Leerer, ruhiger Wartebereich in einer Arztpraxis mit drei salbeigrünen Wartestühlen, einem Farn, einer Milchglaswand und einem leeren Prospekthalter an der Wand
Illustration (KI-generiert): ein ruhiger Wartebereich in einer Arztpraxis. Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht, Gesundheitsämter testen auf Wunsch auch anonym.

Geschlechtskrankheiten (STI): Symptome, Tests, Behandlung und Schutz

Chlamydien, Tripper, Syphilis, Herpes, HIV und weitere sexuell übertragbare Infektionen im Überblick: welche Anzeichen es gibt und warum viele Infektionen ohne Beschwerden verlaufen, wann und wo ein Test sinnvoll ist, was die Krankenkasse zahlt, wie behandelt wird und wie Sie sich schützen können.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 21.10.2026

Geschlechtskrankheiten, fachlich sexuell übertragbare Infektionen (STI), werden vor allem beim Vaginal-, Anal- und Oralsex weitergegeben. Zu den wichtigsten Erregern gehören Chlamydien, Gonokokken (Tripper), der Syphilis-Erreger, Herpes- und Papillomviren (HPV) sowie HIV und das Hepatitis-B-Virus. Viele dieser Infektionen verursachen lange keine oder kaum Beschwerden, sind aber trotzdem ansteckend und können Folgeschäden hinterlassen. Testen lassen sollten Sie sich bei Beschwerden, wenn eine Partnerin oder ein Partner positiv getestet wurde und, auch ohne Symptome, regelmäßig bei erhöhtem Ansteckungsrisiko. Untersucht wird je nach Erreger mit Urin, Abstrich oder Blut. Bakterielle Infektionen sind mit Antibiotika in der Regel heilbar, Virusinfektionen wie HIV oder Herpes lassen sich gut behandeln, aber meist nicht beseitigen. Bei Beschwerden oder konkretem Verdacht zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Und nach einem möglichen HIV-Risiko zählt die Zeit: Eine HIV-PEP sollte möglichst in den ersten Stunden beginnen, spätestens 72 Stunden nach dem Kontakt.

Was sind Geschlechtskrankheiten?

Gemeint sind Infektionen durch Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze, die überwiegend beim Sex übertragen werden. Manche Erreger gehen auch als Schmierinfektion über, durch Blut (etwa beim Teilen von Spritzbesteck) oder in Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit von der Mutter auf das Kind. Man kann mehrere STI gleichzeitig haben. Auch Filzläuse und Krätzmilben können beim Sex weitergegeben werden.

Betroffen sein kann jeder Mensch, der sexuell aktiv ist, unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Das Risiko steigt mit wechselnden Sexualkontakten ohne Kondom. Eine STI ist eine Infektion wie andere auch und kein Urteil über einen Menschen. Ärztinnen und Ärzte müssen Angaben zu Ihrem Sexualleben genauso vertraulich behandeln wie alle anderen Gesundheitsdaten.

Fachlich ist die Venerologie, die Lehre von den Geschlechtskrankheiten, in Deutschland Teil der Dermatologie: Hautärztinnen und Hautärzte tragen den Facharzttitel für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Testen und behandeln können ebenso gynäkologische, urologische, hausärztliche und HIV-Schwerpunktpraxen.

Zur Einordnung der Quellen: Die deutsche S2k-Leitlinie zu Beratung, Diagnostik und Therapie von STI (AWMF-Register 059-006, Version 2.1 mit Stand 2018) war bis August 2023 gültig und wird derzeit überarbeitet. Dieser Ratgeber stützt sich deshalb zusätzlich auf aktuelle Veröffentlichungen des Robert Koch-Instituts (RKI), des Bundesgesundheitsministeriums, des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Die wichtigsten Erreger im Überblick

InfektionTypische Anzeichen (oft fehlen sie ganz)NachweisBehandlung grundsätzlich
ChlamydienAusfluss, Brennen beim WasserlassenUrin oder AbstrichAntibiotikum
Gonorrhö (Tripper)eitriger Ausfluss, Brennen; im Rachen und Enddarm oft symptomlosAbstrich, bei Männern auch UrinAntibiotikum, meist als Spritze
Syphilisschmerzloses Geschwür, später AusschlagBlut, bei Geschwür auch AbstrichPenicillin
TrichomonadenAusfluss, Brennen, Juckreiz; bei Männern selten BeschwerdenAbstrich oder UrinMetronidazol
Herpes genitalisschmerzhafte BläschenAbstrich von der betroffenen Stellevirushemmende Tabletten
HPV / FeigwarzenFeigwarzen, meist aber unbemerktärztliche Untersuchung der HautBehandlung der Warzen
HIVanfangs evtl. grippeähnlich, dann lange symptomfreiBlutdauerhafte HIV-Therapie
Hepatitis B und CMüdigkeit, Gelbsucht, oft keine BeschwerdenBlutje nach Verlauf antivirale Medikamente

