Ein naturfarbenes Leinentuch liegt in weichen, gedehnten Falten über einer verwitterten Holzbank, dahinter eine unscharfe helle Steinmauer und trockene Gräser im warmen Licht der tief stehenden Sonne
Illustration (KI-generiert): Leinentuch mit weichen Falten auf einer Holzbank, keine Darstellung von Haut, einer Behandlung oder eines Behandlungsergebnisses.

Dehnungsstreifen: Ursachen, Vorbeugung & was Behandlungen bringen

Wie Dehnungsstreifen und Schwangerschaftsstreifen entstehen, warum frische rote und alte weiße Streifen unterschiedlich behandelt werden, was Cremes und Öle zur Vorbeugung laut Studien bringen und was Tretinoin, Laser, Microneedling und Radiofrequenz leisten, mit Risiken, Warnzeichen für ein Cushing-Syndrom und Kosten.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 22.10.2026

Dehnungsstreifen, medizinisch Striae distensae, sind streifenförmige Narben in der Lederhaut. Sie entstehen, wenn die Haut stärker oder schneller gedehnt wird, als ihr Bindegewebe nachgeben kann: in der Schwangerschaft, im Wachstumsschub der Pubertät, bei Gewichtszunahme oder schnellem Muskelaufbau, aber auch unter Kortison. Wie häufig sie sind, schwankt in Studien stark, zwischen 11 und 88 Prozent der Untersuchten; in der Schwangerschaft bekommen sie 50 bis 90 Prozent der Frauen. Sie sind harmlos und keine Krankheit.

Das Wichtigste in Kürze: Frische Streifen sind rosa bis violett und verblassen mit der Zeit zu hellen, leicht eingesunkenen Linien, die meist bleiben. Dass eine Creme oder ein Öl Schwangerschaftsstreifen zuverlässig verhindert, ist nicht belegt. Bei frischen roten Streifen half in kleinen Studien eine verschreibungspflichtige Vitamin-A-Säure-Creme (Tretinoin); in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch ist sie ausgeschlossen. Fraktionierte Laser, Microneedling und Radiofrequenz-Microneedling machen Streifen in Studien oft unauffälliger, entfernen sie aber nicht vollständig. Die Behandlung zahlen Sie selbst. Entstehen ohne erkennbaren Anlass plötzlich viele breite, rot-violette Streifen, lassen Sie das ärztlich abklären.

Wie Dehnungsstreifen entstehen

Unter der Oberhaut liegt die Lederhaut, ein Geflecht aus Kollagen und elastischen Fasern, das der Haut Festigkeit und Spannkraft gibt. Wird die Haut über Wochen oder Monate stark gedehnt, wird dieses Geflecht geschädigt und baut sich anders wieder auf. Feingeweblich gleichen Dehnungsstreifen Narben, ihre Entwicklung ähnelt dem Abheilen einer Wunde. Am Anfang zeigt die Lederhaut Zeichen einer Entzündung, später wird die Oberhaut über den Streifen dünn und flach.

Warum manche Menschen viele Streifen bekommen und andere kaum welche, ist nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Dinge zusammenwirken:

  • Dehnung. Sie ist der Auslöser, erklärt aber nicht alles. In Studien zu Schwangerschaftsstreifen hing das Risiko nicht immer mit der Gewichtszunahme oder dem Bauchumfang zusammen.
  • Hormone. In einer kleinen Untersuchung an Gewebeproben von acht Betroffenen enthielt die Haut in frischen Streifen doppelt so viele Bindungsstellen für Östrogen wie gesunde Haut, dazu mehr für männliche Hormone und für Kortisol. Kortison, ob als Medikament oder vom Körper im Übermaß gebildet, spielt bei der Entstehung eine wichtige Rolle.
  • Veranlagung. In einer Befragung von 161 Frauen nach der Geburt hatten Frauen mit Schwangerschaftsstreifen deutlich häufiger eine Mutter, bei der es genauso war.

