Dampfende cremeweiße Keramiktasse mit Tee neben einem gefalteten rostroten Strickschal auf einem hölzernen Fensterbrett, draußen ein verschneiter Garten im weichen Winterlicht
Illustration (KI-generiert): Erkältungszeit am Fenster. Erkältungen und Fieber gelten als mögliche Auslöser von Lippenherpes.

Herpes (Lippenherpes): Ansteckung, Behandlung & Warnzeichen

Was Lippenherpes auslöst, wie lange er ansteckend ist, was rezeptfreie Cremes, Tabletten, Pflaster und Zink wirklich bringen, wie Sie Säuglinge schützen, wann Herpes am Auge oder bei Neurodermitis ein Fall für den selben Tag ist und wie sich Herpes von Gürtelrose und Genitalherpes unterscheidet.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 21.10.2026

Lippenherpes ist eine Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus, meist vom Typ 1. Die meisten Erwachsenen tragen das Virus in sich, bei manchen bricht es immer wieder als Gruppe kleiner, schmerzhafter Bläschen an der Lippe aus. Bei sonst gesunden Menschen heilt ein Lippenherpes in ein bis zwei Wochen von selbst ab, in der Regel ohne Narben. Wer schneller abheilen möchte, trägt beim ersten Kribbeln eine rezeptfreie Creme mit Aciclovir oder Penciclovir auf. Das verkürzt einen Ausbruch um ungefähr einen Tag, mehr sollten Sie nicht erwarten. Ansteckend ist die Flüssigkeit in den Bläschen, bis Bläschen und Krusten verheilt sind. Gefährlich werden kann Herpes vor allem für Neugeborene, bei Neurodermitis und am Auge: Dann ist ärztliche Hilfe noch am selben Tag nötig. Fieber mit Verwirrtheit oder einem Krampfanfall ist ein Fall für den Notruf 112.

Was ist Herpes? HSV-1, HSV-2 und wie verbreitet sie sind

„Herpes“ ist im Alltag ein Sammelbegriff. Meist sind die beiden Herpes-simplex-Viren gemeint:

  • HSV-1 verursacht vor allem Lippenherpes, auch Fieberbläschen genannt. Über Oralsex kann es in den Genitalbereich gelangen und dort einen Genitalherpes auslösen.
  • HSV-2 ist der typische Erreger von Genitalherpes.

Die Gürtelrose heißt fachlich Herpes zoster, wird aber von einem anderen Virus verursacht, dem Windpockenvirus. Wie Sie beides auseinanderhalten, steht weiter unten.

Nach der ersten Ansteckung, oft schon in der Kindheit, zieht sich das Virus in das Trigeminusganglion, einen Nervenknoten des fünften Hirnnervs, zurück und bleibt dort lebenslang. Die meiste Zeit hält das Immunsystem es in Schach. Bei einem Ausbruch wandert es entlang der Nervenfasern zurück in die Haut, meist an dieselbe Stelle wie beim letzten Mal. Heilen lässt sich die Infektion bisher nicht; Medikamente bremsen nur die Vermehrung des Virus während eines Ausbruchs.

Wie verbreitet das Virus ist, zeigen Schätzungen: In Deutschland tragen 60 bis 90 % der Menschen HSV-1 in sich. Eine Blutuntersuchung des Robert Koch-Instituts aus den Jahren 2008 bis 2011 fand bei gut 78 % der Erwachsenen Antikörper gegen HSV-1. Bei den 18- bis 24-Jährigen war es knapp die Hälfte, ab 65 Jahren über 90 %. Antikörper gegen HSV-2 hatten knapp 10 %. Beide Werte waren seit Ende der 1990er Jahre gesunken. Die Forschenden folgern daraus, dass mehr junge Menschen keinen Schutz haben und sich zum Beispiel beim Sex erstmals anstecken können. Längst nicht alle Infizierten merken etwas: Nur etwa 20 bis 40 % der Menschen mit HSV-1 bekommen irgendwann einen Lippenherpes. Warum es manche immer wieder trifft und andere nie, ist nicht vollständig geklärt.