Chlamydien (Chlamydia trachomatis) gehören zu den häufigsten bakteriellen STI. Laut RKI verlaufen bis zu 80 Prozent der Infektionen bei Frauen und etwa die Hälfte bei Männern ohne Beschwerden. Unbehandelt kann die Infektion bei Frauen zu den Eileitern aufsteigen und das Risiko für Eileiterschwangerschaften und Unfruchtbarkeit erhöhen, bei Männern eine schmerzhafte Nebenhodenentzündung auslösen. Eine Sonderform ist das Lymphogranuloma venereum (LGV), das durch bestimmte Chlamydien-Typen entsteht und länger behandelt wird.

Gonorrhö (Tripper) wird durch Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) ausgelöst. Die meisten infizierten Männer bemerken zwei bis sechs Tage nach der Ansteckung Ausfluss und Brennen beim Wasserlassen, 10 bis 30 Prozent haben aber keine Beschwerden. Bei Frauen verläuft etwa die Hälfte der genitalen Infektionen unbemerkt. Infektionen im Rachen bleiben laut RKI in 50 bis 80 Prozent der Fälle symptomlos. Wie Chlamydien kann eine Gonorrhö aufsteigen und unfruchtbar machen. Selten streuen die Bakterien ins Blut; dann sind Fieber, Gelenkschmerzen und Hautveränderungen möglich.

Syphilis (Lues) ist wieder häufiger geworden: 2024 wurden dem RKI 9.519 Fälle gemeldet, ein neuer Höchststand. Nur etwa die Hälfte der Infektionen verursacht Beschwerden. Typisch ist zunächst ein schmerzloses Geschwür an der Eintrittsstelle, je nach Sexpraktik auch an Lippen, Mund, Rachen oder After; es heilt nach vier bis sechs Wochen von selbst ab. Die Infektion ist damit aber nicht vorbei: Vier bis zehn Wochen nach der Ansteckung können Fieber, geschwollene Lymphknoten und ein nicht juckender Ausschlag folgen, der charakteristischerweise auch Handflächen und Fußsohlen betrifft. Unbehandelt kann Syphilis nach Jahren Nerven und andere Organe schädigen.

Trichomonaden sind einzellige Parasiten. Frauen bemerken häufig Brennen beim Wasserlassen, Juckreiz und einen schaumigen, unangenehm riechenden Ausfluss, Männer haben selten Beschwerden. In Deutschland gilt die Infektion als selten.

Mykoplasmen, vor allem Mycoplasma genitalium, können eine Harnröhrenentzündung verursachen. Wann auf Mykoplasmen getestet und behandelt werden sollte, wird unter Fachleuten kontrovers diskutiert; eine eigene Leitlinie ist in Arbeit, ihre Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.

HPV (humane Papillomviren) sind so verbreitet, dass sich laut RKI vier von fünf Menschen im Laufe des Lebens mehrfach anstecken. Meist heilt die Infektion unbemerkt aus. Bestimmte Typen verursachen Feigwarzen im Genital- und Analbereich; wie diese behandelt werden, beschreibt unser Ratgeber Warzen entfernen. Andere Typen können bei anhaltender Infektion Krebs an Gebärmutterhals, Vulva, Vagina, Penis, After oder im Mund-Rachen-Raum auslösen.

Herpes genitalis wird meist durch Herpes-simplex-Viren vom Typ 2 verursacht, über Oralsex auch durch Typ 1, den Erreger von Lippenherpes. Bis zu 90 von 100 Infizierten haben keine oder nur sehr unauffällige Symptome. Kommt es zu einem Ausbruch, bilden sich schmerzhafte, gruppierte Bläschen; der erste Ausbruch geht oft mit Fieber und geschwollenen Leistenlymphknoten einher. Die Viren bleiben lebenslang im Körper, spätere Ausbrüche verlaufen meist milder und werden mit der Zeit seltener.