Wer Dehnungsstreifen bekommt

  • Schwangere: vor allem an Bauch, Brüsten, Hüften und Oberschenkeln. Die Streifen zeigen sich meist ab dem späten zweiten oder im letzten Schwangerschaftsdrittel; laut einer Studie entwickeln sie aber 43 Prozent der Frauen schon vor der 24. Woche.
  • Jugendliche im Wachstumsschub: bei Mädchen häufig an Oberschenkeln, Gesäß und Brüsten, bei Jungen eher am unteren Rücken und an der Außenseite der Oberschenkel. Auslöser ist hier das schnelle Wachstum.
  • Menschen mit Gewichtsveränderungen: bei Zunahme und Übergewicht, aber auch nach starker Abnahme. In einer Untersuchung aus Hannover hatten 71 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die wegen Adipositas in einem Programm zur Gewichtsreduktion waren, Dehnungsstreifen.
  • Kraftsportlerinnen und Kraftsportler: wenn einzelne Körperpartien durch Muskelaufbau rasch an Umfang gewinnen. Beschrieben sind Dehnungsstreifen auch bei Männern, die sich Anabolika spritzten.
  • Menschen, die Kortison anwenden: Kortisoncremes können als Nebenwirkung Dehnungsstreifen auslösen. An dünner Haut wie in Ellenbeugen, Kniekehlen, Achseln und an den Oberarm-Innenseiten wirkt Kortison besonders stark. Bei Kortisontabletten über längere Zeit kann ein Krankheitsbild mit Fetteinlagerungen im Gesicht und Dehnungsstreifen entstehen.
  • Bei bestimmten Krankheiten: etwa beim Cushing-Syndrom, bei dem der Körper zu viel Kortisol bildet, und selten bei angeborenen Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom.

Viele Menschen empfinden Dehnungsstreifen als belastend. In einer Studie schränkten ausgeprägte Schwangerschaftsstreifen die Lebensqualität messbar ein, vor allem das seelische Wohlbefinden. Das ist ein legitimer Grund, sich beraten zu lassen, auch wenn medizinisch nichts behandelt werden muss.

Frisch oder alt: rote und weiße Streifen

Dehnungsstreifen durchlaufen zwei Stadien, und das Stadium entscheidet mit darüber, was eine Behandlung erreichen kann.

Frische Streifen (Striae rubrae)Ältere Streifen (Striae albae)
Farberosa, rot bis violett, teils bläulichweißlich, heller als die umgebende Haut
Oberflächeflach oder leicht erhaben, können jucken oder brenneneingesunken, fein gefältelt
Verlaufwerden zunächst oft länger und dunkler, verblassen dann über Monate bis Jahrebleiben in der Regel dauerhaft
Behandelbarkeitam ehesten beeinflussbar, etwa mit Tretinoin oder Gefäßlaserschwieriger, am ehesten fraktionierte Laser oder Microneedling

Frische Streifen sind gut durchblutet und entzündlich verändert. Hier setzen Gefäßlaser und eine Blitzlampe an, die vor allem die Rötung mindern. Auch die Studien zu Tretinoin-Cremes stammen überwiegend von frischen Streifen. Bei weißen Streifen ist das Bindegewebe bereits umgebaut, Pigment fehlt häufig. Die deutsche Laser-Leitlinie rät deshalb, die Methode nach dem Alter der Streifen zu wählen, und nennt weiße Streifen ausdrücklich schwer behandelbar.

Ob Sie frische Streifen behandeln lassen oder abwarten, ist Ihre Entscheidung. Viele rote Streifen werden von allein deutlich blasser. Wer schnell etwas tun möchte, hat im frischen Stadium allerdings die meisten Möglichkeiten.

Schwangerschaftsstreifen: Lässt sich vorbeugen?

Wie wahrscheinlich Streifen in der Schwangerschaft sind, hängt auch von der Veranlagung ab. Als Risikofaktoren gelten in Studien ein jüngeres Alter der Mutter, Schwangerschaftsstreifen bei Mutter oder Schwestern, ein höheres Gewicht vor der Schwangerschaft, eine stärkere Gewichtszunahme und ein höheres Geburtsgewicht des Kindes. Frauen, die schon früher Streifen an Brüsten oder Oberschenkeln hatten, bekamen in einer Befragung häufiger auch Schwangerschaftsstreifen: 81 Prozent der Frauen mit Schwangerschaftsstreifen berichteten von solchen früheren Streifen, bei den Frauen ohne waren es 31 Prozent.