Verlauf: vom Kribbeln über Bläschen zur Kruste

Ein Lippenherpes folgt meist einem festen Ablauf:

  1. Vorboten: Einige Stunden bis etwa einen Tag vorher kribbelt, juckt oder spannt eine Stelle an Ober- oder Unterlippe.
  2. Rötung und Bläschen: Die Stelle rötet sich und schwillt an. Dann bilden sich gruppierte, schmerzhafte Bläschen, typischerweise auf einer Seite der Lippe. Sie können auf die Haut daneben, in den Mund oder Richtung Nase übergreifen.
  3. Aufplatzen: Beim Sprechen, Lachen oder Kauen reißen die Bläschen leicht ein und nässen. Saures wie Saft oder Essig brennt dann auf der Wunde.
  4. Krusten: Es bildet sich eine dünne, gelbliche Kruste. Auch sie kann einreißen und bluten.
  5. Abheilung: Nach ein bis zwei Wochen ist die Stelle verheilt, sichtbare Narben bleiben nicht.

Manchmal bleibt es bei Kribbeln und Rötung, ohne dass Bläschen entstehen. Die meisten Betroffenen haben ein- bis zweimal im Jahr einen Ausbruch, etwa 5 bis 10 % mehr als fünfmal. Mit der Zeit werden die Beschwerden oft schwächer.

Die erste Ansteckung verläuft anders. Sie passiert häufig im Kleinkindalter und bleibt oft unbemerkt. Manche Kinder werden aber richtig krank: mit Fieber, Schwäche, geschwollenen Lymphknoten am Hals und einer schmerzhaften Entzündung von Mundschleimhaut und Zahnfleisch, der Mundfäule (Gingivostomatitis herpetica). Typisch ist starker Mundgeruch. Die wunden Stellen im Mund können 10 bis 19 Tage anhalten und machen Essen und Trinken so unangenehm, dass Kinder zu wenig trinken und austrocknen können.

Was löst einen Ausbruch aus?

Ein Ausbruch ist wahrscheinlicher, wenn das Immunsystem gerade gefordert ist. Als mögliche Auslöser gelten vor allem:

  • Sonnenlicht und künstliche UV-Strahlen, etwa im Solarium,
  • Erkältungen und Fieber, daher der Name Fieberbläschen,
  • kleine Verletzungen und Risse an den Lippen, auch Zahnbehandlungen,
  • körperliche Belastung und psychischer Stress,
  • Kortisonpräparate und andere Medikamente, die die Abwehr dämpfen,
  • hormonelle Schwankungen, etwa im Rahmen des Monatszyklus.

Die meisten dieser Auslöser lassen sich kaum oder nur teilweise vermeiden. Ob Ausbrüche seltener werden, wenn man etwa auf Solarium oder anstrengenden Sport verzichtet, ist laut IQWiG nicht gut untersucht. Dass Ekel einen Ausbruch auslösen kann, wie manche glauben, ist nicht belegt.

Wie ansteckend ist Herpes und wie lange?

Ansteckend ist vor allem die Flüssigkeit in den Bläschen, solange Bläschen und Krusten vorhanden sind. Auch der Speichel kann in dieser Zeit Viren enthalten. Übertragen wird das Virus beim Küssen, über gemeinsam benutzte Gläser, Besteck und Handtücher, über Finger, die erst die Lippe und dann den Mund eines anderen berühren, und beim Oralsex. Nach einer Ansteckung vergehen im Allgemeinen 1 bis 12 Tage bis zu ersten Beschwerden.

Auch ohne sichtbare Bläschen kann das Virus gelegentlich ausgeschieden werden. Laut IQWiG kommt eine Ansteckung außerhalb eines Ausbruchs aber nur sehr selten vor, deshalb sind dann keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen nötig. Auf Haut und Händen hält sich das Virus nur ein bis zwei Stunden, Austrocknen verträgt es schlecht. Händewaschen ist deshalb wirksam.

So schützen Sie andere, vom ersten Kribbeln bis zur vollständigen Abheilung:

  • niemanden küssen und auf Oralsex verzichten,
  • Gläser, Besteck, Handtücher und Lippenpflegestifte nicht teilen,
  • die Bläschen nicht berühren oder aufkratzen; nach dem Eincremen die Hände waschen,
  • auf Sport mit engem Körperkontakt wie Ringen verzichten,
  • Schminkzeug, das mit der Stelle in Kontakt war, nicht weitergeben.

Sie können das Virus auch auf sich selbst übertragen, etwa auf einen Finger mit einer kleinen Verletzung oder ans Auge. Kinder stecken sich manchmal über Daumenlutschen oder Nägelkauen an den Fingern an. Fassen Sie sich während eines Ausbruchs möglichst nicht an die Augen, und waschen Sie die Hände, bevor Sie Kontaktlinsen einsetzen.

