Leerer, heller Eingriffsraum mit verstellbarem hellblauem Behandlungsstuhl, ausgeschalteter Operationsleuchte an der Decke, weißen Schränken und Fenster mit Rollo
Illustration (KI-generiert): Eingriffsraum für ambulante Hautoperationen.

Hautchirurgie: Biopsie, ambulante OP, Wundpflege & Fäden ziehen

Was in der Hautarztpraxis operiert wird, wie eine Hautbiopsie abläuft und wann der Befund kommt, welche Sicherheitsabstände bei Hautkrebs gelten, was hinter 3D-Histologie und Mohs-Chirurgie steckt, wie Sie die Wunde versorgen, wann die Fäden gezogen werden, welche Warnzeichen zählen und was die Krankenkasse zahlt.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 21.10.2026

Hautchirurgie, in der Fachsprache Dermatochirurgie, umfasst alle operativen Eingriffe an der Haut: von der kleinen Gewebeprobe (Biopsie) über das Herausschneiden eines Muttermals oder einer Zyste bis zur Operation von Hautkrebs mit lückenloser Kontrolle der Schnittränder. Die allermeisten Eingriffe finden ambulant und in örtlicher Betäubung statt, in der Hautarztpraxis oder in der Ambulanz einer Hautklinik. Sie gehen danach nach Hause. Das entfernte Gewebe wird in der Regel feingeweblich (histologisch) untersucht; den Befund erhalten Sie laut Krebsinformationsdienst meist nach etwa ein bis zwei Wochen. Ist der Eingriff medizinisch notwendig, zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Eine rein kosmetische Entfernung zahlen Sie selbst. Blutverdünner setzen Sie vorher nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen sie bei der Terminvereinbarung an.

Was gehört zur Hautchirurgie?

Die Dermatochirurgie ist ein fester Teil der Hautheilkunde. Hautärztinnen und Hautärzte operieren dabei nicht nur Hautkrebs, sondern auch viele gutartige Veränderungen. Typische Eingriffe sind:

  • Gewebeproben (Biopsien), um eine unklare Hautveränderung oder einen hartnäckigen Ausschlag abzuklären,
  • das Herausschneiden (Exzision) gutartiger Befunde, etwa eines auffälligen oder störenden Muttermals, einer Hautzyste wie dem Atherom oder einer Fettgeschwulst (Lipom),
  • die Operation von Hautkrebs: des Basalzellkarzinoms, des Plattenepithelkarzinoms, das sich oft aus einer aktinischen Keratose entwickelt, und des Melanoms,
  • die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (3D-Histologie) für Tumoren an heiklen Stellen,
  • der Verschluss größerer Wunden mit Hautverschiebung (Lappenplastik) oder Hauttransplantat,
  • flache Abtragungen und Ausschabungen (Kürettagen) oberflächlicher Veränderungen.

Kleinere Eingriffe, auch die Operation vieler weißer Hautkrebse, finden meist direkt in der Hautarztpraxis statt. Größere Operationen, etwa ausgedehnte Tumoren, schwierige Rekonstruktionen oder die Entnahme von Lymphknoten, übernehmen oft Hautkliniken. Dort sind je nach Eingriff auch eine tagesstationäre oder stationäre Aufnahme und eine Vollnarkose möglich, wie etwa die Klinik für Dermatologie der Charité beschreibt. Ob eine Praxis selbst operiert und welche Eingriffe sie anbietet, ist unterschiedlich. Fragen Sie am besten bei der Terminvereinbarung nach.

Hautbiopsie: die Gewebeprobe

Ob eine Hautveränderung gut- oder bösartig ist, lässt sich mit bloßem Auge und Dermatoskop oft gut einschätzen, aber nicht sicher beweisen. Gesichert wird die Diagnose erst unter dem Mikroskop. Dafür wird ein Stück Haut entnommen und von Fachleuten der Pathologie oder Dermatopathologie untersucht. Eine Biopsie ist auch dann sinnvoll, wenn ein Ausschlag oder eine entzündliche Hauterkrankung nach Vorgeschichte und Untersuchung unklar bleibt.