Was die Studien zu Cremes und Ölen zeigen

Die wichtigste Übersicht stammt von Cochrane, einem unabhängigen Netzwerk, das Studien systematisch auswertet. Sie schloss 2012 sechs Studien mit 800 Schwangeren ein. Frauen, die eine Creme mit Wirkstoffen verwendeten, bekamen nicht nachweisbar seltener Dehnungsstreifen als Frauen mit einem Scheinpräparat oder ohne Behandlung, auch die Ausprägung unterschied sich nicht sicher. Die Autorinnen und Autoren schließen daraus: Es gibt keine hochwertigen Belege für irgendeine der untersuchten Cremes. Die Übersicht berücksichtigt Studien bis Ende 2011; eine neuere Cochrane-Fassung haben wir nicht gefunden.

Einzelne Studien und weitere Übersichten zeichnen ein ähnliches Bild:

  • Kakaobutter: In zwei randomisierten Studien mit Scheinpräparat bekamen Frauen mit Kakaobutter ähnlich oft Streifen, im Libanon 45 gegenüber 49 Prozent, in Jamaika 44 gegenüber 55 Prozent. Beide Unterschiede waren statistisch nicht gesichert.
  • Olivenöl: In randomisierten Studien aus dem Iran ließ sich kein Schutz belegen. In einer davon bekamen 72 Prozent der Frauen mit Olivenöl Streifen, in der Gruppe ohne Behandlung 60 Prozent.
  • Mandelöl und Massage: In einer nicht randomisierten Studie mit 141 Frauen entwickelten 20 Prozent Streifen, wenn sie sich regelmäßig 15 Minuten mit Bittermandelöl massierten, mit Öl ohne Massage 39 Prozent und ohne beides 41 Prozent. Das Öl allein half also nicht; ob die Massage wirkt, müsste eine bessere Studie zeigen.
  • Cremes mit Hyaluronsäure oder Centella-Extrakt (Asiatischer Wassernabel): Einzelne kleine, ältere Studien mit Kombinationscremes fielen positiv aus. Eine Übersicht wertet die Belege für Centella als begrenzt und für Hyaluronsäure als schwach. Die Cremes enthielten mehrere Wirkstoffe und wurden teils einmassiert, sodass offen bleibt, was genau gewirkt hat.
  • Pflanzenöle allgemein: Eine Übersicht von 2026 fand vier randomisierte Studien mit zusammen 671 Schwangeren. Kokosöl schützte darin, Rosen-, Sesam- und Süßmandelöl wirkten nicht. Die Autoren halten größere und besser verblindete Studien für nötig.

Wenn Sie Bauch, Brüste und Oberschenkel gern eincremen, spricht nichts dagegen; viele Frauen empfinden das bei spannender oder juckender Haut als angenehm. Rechnen Sie aber nicht damit, Streifen dadurch sicher zu verhindern, und lassen Sie sich nicht von teuren Spezialprodukten unter Druck setzen.

Fachleute raten Menschen mit erhöhtem Risiko, etwa Jugendlichen und Sportlern, ein sehr rasches Zu- oder Abnehmen zu vermeiden. Dass sich Streifen damit verhindern lassen, ist allerdings nicht belegt. In der Schwangerschaft gehört eine Gewichtszunahme dazu; wie viel angemessen ist, besprechen Sie mit Ihrer frauenärztlichen Praxis oder Hebamme, eine Diät gegen Streifen ist kein sinnvoller Weg.

Wichtig: Vitamin-A-Säure-Cremes mit Tretinoin dürfen Sie in der Schwangerschaft und wenn Sie schwanger werden möchten nicht verwenden.

Behandlung mit Cremes

Tretinoin bei frischen Streifen

Tretinoin ist eine Vitamin-A-Säure. In Deutschland ist sie verschreibungspflichtig. Bekannt ist sie vor allem aus der Aknebehandlung; eine Zulassung speziell gegen Dehnungsstreifen haben wir nicht gefunden, die Anwendung erfolgt dann außerhalb der Zulassung. Was die Studien zeigen:

  • In einer randomisierten Studie trugen 22 Patientinnen und Patienten mit frischen Streifen sechs Monate lang täglich eine Creme mit 0,1 Prozent Tretinoin oder ein Scheinpräparat auf. Mit Tretinoin besserten sich die Streifen bei 8 von 10 deutlich, mit Scheinpräparat bei 1 von 12. Die behandelten Streifen wurden im Mittel 14 Prozent kürzer und 8 Prozent schmaler, die unbehandelten länger und breiter.
  • In einer Studie ohne Vergleichsgruppe mit 20 Frauen und Schwangerschaftsstreifen wurde ein ausgewählter Streifen nach zwölf Wochen mit 0,1 Prozent Tretinoin um 20 Prozent kürzer.
  • Eine niedrig dosierte Creme mit 0,025 Prozent wirkte in einer kleinen placebokontrollierten Studie über sieben Monate nicht. Eine Übersicht nennt 0,05 Prozent als niedrigste wirksame Konzentration.
  • Bei alten weißen Streifen ist der Nutzen weniger klar. In einer Netzwerk-Metaanalyse, die 14 randomisierte Studien verschiedener Verfahren gemeinsam auswertete, schnitt Tretinoin allein am schlechtesten ab.

Häufige Nebenwirkungen sind Rötung, Schuppung, Juckreiz und Brennen; in der offenen Studie traten Rötung und Schuppung bei 11 von 20 Frauen auf und ließen nach dem ersten Monat nach.

Nicht in Schwangerschaft und bei Kinderwunsch. Nach einer Entscheidung der EU-Kommission von 2018 sind äußerlich angewendete Retinoide in der Schwangerschaft und bei Frauen, die schwanger werden möchten, kontraindiziert. Über die Haut wird zwar nur wenig aufgenommen, ausgeschlossen ist die Anwendung trotzdem aus Vorsicht. Für die Stillzeit hält das Beratungszentrum Embryotox der Charité eine kleinflächige Anwendung nur dann für vertretbar, wenn keine Alternative passt, und nie im Brustbereich. Schwangerschaftsstreifen am Bauch betreffen meist eine große Fläche; besprechen Sie deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob die Behandlung bis nach dem Abstillen warten kann.

Andere Wirkstoffe

  • Fruchtsäure (Glykolsäure): In einer kleinen Studie mit zehn Personen und weißen Streifen besserte sich das Aussehen nach zwölf Wochen mit Glykolsäure kombiniert entweder mit Tretinoin oder mit Vitamin C. Eine Scheinbehandlung gab es nicht, die Aussagekraft ist gering. Höher konzentrierte Säuren setzen Praxen als chemisches Peeling ein.
  • Hyaluronsäure, Centella, Silikon, Pflanzenöle: Eine systematische Übersicht fand insgesamt nur elf Studien zu äußerlichen Mitteln gegen Dehnungsstreifen. Keine Creme erwies sich als klar überlegen, für Kakaobutter und Olivenöl ließ sich keine Wirkung zeigen. Die meisten Produkte sagen nicht, ob sie für frische oder alte Streifen gedacht sind.

Laser, Microneedling und Radiofrequenz

Geräteverfahren zielen darauf, in der Lederhaut einen kontrollierten Reiz zu setzen, damit sich neues Kollagen und elastische Fasern bilden, oder die Rötung frischer Streifen zu mindern. Die Studienlage ist umfangreich, aber nicht stark: Eine systematische Übersicht von 2017 bewertete 74 Arbeiten, eine von 2026 wertete 69 aus. Beide fanden vor allem kleine Studien mit unterschiedlichen Methoden und Bewertungsskalen. Keine Behandlung erwies sich als vollständig wirksam, und keine lässt sich als die eine beste festlegen.

Die deutsche S2k-Leitlinie „Lasertherapie der Haut“ (AWMF-Register 013-095) wurde 2022 in der JDDG veröffentlicht; ein Kongressbericht von 2023 nennt eine Laufzeit bis 2027. Sie behandelt Dehnungsstreifen in einem eigenen Abschnitt. Sie befasst sich mit Lasern und ähnlichen Lichtquellen wie der Blitzlampe. Eine schwache Empfehlung spricht sie für nicht abtragende fraktionierte Erbium-Glas-Laser aus. Gefäßlaser und Blitzlampe bei roten Streifen sowie abtragende fraktionierte CO₂- und Erbium-YAG-Laser „können erwogen werden“; damit gibt sie weder eine Empfehlung dafür noch dagegen. Microneedling und Radiofrequenz-Microneedling bewertet die Leitlinie nicht.

