oder stark juckendem Ausschlag infrage; in den Studien wurde zwei- bis dreimal pro Woche über bis zu vier Wochen bestrahlt. Wie sie abläuft und welche Nebenwirkungen möglich sind, erklärt der Ratgeber Lichttherapie.
Für natürliches Sonnenlicht gilt: vorsichtig dosieren und Sonnenbrand unbedingt vermeiden, wie DermNet betont.
Aciclovir: ein Mittel gegen Herpesviren
Weil Herpesviren als Auslöser gelten, wurde das antivirale Mittel Aciclovir untersucht. Nach der Cochrane-Übersicht bessert Aciclovir als Tablette den Ausschlag nach zwei Wochen wahrscheinlich häufiger als ein Scheinmedikament oder keine Behandlung; das beruht auf drei kleinen Studien mit zusammen 141 Teilnehmenden und Evidenz mittlerer Qualität. Ob es auch den Juckreiz lindert, blieb unklar. Ein 2016 in der Fachzeitschrift der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie veröffentlichtes Positionspapier einer internationalen Autorengruppe hält Aciclovir für Menschen, die wirklich eine Behandlung brauchen, für erwägenswert, betont aber: Die meisten brauchen keine, und Aciclovir ist für die Röschenflechte nicht zugelassen, der Einsatz also ein Off-Label-Gebrauch. Für die Behandlung der Röschenflechte bei Kindern und Stillenden fehlen ausreichende Wirksamkeitsdaten. Ob ein Behandlungsversuch sinnvoll ist, etwa bei sehr ausgedehntem Ausschlag mit Krankheitsgefühl in der frühen Phase, entscheidet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall.
Antibiotika
Antibiotika aus der Gruppe der Makrolide wurden ebenfalls getestet, mit widersprüchlichen Ergebnissen: Für Erythromycin fand die Cochrane-Übersicht Hinweise auf weniger Juckreiz, für Azithromycin und Clarithromycin keinen Nutzen. Eine amerikanische Übersichtsarbeit für Hausärzte kommt zu dem Schluss, dass Makrolide bei Röschenflechte keinen Nutzen haben. Zur üblichen Behandlung gehören Antibiotika nicht; sie können Nebenwirkungen haben und Resistenzen fördern.
Übersicht
| Maßnahme | Wofür | Was über den Nutzen bekannt ist |
|---|---|---|
| Abwarten, Haut schonen, rückfettende Pflege | alle | Erkrankung heilt von selbst; Pflege lindert Trockenheit, kaum Risiken |
| Milde bis mittelstarke Kortisoncreme | störender Juckreiz | von Fachgesellschaften empfohlen, in Studien kaum untersucht |
| Antihistaminika | Juckreiz | üblich, Nutzen nicht ausreichend untersucht |
| UVB- oder UVA1-Lichttherapie | ausgedehnte, lang anhaltende Verläufe | Kann-Empfehlung der S1-Leitlinie 2026, kleine Studien |
| Aciclovir (Tabletten) | ausgewählte, ausgeprägte Fälle | wahrscheinlich schnellere Besserung des Ausschlags; nicht zugelassen für diese Erkrankung |
| Antibiotika | – | widersprüchlich, nicht Teil der üblichen Behandlung |
Röschenflechte in der Schwangerschaft
Schwangere sollten eine Röschenflechte ernst nehmen, ohne in Panik zu geraten. Möglicherweise tritt sie in der Schwangerschaft sogar häufiger auf, vermutlich wegen der veränderten Abwehrlage. Was die Studien zeigen:
- Eine kleine italienische Fallserie von 2008 mit 38 Schwangeren berichtete über neun Frühgeburten und fünf Fehlgeburten. Von den Frauen, die in den ersten 15 Schwangerschaftswochen erkrankten, verloren 62 Prozent ihr Kind. Diese Zahlen haben viel Aufmerksamkeit erhalten, beruhen aber auf sehr wenigen Fällen.
- Eine Auswertung der Universitäts-Hautklinik Graz, 2022 in der Zeitschrift der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft veröffentlicht, fand bei 46 Schwangerschaften nur in 10,9 Prozent einen ungünstigen Ausgang (Fehlgeburt, Frühgeburt vor der 37. Woche oder Geburtsgewicht unter 2.500 Gramm), deutlich seltener als in den früheren Studien. Zwei Frauen hatten eine Fehlgeburt; das lag im Bereich dessen, was auch ohne Röschenflechte zu erwarten ist. Das Fazit der Autorinnen und Autoren: In den meisten Fällen beeinflusst die Röschenflechte Schwangerschaft und Geburt nicht.