Drei Verfahren sind üblich:

VerfahrenSo wird die Probe entnommenTypischer EinsatzWunde danach
StanzbiopsieEine runde Hohlklinge stanzt einen kleinen Gewebezylinder bis in tiefere Hautschichten aus; üblich sind etwa 4 mm DurchmesserTeilprobe aus größeren Herden, unklare Ausschläge, Stellen im Gesicht, an Händen oder Füßen, an denen eine komplette Entfernung schwierig istEine Naht oder offene Abheilung; bei Stanzen bis 4 mm ist das kosmetische Ergebnis ähnlich
Shave-Biopsie (flache Abtragung)Mit dem Skalpell wird eine dünne Gewebescheibe flach abgetragen; die Blutung wird mit einer blutstillenden Lösung oder Strom gestilltOberflächliche, erhabene Veränderungen; bei Verdacht auf weißen Hautkrebs manchmal ausreichendKeine Naht; heilt offen und sollte etwa eine Woche feucht und abgedeckt gehalten werden
ExzisionsbiopsieDie gesamte Veränderung wird mit einem schmalen Rand gesunder Haut spindelförmig herausgeschnitten und vernähtKleine, gut abgrenzbare Befunde; Verdacht auf ein MelanomGenäht, die Fäden werden später gezogen

Besteht der Verdacht auf ein Melanom, soll der Befund laut S3-Leitlinie primär vollständig entfernt werden, seitlich mit etwa 2 mm Abstand und in der Tiefe bis ins Fettgewebe. Nur so kann das Labor den ganzen Tumor beurteilen und die Tumordicke messen, die über die weitere Behandlung entscheidet. Eine flache Abtragung wird bei Melanomverdacht ausdrücklich nicht empfohlen. Eine Teilprobe kommt nur in besonderen Situationen infrage, etwa bei großen, flächigen Befunden im Gesicht oder an Händen und Füßen; laut Leitlinie verschlechtert das die Prognose nicht.

Tut das weh? Die Stelle wird mit einer feinen Nadel örtlich betäubt. Spürbar ist vor allem dieser Einstich, danach meist nur noch Druck oder Zug. Eine echte Allergie gegen die üblichen Betäubungsmittel ist sehr selten: In einer Übersichtsarbeit hatten von knapp 3.000 Menschen, bei denen eine solche Allergie vermutet worden war, weniger als 1 Prozent tatsächlich eine. Hatten Sie bei einer früheren Betäubung, auch beim Zahnarzt, Probleme, sagen Sie es trotzdem vorher.

Wie lange dauert der Befund?

Laut Krebsinformationsdienst erhalten Patientinnen und Patienten den histologischen Befund in der Regel nach etwa ein bis zwei Wochen. Er nennt die Diagnose und bei Hautkrebs unter anderem, ob die seitlichen und unteren Schnittränder frei von Tumorzellen sind. Je nach Labor, Zusatzfärbungen und Fragestellung kann es auch länger dauern. Fragen Sie schon beim Eingriff, wie Sie das Ergebnis erfahren: per Anruf, bei einem Termin oder beim Fädenziehen. Und melden Sie sich, wenn Sie nach der vereinbarten Zeit nichts gehört haben.

Wurde ein kleiner Hautkrebs bei der Biopsie bereits vollständig entfernt, ist die Behandlung damit oft schon abgeschlossen. Andernfalls folgt ein Nachschnitt mit dem passenden Sicherheitsabstand.

Exzision: Herausschneiden mit Sicherheitsabstand

Bei einer Exzision wird eine Hautveränderung vollständig entfernt. Der Schnitt verläuft meist spindelförmig, damit sich die Wundränder glatt und ohne Spannungsfalten vernähen lassen. Üblich ist eine Spindel, die etwa dreimal so lang wie breit ist. Die Narbe wird deshalb deutlich länger als der entfernte Fleck. Das ist kein Fehler, sondern Technik, und es lohnt sich, vorher danach zu fragen.

