Weißer Wandspender für Händedesinfektion mit langem Bedienbügel neben einem weißen Handwaschbecken in einem hellen Praxisflur mit Holztüren
Illustration (KI-generiert): Händedesinfektion im Praxisflur. Gründliche Händehygiene hilft, Staphylokokken nicht weiterzugeben.

Abszess, Furunkel & Follikulitis: Unterschiede, Behandlung, Warnzeichen

Was Follikulitis, Furunkel, Karbunkel und Abszess unterscheidet, warum meist Staphylokokken dahinterstecken, was Sie selbst tun können und was Sie lassen sollten, wann der Arzt eröffnet und wann Antibiotika nötig sind. Dazu: Gefahrenzone Gesicht, wiederkehrende Furunkel und Sanierung, Rasurpickel, Abgrenzung zu Akne inversa, Steißbeinfistel und Analabszess, klare Warnzeichen und die Kosten.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 21.10.2026

Follikulitis, Furunkel, Karbunkel und Abszess sind eitrige Entzündungen der Haut, die meist von Bakterien ausgelöst werden, vor allem von Staphylococcus aureus. Sie unterscheiden sich darin, wie tief und wie ausgedehnt die Entzündung ist: Eine Follikulitis sitzt oberflächlich in der Öffnung eines Haarbalgs, ein Furunkel erfasst den ganzen Haarbalg samt Umgebung, ein Karbunkel besteht aus mehreren verschmolzenen Furunkeln, und ein Abszess ist eine abgekapselte Eiterhöhle im Gewebe. Eine leichte Follikulitis heilt oft von allein. Größere, schmerzhafte Furunkel und Abszesse werden in der Regel ärztlich mit einem kleinen Schnitt eröffnet, damit der Eiter abfließt; Antibiotika braucht es nur in bestimmten Situationen. Drücken Sie nichts selbst aus, schon gar nicht im Gesicht. Noch am selben Tag sollte ärztlich draufgeschaut werden, wenn ein Furunkel an Nase oder Oberlippe sitzt, Fieber dazukommt oder sich die Rötung ausbreitet. Kehren Furunkel immer wieder, lohnt die Suche nach der Ursache. Die medizinisch notwendige Behandlung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse.

Follikulitis, Furunkel, Karbunkel, Abszess: der Unterschied

Alle vier Begriffe beschreiben eitrige Entzündungen, aber auf unterschiedlichen Stufen. Die Übersicht hilft bei der Einordnung; die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt.

BefundWas entzündet istSo sieht es ausTypischer Verlauf
Follikulitis (Haarbalgentzündung)Öffnung oder oberer Abschnitt einzelner Haarbälgekleine rote oder weiße Pickel an der Basis eines Haares, oft mehrere; jucken oder schmerzen leichtheilt oft von allein, ohne Narbe
Furunkelder ganze Haarbalg und das Bindegewebe darum; innen schmilzt Gewebe zu Eiter einschmerzhafter, warmer, geröteter Knoten, kirschkern- bis walnussgroß; Eiter kann gelblich durchschimmernreift über einige Tage, entleert sich oft mit einem Eiterpfropf; heilt in wenigen Wochen mit kleiner Narbe
Karbunkelmehrere benachbarte Haarbälge, zu einem Eiterherd verschmolzengrößere, tiefer reichende, sehr schmerzhafte Schwellung, häufig im NackenFieber und Abgeschlagenheit möglich; braucht ärztliche Behandlung
Abszessabgekapselte, mit Eiter gefüllte Höhle in Leder- und Unterhaut, nicht unbedingt von einem Haarbalg ausgehendpralle, überwärmte, oft dunkelrote Schwellung, die mit der Zeit weich und schwappend wirdkann sich selbst entleeren; größere Abszesse werden eröffnet

Die Grenzen sind fließend. Geht eine Follikulitis in die Tiefe, kann daraus ein Furunkel werden, und in jedem Furunkel steckt eine kleine Eiterhöhle, also ein Abszess. Umgekehrt entsteht nicht jeder Abszess aus einem Haarbalg: Laut IQWiG kann er sich auch aus einem stark entzündeten Insektenstich oder an der Einstichstelle einer verunreinigten Nadel bilden. Treten Furunkel an mehreren Stellen gleichzeitig oder in Schüben immer wieder auf, sprechen Fachleute von Furunkulose.