HIV wird vor allem bei Sex ohne Kondom und über Blut übertragen, im Alltag dagegen nicht. In Deutschland leben nach RKI-Schätzung rund 97.700 Menschen mit HIV, jährlich kommen etwa 2.300 Neuinfektionen hinzu. Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung entwickelt ein Teil der Betroffenen grippeähnliche Beschwerden, danach folgen oft Jahre ohne Symptome. Ein Test ist daher der einzige Weg, eine Infektion sicher festzustellen.

Hepatitis B wird über Blut und Körperflüssigkeiten übertragen, bei Neuinfektionen in Ländern wie Deutschland geht das RKI von einem hohen Anteil sexueller Übertragungen aus. Hepatitis C wird beim Sex seltener übertragen; ein relevantes Risiko besteht laut RKI vor allem bei Praktiken, bei denen es zu Verletzungen und Blutkontakt kommen kann. Beide Infektionen können chronisch werden und die Leber schädigen.

Mpox (früher Affenpocken) wird über engen Haut- und Schleimhautkontakt übertragen, häufig bei sexuellen Kontakten. Typisch sind Bläschen und Pusteln, oft im Anogenitalbereich, dazu schmerzhafte Lymphknoten und Fieber. Seit Oktober 2025 wurden laut RKI auch in Deutschland vereinzelt Fälle der Variante Klade Ib bekannt, die wahrscheinlich bei Sex unter Männern übertragen wurden.

Symptome: Woran Sie eine Geschlechtskrankheit bemerken können

Die Beschwerden hängen vom Erreger und von der Körperstelle ab. Hinweise können sein:

  • ungewöhnlicher, eventuell unangenehm riechender Ausfluss aus Scheide, Penis oder After,
  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen,
  • Juckreiz im Genital- oder Analbereich, Schmerzen beim Sex,
  • Bläschen, Geschwüre, Knötchen oder Warzen an Genitalien, After, Lippen oder im Mund,
  • Unterbauchschmerzen oder Zwischenblutungen,
  • Halsschmerzen, Fieber, Abgeschlagenheit oder ein Ausschlag am Körper.

Keines dieser Zeichen beweist eine STI, viele können auch andere Ursachen haben, etwa eine Blasenentzündung. Umgekehrt beweist das Fehlen von Beschwerden nicht, dass keine Infektion vorliegt. Weil Infektionen lange unbemerkt bleiben und Herpes zum Beispiel erst Monate oder Jahre nach der Ansteckung ausbrechen kann, lässt sich oft nicht sagen, wann und bei wem man sich angesteckt hat. Fotos zeigen wir bewusst nicht: Ein Bildvergleich im Internet ersetzt keine Untersuchung.

Wann zum Arzt?

Sofort, auch nachts oder am Wochenende:

  • nach einem möglichen HIV-Risiko, etwa ungeschütztem Sex mit einer Person mit HIV ohne wirksame Therapie oder mit unbekanntem HIV-Status und erhöhtem Risiko, nach einem Kondomunfall oder nach sexualisierter Gewalt. Die deutsch-österreichische S2k-Leitlinie in der Version von 2022 empfiehlt, eine HIV-PEP am besten innerhalb von zwei Stunden, möglichst innerhalb von 24 Stunden und spätestens 72 Stunden nach dem Kontakt zu beginnen. Ob sie nötig ist, klärt eine Klinik-Notaufnahme oder eine HIV-Schwerpunktpraxis. Warten Sie nicht auf einen Test, denn der kann so früh noch nichts zeigen.
  • bei plötzlichen, starken Hodenschmerzen: Neben einer Nebenhodenentzündung kann eine Hodenverdrehung dahinterstecken, die ein Notfall ist.

Am selben Tag ärztlich abklären lassen sollten Sie:

  • starke Unterbauchschmerzen, besonders mit Fieber: Dahinter kann eine aufsteigende Infektion der inneren Geschlechtsorgane stecken.
  • Fieber mit Gelenkschmerzen und Hautveränderungen nach einem möglichen Kontakt, selten ein Zeichen dafür, dass sich Gonokokken im Körper ausgebreitet haben.