Bei gutartigen Befunden genügt ein schmaler Rand. Bei Hautkrebs richtet sich der Sicherheitsabstand nach Tumorart und Risiko:

BefundEmpfehlungQuelle
Basalzellkarzinom mit niedrigem Rückfallrisiko3 bis 5 mm bei herkömmlicher ExzisionS2k-Leitlinie 2023
Basalzellkarzinom mit hohem Rückfallrisiko oder Rückfallmikroskopisch kontrollierte Chirurgie; wenn nicht verfügbar, mehr als 5 mmS2k-Leitlinie 2023
Melanom in situ (auf die Oberhaut begrenzt)vollständige Entfernung mit feingeweblicher Kontrolle; außerhalb des Gesichts haben sich etwa 5 mm eingebürgert, im Gesicht ist auch die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie vertretbarS3-Leitlinie, Version 3.3
Melanom bis 2 mm Tumordicke1 cmS3-Leitlinie, Version 3.3
Melanom über 2 mm Tumordicke2 cmS3-Leitlinie, Version 3.3

Zum Stand der Leitlinien: Die S2k-Leitlinie zum Basalzellkarzinom wurde 2023 aktualisiert und gilt bis Ende 2028. Die S3-Leitlinie zum Melanom liegt in Version 3.3 vom Juli 2020 vor; ihre reguläre Gültigkeitsdauer von höchstens fünf Jahren ist überschritten, eine neuere Fassung konnten wir bei unserer Recherche nicht nachweisen. Beim Plattenepithelkarzinom gelten eigene Empfehlungen; bei aggressiven Formen oder an heiklen Stellen ist auch hier die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie vorgesehen.

Beim Melanom läuft die Behandlung meist in zwei Schritten: Erst wird der verdächtige Fleck mit kleinem Rand entfernt und untersucht. Bestätigt sich die Diagnose, schneidet die Ärztin oder der Arzt in einem zweiten Termin rundum gesunde Haut nach, und zwar tiefer bis ins Unterhautfettgewebe. Viele Betroffene erhalten dabei zusätzlich eine Untersuchung des Wächterlymphknotens. Abweichende Abstände, etwa im Gesicht, legt der Operateur laut Leitlinie gemeinsam mit Ihnen fest.

Ein Hinweis zum Befund: Gemessene Abstände im Laborbericht fallen oft kleiner aus als geplant, weil das Gewebe nach der Entnahme schrumpft, laut S2k-Leitlinie zum Basalzellkarzinom um etwa 17 bis 20 Prozent in der Länge. Sind die Ränder tumorfrei, gibt es laut dieser Leitlinie keine Daten, die allein deshalb einen Nachschnitt rechtfertigen.

Mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (3D-Histologie, „Mohs“)

Bei einer herkömmlichen Exzision untersucht das Labor das Gewebe in vielen senkrechten Scheiben, ähnlich wie bei einem aufgeschnittenen Brotlaib. Zwischen den Scheiben bleiben Lücken; ein feiner Tumorausläufer kann dort unentdeckt bleiben. Bei kleinen Tumoren bis etwa 1 cm ist das Verfahren trotzdem sinnvoll. Die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie (MKC) geht anders vor:

  1. Der Tumor wird mit einem kleinen Sicherheitsabstand herausgeschnitten, bei der 3D-Histologie laut Leitlinie zwischen 1 und 10 mm, und zur Orientierung markiert, zum Beispiel mit einem Faden bei „12 Uhr“.
  2. Das Labor untersucht den gesamten seitlichen Rand und die Unterseite des Präparats.
  3. Finden sich noch Tumorzellen, wird nur an dieser Stelle nachgeschnitten, bis alle Ränder frei sind.
  4. Meist wird die Wunde erst dann endgültig verschlossen und bis dahin mit einem Schutzverband versorgt. Ein sofortiger Verschluss ist möglich, wenn ein eventueller Nachschnitt dadurch nicht erschwert wird.