Furunkel bilden sich vor allem im Gesicht, am Hals und im Nacken, außerdem in Achseln und Leisten, am Rücken, im Intimbereich, am Gesäß und an den Oberschenkeln. Die meisten Hautentzündungen haben allerdings andere Ursachen: Laut IQWiG haben nur etwa 3 von 100 Menschen, die wegen einer Hautinfektion in die Hausarztpraxis kommen, einen Furunkel. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Nicht jeder entzündete Knoten ist eine bakterielle Infektion. Rasurpickel, Akne, ein entzündetes Atherom oder eine Akne inversa können ähnlich aussehen, brauchen aber eine andere Behandlung. Mehr dazu weiter unten.

Ursache: meist Staphylokokken

Der häufigste Erreger ist Staphylococcus aureus. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) tragen 15 bis 40 von 100 gesunden Erwachsenen dieses Bakterium bei sich, vor allem im Nasenvorhof, ohne davon etwas zu merken. Gefährlich wird es erst, wenn es über eine kleine Verletzung oder einen gereizten Haarbalg in die Haut eindringt. Oft stammen die Keime aus der eigenen Nase. Sie können aber auch von anderen Menschen kommen, über Hautkontakt oder gemeinsam benutzte Handtücher.

MRSA sind Staphylokokken, gegen die viele gängige Antibiotika nicht wirken. Sie sind vor allem in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ein Thema; in der gesunden Bevölkerung Mitteleuropas sind sie laut RKI noch selten. Ein Furunkel bedeutet also nicht automatisch MRSA.

PVL-bildende Staphylokokken spielen bei wiederkehrenden Furunkeln eine besondere Rolle. PVL steht für Panton-Valentin-Leukozidin, ein Bakteriengift, das bestimmte Abwehrzellen schädigt. Stämme, die es bilden, verursachen auffällig oft wiederkehrende, tiefe Abszesse, auch bei sonst gesunden Menschen, und sie können sich innerhalb von Familien ausbreiten. PVL kommt sowohl bei normal empfindlichen Staphylokokken als auch bei MRSA vor. Selten lösen solche Stämme schwere Infektionen aus, etwa eine nekrotisierende Lungenentzündung. Ob PVL im Spiel ist, zeigt nur ein gezielt angeforderter Labortest (PCR); zur Routineuntersuchung gehört er nicht.

Seltener stecken andere Erreger dahinter:

  • Nach einem Bad in einem unzureichend gechlorten Whirlpool kann Pseudomonas aeruginosa innerhalb von 6 Stunden bis 5 Tagen eine Whirlpool-Follikulitis auslösen, bevorzugt an Hautstellen, die der Badeanzug bedeckt hat. Sie verschwindet meist ohne Behandlung.
  • Auch Hefepilze (Malassezia) können Haarbälge entzünden. Nach langer Antibiotika-Behandlung einer Akne kommen außerdem gramnegative Bakterien als Ursache einer Follikulitis infrage.
  • Abszesse im Gesäß-, Leisten- und Genitalbereich enthalten häufig Darmbakterien, oft mehrere Arten zugleich.

Wer bekommt häufiger Furunkel?

Ein Furunkel kann jeden treffen, auch Menschen, die sehr auf Hygiene achten. Manche bekommen ohne erkennbaren Grund immer wieder welche. Bekannte Risikofaktoren sind:

  • Diabetes, vor allem wenn der Blutzucker nicht gut eingestellt ist,
  • eine geschwächte Abwehr, etwa durch chronische Infektionen, Krebserkrankungen oder Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken; auch Dialysepatientinnen und -patienten sind häufiger betroffen,
  • Neurodermitis und andere Ekzeme sowie allergisches Asthma,
  • Übergewicht und höheres Alter,
  • Reibung, Schwitzen und luftdicht abschließende Kleidung, Verbände oder Sportausrüstung,
  • kleine Hautverletzungen, wie sie beim Rasieren oder Aufkratzen entstehen,
  • Staphylokokken in der eigenen Nase,
  • enger Kontakt zu Menschen mit Furunkeln und gemeinsam benutzte Handtücher.

Was Sie selbst tun können und was Sie lassen sollten

Nicht ausdrücken, aufstechen oder aufschneiden. Wer an einem Furunkel oder Abszess herumdrückt, kann die Bakterien tiefer ins Gewebe und in Lymph- und Blutgefäße treiben. Ein roter Streifen, der von der Stelle wegzieht, zeigt an, dass sich die Entzündung entlang der Lymphbahnen ausbreitet (Lymphangitis); oft schwellen dann auch Lymphknoten schmerzhaft an. Eine Blutvergiftung ist selten, aber möglich. Im Gesicht ist Herumdrücken besonders riskant, dazu gleich mehr.