Zeitnah, in den nächsten Tagen, sollten Sie sich untersuchen lassen bei Ausfluss, Brennen beim Wasserlassen, Bläschen, Geschwüren (auch schmerzlosen), Warzen oder einem unklaren Ausschlag, und wenn eine Partnerin oder ein Partner eine STI hat. In der Schwangerschaft sollten Sie solche Beschwerden möglichst rasch abklären lassen. Bis zur Klärung ist es sinnvoll, auf Sex zu verzichten oder zumindest Kondome zu verwenden.

Bitte behandeln Sie sich nicht selbst mit Antibiotika aus der Hausapotheke oder aus dem Internet. Ein ungeeignetes Mittel oder eine zu kurze Einnahme kann die Infektion verschleiern und Resistenzen begünstigen.

Testen: wer, wann und wie

Wer sich testen lassen sollte:

  • alle mit Beschwerden, die zu einer STI passen,
  • wer erfährt, dass eine Sexualpartnerin oder ein Sexualpartner eine STI hat, auch ohne eigene Symptome,
  • Menschen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, etwa durch häufig wechselnde Sexualkontakte ohne Kondom: regelmäßig, auch ohne Beschwerden. Das IQWiG nennt für Syphilis als Beispiel einen Test alle drei Monate; wie oft es für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie in der Praxis.
  • Menschen, die eine HIV-PrEP nehmen: im Rahmen der vorgesehenen Kontrolluntersuchungen,
  • Schwangere (siehe unten) sowie Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal jährlich auf Chlamydien.

Wie getestet wird: Am Anfang steht ein Gespräch über Beschwerden und Sexualkontakte. Diese Fragen sind nicht neugierig gemeint: Ob Sie Oral- oder Analverkehr hatten, entscheidet, wo Proben genommen werden. Danach werden Haut und Schleimhäute angeschaut.

  • Urin: Für Chlamydien und, bei Männern, Gonokokken eignet sich der Erststrahlurin, also die ersten Milliliter beim Wasserlassen. Davor sollten Sie eine Weile nicht auf der Toilette gewesen sein; das IQWiG nennt mindestens eine Stunde für Chlamydien und zwei Stunden für den Gonokokken-Test. Bei Frauen reicht Urin allein für Gonokokken nicht aus.
  • Abstrich: mit einem Wattestäbchen oder Bürstchen aus Harnröhre, Scheide oder Gebärmutterhals, je nach Sexpraktik auch aus Rachen und Enddarm. Das tut normalerweise nicht weh. Bei trans und inter Personen richtet sich die Probennahme nach der Anatomie.
  • Blut: für HIV, Syphilis sowie Hepatitis B und C.

Bei Gonokokken empfiehlt das RKI zusätzlich eine Kultur, also ein Anzüchten der Bakterien, weil nur so geprüft werden kann, welche Antibiotika wirken.

Diagnosefenster: Zwischen Ansteckung und sicherem Testergebnis vergeht je nach Erreger unterschiedlich viel Zeit.

ErregerWann ein Test aussagekräftig ist
HIVLabortest der 4. Generation: Ausschluss mit großer Sicherheit nach 6 Wochen; Schnell- und Selbsttests: frühestens nach 12 Wochen
SyphilisAntikörper meist nach 2 bis 3 Wochen nachweisbar; sicherer Ausschluss erst nach 8 bis 10 Wochen
Hepatitis CAntikörper meist nach 7 bis 8 Wochen (Spanne 2 Wochen bis 6 Monate); das Virus selbst früher
Chlamydien, Gonokokkendirekter Erregernachweis; Inkubationszeit etwa 1 bis 3 Wochen bzw. 1 bis 14 Tage, ein sehr früher Test kann negativ ausfallen

Bei Beschwerden lassen Sie sich trotzdem sofort untersuchen; ob ein Test später wiederholt wird, entscheidet die Praxis.

Selbst- und Einsendetests: HIV-Selbsttests mit CE-Kennzeichnung gibt es in Apotheken und Drogerien; ein positives Ergebnis muss immer im Labor bestätigt werden. Für andere STI gibt es Einsendetests, bei denen Sie Urin oder Abstriche selbst nehmen und an ein Labor schicken. Von Antigen-Schnelltests auf Chlamydien oder Gonokokken für zu Hause rät das IQWiG ab, weil sie nicht zuverlässig genug sind.

Wo kann ich mich testen lassen?