So wird so viel gesunde Haut wie möglich geschont, und zugleich sinkt das Rückfallrisiko. In einer prospektiven Studie mit mehr als 5.200 Basalzellkarzinomen kehrten nach 3D-Histologie innerhalb von fünf Jahren 0,7 Prozent zurück. In einer randomisierten Studie an Basalzellkarzinomen im Gesicht lag die Rückfallrate nach zehn Jahren bei 4,4 gegenüber 12,2 Prozent bei Ersttumoren und bei 3,9 gegenüber 13,5 Prozent bei Rückfällen, jeweils zugunsten der kontrollierten Chirurgie.

Die S1-Leitlinie zur MKC (Stand 2022, gültig bis April 2027) sieht das Verfahren vor allem vor,

  • bei bösartigen Hauttumoren an Problemstellen: Augenlider und Lidumgebung, Nase, Lippen, Ohren, Genitalbereich sowie Hände, Füße, Finger und Zehen,
  • bei aggressiv wachsenden Tumortypen, zum Beispiel infiltrierend oder narbenartig wachsenden Basalzellkarzinomen, Rückfällen und tief wachsenden Plattenepithelkarzinomen,
  • wenn ein aufwendiger Wundverschluss absehbar ist, der erst nach gesicherter Tumorfreiheit erfolgen sollte.

Mohs oder 3D-Histologie? Die Methode geht auf den US-Chirurgen Frederic Mohs zurück. Bei der klassischen Mohs-Chirurgie werden Gefrierschnitte noch am OP-Tag untersucht. Laut Leitlinie wird sie im deutschsprachigen Raum heute nicht mehr eingesetzt. Hier ist meist die 3D-Histologie üblich, in mehreren Varianten. Das Gewebe wird dabei in der Regel fixiert und in Paraffin aufgearbeitet; mit Schnellverfahren können die Schnitte schon am nächsten Tag vorliegen. Für Sie bedeutet das: Planen Sie unter Umständen mehrere Termine ein, und rechnen Sie damit, die Praxis zwischendurch mit einem Verband zu verlassen. Die Qualität hängt laut Leitlinie stark von der Erfahrung des operierenden und des befundenden Teams ab.

Wundverschluss: Naht, Lappenplastik, Hauttransplantat

Wie die Wunde verschlossen wird, hängt von Größe, Lage und Hautspannung ab:

  • Direkte Naht: Die meisten kleinen Wunden werden sofort vernäht, oft zweischichtig mit selbstauflösenden Fäden in der Tiefe und Fäden an der Oberfläche, die später gezogen werden.
  • Offene Abheilung: Nach flachen Abtragungen und kleinen Stanzbiopsien heilt die Wunde oft ohne Naht von unten zu.
  • Lappenplastik: Lässt sich die Wunde nicht spannungsfrei schließen, wird benachbarte Haut verschoben, gedreht oder vorgeschoben, um den Defekt zu decken.
  • Hauttransplantat: Haut wird an einer anderen Körperstelle entnommen und auf die Wunde aufgenäht, als Vollhaut oder als dünne Spalthaut. Dabei entsteht eine zweite, meist kleinere Wunde an der Entnahmestelle.

Lappenplastiken und Transplantate verlängern den Eingriff deutlich. Großflächige Hautverschiebungen und Transplantate über 4 cm² zählt die Leitlinie zu Gerinnungshemmern zu den Eingriffen mit höherem Nachblutungsrisiko. Nach mikroskopisch kontrollierter Chirurgie wird oft erst in einem zweiten Schritt rekonstruiert, wenn alle Ränder frei sind.