Für Alltag und Beruf gilt: Wegen eines Lippenherpes muss sich niemand krankschreiben lassen, und Schulkinder müssen dem Unterricht nicht fernbleiben. Wer beruflich Neugeborene, Frühgeborene oder schwer immungeschwächte Menschen betreut, sollte das Vorgehen während eines Ausbruchs mit dem Arbeitgeber oder dem betriebsärztlichen Dienst klären.

Besondere Situationen: Wann Herpes gefährlich werden kann

Bei sonst gesunden Menschen bleibt Lippenherpes lästig, aber harmlos. In einigen Situationen ist das anders.

Neugeborene und junge Säuglinge

Neugeborene sind bis etwa zur achten Lebenswoche besonders gefährdet, weil ihr Immunsystem noch unreif ist. Meist steckt sich ein Kind während der Geburt an, wenn die Mutter einen Genitalherpes hat, manchmal auch ohne dass sie Beschwerden bemerkt. Es kann sich aber auch nach der Geburt anstecken, über Haut oder Speichel einer Kontaktperson mit Lippenherpes, zum Beispiel eines Elternteils, eines Geschwisterkinds oder der Großeltern.

Beim Neugeborenen kann die Infektion auf Haut, Augen und Mund begrenzt bleiben, aber auch das Gehirn oder den ganzen Körper erfassen. Unbehandelt verläuft eine ausgedehnte Infektion oft tödlich; eine frühzeitige antivirale Behandlung im Krankenhaus senkt dieses Risiko deutlich. Die ersten Anzeichen sind oft unspezifisch: Trinkschwäche, graue oder fahle Haut, Fieber, Teilnahmslosigkeit. Bläschen an Haut, Mund oder Augen kommen nicht bei allen Kindern vor. Meist beginnen die Beschwerden in der ersten bis dritten Lebenswoche, selten später.

Wer Lippenherpes hat, sollte deshalb:

  • das Baby nicht küssen,
  • den Schnuller des Babys nicht in den Mund nehmen,
  • sich regelmäßig die Hände waschen, vor allem vor dem Füttern und Wickeln,
  • verhindern, dass das Kind die Bläschen berührt.

Neurodermitis: Ekzema herpeticatum

Bei Menschen mit Neurodermitis kann sich das Virus über größere Flächen der entzündeten Haut ausbreiten. Das nennt man Ekzema herpeticatum. Es ist selten, kann aber besonders bei Kindern schwer verlaufen. Typische Zeichen, wie sie die britische Leitlinie für Kinder beschreibt:

  • Ekzemstellen, die sich rasch verschlechtern und schmerzen,
  • gruppierte Bläschen, die wie ein beginnender Lippenherpes aussehen,
  • kleine, runde, wie ausgestanzt wirkende Wunden von 1 bis 3 Millimetern, die alle ähnlich aussehen und zu größeren verkrusteten Flächen zusammenfließen können,
  • mitunter Fieber, Abgeschlagenheit oder bei Kindern auffällige Unruhe.

Bei diesem Verdacht ist eine Behandlung mit antiviralen Tabletten oder Infusionen nötig, und zwar noch am selben Tag. Sind die Augenlider oder die Haut um die Augen betroffen, kommt eine augenärztliche Untersuchung am selben Tag hinzu. Hat ein Kind mit Neurodermitis auch nur eine einzelne herpesverdächtige Stelle, rät die britische Leitlinie bereits zu Tabletten; lassen Sie solche Stellen deshalb zeitnah ansehen. Menschen mit Neurodermitis sollten engen Kontakt mit Personen meiden, die gerade einen aktiven Herpes haben.

Herpes am Auge

Selten befällt das Virus das Auge. Dann können Bläschen auf dem Lid entstehen. Ist die Hornhaut betroffen, wird das Auge rot, tränt, schmerzt und ist lichtempfindlich, das Sehen kann verschwimmen. Eine Herpesinfektion der Hornhaut gehört weltweit zu den wichtigen infektiösen Ursachen für Hornhautnarben und bleibende Sehverschlechterung. Rückfälle sind häufig.