Gefäßlaser und Blitzlampe (IPL) bei roten Streifen

Der gepulste Farbstofflaser zielt auf den roten Blutfarbstoff in den kleinen Gefäßen. In einer Studie mit 20 Patientinnen und Patienten nahm die Rötung frischer Streifen nach zwei Sitzungen mäßig ab, an weißen Streifen änderte sich sichtbar nichts. Ähnlich ist es bei der Blitzlampe (IPL): In einem Vergleich an 20 Personen mit je fünf Sitzungen besserten beide Verfahren Breite und Hautbild, rote Streifen sprachen besser an als weiße.

Bei dunklerer Haut ist Vorsicht geboten, weil der Laser auch auf das Hautpigment Melanin wirkt. In einer sehr kleinen Studie an Haut der Typen IV bis VI blieb der Farbstofflaser bei Typ IV wirkungslos und hinterließ bei Typ VI dunkle Verfärbungen. Die Autoren der oben genannten Studie mit 20 Personen rieten bei den Hauttypen V und VI zu äußerster Vorsicht oder zum Verzicht.

Fraktionierte Laser

Fraktionierte Laser behandeln die Haut nicht flächig, sondern in vielen winzigen Punkten; dazwischen bleibt intakte Haut, von der aus die Heilung ausgeht. Wie das funktioniert, beschreibt unser Ratgeber zum Fraxel-Laser.

  • Nicht abtragende Laser (etwa Erbium-Glas mit 1.540 bis 1.565 Nanometern) erwärmen die Lederhaut, ohne die Oberfläche zu öffnen. In kleinen Studien wurden nach zwei bis sechs Sitzungen Besserungen um 50 bis 75 Prozent berichtet. Die Leitlinie nennt diese Laser für ältere Streifen und spricht für sie eine schwache Empfehlung aus.
  • Abtragende Laser wie der fraktionierte CO₂-Laser öffnen die Haut in feinen Kanälen. In der Netzwerk-Metaanalyse von 2020 schnitt der CO₂-Laser unter den Lasern am besten ab. Er ist aber schmerzhafter, die Haut braucht länger zum Abheilen, und dunkle Verfärbungen nach der Entzündung sind häufiger als nach Microneedling.

Microneedling

Beim Microneedling sticht ein Gerät mit feinen Nadeln viele kleine Kanäle bis in die Lederhaut, um die Wundheilung und Kollagenbildung anzuregen. Eine Metaanalyse von 2024 mit elf Studien, darunter sechs randomisierte, fand Microneedling ähnlich wirksam wie Laser und wirksamer als Verfahren ohne Laser. Dunkle Verfärbungen traten seltener auf, die Behandlung schmerzte aber stärker als eine Laserbehandlung.

Ein Beispiel: Die Publikation einer randomisierten Studie beschreibt 20 Frauen mit weißen Streifen am Bauch, die auf einer Seite fünfmal im Monatsabstand mit Microneedling und auf der anderen mit einem nicht abtragenden fraktionierten Laser behandelt wurden; der zugehörige Registereintrag nennt dagegen rote Streifen als Einschlusskriterium. Wegen dieser Diskrepanz ist das behandelte Stadium nicht sicher einzuordnen. Beide Seiten besserten sich ähnlich; die Schmerzen lagen beim Microneedling bei etwa 5 von 10 Punkten, beim Laser bei etwa 2,4, und Nebenwirkungen hielten im Mittel drei beziehungsweise vier Tage an. Eine Metaanalyse von sechs randomisierten Studien mit 166 Teilnehmenden verglich Microneedling mit fraktioniertem CO₂-Laser: Bei beiden besserten sich mehr als 70 Prozent, dunkle Verfärbungen traten nach dem CO₂-Laser deutlich häufiger auf.

Mehr zu Ablauf, Nadellängen und Risiken lesen Sie im Ratgeber Microneedling. Von tiefem Needling mit Heimgeräten ist abzuraten.