Bei einem kleinen Furunkel am Körper, ohne Fieber und ohne sich ausbreitende Rötung, können Sie Folgendes tun:

  • Feucht-warme Umschläge. Wärme kann helfen, dass ein Furunkel „reift“ und sich entleert; ein kleiner Abszess kann so von allein abheilen.
  • Zugsalbe. Salben mit dem Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat sind rezeptfrei und werden traditionell eingesetzt, um die Reifung zu beschleunigen. Das IQWiG beschreibt diese Anwendung; die Leitlinien führen sie als Tradition beziehungsweise als Expertenmeinung. Belastbare Studien zur Wirksamkeit haben wir nicht gefunden. Beachten Sie die Packungsbeilage.
  • Abdecken. Ein sauberes Pflaster oder eine Kompresse schützt die Stelle und verhindert, dass Eiter auf Wäsche und Hände gelangt.
  • Reibung vermeiden. Lockere Kleidung tragen und die betroffene Stelle vorerst nicht rasieren.

Eine oberflächliche Follikulitis braucht laut der dermatologischen Leitlinie meist keine Behandlung. Ist sie ausgedehnter, kommen antiseptische Lösungen etwa mit Octenidin, Polihexanid oder Chlorhexidin infrage, oder eine ärztlich verordnete Salbe mit dem Antibiotikum Fusidinsäure. Verwenden Sie keine Reste alter Antibiotika auf eigene Faust.

Wird die Schwellung trotz Wärme größer und schmerzhafter, oder treten Warnzeichen auf (siehe „Wann zum Arzt?“), gehört sie in ärztliche Hände.

Furunkel im Gesicht: warum Nase und Oberlippe heikel sind

Aus dem Gesicht fließt Blut über Venen ab, die mit einem großen Blutleiter an der Schädelbasis hinter den Augen in Verbindung stehen, dem Sinus cavernosus. Bei Furunkeln im Gesicht, vor allem an Nase und Oberlippe, besteht deshalb ein gewisses Risiko, dass Bakterien bis dorthin gelangen. Mögliche Folgen sind eine Hirnhautentzündung oder ein lebensbedrohliches Blutgerinnsel, die Sinus-cavernosus- oder Sinusvenenthrombose. Diese Komplikation ist sehr selten, kann aber selbst mit Behandlung schwere Folgen haben.

Deshalb gilt bei einem Furunkel im Gesicht:

  • Lassen Sie ihn noch am selben Tag ärztlich ansehen.
  • Nicht drücken, nicht kratzen, nicht daran herumspielen.
  • Oft verordnet die Praxis ein Antibiotikum; bei ausgedehntem Befund kann es als Infusion im Krankenhaus nötig sein. Die PEG-Leitlinie wertet Furunkel in der Gesichtsmitte als Grund für eine rasche antibiotische Behandlung über die Vene.
  • Das IQWiG rät, den Bereich ruhig zu halten: möglichst wenig sprechen, eher flüssige oder breiige Kost, dazu Bettruhe.

Bekommen Sie zu einem Gesichtsfurunkel starke Kopf- oder Gesichtsschmerzen, ein geschwollenes Augenlid, ein hervortretendes Auge, Doppelbilder oder Sehstörungen oder werden Sie benommen, rufen Sie den Notruf 112. Das können Zeichen einer Sinus-cavernosus-Thrombose sein.

Behandlung in der Praxis: eröffnen und ablassen

Untersuchung. Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt einen Furunkel oder Abszess am Aussehen und durch Abtasten, etwa daran, ob die Schwellung schon weich ist. Ein Abstrich des Eiters ist nicht immer nötig. Sinnvoll ist er bei mehreren oder wiederkehrenden Furunkeln, wenn die Behandlung nicht anschlägt, bei Verdacht auf resistente Bakterien oder auf eine Blutvergiftung. Im Labor wird dann der Erreger bestimmt und geprüft, welche Antibiotika wirken (Antibiogramm). Blutwerte zeigen, ob sich die Entzündung ausgebreitet hat und ob eine Vorerkrankung wie Diabetes dahinterstecken könnte.

Inzision und Drainage. Die wichtigste Behandlung eines reifen Furunkels oder Abszesses ist der kleine Schnitt. Die Haut wird desinfiziert und örtlich betäubt oder vereist. Dann eröffnet die Ärztin oder der Arzt die Eiterhöhle und lässt den Eiter ab. Häufig wird die Höhle mit steriler Kochsalz- oder einer antiseptischen Lösung gespült. Manchmal kommt ein Gaze- oder Silikonstreifen hinein, der restlichen Eiter nach außen leitet. Er wird meist täglich gewechselt, das kann auch die Hausarztpraxis übernehmen. Ob ein solcher Streifen bei kleineren Abszessen überhaupt nötig ist, ist nicht geklärt: Kontrollierte Studien belegen keinen Nutzen, und manche Füllmaterialien sind schmerzhafter als ein einfacher steriler Verband. Entscheidend ist laut PEG-Leitlinie, dass der Eiter ungehindert abfließen kann.