Für die Behandlung gibt es seit 2025 eine S1-Leitlinie der deutschen Augenärztinnen und Augenärzte, gültig bis 2030. Sie hält unter anderem fest, dass bei einer Herpesentzündung der oberflächlichen Hornhaut kein Kortison eingesetzt werden soll. Tropfen Sie deshalb bei einem roten Auge nie auf eigene Faust kortisonhaltige Augentropfen ein, sondern lassen Sie es noch am selben Tag augenärztlich untersuchen.

Geschwächtes Immunsystem

Unter einer Chemotherapie, nach einer Transplantation, bei einer fortgeschrittenen HIV-Infektion oder unter Medikamenten, die das Immunsystem stark dämpfen, kann ein Herpesausbruch länger dauern, sich ausbreiten und Wunden bilden, die erst nach Wochen verheilen. Selten greift die Infektion auf Speiseröhre, Lunge oder Gehirn über. Antivirale Tabletten haben in dieser Situation eine deutlich größere Schutzwirkung als bei sonst gesunden Menschen und werden während einer Krebsbehandlung teils auch vorbeugend gegeben. Melden Sie einen Ausbruch deshalb früh in Ihrer behandelnden Praxis.

Schwangerschaft und Geburt

Ein wiederkehrender Lippenherpes der Mutter ist kein typischer Weg, auf dem das Ungeborene angesteckt wird. Eine Übertragung im Mutterleib gilt laut der S2k-Leitlinie zur Labordiagnostik schwangerschaftsrelevanter Virusinfektionen (Fassung 2022) als sehr selten und kommt vor allem bei einer Erstinfektion oder einem ausgedehnten Befall in der Frühschwangerschaft vor. Wichtiger ist der Schutz des Babys nach der Geburt. Aciclovir darf nach der Einschätzung von Embryotox, dem Beratungszentrum der Charité, bei entsprechender Indikation in der gesamten Schwangerschaft auf der Haut und als Tablette angewendet werden, auch in der Stillzeit. Lassen Sie sich trotzdem vor der Anwendung in der Apotheke oder Praxis beraten.

Bei Genitalherpes sollten Sie Ihre Frauenarztpraxis frühzeitig informieren. Das Risiko für das Kind hängt stark davon ab, wann die Ansteckung stattfand. Hatte eine Frau die Infektion schon vor oder zu Beginn der Schwangerschaft, steckt sich laut IQWiG nur etwa 1 von 100 Kindern an. Nach einer Erstansteckung im letzten Schwangerschaftsdrittel sind es schätzungsweise 30 bis 50 von 100; dann ist ein Kaiserschnitt üblich. Bei bekanntem Genitalherpes kann eine vorbeugende Einnahme von Aciclovir ab der 36. Schwangerschaftswoche Ausbrüche zur Geburt seltener machen: In Studien brauchten wegen eines Ausbruchs 4 statt 13 von 100 Frauen einen Kaiserschnitt. Kribbeln oder Bläschen kurz vor der Geburt sollten Sie dem Geburtsteam sofort mitteilen. Im letzten Drittel ist es sicherer, keinen Sex mit einem Partner oder einer Partnerin zu haben, der oder die Genitalherpes hat oder haben könnte, und keinen Oralsex mit jemandem, der gerade Lippenherpes hat.

Wann zum Arzt? Warnzeichen

Ein typischer, wiederkehrender Lippenherpes bei sonst gesunden Menschen braucht meist keine ärztliche Behandlung. In diesen Situationen sollten Sie aber nicht abwarten:

Notruf 112

  • Fieber zusammen mit Verwirrtheit, Wesensveränderung, einem Krampfanfall oder starken Kopfschmerzen mit Nackensteife. Selten steckt eine Entzündung des Gehirns durch Herpesviren dahinter, die sofort im Krankenhaus behandelt werden muss.
  • Ein Säugling hat Atemaussetzer oder einen Krampfanfall oder ist kaum noch weckbar.

Sofort, ohne bis morgen zu warten: Kinderarztpraxis oder Kinderklinik

  • Ein Säugling in den ersten Lebenswochen trinkt schlecht, hat Fieber, wirkt teilnahmslos, hat eine graue Hautfarbe oder Bläschen an Haut, Mund oder Augen, besonders wenn jemand in seinem Umfeld gerade Herpes hat. Außerhalb der Sprechzeiten fahren Sie direkt in eine Kinderklinik.