  • Hautarztpraxen, denn Hautärztinnen und Hautärzte sind Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten,
  • gynäkologische, urologische und hausärztliche Praxen sowie HIV-Schwerpunktpraxen,
  • Gesundheitsämter: Sie bieten nach § 19 Infektionsschutzgesetz Beratung und Untersuchung zu STI an, auf Wunsch anonym. Ob das kostenlos ist oder eine Gebühr kostet, unterscheidet sich von Ort zu Ort,
  • Checkpoints und Beratungsstellen der Aidshilfen, ebenfalls anonym.

In einer Arztpraxis testen Sie nicht anonym, Ihre Angaben fallen aber unter die ärztliche Schweigepflicht.

Was zahlt die Krankenkasse?

Ob ein Test Kassenleistung ist, hängt vom Anlass ab, nicht vom Erreger.

SituationGesetzlich Versicherte
Beschwerden oder konkreter Verdacht, z. B. Partnerin oder Partner positiv getestetUntersuchung und Behandlung sind Kassenleistung
Chlamydien-Screening für Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahreinmal jährlich, Urintest
SchwangerenvorsorgeTests auf Chlamydien, Syphilis und Hepatitis B; HIV-Test wird angeboten
SchwangerschaftsabbruchChlamydien-Test
Check-up ab 35 Jahreneinmalig Test auf Hepatitis B und C
HIV-PrEP bei substanziellem HIV-Risiko ab 16 JahrenBeratung, Medikamente und Begleituntersuchungen
HIV-PEP nach Kontakt mit hohem ÜbertragungsrisikoKassenleistung, wenn leitliniengerecht eingesetzt
Test ohne Beschwerden und ohne Verdachtmeist Selbstzahlerleistung
Gesundheitsamt, Checkpointje nach Angebot kostenlos oder gegen Gebühr

Von der STIKO empfohlene Impfungen, etwa gegen HPV bei Kindern und Jugendlichen, zahlt in der Regel ebenfalls die Kasse (siehe unten). Wenn Sie unsicher sind, ob ein Test in Ihrer Situation Kassenleistung ist, fragen Sie vorher in der Praxis nach.

Behandlung: Was grundsätzlich hilft

Die Therapie richtet sich nach dem Erreger, dem Ort der Infektion und Ihrer Situation, etwa einer Schwangerschaft. Konkrete Mittel und Dosierungen legt die Ärztin oder der Arzt fest; hier geht es nur um die Grundzüge.

  • Chlamydien: Antibiotikum, in der Regel Doxycyclin über eine Woche; Alternativen gibt es, zum Beispiel in der Schwangerschaft.
  • Gonorrhö: Der RKI-Ratgeber gibt noch Empfehlungen aus der formal abgelaufenen S2k-Leitlinie von 2019 wieder: meist Ceftriaxon, je nach Situation allein oder kombiniert mit Azithromycin. Wegen der veränderlichen Resistenzlage legt die behandelnde Praxis die aktuelle Therapie fest. Nach jeder Behandlung empfiehlt das RKI eine Kontrolle; erfolgt sie per Gentest (Nukleinsäurenachweis), frühestens vier Wochen nach Therapieende.
  • Syphilis: Penicillin, meist als Spritze in den Gesäßmuskel. Eine Resistenz der Erreger gegen Penicillin ist bisher nicht bekannt. Kurz nach Beginn können Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen auftreten, weil die Bakterien rasch zerfallen. Mit späteren Blutkontrollen wird geprüft, ob die Therapie gewirkt hat.
  • Trichomonaden: das Antibiotikum Metronidazol, bei Männern meist an einem Tag, bei Frauen über sieben Tage.
  • Herpes genitalis: virushemmende Tabletten mit Aciclovir, Famciclovir oder Valaciclovir. Sie lindern die Beschwerden und verkürzen den Ausbruch, beseitigen die Viren aber nicht. Bei häufigen Ausbrüchen ist eine vorbeugende Dauerbehandlung möglich. Cremes helfen laut IQWiG bei Genitalherpes nicht.
  • HIV: eine dauerhafte antiretrovirale Therapie, meist eine Tablette täglich; seit einigen Jahren gibt es auch Medikamente als Spritze. Liegt die Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze, kann HIV sexuell nicht mehr übertragen werden.
  • Hepatitis B und C: Eine akute Hepatitis B heilt bei Erwachsenen meist von selbst aus, eine chronische wird antiviral behandelt. Eine chronische Hepatitis C kann heute mit direkt antiviral wirkenden Medikamenten geheilt werden.
  • Feigwarzen: je nach Größe und Lage mit Cremes, Vereisung oder operativer Entfernung, siehe Warzen entfernen.
  • Mpox: meist Behandlung der Beschwerden; virushemmende Mittel kommen vor allem bei geschwächtem Immunsystem infrage.