- Eine Studie aus New York (2024) verglich 31 Schwangere mit Röschenflechte mit 75 Schwangeren ohne. Die Komplikationsrate war in beiden Gruppen gleich, je 19 Prozent; Fehlgeburten gab es in beiden Gruppen bei 13 Prozent.
- Eine Übersichtsarbeit von 2025 mit 177 Schwangeren aus elf Veröffentlichungen fand ungünstige Verläufe vor allem, wenn die Röschenflechte vor der 15. Schwangerschaftswoche begann. Sie nennt die Datenlage ausdrücklich widersprüchlich.
Als mögliche Warnzeichen für ein höheres Risiko gelten nach diesen Arbeiten und dem Patientenmerkblatt der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) ein Beginn in den ersten 15 Wochen, ein sehr ausgedehnter und lange anhaltender Ausschlag sowie Fieber oder Krankheitsgefühl. Ein Teil der früheren Fälle könnte zudem andere Ausschläge gewesen sein, etwa meist harmlose Schwangerschaftsdermatosen; darauf weist die Grazer Arbeitsgruppe hin.
Was Sie tun sollten:
- Rufen Sie umgehend in Ihrer frauenärztlichen Praxis an, wenn in der Schwangerschaft ein neuer Ausschlag auftritt. Das rät der britische Gesundheitsdienst NHS. Es gilt für jeden neuen Ausschlag in der Schwangerschaft, denn auch andere Ursachen wie Infektionen müssen ausgeschlossen werden; mehr dazu im Ratgeber Hautausschlag.
- Lassen Sie die Diagnose sichern, am besten zusätzlich in einer Hautarztpraxis. Gewebeproben und UVB-Bestrahlungen sind laut EADV-Merkblatt auch in der Schwangerschaft möglich; bei UVB sollten Sie Folsäure weiter einnehmen.
- Engmaschigere Kontrollen: Die Grazer Arbeitsgruppe und das EADV-Merkblatt empfehlen eine sorgfältige frauenärztliche Begleitung mit den üblichen Ultraschalluntersuchungen.
- Gegen den Juckreiz gelten Pflegecremes als unbedenklich. Schwache bis mittelstarke Kortisoncremes gelten laut EADV in der Schwangerschaft als sicher; unter den Antihistaminika nennt das Merkblatt Loratadin als bevorzugtes Mittel. Nehmen Sie trotzdem nichts ohne Rücksprache.
- Aciclovir: Das MSD-Manual empfiehlt, Schwangeren eine Behandlung mit Aciclovir anzubieten, räumt aber ein, dass sie das Risiko für Früh- oder Totgeburten nicht nachweislich senkt. Das EADV-Merkblatt rät zu Zurückhaltung: nicht zugelassen, widersprüchliche Ergebnisse, nur im Einzelfall bei schwerem Ausschlag oder Juckreiz. Besprechen Sie Nutzen und Unsicherheiten mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt und der Hautarztpraxis.
Kita, Schule, Arbeit und Sport
Die Röschenflechte gehört nicht zu den Erkrankungen, die nach § 34 des Infektionsschutzgesetzes einen Besuch von Kita, Schule oder anderen Gemeinschaftseinrichtungen ausschließen; das ergibt unsere Durchsicht der dort aufgeführten Liste. Die britische Fachgesellschaft der Hautärzte sieht ausdrücklich keinen Grund, Kinder mit Röschenflechte von der Schule fernzuhalten. Wichtig ist nur, dass die Diagnose ärztlich gesichert ist, denn ansteckende Ausschläge wie Hautpilz, Windpocken oder Borkenflechte können anfangs ähnlich aussehen. Fragen Sie im Zweifel in der Einrichtung nach, ob sie eine ärztliche Bestätigung wünscht.
Erwachsene können in der Regel normal arbeiten. Ob eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, etwa bei Fieber und Krankheitsgefühl zu Beginn, beurteilt die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall. Weil die Röschenflechte als kaum ansteckend gilt, spricht aus Sicht der Ansteckung nichts gegen Sport, Schwimmbad oder Sauna. Verstärken Hitze, Schweiß oder Chlorwasser den Juckreiz, duschen Sie danach lauwarm ohne Seife und cremen Sie sich ein.
Wie lange dauert es – und was, wenn es nicht weggeht?
Die meisten Fachquellen nennen sechs bis acht Wochen, die Cochrane-Übersicht eine Spanne von zwei bis zwölf Wochen. Das MSD-Manual beschreibt, dass der Ausschlag oft nach etwa fünf Wochen verschwunden ist, aber auch zwei Monate und länger bestehen kann. Pigmentveränderungen danach brauchen manchmal weitere Monate.