Noch am selben Tag ärztlich vorstellen, außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117:

  • Neurodermitis mit rasch zunehmenden, schmerzhaften Bläschen oder ausgestanzt wirkenden kleinen Wunden, eventuell mit Fieber (Verdacht auf Ekzema herpeticatum),
  • Bläschen am Augenlid oder ein rotes, schmerzendes, lichtempfindliches Auge mit verschwommenem Sehen; hier ist die Augenarztpraxis oder Augenklinik die richtige Stelle,
  • ein Kleinkind mit wundem Mund oder Mundfäule, das kaum noch trinkt oder sehr schlapp ist,
  • ein ausgedehnter oder ungewöhnlich schwerer Herpes bei geschwächtem Immunsystem, etwa unter Chemotherapie oder nach einer Transplantation,
  • Bläschen auf einer Seite von Stirn, Nase oder Ohr, die eher wie ein Streifen aussehen und stark schmerzen; das kann eine Gürtelrose sein.

In den nächsten Tagen in die Haus- oder Hautarztpraxis

  • Sie haben zum ersten Mal solche Bläschen und sind unsicher, ob es Herpes ist,
  • die Bläschen sitzen an einer ungewöhnlichen Stelle, etwa am Finger, an der Wange oder im Genitalbereich,
  • der Herpes ist nach zwei Wochen nicht abgeheilt, wird immer größer oder kommt sehr oft zurück,
  • es bilden sich honiggelbe Krusten, die Rötung nimmt zu oder es tritt Eiter aus; dann kann sich eine bakterielle Infektion wie eine Borkenflechte aufgesetzt haben,
  • Sie sind schwanger und haben Genitalherpes oder vermuten ihn; hier ist die Frauenarztpraxis zuständig, bei Beschwerden im letzten Schwangerschaftsdrittel umgehend.

Wer ist zuständig? Bei Lippenherpes sind Hausarzt- und Hautarztpraxis gleichermaßen geeignet, für Kinder die Kinderarztpraxis. Die Hautärztin oder der Hautarzt hilft besonders bei unklaren Bläschen, bei Neurodermitis, bei sehr häufigen Rückfällen und bei Herpes im Genitalbereich. Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt Herpes am Aussehen. Ist das Bild untypisch, wird ein Abstrich aus einem Bläschen im Labor untersucht, zum Beispiel per PCR.

Behandlung: Was hilft wirklich?

Eine eigene deutsche Leitlinie zur Behandlung von Lippenherpes haben wir nicht gefunden, und einen RKI-Ratgeber zu Herpes simplex gibt es nicht. Die wichtigsten Grundlagen sind deshalb die Gesundheitsinformationen des IQWiG (aktualisiert im Januar 2025) und eine große Cochrane-Übersicht von 2026, die 87 Studien mit über 22.000 Teilnehmenden ausgewertet hat.

Die ehrliche Bilanz vorweg: Eine Behandlung ist nicht zwingend nötig, weil Lippenherpes von selbst abheilt. Antivirale Mittel verkürzen einen Ausbruch um etwa einen Tag und können manchmal verhindern, dass überhaupt Bläschen und Krusten entstehen. Damit das klappt, muss die Behandlung früh beginnen, spätestens 24 Stunden nach den ersten Anzeichen, am besten schon beim Kribbeln. Später erreichen die Mittel das Virus möglicherweise nicht mehr, weil es sich bereits ausgebreitet hat.

Cremes und Gele aus der Apotheke

Cremes und Gele mit Aciclovir oder Penciclovir sind für Lippenherpes rezeptfrei erhältlich. In der Cochrane-Übersicht heilte Lippenherpes mit Aciclovir-Creme im Schnitt knapp einen Tag schneller ab als mit einer Creme ohne Wirkstoff, mit Penciclovir-Creme etwa 1,2 Tage schneller. Beide Mittel wirkten in einem direkten Vergleich ähnlich gut. Wie viel ein Tag weniger im Alltag bedeutet, haben die Studien nicht gemessen; eine Mindestgröße für einen spürbaren Nutzen ist für Lippenherpes nicht festgelegt. Nebenwirkungen waren selten; die Cremes können die Haut etwas reizen.

So wenden Sie die Mittel richtig an: dünn auftragen, tagsüber etwa alle zwei bis drei Stunden, in der Regel fünf Tage lang. Halten Sie sich an die Packungsbeilage Ihres Präparats, und waschen Sie sich danach die Hände. Es gibt auch getönte Herpescremes, die eine Rötung bei heller Haut etwas kaschieren.