Die Wunde wird nicht genäht, sondern heilt offen von innen zu. Laut IQWiG heilt ein Furunkel nach der Entleerung innerhalb weniger Wochen ab; eine kleine Narbe bleibt. Wärme und Hochlagern können die Abheilung unterstützen.

Einen Karbunkel zu eröffnen ist besonders wichtig; die größere Wunde wird wiederholt antiseptisch gespült. Kleine, oberflächliche Abszesse werden ambulant versorgt. Große, tiefe oder sehr schmerzhafte Abszesse, etwa am After, operiert man unter Umständen in Narkose im Krankenhaus. Wie kleine Eingriffe an der Haut ablaufen, lesen Sie im Ratgeber Hautchirurgie.

Antibiotika allein genügen bei einem reifen Abszess meist nicht, weil sie die abgekapselte Höhle schlecht erreichen. Eine ausreichende Drainage hat deshalb Vorrang und soll nicht durch Tabletten ersetzt werden.

Antibiotika: wann sie nötig sind

Ein unkomplizierter, gut entleerter Abszess heilt oft ohne Antibiotikum. Zur Einordnung: Eine aktuelle deutsche Leitlinie speziell zu Furunkeln und Abszessen haben wir nicht gefunden. Die S2k-Leitlinie der Dermatologie zu Haut- und Schleimhautinfektionen durch S. aureus stammt von 2011 und ist veraltet. Die Leitlinie der Paul-Ehrlich-Gesellschaft (PEG, ebenfalls S2k) mit einem Kapitel zu Haut- und Weichgewebeinfektionen ist von 2019, inzwischen abgelaufen und wird überarbeitet. Eine Übersichtsarbeit von 2025 aus dem Kreis der Leitlinienautoren bestätigt die Grundzüge: Erste und oft ausreichende Behandlung eines Abszesses ist die Eröffnung, bei komplizierenden Faktoren kommt ein gegen S. aureus wirksames Antibiotikum hinzu. Nach diesen Quellen und dem IQWiG kommt ein Antibiotikum vor allem infrage bei

  • einem Furunkel oder Abszess im Gesicht, besonders an Oberlippe und Nase, außerdem an der Hand oder im Genital- und Analbereich,
  • einem Karbunkel, mehreren Furunkeln oder wiederkehrenden Abszessen,
  • einer Rötung und Verhärtung, die sich in die Umgebung ausbreitet, oder einem roten Streifen,
  • Fieber, schnellem Puls, niedrigem Blutdruck oder schneller Atmung,
  • einem geschwächten Immunsystem,
  • gekammerten Abszessen, die sich schwer vollständig entleeren lassen,
  • einem Abszess, der nach der Drainage nicht abheilt.

Das MSD Manual nennt zusätzlich ein erhöhtes Risiko für eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis).

Was Studien zeigen. In einer Studie aus fünf US-Notaufnahmen mit rund 1.250 Teilnehmenden heilte der eröffnete Abszess mit dem Antibiotikum Cotrimoxazol bei 80,5 % aus, mit einem Scheinmedikament bei 73,6 %. Eine zweite Studie mit 786 Kindern und Erwachsenen untersuchte Abszesse bis 5 cm Durchmesser: Mit Clindamycin heilten 83,1 %, mit Cotrimoxazol 81,7 % und mit Placebo 68,9 %. Der Vorteil zeigte sich nur bei Infektionen durch S. aureus. Nebenwirkungen traten mit Clindamycin bei 21,9 % auf, mit Cotrimoxazol bei 11,1 % und mit Placebo bei 12,5 %. Ein internationales Leitliniengremium leitete daraus 2018 eine schwache Empfehlung für ein Antibiotikum zusätzlich zur Eröffnung ab: etwa 5 von 100 Behandelten weniger mit Therapieversagen nach einem Monat und bei den Geheilten etwa 8 von 100 weniger Rückfälle nach drei Monaten. Dafür kommt es häufiger zu Übelkeit und Durchfall, bei Clindamycin bei etwa 10 von 100 Behandelten mehr. Das Gremium betonte, dass die Entscheidung gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten fallen sollte.