Radiofrequenz-Microneedling

Hier geben die Nadeln zusätzlich Hochfrequenzstrom ab, der die Lederhaut erwärmt. In einer Metaanalyse von 2024 war das Ergebnis im Vergleich zum fraktionierten CO₂-Laser nach Einschätzung von Fachleuten und Behandelten statistisch nicht verschieden, dunkle Verfärbungen waren nach Radiofrequenz-Microneedling aber deutlich seltener. In der Netzwerk-Metaanalyse schnitt eine bipolare Radiofrequenz, kombiniert mit Tretinoin, am besten ab; die Autoren halten aber größere Studien für nötig, um die Rangfolge abzusichern. Details erklärt der Ratgeber Radiofrequenz-Microneedling.

Weitere Verfahren

  • Eigenbluttherapie (PRP): Eine systematische Übersicht fand sechs passende Studien. Keine verwendete geprüfte Bewertungsskalen, zwei hatten keine Vergleichsgruppe; die Belege sind nach Einschätzung der Autoren schwach. Mehr dazu unter PRP-Therapie.
  • UV-Licht und Excimer-Laser können weiße Streifen vorübergehend nachdunkeln lassen. Die Wirkung hält nicht an und braucht Auffrischungen, die umgebende Haut kann mitbräunen.
  • Mikrodermabrasion trägt nur die obersten Hautschichten ab; die Daten zu Dehnungsstreifen stammen aus kleinen Studien. Einen Überblick gibt der Ratgeber Mikrodermabrasion.

Überblick

VerfahrenWofür vor allemStudienlageTypische Nebenwirkungen
Tretinoin-Cremefrische Streifenkleine randomisierte Studie mit deutlichem Effekt, sonst schwachRötung, Schuppung, Brennen; nicht in der Schwangerschaft
Gefäßlaser, IPLRötung frischer Streifenkleine Studien, keine ausdrückliche Empfehlung der LeitlinieRötung, Schmerzen, Juckreiz, dunkle Verfärbungen vor allem bei dunkler Haut
Nicht abtragender fraktionierter Laserältere Streifenkleine Studien, schwache Empfehlung der LeitlinieRötung, Schwellung, Verfärbungen möglich
Fraktionierter CO₂-Laserältere StreifenMetaanalysen, ähnlich wirksam wie MicroneedlingSchmerzen, Krusten, längere Abheilung, häufiger dunkle Verfärbungen
Microneedlingältere und frische StreifenMetaanalysen kleiner Studien, ähnlich wirksam wie LaserSchmerzen, Nebenwirkungen meist für wenige Tage
Radiofrequenz-Microneedlingältere StreifenMetaanalysen kleiner StudienSchmerzen, Rötung, seltener Verfärbungen als nach CO₂-Laser
Cremes und Öle zur VorbeugungSchwangerschaftCochrane: kein gesicherter Nutzenje nach Produkt

Was Sie realistisch erwarten können

Besserung, keine Entfernung. Fachleute betonen, dass keine Behandlung Dehnungsstreifen vollständig beseitigt. Erreichbar ist, dass Streifen flacher, schmaler und farblich unauffälliger werden. Wie stark, hängt vom Alter der Streifen, der Körperstelle, Ihrem Hauttyp und dem Verfahren ab. Gerade weil die Erwartungen oft hoch sind, legt die Laser-Leitlinie bei Dehnungsstreifen besonderes Gewicht auf ein ehrliches Aufklärungsgespräch.

Mehrere Sitzungen. Die Leitlinie beschreibt bei Dehnungsstreifen in der Regel mehrere Sitzungen. In Studien waren es meist zwei bis sechs, häufig im Abstand von vier bis sechs Wochen. Beurteilt wurde das Ergebnis oft erst Wochen bis Monate nach der letzten Sitzung.

Mögliche Nebenwirkungen sind Rötung, Schwellung und Schmerzen, nach abtragenden Lasern auch Krusten und eine längere Abheilzeit. Dazu kommen Pigmentstörungen: dunkle Flecken nach der Entzündung, seltener helle Stellen. Das Risiko für dunkle Verfärbungen ist bei dunklerer Haut höher. Die Leitlinie empfiehlt bei erhöhtem Pigmentierungsrisiko eine Probebehandlung an einer kleinen Stelle, das Abklären einer Neigung zu Wulstnarben (Keloiden) und nach der Laserbehandlung drei Monate konsequenten Sonnenschutz. Bei Tretinoin ist die Haut anfangs häufig gereizt.