Eine weitere rezeptfreie Möglichkeit für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren ist eine Creme, die Aciclovir mit einem schwachen Kortison (Hydrocortison) kombiniert. In einer Studie mit Menschen, die etwa fünf- bis sechsmal im Jahr Lippenherpes bekamen, entwickelten damit 58 von 100 Bläschen und Krusten, mit Aciclovir allein 65 von 100. Der Vorteil ist also vorhanden, aber klein.

Vor zukünftigen Ausbrüchen schützen Cremes nicht: Die Wirkstoffe erreichen die Nervenzellen nicht, in denen das Virus ruht.

Tabletten auf Rezept

Antivirale Tabletten mit Aciclovir, Valaciclovir oder Famciclovir sind verschreibungspflichtig. Laut IQWiG verkürzen sie einen Lippenherpes bei sonst gesunden Menschen um gut einen Tag, also etwa so viel wie eine Creme; ob sie besser wirken, ist unklar. Ihr Vorteil: Man nimmt sie nur ein- bis zweimal täglich über einen bis sieben Tage ein. Valaciclovir ist für Lippenherpes zugelassen und wird dafür an einem einzigen Tag eingenommen; in der Cochrane-Übersicht verkürzte es die Heilung um etwa einen Tag. Für Aciclovir-Tabletten bei Lippenherpes war die Studienlage dünn.

Sinnvoll sind Tabletten vor allem bei einem geschwächten Immunsystem, bei einem ausgedehnten oder schweren Ausbruch, bei einem Ekzema herpeticatum und bei Herpes am Auge in Absprache mit der Augenarztpraxis. Die Tabletten gelten als gut verträglich; in Studien traten Nebenwirkungen nicht häufiger auf als mit einem Scheinmedikament. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis angepasst. Sagen Sie in der Praxis deshalb, ob Sie eine Nierenerkrankung haben und welche Medikamente Sie sonst nehmen.

Herpespflaster, Zink und Hausmittel

Herpespflaster aus Hydrokolloid decken die Stelle ab, machen sie unauffälliger und schützen sie vor Berührung. In einer Studie mit 351 Menschen heilte Lippenherpes unter einem solchen Pflaster ähnlich schnell ab wie unter Aciclovir-Creme, im Mittel nach etwa 7,6 gegenüber 7,0 Tagen; der Unterschied war nicht bedeutsam. Eine zweite Studie mit 180 Menschen fand ebenfalls keine Unterschiede. Beide Studien prüften bestimmte Markenprodukte; insgesamt ist die Datenlage schmal. Ziehen Sie das Pflaster vorsichtig ab, denn aufgeweichte Krusten können sich dabei lösen und bluten.

Zinkpräparate wie Gele mit Zinksulfat oder Cremes mit Zinkoxid wurden nur in wenigen, kleinen Studien untersucht. In einer davon mit 46 Teilnehmenden heilte der Herpes mit einer Zinkcreme nach durchschnittlich fünf statt sechseinhalb Tagen ab. Die Cochrane-Übersicht von 2026 bewertet die Belege für Zinkpflaster ebenso wie für Propolis-Salben, Laser- und Lichtbehandlungen als begrenzt.

Hausmittel wie Zahnpasta, Honig oder Teebaumöl sind nicht verlässlich untersucht. Lysin-Tabletten haben in Studien nicht vor Rückfällen geschützt, und Wärmestifte sind laut IQWiG kaum erforscht.

Was Sie selbst tun können

  • Früh reagieren: Wer häufig Lippenherpes hat, hält am besten eine Creme griffbereit, damit die Behandlung schon beim Kribbeln beginnen kann.
  • Kühlen: Ein in ein Tuch gewickelter Eiswürfel lindert Schmerz und Schwellung.
  • Sauber halten: Die Stelle behutsam mit Wasser und milder Seife reinigen.
  • Nicht aufkratzen und Krusten nicht abziehen: Sie reißen leicht ein und bluten, und über die Finger verteilen Sie das Virus.
  • Schonend essen: Saure Speisen und Getränke brennen auf offenen Bläschen.
  • Gegen Schmerzen helfen bei Bedarf gängige Schmerzmittel aus der Apotheke.
  • Make-up nur vorsichtig: Beim Auftragen können Bläschen einreißen, und über Finger und Schminkzeug verbreitet sich das Virus leicht.