Die Studien stammen allerdings aus den USA; in beiden enthielt knapp die Hälfte der Abszesse MRSA. Die Autorinnen und Autoren der PEG-Leitlinie hielten die Studie zu kleinen Abszessen deshalb nicht für direkt auf Mitteleuropa übertragbar und änderten ihre Empfehlungen nicht. Insgesamt ist die Studienlage zu Follikulitis und Furunkeln dünn: Eine Cochrane-Übersicht von 2021 fand 18 Studien mit 1.300 Teilnehmenden, die meisten verglichen verschiedene Antibiotika miteinander, und die Aussagekraft war überwiegend gering. Fragen Sie in der Praxis ruhig nach, warum ein Antibiotikum verordnet wird oder warum nicht.

Welches Mittel? Falls ein Antibiotikum nötig ist, wählt die Ärztin oder der Arzt es nach Infektionsort, Schweregrad, Allergien, örtlicher Resistenzlage und gegebenenfalls dem Antibiogramm aus. Bei Verdacht auf MRSA oder einen anderen resistenten Erreger ist eine mikrobiologische Probe besonders wichtig. Antibiotika sind verschreibungspflichtig; nehmen Sie das verordnete Mittel genau wie besprochen ein und melden Sie sich, wenn es Ihnen schlechter geht oder starker Durchfall auftritt.

Wenn Furunkel immer wiederkommen

Kehren Furunkel oder Abszesse immer wieder, ist das zermürbend, bedeutet aber nicht, dass Sie etwas falsch gemacht haben. Eine mögliche Erklärung: Betroffene tragen Staphylokokken in der Nase oder auf der Haut und infizieren sich daraus erneut, oder Familienmitglieder geben die Keime unbemerkt weiter.

Abklärung. Sinnvoll sind dann

  • ein Abstrich aus dem Eiter sowie aus Nase und Rachen, gegebenenfalls aus Leiste oder Damm; bei Verdacht wird gezielt auf PVL getestet,
  • die Suche nach Grunderkrankungen, vor allem Diabetes oder einer Abwehrschwäche,
  • der Ausschluss anderer Ursachen wie Akne inversa, Steißbeinfistel oder ein Fremdkörper unter der Haut,
  • bei Kindern, die seit früher Kindheit immer wieder schwere Abszesse haben, die Suche nach einer angeborenen Störung der weißen Blutkörperchen.

Sanierung (Dekolonisierung). Bei nachgewiesener Besiedlung und wiederkehrenden Infektionen kann eine ärztlich koordinierte Sanierung erwogen werden. Nutzen, Wirkstoffwahl, Dauer und Einbeziehung von Kontaktpersonen hängen vom Erreger und vom Einzelfall ab. Das folgende Fünf-Tage-Schema ist ein Beispiel aus einem Landes-Merkblatt, keine allgemein gesicherte Standardtherapie:

  • eine Nasensalbe mit dem Antibiotikum Mupirocin (verschreibungspflichtig) in beide Nasenvorhöfe, nach einem Landes-Merkblatt dreimal täglich; ist der Stamm dagegen resistent, eine antiseptische Nasensalbe,
  • täglich eine Ganzkörperwaschung einschließlich der Haare mit einer antiseptischen Waschlotion, etwa mit Chlorhexidin oder Octenidin, je nach Schema auch antiseptisches Gurgeln,
  • täglich frische Handtücher, Waschlappen, Bettwäsche und Kleidung, gewaschen bei mindestens 60 °C,
  • eigene oder Einmal-Zahnbürsten und Rasierer; Kamm und Brille reinigen oder desinfizieren; angebrochene Cremetiegel, Deoroller und Lippenstifte nicht weiterverwenden.

Ob enge Kontaktpersonen oder der ganze Haushalt gleichzeitig einbezogen werden sollen, entscheidet das Behandlungsteam nach Erregernachweis, Rückfällen und Übertragungssituation. Dafür spricht eine US-Studie mit 183 Kindern mit Staphylokokken-Abszessen: Innerhalb eines Jahres hatten 72 % erneut eine Hautinfektion, wenn nur das Kind saniert wurde, aber 52 %, wenn der ganze Haushalt mitmachte. Ein Beispiel aus Deutschland beschreibt das RKI: In einem Dorf in Brandenburg mit 144 Einwohnern traten zwischen 2002 und 2004 gehäuft Furunkel durch einen PVL-bildenden Staphylokokken-Stamm auf, mit 42 Erkrankten und 59 Rückfällen. Nach einer fünftägigen Sanierung von 53 Erkrankten und engen Kontaktpersonen im Juli 2004 ließ sich der Ausbruchsstamm 20 Wochen später in keinem Kontrollabstrich mehr nachweisen.