Vorbereitung: Blutverdünner, Vorerkrankungen, Hygiene

Blutverdünner nicht eigenmächtig absetzen. Wer Gerinnungshemmer nimmt, hat dafür meist einen ernsten Grund, etwa Vorhofflimmern, eine künstliche Herzklappe oder eine frühere Thrombose. Die deutsche S3-Leitlinie zum Umgang mit Gerinnungshemmern bei Hautoperationen (Stand 2021, gültig bis Ende 2025 und damit inzwischen abgelaufen) empfahl:

  • ASS und Phenprocoumon in der Regel weiterzunehmen; eine Umstellung auf Heparinspritzen („Bridging“) sollte nicht erfolgen,
  • eine Behandlung mit Clopidogrel nicht zu verändern,
  • bei neueren Blutverdünnern (DOAK) vor kleinen Stanzbiopsien und Ausschabungen weiterzunehmen und bei größeren Eingriffen je nach Wirkstoff und Blutungsrisiko entweder weiterzunehmen oder eine Pause von 12 bis 24 Stunden zu erwägen.

Die Leitlinie betont selbst, dass die Daten dazu dünn sind. Eine große deutsche Studie mit 9.154 Hauteingriffen fand bei gut 7 Prozent eine Blutungskomplikation; behandlungsbedürftig war sie bei 0,9 Prozent. Am häufigsten blutete es ausgerechnet dann, wenn Phenprocoumon abgesetzt und durch Heparin ersetzt worden war. Nennen Sie der Praxis bei der Terminvereinbarung alle Medikamente. Ob und wie lange Sie ein Mittel pausieren, entscheidet die Praxis gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt, der es verordnet hat.

Was Sie außerdem ansprechen sollten:

  • Allergien, etwa gegen Betäubungsmittel, Pflaster, Desinfektionsmittel oder Latex,
  • Diabetes, eine Immunschwäche oder Medikamente, die das Immunsystem dämpfen, weil Wunden dann schlechter heilen,
  • ob Sie rauchen,
  • eine Neigung zu wulstigen Narben (Keloiden),
  • ob das Gewebe untersucht wird und was der Eingriff kostet, wenn er keine Kassenleistung ist.

Hygiene: Die Patienteninformation von Bundesärztekammer und KBV rät, vor einem geplanten Eingriff zu duschen, am besten am OP-Tag selbst, und die Stelle nicht selbst zu rasieren. Kleine Hautverletzungen durch die Klinge erhöhen das Infektionsrisiko; falls Haare stören, entfernt sie das Team.

Praktisches: Tragen Sie Kleidung, mit der die Stelle gut erreichbar ist. Ob Sie danach selbst Auto fahren können, hängt von Lage und Verband ab, etwa wenn ein Verband im Gesicht die Sicht einschränkt. Klären Sie das vorher und lassen Sie sich im Zweifel abholen.

Ablauf am Tag des Eingriffs

Vor dem Eingriff klärt die Ärztin oder der Arzt Sie über Vorgehen, Risiken, Narbe und Alternativen auf, und Sie willigen ein. Die Haut wird desinfiziert, der geplante Schnitt oft mit einem Stift markiert und die Stelle örtlich betäubt. Danach ist der Eingriff schmerzfrei.

Wie lange eine Operation dauert, lässt sich laut Krebsinformationsdienst nicht pauschal sagen; eine Biopsie selbst dauert in der Regel nur kurz. Je größer und tiefer die Veränderung und je aufwendiger der Wundverschluss, desto länger dauert die Operation; Lappenplastiken und Transplantate verlängern sie deutlich. Zum Schluss bekommen Sie einen Verband und Hinweise zur Wundpflege, möglichst schriftlich.

Wenn die Betäubung nachlässt, kann die Wunde pochen oder ziehen. Ein einfaches Schmerzmittel reicht meist. Fragen Sie, welches Sie nehmen sollen: ASS etwa hemmt die Blutgerinnung. Ärztlich verordnetes ASS setzen Sie deswegen aber nicht ab.

Nach dem Eingriff: Verband, Verbandswechsel, Duschen

Die ersten zwei Tage. Lassen Sie den Verband in den ersten 24 bis 48 Stunden möglichst trocken und an Ort und Stelle. Laut der Patienteninformation von Bundesärztekammer und KBV steht der erste Verbandswechsel meist nach 48 Stunden an. Ist die Wunde dann trocken und verschlossen, braucht sie mitunter keine sterile Abdeckung mehr. Ein wenig Blut am Verband ist am ersten Tag normal.