Antibiotikaresistenzen bei Gonokokken: Gegen alle Antibiotikaklassen, die bisher gegen Tripper eingesetzt wurden, sind weltweit Resistenzen bekannt. In der Resistenzüberwachung des RKI waren 2024 rund 17 Prozent der untersuchten Gonokokken gegen Azithromycin resistent (2023 sogar 25,5 Prozent), gut 72 Prozent gegen Ciprofloxacin und über 96 Prozent gegen Tetrazykline. Gegen Ceftriaxon, das wichtigste Mittel, war 2024 dagegen nur eine einzige Probe resistent. Deshalb sind eine Behandlung nach Leitlinie, die Erregeranzucht vor der Therapie und die Kontrolle danach so wichtig.

Bis die Behandlung abgeschlossen ist und Ihre Praxis grünes Licht gibt, sollten Sie auf Sex verzichten. Eine überstandene Gonorrhö oder Syphilis schützt nicht vor einer erneuten Ansteckung. Wird eine Gonorrhö oder Syphilis festgestellt, empfiehlt das RKI eine vollständige Untersuchung auf weitere STI einschließlich HIV.

Partner informieren und mitbehandeln

Bei Chlamydien, Gonorrhö, Syphilis und Trichomonaden sollten Sexualpartnerinnen und -partner untersucht und gegebenenfalls mitbehandelt werden, auch wenn sie keine Beschwerden haben. Sonst geht die Infektion hin und her, und unbemerkte Infektionen werden weitergegeben. Wie weit zurück Sie Kontakte informieren sollten, hängt vom Erreger ab. Das RKI nennt zum Beispiel:

  • Gonorrhö: bei Männern mit Harnröhrenentzündung die Kontakte der zwei Wochen vor Beginn der Beschwerden (oder den letzten Kontakt), bei Frauen und anderen Formen die letzten drei Monate,
  • Syphilis: im ersten Stadium die letzten drei Monate, später bis zu zwölf Monate,
  • Chlamydien: Ein älterer RKI-Ratgeber von 2010 nennt die Sexualkontakte der letzten 60 Tage; welche Kontakte heute informiert oder untersucht werden sollten, legt die behandelnde Praxis anhand der aktuellen Situation fest.

Die Benachrichtigung ist freiwillig, und niemand muss das allein lösen. Sprechen Sie Ihre Praxis oder das Gesundheitsamt darauf an; außerdem entstehen laut RKI digitale Wege, Kontakte anonym zu informieren. Ein offenes Wort schützt Menschen, die sonst nichts von ihrer Infektion wüssten.

Schutz: Kondome, Impfungen, PrEP

Kondome und Femidome schützen vor HIV und senken das Risiko für andere STI, aber nicht vollständig. Erreger wie Gonokokken oder Herpes können auch über Haut, Mund und Rachen übertragen werden.

Impfungen schützen unter anderem vor diesen sexuell übertragbaren Erregern:

  • HPV: Die STIKO empfiehlt die Impfung allen Kindern von 9 bis 14 Jahren; versäumte Impfungen sollten bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Die Impfung wirkt am besten vor dem ersten Kontakt mit HPV. Einer der beiden in Deutschland verfügbaren Impfstoffe schützt auch vor Feigwarzen.
  • Hepatitis B: Standardimpfung im Säuglingsalter, Nachholen bis zum 18. Geburtstag. Erwachsenen empfiehlt die STIKO die Impfung bei erhöhtem Risiko, ausdrücklich auch bei einem Sexualverhalten mit hohem Infektionsrisiko.
  • Mpox: Seit Juli 2025 empfiehlt die STIKO die Impfung Menschen ab 12 Jahren mit erhöhtem Ansteckungsrisiko, etwa Männern sowie trans und nicht-binären Personen, die Sex mit Männern haben und dabei häufig die Partner wechseln, und Sexarbeitenden.

HIV-PrEP: Bei der Präexpositionsprophylaxe nehmen Menschen ohne HIV vorbeugend ein HIV-Medikament ein, in Deutschland meist die Wirkstoffkombination Tenofovir und Emtricitabin. Seit September 2019 haben gesetzlich Versicherte ab 16 Jahren mit substanziellem HIV-Risiko Anspruch auf Beratung, Medikamente und die nötigen Kontrolluntersuchungen. Die PrEP schützt nur vor HIV; deshalb gehören regelmäßige Tests auf andere STI dazu, für Gonokokken laut Leitlinie alle drei bis sechs Monate.