Zur Ehrlichkeit gehört: Die Belege für die Sanierung sind insgesamt schwach, wie auch die PEG-Leitlinie festhält, und manchmal muss sie wiederholt werden. Ob sie gewirkt hat, zeigen Kontrollabstriche. Für MRSA und PVL-Stämme sehen RKI und Landes-Merkblätter drei negative Abstriche an verschiedenen Tagen vor, beginnend am Tag nach dem Ende der Sanierung. Bleibt der Keim nachweisbar, sind weitere Versuche möglich, nach dem Merkblatt aus Sachsen-Anhalt bis zu dreimal.

Hygiene: Ansteckung im Alltag vermeiden

Die Bakterien werden über die Hände, über Hautkontakt und über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Badetücher weitergegeben, vor allem solange die Stelle entzündet ist und eitert. Auch Menschen ohne Beschwerden können Staphylokokken weitergeben. Das hilft:

  • die Stelle mit Pflaster oder Verband abdecken und benutzte Verbände verschlossen entsorgen,
  • nach jedem Verbandwechsel die Hände gründlich waschen,
  • eigene Handtücher, Waschlappen und Rasierer benutzen, Flüssigseife statt Seifenstück,
  • Handtücher, Bettwäsche und Unterwäsche bei mindestens 60 °C waschen,
  • im eigenen Whirlpool auf ausreichendes Chloren achten.

Arbeit mit Lebensmitteln. Das Infektionsschutzgesetz verbietet Menschen mit infizierten Wunden oder Hautkrankheiten, deren Erreger über Lebensmittel übertragen werden können, die Arbeit mit bestimmten Lebensmitteln wie Fleisch, Milchprodukten oder Feinkostsalaten und in Küchen von Gaststätten oder Gemeinschaftsverpflegung (§ 42 IfSG). Staphylokokken können Gifte bilden, die in Lebensmitteln zu Brechdurchfall führen. Ob das Verbot in Ihrem Fall greift, klären Sie mit Ihrer Praxis und Ihrem Arbeitgeber; das Gesundheitsamt kann Ausnahmen zulassen. Für den privaten Haushalt gilt die Regel nicht.

Rasurpickel (Pseudofollikulitis): meist keine Infektion

Rasurpickel entstehen, wenn Haare nach der Rasur in die Haut einwachsen: Entweder durchstoßen sie die Haut, bevor sie den Haarbalg verlassen haben, oder sie krümmen sich danach zurück. Um das Haar herum entzündet sich die Haut, es entsteht ein kleiner Pickel, in dessen Mitte manchmal ein gebogenes Haar zu sehen ist. Laut MSD Manual ist das eine Reizung, keine echte Infektion. Am häufigsten betrifft es Bart und Hals von Männern mit stark gelocktem Haar, aber auch Frauen in der Leiste und überall dort, wo rasiert oder gezupft wird. Der Fachbegriff lautet Pseudofolliculitis barbae. Mit der Zeit können Narben entstehen.

Davon zu unterscheiden ist die bakterielle Folliculitis barbae, eine Staphylokokken-Follikulitis im Bartbereich, die sich oft dicht über die Bartregion verteilt.

Was gegen Rasurpickel hilft:

  • eine Rasurpause; im Bartbereich ist es am wirksamsten, den Bart wachsen zu lassen, weil längere Haare sich nicht mehr in die Haut bohren,
  • warme Kompressen mehrmals am Tag,
  • wenn Sie rasieren: Haut anfeuchten, in Wuchsrichtung rasieren, nicht mehrmals über dieselbe Stelle ziehen,
  • Enthaarungscremes als Alternative, die allerdings häufig die Haut reizen,
  • bei anhaltenden Beschwerden ärztlich verordnete Cremes, etwa mit Kortison, einem Antibiotikum, Benzoylperoxid oder einem Retinoid, oder eine dauerhafte Haarentfernung per Laser oder Elektrolyse. Mehr dazu im Ratgeber Laser-Haarentfernung.

Raue, nicht entzündete Knötchen an Oberarmen und Oberschenkeln sind dagegen meist eine Reibeisenhaut, eine harmlose Verhornungsstörung der Haarbälge.

Abszess am Po, im Intimbereich, in der Achsel: was noch dahinterstecken kann

Nicht jeder eitrige Knoten ist ein gewöhnlicher Furunkel. Je nach Körperstelle kommen andere Ursachen infrage, die von anderen Fachrichtungen behandelt werden.