Bei einer Nachblutung lassen Sie den Verband drauf und drücken mit einer sauberen Kompresse oder einem sauberen Tuch fest auf die Stelle, und zwar ohne Unterbrechung 10 bis 15 Minuten lang. Schauen Sie zwischendurch nicht nach. Steht die Blutung danach nicht, melden Sie sich (siehe „Wann zum Arzt?“).

Verbandswechsel. Ob Sie den Verband selbst wechseln oder dafür in die Praxis kommen, bespricht die Praxis mit Ihnen. Zu Hause gilt:

  • Hände vor und nach dem Wechsel gründlich waschen, die Wunde selbst möglichst nicht berühren,
  • einen durchnässten oder verschmutzten Verband zeitnah wechseln,
  • nicht unter dem Verband kratzen, Krusten nicht abkratzen,
  • offene Wunden nach einer flachen Abtragung feucht halten, etwa mit Vaselin oder einer von der Praxis empfohlenen Salbe unter einem Pflaster; laut einer Übersichtsarbeit mindestens eine Woche.

Duschen. Die Patienteninformation von Bundesärztekammer und KBV nennt 48 Stunden nach einer Operation als üblichen Zeitpunkt. In einer randomisierten Studie mit 857 Menschen nach kleinen Hautexzisionen erhöhte es die Infektionsrate nicht, wenn die Wunde schon in den ersten 48 Stunden nass wurde. Eine Cochrane-Übersicht hält die Datenlage aber für zu dünn für eine klare Empfehlung. Folgen Sie deshalb der Anweisung Ihrer Praxis, duschen Sie kurz und tupfen Sie die Wunde danach trocken. Baden, Schwimmen und Sauna sollten Sie meiden, bis die Wunde vollständig verheilt ist.

Chronische Wunden wie ein offenes Bein folgen eigenen Regeln für Verbände und Wechselintervalle und sind nicht Thema dieses Ratgebers.

Fäden ziehen: Wann ist es so weit?

Wann die Fäden herauskommen, hängt vor allem von der Körperstelle ab: im Gesicht früh, an Rumpf, Beinen und Füßen deutlich später. Die Quellen nennen leicht unterschiedliche Richtwerte:

KörperstelleFäden ziehen nach etwa
Gesicht3 bis 6 Tagen
Kopfhaut und Hals6 bis 10 Tagen
Arme7 bis 10 Tagen
Rumpf (Brust, Bauch, Rücken)5 bis 14 Tagen, je nach Quelle
Beine, Hände, Füße10 bis 14 Tagen
Handflächen, Fußsohlen14 bis 21 Tagen

Diese Zeiten beruhen auf ärztlicher Erfahrung, nicht auf Vergleichsstudien. Den genauen Termin legt Ihre Praxis fest; er hängt auch von Wundspannung, Nahttechnik und Heilungsverlauf ab. Selbstauflösende Fäden in der Tiefe oder in der Haut müssen nicht gezogen werden. Klären Sie, wo die Fäden gezogen werden, und ziehen Sie sie nicht selbst.

Nach dem Fadenzug ist die Wunde noch nicht belastbar. Laut der S2k-Leitlinie zu Narben (Stand 2020, inzwischen abgelaufen) ist die Oberhaut nach 7 bis 10 Tagen verschlossen, die darunterliegende Lederhaut erreicht aber erst nach etwa drei Monaten rund 90 Prozent ihrer Festigkeit. Mechanischer Zug spielt laut Leitlinie eine entscheidende Rolle bei der Entstehung wulstiger Narben; sie empfiehlt deshalb eine längere Entlastung, etwa durch Schonung, Pflasterstreifen, Silikonauflagen oder Kompression. Fragen Sie Ihre Praxis, was für Ihre Stelle sinnvoll ist.