Nach drei Monaten noch da? Dann raten NHS und die britische Fachgesellschaft der Hautärzte zu einer erneuten ärztlichen Vorstellung. Ein Ausschlag, der so lange anhält, ist entweder eine ungewöhnlich lange Röschenflechte oder eine andere Erkrankung, etwa eine Schuppenflechte, ein Ekzem, eine Arzneimittelreaktion oder eine seltenere Hauterkrankung. Eine Gewebeprobe bringt dann oft Klarheit. Bei gesicherter, lang anhaltender Röschenflechte kommt eine Lichttherapie infrage.
Ein zweites Mal? Rückfälle sind selten. Eine amerikanische Übersichtsarbeit nennt Raten zwischen 1,8 und 3,7 Prozent, meist 5 bis 18 Monate nach der ersten Erkrankung; der erneute Ausschlag kommt oft ohne Primärmedaillon.
Wann zum Arzt?
Die Röschenflechte selbst ist kein Notfall. Lassen Sie einen neuen, schuppenden Ausschlag aber einmal ärztlich ansehen, damit die Diagnose feststeht.
Notruf 112 brauchen Sie bei einem Ausschlag nur, wenn echte Notfallzeichen hinzukommen: Fieber oder schweres Krankheitsgefühl zusammen mit roten bis violetten Flecken, die sich mit einem Glas nicht wegdrücken lassen; Blasen oder sich ablösende Haut mit wunden Stellen an Mund, Augen oder Genitalien; Atemnot oder eine rasch zunehmende Schwellung von Zunge oder Rachen; Verwirrtheit. Das passt nicht zur Röschenflechte und muss sofort behandelt werden. Mehr im Ratgeber Hautausschlag.
Noch heute in die Haus- oder Kinderarztpraxis, außerhalb der Sprechzeiten über den Bereitschaftsdienst 116117:
- Ausschlag mit Fieber, besonders wenn Sie oder Ihr Kind sich deutlich krank fühlen
- neuer Ausschlag kurz nach Beginn eines neuen Medikaments, besonders mit Fieber
- neuer Ausschlag bei stark geschwächtem Immunsystem, etwa unter Chemotherapie
Umgehend anrufen in der frauenärztlichen Praxis: jeder neue Ausschlag in der Schwangerschaft.
In den nächsten Tagen einen Termin in der Haus- oder Hautarztpraxis vereinbaren:
- zur Sicherung der Diagnose, wenn Sie eine Röschenflechte vermuten
- Flecken an Handflächen oder Fußsohlen, kein erster großer Fleck oder ein ungewöhnlicher Verlauf
- möglicher Kontakt zu einer sexuell übertragbaren Infektion
- Verdacht auf Pilz, etwa weil Haustiere ähnliche Stellen haben
- ein Kind mit Ausschlag, dessen Ursache unklar ist
Einen regulären Termin in der Hautarztpraxis brauchen Sie, wenn
- der Juckreiz trotz Pflege und rezeptfreier Mittel stark bleibt oder den Schlaf raubt,
- der Ausschlag nach drei Monaten nicht abgeheilt ist,
- ein ähnlicher Ausschlag wiederkommt,
- Pigmentflecken Sie lange belasten.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Gesetzlich Versicherte haben nach § 27 SGB V Anspruch auf die Behandlung, die nötig ist, um eine Krankheit zu erkennen oder Beschwerden zu lindern. Untersuchung, Pilztest, Bluttest auf Syphilis und eine Gewebeprobe können bei medizinischer Notwendigkeit in einer Kassenpraxis über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden. Für Arzneimittel und Lichttherapie gilt:
| Leistung | Gesetzlich Versicherte |
|---|---|
| Verschreibungspflichtige Mittel, z. B. stärkere Kortisoncremes | Kassenrezept; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als das Mittel kostet; unter 18 Jahren keine Zuzahlung |
| Rezeptfreie Mittel für Erwachsene, z. B. Antihistaminika, schwache Kortisoncremes | in der Regel selbst zu zahlen |
| Rezeptfreie Mittel für Kinder bis zum 12. Geburtstag (bei Entwicklungsstörungen bis 18) | können ärztlich auf Kassenrezept verordnet werden |
| Aciclovir-Tabletten | für die Röschenflechte nicht zugelassen; einen solchen Off-Label-Gebrauch übernimmt die Kasse laut Gemeinsamem Bundesausschuss nur in Ausnahmefällen. Ob ein Kassen- oder ein Privatrezept ausgestellt wird, klären Sie direkt in der Praxis |
| UVB-Lichttherapie (Breitband oder 311 nm) in der Praxis | kann bei medizinischer Notwendigkeit in einer Kassenpraxis über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden, je Sitzung über die EBM-Nummer 30430 |
| UVA1-Lichttherapie ambulant | keine Kassenleistung: Die selektive UVA1-Bestrahlung gehört laut Gemeinsamem Bundesausschuss zu den Methoden, die Vertragsärzte nicht zulasten der Kassen erbringen dürfen; Kosten vorab mit Praxis und Kasse klären |
| Pflegecremes, Duschöle, Seifenersatz | in der Regel selbst zu zahlen |
Bietet Ihnen eine Praxis eine Leistung privat an, muss sie Sie vorher in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren. Fragen Sie in diesem Fall nach, warum die Leistung bei einer Erkrankung sinnvoll ist, die in aller Regel von selbst abheilt. Einen belastbaren Pauschalpreis für Selbstzahlerleistungen bei Röschenflechte gibt es nicht.
Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)
Gesetzliche Kasse (GKV): Untersuchung, Pilztest, Bluttest auf Syphilis, Gewebeprobe und Behandlung können bei medizinischer Notwendigkeit in einer Kassenpraxis über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden, ebenso eine UVB-Lichttherapie. Rezeptfreie Mittel und Pflegecremes zahlen Erwachsene meist selbst; für verschreibungspflichtige Mittel zahlen gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren die gesetzliche Zuzahlung.
Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
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- MSD Manual, Ausgabe für medizinische Fachkreise: Pityriasis rosea, vollständige Überprüfung Nov. 2025 (abgerufen 2026-10-22)
- NHS (National Health Service, UK): Pityriasis rosea (geprüft 07.09.2023) (abgerufen 2026-10-22)
- British Association of Dermatologists: Patienteninformation Pityriasis rosea (Stand Juni 2023) (abgerufen 2026-10-22)
- DermNet: Pityriasis rosea (geprüft Dezember 2021) (abgerufen 2026-10-22)
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- Chuh A et al.: A position statement on the management of patients with pityriasis rosea. J Eur Acad Dermatol Venereol 2016; 30: 1670–1681 (abgerufen 2026-10-22)
- Villalon-Gomez JM: Pityriasis Rosea – Diagnosis and Treatment. American Family Physician 2018; 97: 38–44 (abgerufen 2026-10-22)
- Leung AKC et al.: Pityriasis Rosea – An Updated Review. Current Pediatric Reviews 2021; 17: 201–211 (abgerufen 2026-10-22)
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S1-Leitlinie Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie (Reg.-Nr. 013-029, Version 5.0, Stand 09.01.2026, gültig bis 08.01.2031) (abgerufen 2026-10-22)
- EADV Task Force Hauterkrankungen in der Schwangerschaft: Patientenmerkblatt Pityriasis rosea in der Schwangerschaft (2024) (abgerufen 2026-10-22)
- Wenger-Oehn L et al.: Pityriasis rosea in pregnancy – A case series and literature review. J Dtsch Dermatol Ges 2022; 20: 953–959 (abgerufen 2026-10-22)
- Drago F et al.: Pregnancy outcome in patients with pityriasis rosea. J Am Acad Dermatol 2008; 58 (5 Suppl 1): S78–S83 (abgerufen 2026-10-22)
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- gesund.bund.de (mit IQWiG): Schuppenflechte (Psoriasis) (abgerufen 2026-10-22)
- gesund.bund.de: Kleienpilzflechte (abgerufen 2026-10-22)
- gesund.bund.de (mit IQWiG): Nummuläres Ekzem (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Dermatophytosen (Ringelflechte) – Tinea incognito durch Kortison (abgerufen 2026-10-22)
- gesund.bund.de (mit IQWiG): Kontaktallergie (abgerufen 2026-10-22)
- § 34 Infektionsschutzgesetz – Gesundheitliche Anforderungen in Gemeinschaftseinrichtungen (abgerufen 2026-10-22)
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Off-Label-Use – Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln in nicht zugelassenen Anwendungsgebieten (abgerufen 2026-10-22)
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Einheitlicher Bewertungsmaßstab (EBM), Stand 4. Quartal 2026, GOP 30430 (abgerufen 2026-10-22)
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung, Anlage II (selektive UVA1-Bestrahlung) (abgerufen 2026-10-22)
- § 27 SGB V – Krankenbehandlung (abgerufen 2026-10-22)
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (abgerufen 2026-10-22)
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Arzneimittel-Richtlinie Anlage I (OTC-Übersicht), Stand 09.05.2025 (abgerufen 2026-10-22)
- § 31 SGB V – Arznei- und Verbandmittel (Zuzahlung ab 18 Jahren) (abgerufen 2026-10-22)
- § 61 SGB V – Zuzahlungen (abgerufen 2026-10-22)
- § 630c BGB – Informationspflichten, Kosteninformation in Textform (abgerufen 2026-10-22)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.