Wo sitzt die Schwellung?Was kann dahinterstecken?Wer behandelt?
Gesäß, Schamhügel, Leiste, Oberschenkel, NackenFurunkel oder Follikulitis, zum Beispiel nach Rasur oder ReibungHaus- oder Hautarztpraxis
immer wieder in Achseln, Leisten, rund um Brustwarzen oder AfterAkne inversa (Hidradenitis suppurativa)Hautarztpraxis, bei schweren Verläufen spezialisierte Ambulanz
oben in der Gesäßfalte über dem SteißbeinSteißbeinfistel (Pilonidalsinus) mit AbszessChirurgie oder Proktologie
direkt am AfterAnalabszessChirurgie oder Proktologie, möglichst am selben Tag
neben der Scheidenöffnung, an einer SchamlippeBartholin-AbszessFrauenarztpraxis
Knoten mit kleiner Pore, der lange bestand und sich jetzt entzündetentzündetes Atherom (Grützbeutel)Haus- oder Hautarztpraxis
Zahnfleisch, Kiefer, WangeZahnabszessZahnarztpraxis
im Hals hinter den MandelnTonsillarabszessHNO-Praxis oder -Klinik

Akne inversa ist trotz des Namens weder eine gewöhnliche Akne noch ein gewöhnlicher Furunkel, sondern eine chronische Entzündung der Haarbälge vor allem in Achseln, Leisten, Intim- und Gesäßbereich sowie unter der Brust. Es entstehen schmerzhafte Knoten, Abszesse und Fistelgänge, die immer wieder an denselben Stellen aufbrechen und Narben hinterlassen. Die Ursache ist unbekannt; mit mangelnder Hygiene, Deodorants, Puder oder dem Rasieren der Achseln hat sie laut MSD Manual nichts zu tun. Wer wiederholt „Abszesse“ in Achsel oder Leiste hat, sollte das hautärztlich abklären lassen, denn die Behandlung folgt einer eigenen Leitlinie. Mehr dazu im Ratgeber Akne inversa.

Eine Steißbeinfistel bildet sich, wenn Haare oben in der Gesäßfalte in die Haut einwachsen und eine Höhle entsteht. Betroffen sind meist junge, stark behaarte Männer, aber auch Frauen. Entzündet sich die Höhle, entsteht ein Abszess, der eröffnet werden muss; Antibiotika sind dabei in der Regel nicht nötig. Ob und wann die Fistel später zusätzlich operiert wird, hängt vom weiteren Verlauf und den Beschwerden ab; das besprechen Sie mit einer chirurgischen oder proktologischen Praxis.

Ein Analabszess geht in der Regel von einer verstopften Drüse im Analkanal aus. Oberflächliche Abszesse werden in örtlicher Betäubung eröffnet, tiefe meist stationär in Narkose. Selbst bei richtiger Behandlung entwickelt etwa jede zweite betroffene Person danach eine Analfistel. Für den Analabszess gibt es eine eigene S3-Leitlinie der Chirurgie und Koloproktologie (Version 3.0, gültig bis April 2031).

Ein Bartholin-Abszess entsteht, wenn sich eine verstopfte Drüse neben der Scheidenöffnung infiziert. Bartholin-Zysten entwickeln etwa 3 von 100 Frauen, meist zwischen 20 und 30 Jahren. Der Abszess ist stark schmerzhaft, manchmal mit Fieber, und wird gynäkologisch behandelt.

Ein entzündetes Atherom sieht einem Abszess oft zum Verwechseln ähnlich. Hier platzt eine Hautzyste unter der Haut, und ihr Inhalt löst eine heftige Entzündung aus, die nicht immer durch Bakterien bedingt ist. Nach dem Eröffnen bleibt die Zystenkapsel zurück und wird später entfernt. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber Atherom entfernen.

Ein Zahnabszess entsteht, wenn Bakterien ins Zahnmark oder das Zahnfleisch um den Zahn gelangen, etwa über tiefe Karies oder einen Riss im Zahn. Er kann Wange, Kiefer oder Mundboden anschwellen lassen und gehört in die Zahnarztpraxis. Ein Tonsillarabszess hinter den Mandeln macht starke Schluckschmerzen, die oft bis ins Ohr ziehen, Fieber und manchmal eine Kieferklemme; er wird in der HNO-Heilkunde behandelt.

Gelbe Krusten statt eines Knotens, vor allem bei Kindern um Mund und Nase, sprechen eher für eine oberflächliche Staphylokokken- oder Streptokokken-Infektion; mehr dazu im Ratgeber Borkenflechte.

Wann zum Arzt?

Zeitnah, innerhalb weniger Tage, in der Haus- oder Hautarztpraxis, wenn

  • ein Furunkel trotz Wärme größer und schmerzhafter wird oder sich nach einigen Tagen nicht bessert,
  • eine Follikulitis sich ausbreitet oder nicht abheilt,
  • Furunkel oder Abszesse immer wiederkehren oder in der Familie gehäuft auftreten,
  • sich in Achseln, Leisten oder Gesäßfalte immer wieder Knoten bilden,
  • Rasurpickel trotz Rasurpause bleiben oder Narben hinterlassen.