Sport, Sauna und Alltag

Wie lange Sie sich schonen sollten, hängt von Größe und Lage der Wunde ab. Nach einer kleinen Stanzbiopsie am Arm sind Sie meist weniger eingeschränkt als nach einer Lappenplastik am Rücken. Als Orientierung:

  • Bis die Fäden gezogen sind: keine unnötige Anstrengung, kein schweres Heben, keine Bewegungen, die an der Naht ziehen. Spazierengehen und normaler Alltag sind meist möglich.
  • Ausdauersport: Nach größeren Operationen nennt die Patienteninformation von Bundesärztekammer und KBV etwa zwei bis drei Wochen, nach ärztlicher Rücksprache.
  • Schwimmen, Baden, Sauna: erst, wenn die Wunde vollständig verheilt ist.

Ob Sie arbeiten können, hängt von Ihrem Beruf und der Lage der Wunde ab. Bei körperlicher Arbeit oder Wunden an Händen und Füßen kann eine Krankschreibung sinnvoll sein; sprechen Sie das in der Praxis an.

Risiken: Nachblutung, Infektion, Wundheilungsstörung, Narbe

Laut Krebsinformationsdienst birgt etwa die Operation von weißem Hautkrebs keine größeren Risiken; Komplikationen sind eher selten, aber wie bei jedem Eingriff möglich:

  • Nachblutung und Bluterguss. In der deutschen DESSI-Studie kam es nach gut 7 Prozent der Eingriffe zu einer Blutungskomplikation, eine ärztlich zu behandelnde schwere Blutung nach 0,9 Prozent. Stark durchblutete Regionen wie Kopfhaut, Nase, Lippen und Augenumgebung zählen laut Leitlinie zu den Stellen mit höherem Nachblutungsrisiko.
  • Wundinfektion. In einer systematischen Übersicht über 18 Studien mit 33.086 Wunden lag die Infektionsrate nach Hautoperationen im Mittel bei 4,1 Prozent, mit großen Unterschieden zwischen den Studien. Häufiger betroffen waren Lippen und Beine, vermutlich auch Ohren und Hände; am seltensten der Rumpf. Eine Infektion zeigt sich meist in den ersten Tagen nach dem Eingriff.
  • Wundheilungsstörung. Die Wunde heilt verzögert, nässt länger oder die Wundränder gehen wieder auf. Risikofaktoren sind Rauchen, Diabetes, eine Immunschwäche, starkes Übergewicht und Zug auf die Naht. Rauchen verdoppelte in einer großen Metaanalyse über 140 Studien das Risiko für Heilungsverzögerung und aufgehende Wunden ungefähr. In vier randomisierten Studien senkte eine Rauchstopp-Begleitung rund um die Operation die Rate an Wundinfektionen.
  • Narbe. Jeder Schnitt hinterlässt eine Narbe. Wie sie aussieht, hängt von Größe und Lage der Wunde, der Technik und Ihrer Veranlagung ab. Wulstige (hypertrophe) Narben entstehen meist in den ersten Monaten und bilden sich oft zurück. Keloide wachsen über die ursprüngliche Wunde hinaus, treten laut Leitlinie gehäuft an Ohrläppchen, Brustbein und Nacken auf und haben eine erbliche Komponente. Was sich gegen auffällige Narben tun lässt, steht im Ratgeber Narben entfernen und behandeln.
  • Spannungsgefühl und seltene Verletzungen. Ein Spannungsgefühl oder eine vorübergehende Taubheit um die Narbe sind möglich. Selten werden Nerven, Gefäße oder Muskeln verletzt.
  • Unvollständige Entfernung. Reicht ein Tumor bis an den Schnittrand, ist ein Nachschnitt nötig. Bei herkömmlich operierten Basalzellkarzinomen betrifft das laut S2k-Leitlinie je nach Studie 4,7 bis 24 Prozent der Tumoren. Das ist einer der Gründe für die mikroskopisch kontrollierte Chirurgie an heiklen Stellen.

Wann zum Arzt?

Vor einem Eingriff: Lassen Sie eine Hautstelle zeitnah hautärztlich ansehen, wenn sie neu ist und Sie beunruhigt, wenn sich ein Muttermal in Größe, Form oder Farbe verändert, wenn eine Wunde, Kruste oder raue Stelle länger als etwa zwei Wochen besteht oder immer wieder blutet. Unser Muttermal-Check hilft bei der Einordnung, ersetzt aber keine Untersuchung. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren haben zusätzlich alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening.