Häufige Rückfälle: Was vorbeugend hilft

Weil Sonne und rissige Lippen zu den Auslösern zählen, rät das IQWiG zu Sonnenschutz und guter Lippenpflege. Ganz sicher belegt ist der Nutzen nicht: Sonnenschutz verhinderte in Studien Ausbrüche, die mit UV-Lampen ausgelöst wurden, in einer kleinen Studie mit echtem Sonnenlicht aber nicht. Vorbeugend aufgetragene Herpescremes schützen nicht. Und Tabletten, die man nur kurz vor einer Belastung nimmt, etwa vor einem Skiurlaub, haben in Studien keinen sicheren Schutz gezeigt.

Wer sehr häufig Lippenherpes hat, zum Beispiel mehr als fünfmal im Jahr, und darunter stark leidet, kann mit der Ärztin oder dem Arzt über eine Dauerbehandlung mit Tabletten sprechen, auch Suppressionstherapie genannt. Sie verringert die Zahl der Ausbrüche, der Nutzen ist aber klein: In einer kleinen Studie bekamen die Teilnehmenden über vier Monate im Schnitt einen statt zwei Ausbrüche, und dieses Ergebnis gilt als sehr unsicher. Welche Risiken eine jahrelange Einnahme hat, ist nicht gut untersucht; bei einer Nierenschwäche sind niedrigere Dosen und Kontrollen nötig.

Wichtig für die Kosten: Laut IQWiG sind die Tabletten nur für die Vorbeugung anderer Herpeserkrankungen zugelassen, nicht für Lippenherpes; Valaciclovir zum Beispiel für Genitalherpes und Herpes am Auge. Eine Dauertherapie bei Lippenherpes ist damit ein Einsatz außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use). Den bezahlt die gesetzliche Krankenkasse nur in Ausnahmefällen. Ob eine Dauerbehandlung noch nötig ist, wird nach der europäischen Produktinformation für Valaciclovir nach 6 bis 12 Monaten überprüft.

Bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sieht die Bilanz anders aus. Während einer Chemotherapie oder Knochenmarktransplantation schützte vorbeugend gegebenes Aciclovir in Studien etwa die Hälfte der Behandelten vor Lippenherpes. Eine Impfung gegen Herpes simplex gibt es nicht.

Herpes im Mund oder am Mundwinkel: Was kann es sonst sein?

Nicht jede wunde Stelle an Mund und Lippen ist Herpes. Die häufigsten Verwechslungen:

  • Aphthen sind runde oder ovale, schmerzhafte, flache Wunden auf der Mundschleimhaut. Sie heilen innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ohne Narben ab und sind nach heutigem Wissen weder eine bakterielle noch eine virale Infektion. Herpes zeigt sich bei Erwachsenen dagegen meist als Bläschengruppe am Lippenrand; eine Herpesentzündung des ganzen Mundraums betrifft vor allem Kinder bei der ersten Ansteckung.
  • Borkenflechte (Impetigo) ist eine bakterielle Hautinfektion, häufig bei Kindern um Mund und Nase. Typisch sind honiggelbe Krusten. Sie wird anders behandelt, nicht mit Herpesmitteln. Manchmal siedeln sich die Bakterien auch auf einem aufgekratzten Herpes an.
  • Gürtelrose im Gesicht kann anfangs wie Herpes aussehen. Sie folgt aber meist einem Streifen auf einer Seite von Stirn, Nase oder Wange und schmerzt oft stark.

Wenn Sie unsicher sind, gibt unser Ratgeber zu Hautausschlag einen Überblick über Bläschen und andere Ausschläge.

Herpes oder Gürtelrose?

Herpes simplex (Lippen- oder Genitalherpes)Gürtelrose (Herpes zoster)
ErregerHerpes-simplex-Virus Typ 1 oder 2Varizella-Zoster-Virus (Windpockenvirus)
Wie entsteht ein Ausbruch?Ansteckung über Bläschenflüssigkeit oder Speichel, danach immer wieder Ausbrüche aus dem NervenknotenWiederaufflammen des eigenen Windpockenvirus, keine Ansteckung von außen
Typische Stellekleine Bläschengruppe an Lippe, Mund, Nase oder im Genitalbereichstreifenförmig auf einer Körperseite, meist am Rumpf, auch im Gesicht
BeschwerdenKribbeln, Brennen, Spannenoft starke, brennende Nervenschmerzen, schon Tage vor dem Ausschlag
Wiederkehroft mehrmals im Jahr an derselben Stellemeist einmal im Leben, Rückfälle sind möglich
ImpfungkeineTotimpfstoff, Kassenleistung nach STIKO-Empfehlung

Wer sich an Gürtelrose-Bläschen ansteckt und weder Windpocken hatte noch dagegen geimpft ist, bekommt Windpocken, keine Gürtelrose. Alles Weitere zu Ansteckung, Behandlung binnen 72 Stunden und Impfung finden Sie in unserem Ratgeber Gürtelrose.