In Schwangerschaft und Stillzeit warten. Zur Sicherheit von Laser, Microneedling und Radiofrequenz in der Schwangerschaft gibt es kaum Daten. In der oben beschriebenen Microneedling-Studie waren Schwangere und Frauen in den ersten zwölf Monaten nach einer Geburt ausgeschlossen. Frische Schwangerschaftsstreifen blassen nach der Geburt oft ohnehin ab; es spricht wenig dagegen, die Entscheidung über eine Behandlung auf die Zeit danach zu verschieben.

Wann zum Arzt?

Meist sind Dehnungsstreifen ein rein kosmetisches Thema. Ärztlichen Rat sollten Sie in diesen Situationen einholen:

  • Viele neue, breite, rot-violette Streifen ohne erkennbaren Anlass, also ohne Schwangerschaft, Wachstumsschub, deutliche Gewichtszunahme oder Muskelaufbau. Besonders aufmerksam sollten Sie werden, wenn die Streifen rot und breiter als etwa einen Zentimeter sind und dazu blaue Flecken schon bei kleinen Stößen, ein auffallend rundes Gesicht (Vollmondgesicht) oder eine Schwäche der Muskeln an Hüften und Oberschenkeln, Schultern und Oberarmen kommen, etwa beim Treppensteigen oder Aufstehen. Auch ein schwer einstellbarer oder für Ihr Alter ungewöhnlicher Bluthochdruck oder ein schlecht einstellbarer Diabetes können dazugehören. Das kann auf ein Cushing-Syndrom hinweisen. Es ist mit zwei bis drei Neuerkrankungen pro Million Menschen im Jahr selten, wird aber leicht übersehen. Sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Hausarztpraxis; auffällige Tests werden in einer endokrinologischen Praxis weiter abgeklärt.
  • Kinder mit Dehnungsstreifen, die an Gewicht zunehmen, aber langsamer wachsen als bisher. Gewöhnliches Übergewicht bremst das Längenwachstum nicht; diese Kombination sollte die Kinder- und Jugendarztpraxis ansehen.
  • Streifen unter einer Kortisonbehandlung, etwa an Stellen, die Sie längere Zeit mit einer Kortisoncreme behandeln. Sprechen Sie die verordnende Praxis an, damit sie die Behandlung prüfen kann. Setzen Sie Kortisontabletten, die Sie länger einnehmen, nicht eigenmächtig ab: Sie müssen langsam ausgeschlichen werden.
  • Streifen nach der Einnahme von Anabolika. Diese Mittel können weitere ernste Nebenwirkungen haben, bei Männern etwa eine Vergrößerung der Brustdrüse oder Unfruchtbarkeit; eine ärztliche Untersuchung ist sinnvoll.

Für den Verdacht auf ein Cushing-Syndrom ist wichtig, alle Kortisonpräparate zu nennen, nicht nur Tabletten, sondern auch Spritzen, Cremes und Lotionen, Zäpfchen sowie Nasen- und Augentropfen. Sie alle können ähnliche Zeichen hervorrufen.

Nach einer Behandlung: Nehmen Rötung, Schwellung oder Schmerzen nach einigen Tagen zu, bildet sich Eiter oder bekommen Sie Fieber, wenden Sie sich noch am selben Tag an die behandelnde Praxis, außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Dunkle oder helle Flecken, die nach Wochen nicht verblassen, besprechen Sie bei der nächsten Kontrolle. Die 112 wählen Sie bei Atemnot, Verwirrtheit oder Fieber mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl.

Wer behandelt Dehnungsstreifen?

Erste Anlaufstelle ist eine hautärztliche Praxis, am besten mit Erfahrung in Laser- und ästhetischer Medizin. Dort lässt sich klären, ob es sich wirklich um Dehnungsstreifen handelt, ob eine Ursache wie Kortison dahintersteckt und welches Verfahren zu Stadium und Hauttyp passt. Auch plastisch-ästhetische Praxen bieten Behandlungen an.