Nach einem Eingriff noch am selben Tag in der operierenden Praxis melden, außerhalb der Sprechzeiten beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn

  • die Schmerzen nach den ersten Tagen wieder zunehmen, statt nachzulassen,
  • sich die Rötung um die Wunde ausbreitet, die Stelle anschwillt oder heiß wird,
  • Eiter oder übel riechende Flüssigkeit austritt,
  • Sie Fieber oder Schüttelfrost bekommen,
  • die Wundränder aufklaffen oder sich ein Faden gelöst hat und die Wunde offen ist,
  • eine Nachblutung nach 10 bis 15 Minuten festem, ununterbrochenem Druck nicht steht oder ein großer, schnell wachsender Bluterguss entsteht.

Rufen Sie die 112, wenn

  • eine starke Blutung trotz anhaltenden festen Drucks nicht aufhört,
  • zu einer Wundentzündung hohes Fieber mit schnellem Puls, Verwirrtheit oder ein schweres Krankheitsgefühl kommt; das können Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis) sein,
  • Sie nach dem Eingriff plötzlich Atemnot bekommen, Gesicht oder Zunge anschwellen oder Ihnen schwindlig wird und Sie zu kollabieren drohen.

Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie nötig ist, um eine Krankheit zu erkennen, zu heilen oder Beschwerden zu lindern. Ist ein Eingriff medizinisch notwendig, etwa bei Verdacht auf Hautkrebs, zur Abklärung einer unklaren Hautveränderung, bei wiederholt entzündeten Zysten oder bei Beschwerden, übernimmt die Kasse deshalb in der Regel die Behandlung: Biopsie oder Operation, feingewebliche Untersuchung, Wundkontrollen, Verbandswechsel und Fadenzug. Für Verbandmaterial, das Ihnen für zu Hause verordnet wird, zahlen gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren die gesetzliche Zuzahlung von 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, aber nicht mehr als das Mittel kostet.

Ob ein bestimmtes Verfahren, etwa die 3D-Histologie, in Ihrer Praxis über die Kasse abgerechnet wird, konnten wir nicht allgemein klären. Wird es Ihnen bei einem gesicherten Hautkrebs als Selbstzahlerleistung angeboten, fragen Sie nach, ob die Operation als Kassenleistung möglich ist, und lassen Sie sich die Kosten vorher nennen.

Rein kosmetische Eingriffe, etwa die Entfernung eines harmlosen, beschwerdefreien Muttermals aus optischen Gründen, zahlen Sie selbst. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass es keine allgemeingültige Preisliste gibt; die Kosten hängen vom Aufwand ab, üblich ist der 2,3-fache Gebührensatz. Weiß die Praxis, dass die Kasse nicht zahlt, muss sie Sie vor der Behandlung in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren. Bei gesetzlich Versicherten ist für Selbstzahlerleistungen laut Verbraucherzentrale eine schriftliche Behandlungsvereinbarung vorgeschrieben. Die feingewebliche Untersuchung hat in der GOÄ eigene Ziffern und kann gesondert berechnet werden. Fragen Sie auch danach.

Gut zu wissen: § 52 Abs. 2 SGB V lautet: „Haben sich Versicherte eine Krankheit durch eine medizinisch nicht indizierte ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen, hat die Krankenkasse die Versicherten in angemessener Höhe an den Kosten zu beteiligen und das Krankengeld für die Dauer dieser Behandlung ganz oder teilweise zu versagen oder zurückzufordern.“ Ob das auch eine Wundinfektion nach einer kleinen kosmetischen Entfernung betrifft, ist nach unserer Lesart nicht ausgeschlossen. Klären Sie im Zweifel vorher mit Ihrer Kasse, ob der Eingriff als medizinisch notwendig gilt. Privat Versicherte klären die Erstattung mit ihrem Tarif.

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Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.