Noch am selben Tag sollte jemand draufschauen, außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn

  • ein Furunkel oder Abszess im Gesicht sitzt, besonders an Nase oder Oberlippe,
  • Fieber oder Schüttelfrost auftreten oder Sie sich deutlich krank fühlen,
  • sich die Rötung ausbreitet oder ein roter Streifen von der Stelle wegzieht,
  • ein Karbunkel oder mehrere Furunkel zugleich entstehen,
  • der Abszess an der Hand, an einem Finger, im Genitalbereich oder am After sitzt,
  • die Schwellung groß ist, sehr stark schmerzt oder rasch wächst,
  • Sie Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem haben, etwa durch eine Chemotherapie oder Medikamente, die die Abwehr unterdrücken.

Sofort den Notruf 112 wählen, wenn zu einer eitrigen Hautentzündung Fieber oder Schüttelfrost zusammen mit einem der folgenden Zeichen kommt:

  • plötzliche Verwirrtheit oder Benommenheit,
  • Atemnot oder sehr schnelle Atmung,
  • Kreislaufprobleme, etwa Herzrasen mit feuchter, schweißiger Haut,
  • starkes Unwohlsein, ein extremes Krankheitsgefühl.

Das können Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis) sein, die immer ein Notfall ist. Den Notruf brauchen Sie auch bei einem Gesichtsfurunkel mit starken Kopfschmerzen, geschwollenem Augenlid, hervortretendem Auge, Doppelbildern oder Sehstörungen (siehe oben). Und bei einer Schwellung, die sich rasch ausbreitet und extrem schmerzt, viel stärker, als es nach dem Aussehen zu erwarten wäre: Dieses Missverhältnis ist ein besonders wichtiges Frühzeichen einer seltenen, lebensgefährlichen nekrotisierenden Weichteilinfektion; es beweist die Diagnose nicht, erfordert aber eine sofortige ärztliche Abklärung.

Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Die gesetzliche Krankenversicherung trägt nach § 27 SGB V die Kosten einer notwendigen Krankenbehandlung. Untersuchung, Eröffnung eines Furunkels oder Abszesses, Wundversorgung und Abstrich in einer Kassenpraxis fallen darunter, sofern sie medizinisch nötig sind. Reine Privatpraxen haben keine Kassenzulassung und stellen ihre Leistungen privat in Rechnung. Für Arznei- und Verbandmittel gilt:

WasGesetzlich Versicherte
verschreibungspflichtige Mittel wie Antibiotika oder Mupirocin-Nasensalbe, verordnete VerbandmittelKassenrezept; Zuzahlung für gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren: 10 % vom Abgabepreis, mindestens 5 € und höchstens 10 € je Mittel, nie mehr als das Mittel selbst kostet
Versicherte unter 18 Jahrenkeine Zuzahlung
rezeptfreie Mittel wie Zugsalbe, antiseptische Waschlotionen oder Pflasterin der Regel selbst bezahlt; ärztlich verordnete rezeptfreie Arzneimittel übernimmt die Kasse bei Kindern unter 12 Jahren

Bei Privatversicherten und Selbstzahlern rechnet die Praxis nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ab. Einen belastbaren Pauschalpreis gibt es nicht. Zur Orientierung die Gebühren für den Eingriff selbst, berechnet mit dem GOÄ-Punktwert von 5,82873 Cent:

GOÄ-Nr.Leistung1,0-facher Satz2,3-facher Satz
2428Eröffnung eines oberflächlichen Abszesses oder eines Furunkels4,66 €10,72 €
2430Eröffnung eines tiefliegenden Abszesses17,66 €40,62 €
2431Eröffnung eines Karbunkels, auch mit Ausschneiden22,09 €50,81 €

Beratung, Untersuchung, Betäubung, Verbandwechsel, Laboruntersuchungen und Medikamente werden gesondert berechnet. In der Regel liegt die Gebühr zwischen dem 1,0- und dem 2,3-fachen Satz; mehr, bis zum 3,5-Fachen, ist nur bei Besonderheiten des Einzelfalls zulässig, die begründet werden müssen.

Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)

Gesetzliche Kasse (GKV): Untersuchung, Eröffnung und Wundversorgung gehören als notwendige Krankenbehandlung zur Kassenleistung; für verordnete Arznei- und Verbandmittel zahlen gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren 10 % zu (mindestens 5 €, höchstens 10 €); rezeptfreie Mittel wie Zugsalbe meist selbst

Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.

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Häufige Fragen

Verwandte Behandlungen

Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.