Genitalherpes in Kürze

Genitalherpes zählt zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. In Deutschland tragen schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Menschen den Erreger in sich, meist HSV-2; über Oralsex kann auch HSV-1 den Genitalbereich infizieren. Bis zu 90 von 100 Infizierten haben keine oder nur sehr unauffällige Beschwerden, können das Virus aber trotzdem weitergeben.

Kommt es zu einem Ausbruch, bilden sich schmerzhafte, gruppierte Bläschen, bei Frauen oft mit Schmerzen beim Wasserlassen. Der erste Ausbruch ist häufig heftig, mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten in der Leiste; unbehandelt dauert er im Schnitt etwa 20 Tage. Spätere Ausbrüche heilen meist nach rund 10 Tagen. HSV-2 kehrt deutlich häufiger zurück als HSV-1.

Ein erster Ausbruch wird meist mit antiviralen Tabletten behandelt; Cremes helfen bei Genitalherpes nicht. Spätere Ausbrüche sind milder und müssen nicht unbedingt behandelt werden. Wer sie behandelt, sollte die Einnahme in den ersten 24 Stunden beginnen. Bei sehr häufigen Ausbrüchen ist eine vorbeugende Dauerbehandlung möglich, die laut IQWiG wahrscheinlich auch das Ansteckungsrisiko etwas senkt. Kondome verringern das Risiko einer Übertragung ebenfalls. Ein Bluttest auf Antikörper zeigt in der Regel nicht, wann eine Ansteckung stattfand; die Infektion kann Monate oder Jahre zurückliegen, ohne dass jemand etwas bemerkt hat.

Die deutsche S2k-Leitlinie zu sexuell übertragbaren Infektionen, die auch den Genitalherpes behandelt, ist abgelaufen und wird überarbeitet. Wo Sie sich testen lassen können, was die Kasse zahlt und wie andere Infektionen behandelt werden, lesen Sie in unserem Ratgeber Geschlechtskrankheiten.

Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Medizinisch notwendige Untersuchung und Behandlung können in einer Kassenpraxis zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden. Bei Arzneimitteln hängen Verordnungsfähigkeit und Eigenanteil unter anderem von Zulassung, Alter und Verordnungsgrund ab.

LeistungGesetzlich Versicherte
Untersuchung; Abstrich bei medizinischer Notwendigkeitin einer Kassenpraxis grundsätzlich abrechenbar; ob ein Labortest erforderlich und umfasst ist, klärt die Praxis
Antivirale Tabletten auf Rezept (z. B. Valaciclovir, Aciclovir)Kassenleistung; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen 10 % des Preises zu, mindestens 5 €, höchstens 10 € pro Mittel, nie mehr als den Preis
Rezeptfreie Herpescremes und -geleErwachsene zahlen selbst; für Kinder unter 12 Jahren übernimmt die Kasse die Kosten, wenn die Praxis das Mittel verordnet
Herpespflaster, Zinkpräparate, Lippenpflege, Sonnenschutzin der Regel selbst zu zahlen
Dauertherapie bei Lippenherpes (Off-Label-Use)Kassenleistung nur in Ausnahmefällen; vorher in der Praxis klären
Behandlung im Krankenhaus, z. B. Infusionen bei Säuglingen oder Ekzema herpeticatumKassenleistung; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen die gesetzliche Zuzahlung je Krankenhaustag (höchstens 28 Tage im Jahr)

Für rezeptfreie Mittel gibt es keinen einheitlichen Preis, denn jede Apotheke kalkuliert selbst; ein Preisvergleich kann sich lohnen. Wer im Jahr viele Zuzahlungen leistet, kann sich ab einer Belastungsgrenze von 2 % des Bruttoeinkommens, bei chronisch Kranken 1 %, für den Rest des Jahres befreien lassen. Privat Versicherte klären die Erstattung mit ihrem Tarif.

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Häufige Fragen

Verwandte Behandlungen

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.