Was erlaubt ist, regelt für Laser und Radiofrequenz die NiSV, eine Verordnung zum Einsatz solcher Geräte am Menschen. Abtragende Laser und alle Anwendungen, bei denen die Oberhaut als Schutzbarriere verletzt wird, dürfen nur approbierte Ärztinnen und Ärzte mit entsprechender Weiter- oder Fortbildung durchführen. Das gilt nach § 6 NiSV ebenso für Hochfrequenzanwendungen mit Nadeln, also für Radiofrequenz-Microneedling. Für andere kosmetische Laseranwendungen ist eine nachgewiesene Fachkunde vorgeschrieben. Microneedling ohne Strom oder Licht erfasst die NiSV nach unserer Lesart nicht; da die Nadeln bei Dehnungsstreifen bis in die Lederhaut reichen sollen, gehört es nach unserer Einschätzung in ärztliche Hände.

Klären Sie im Vorgespräch:

  • Sind meine Streifen eher frisch oder alt, und welches Verfahren passt deshalb?
  • Welche Besserung ist bei meinem Hauttyp realistisch, und wie hoch ist das Risiko für Verfärbungen?
  • Wie viele Sitzungen sind geplant, in welchen Abständen, und wie lange dauert die Abheilung jeweils?
  • Wird vorab eine Probestelle behandelt?
  • Was kostet die gesamte Serie, und an wen wende ich mich, wenn nach einer Sitzung Probleme auftreten?

Praxen mit Laser- und Ästhetikschwerpunkt finden Sie über die Praxissuche unten. Nicht jede Praxis bietet jedes Verfahren an; fragen Sie vorab nach.

Kosten: Selbstzahlerleistung

Wer Dehnungsstreifen behandeln lässt, tut das aus ästhetischen Gründen. Solche medizinisch nicht erforderlichen Behandlungen übernehmen die gesetzlichen Kassen nicht, und die Laser-Leitlinie weist darauf hin, dass das auch bei Nebenwirkungen gelten kann. Eine Kostenübernahme für Tretinoin gegen Dehnungsstreifen ist nicht allgemein belegt; klären Sie das vorab mit Praxis und Kasse.

Einen belastbaren Pauschalpreis gibt es nicht, und die Preisliste einer einzelnen Praxis sagt wenig über andere aus. Der Betrag richtet sich danach, welches Verfahren eingesetzt wird, wie groß die Fläche ist und wie viele Termine nötig sind; bei Schwangerschaftsstreifen am ganzen Bauch ist das etwas anderes als bei einigen Streifen an der Hüfte.

  • Abrechnung nach GOÄ: Arztpraxen rechnen nach der Gebührenordnung für Ärzte ab. Für Verfahren ohne eigene Ziffer, etwa Microneedling, wählt die Praxis nach § 6 Abs. 2 GOÄ eine gleichwertige Leistung (Analogabrechnung). In der Regel liegt eine Gebühr zwischen dem Einfachen und dem 2,3-Fachen des Gebührensatzes, bis zum 3,5-Fachen nur mit Begründung; darüber ist eine eigene schriftliche Honorarvereinbarung nötig.
  • Kosten vorab in Textform: Ist die Kostenübernahme nicht gesichert, muss die Praxis Sie vor Beginn in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren. Für Selbstzahlerleistungen bei gesetzlich Versicherten ist außerdem eine schriftliche Behandlungsvereinbarung vorgeschrieben.
  • Gesamte Serie: Lassen Sie sich einen schriftlichen Kostenvoranschlag für alle geplanten Sitzungen geben, einschließlich Betäubungscreme und Nachkontrollen.

Denken Sie auch an Komplikationen: Nach § 52 Abs. 2 SGB V muss die Krankenkasse Versicherte an den Kosten beteiligen, wenn eine Krankheit Folge einer medizinisch nicht indizierten ästhetischen Operation ist. Ob eine Laser- oder Microneedling-Behandlung darunter fällt, ist nicht eindeutig geklärt; im Zweifel fragen Sie vorher bei Ihrer Kasse nach.

Anders ist es, wenn Ihre Streifen auf eine Krankheit hindeuten: Die Abklärung eines Verdachts auf ein Cushing-Syndrom oder eine Nebenwirkung von Medikamenten kann bei medizinischer Notwendigkeit in einer Kassenpraxis über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden.

Mehr zu ähnlichen Selbstzahler-Behandlungen finden Sie in den Ratgebern Narben entfernen, Cellulite und kosmetische Behandlungen beim Hautarzt.

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Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.