Schutz durch Therapie: Menschen mit HIV, deren Viruslast unter wirksamer Behandlung unter der Nachweisgrenze liegt, geben das Virus beim Sex nicht weiter.

Doxy-PEP: Gemeint ist die Einnahme des Antibiotikums Doxycyclin nach dem Sex, um bakterielle STI zu verhindern. Die Deutsche STI-Gesellschaft spricht sich in ihrer Stellungnahme von 2023 gegen eine breite Anwendung aus, vor allem wegen der Gefahr zunehmender Antibiotikaresistenzen. Im Einzelfall könne sie für Männer und trans Frauen, die Sex mit Männern haben, eine PrEP nutzen oder mit HIV leben und ein besonders hohes Risiko haben, nach ärztlicher Abwägung erwogen werden. Die Anwendung ist nicht zugelassen, die Kosten tragen Sie selbst, und gegen Gonokokken wirkt sie wegen der weit verbreiteten Tetrazyklin-Resistenz nur eingeschränkt. Eine tägliche Dauereinnahme lehnt die Fachgesellschaft ab.

Und schließlich: Regelmäßig testen lohnt sich. Wer von einer Infektion weiß, kann sie behandeln lassen und schützt damit auch andere.

Schwangerschaft

In der gesetzlichen Schwangerenvorsorge wird bei der Erstuntersuchung der Urin auf Chlamydien untersucht. Zu den Blutuntersuchungen gehören Tests auf Syphilis und Hepatitis B, ein HIV-Test wird angeboten. Im Mutterpass wird bei Syphilis und HIV nur vermerkt, dass getestet wurde, nicht das Ergebnis. Bei erhöhtem Risiko empfiehlt das IQWiG auch einen Test auf Gonokokken, den Sie aber meist selbst bezahlen.

Diese Tests haben gute Gründe. Eine unbehandelte Syphilis kann das ungeborene Kind schwer schädigen, Gonokokken können bei der Geburt auf das Kind übergehen und eine Augenentzündung auslösen, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. Gonorrhö und Trichomonaden erhöhen das Risiko einer Frühgeburt, eine Ansteckung des Neugeborenen mit Herpes ist selten, aber gefährlich. Auch in der Schwangerschaft gibt es für die bakteriellen STI Behandlungsmöglichkeiten. Manche Medikamente kommen dann allerdings nicht infrage, etwa Doxycyclin ab der 16. Schwangerschaftswoche; die Praxis wählt passende Alternativen. Bemerken Sie in der Schwangerschaft Beschwerden, sprechen Sie Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt bald darauf an.

Meldepflicht: Was das Infektionsschutzgesetz regelt

Für einige STI gibt es eine Meldepflicht. Sie dient vor allem dazu, die Ausbreitung der Infektionen zu überwachen. Nach unserer Lesart des Gesetzestextes gilt derzeit:

  • Ohne Namen an das RKI (§ 7 Abs. 3 IfSG) meldet das Labor Nachweise von Syphilis, HIV, Gonokokken und den Chlamydien-Typen L1 bis L3 (Lymphogranuloma venereum). Für Gonokokken und diese Chlamydien gilt das seit einer Gesetzesänderung im September 2022; die elektronische Umsetzung läuft laut RKI noch. Die behandelnde Praxis ergänzt Angaben zum Krankheitsbild.
  • Mit Namen an das Gesundheitsamt werden Hepatitis B und C gemeldet (jeder Labornachweis, bei akuter Erkrankung zusätzlich durch die Ärztin oder den Arzt) sowie Mpox.
  • Nicht meldepflichtig sind bundesweit gewöhnliche Chlamydien-Infektionen, Herpes, HPV und Feigwarzen, Trichomonaden und Mykoplasmen. In Sachsen gelten zusätzliche Meldepflichten, unter anderem für Chlamydien und Gonokokken.

Die Meldungen gehen an Gesundheitsamt oder RKI, nicht an Arbeitgeber, Krankenkasse oder Angehörige. Ob ein Gesundheitsamt bei namentlich gemeldeten Infektionen von sich aus Kontakt aufnimmt, etwa um zu beraten, entscheidet es im Einzelfall.

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Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.