Heller, leerer Raum mit weißer Wand, auf die durch ein halb heruntergelassenes, lichtdurchlässiges Rollo Streifen aus Sonnenlicht und Schatten fallen, davor eine Geigenfeige im Terrakottatopf auf einem Holzboden
Illustration (KI-generiert): Ein halb heruntergelassenes Rollo dämpft das Sonnenlicht in einem hellen Raum.

Melanom (schwarzer Hautkrebs): Anzeichen, Stadien, Behandlung & Prognose

Das Melanom kann früher und häufiger streuen als die verbreiteten Formen des weißen Hautkrebses. Meist wird es aber früh entdeckt und dann durch eine Operation geheilt. Woran Sie ein Melanom erkennen, wann Sie zum Hautarzt sollten, wie es nach Leitlinie und aktuellen EU-Zulassungen behandelt wird, wie gut die Heilungschancen je nach Stadium sind, wie die Nachsorge abläuft und was die Krankenkasse zahlt.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 22.10.2026

Das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs oder malignes Melanom genannt, ist ein bösartiger Tumor der Pigmentzellen der Haut. In Deutschland erkrankten daran 2023 rund 27.430 Menschen. Anders als der viel häufigere weiße Hautkrebs bildet es deutlich öfter Tochtergeschwülste und kann deshalb lebensbedrohlich werden. Ebenso wichtig ist aber die andere Seite: Etwa zwei Drittel der Melanome, deren Stadium erfasst wurde, werden im frühen Stadium I entdeckt, und dann heilt in aller Regel eine Operation. Laut Zentrum für Krebsregisterdaten liegt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate bei 94 Prozent (Männer) und 96 Prozent (Frauen). Ein Muttermal, das neu entsteht oder sich verändert, sollten Sie deshalb zeitnah, innerhalb weniger Wochen, hautärztlich ansehen lassen; ein neuer, fester, wachsender Knoten oder ein Mal, das ohne Verletzung blutet, gehört schneller abgeklärt. Ein Fall für den Notruf ist das nicht. Die Abklärung eines Verdachts ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse, unabhängig vom Hautkrebs-Screening.

Was ist ein Melanom?

Ein Melanom entsteht aus den Melanozyten, den Zellen, die den Hautfarbstoff Melanin bilden. Solange die entarteten Zellen nur in der Oberhaut wachsen, spricht man von einem Melanoma in situ. Es bildet noch keine Metastasen, kann aber in ein invasives Melanom übergehen, das in die Tiefe wächst. Erst ein solches Melanom kann über die Lymph- oder Blutbahnen streuen, etwa in Lymphknoten oder in andere Organe.

Mit „schwarz“ ist die typische Farbe gemeint, aber nicht jedes Melanom ist dunkel: Es kann bräunlich, rötlich, bläulich oder grau sein, und es gibt Melanome ganz ohne Farbstoff. Vom weißen (hellen) Hautkrebs, also Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom, unterscheidet sich das Melanom vor allem durch sein Verhalten: Es ist deutlich seltener, streut aber viel häufiger. Wie heller Hautkrebs aussieht und behandelt wird, steht im Ratgeber zum weißen Hautkrebs.

Ein „gutartiges Melanom“ gibt es nicht. Der Begriff Melanom steht in der Medizin immer für den bösartigen Tumor. Harmlose Pigmentmale, im Alltag Muttermale oder Leberflecken genannt, heißen in der Fachsprache Nävi. Auch sogenannte atypische oder dysplastische Muttermale sind gutartig, gelten aber als Risikomerkmal.

Melanome können selten auch im Auge (Aderhautmelanom) oder an Schleimhäuten etwa im Mund oder am After entstehen. Diese Formen verhalten sich teils anders und haben eigene Behandlungsregeln. Dieser Ratgeber beschreibt das Melanom der Haut.

Wie häufig ist schwarzer Hautkrebs?

Laut dem Bericht „Krebs in Deutschland“ des Zentrums für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut erkrankten 2023 in Deutschland 12.960 Frauen und 14.470 Männer an einem Melanom der Haut. Damit steht es laut Deutscher Dermatologischer Gesellschaft bei beiden Geschlechtern an vierter Stelle der Krebsneuerkrankungen, wenn man den hellen Hautkrebs ausklammert, wie es in der Statistik üblich ist. Frauen erkranken im Mittel mit 64 Jahren, Männer mit 69 Jahren. Ein Melanom kann aber auch in jungen Jahren auftreten.

Bei Frauen sitzt es am häufigsten an den Beinen und Hüften (30 Prozent), bei Männern am Rumpf (42 Prozent). Kopf und Hals sind bei 13 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer betroffen.

Um das Jahr 2008 stiegen die erfassten Erkrankungen sprunghaft an. Das ZfKD führt das wahrscheinlich auf das damals eingeführte gesetzliche Hautkrebs-Screening zurück, durch das mehr frühe Melanome gefunden werden. Seit 2012 sinkt die Erkrankungsrate bei Frauen leicht, bei Männern ist sie etwa gleich geblieben.

Im Jahr 2023 starben in Deutschland 3.169 Menschen an einem Melanom (1.318 Frauen und 1.851 Männer). Die Sterberaten haben sich laut ZfKD über die vergangenen gut zwei Jahrzehnte kaum verändert.

Ursachen und Risikofaktoren

Der wichtigste Auslöser, den Sie beeinflussen können, ist UV-Strahlung, egal ob aus der Sonne oder dem Solarium. Beim Melanom kommt es laut ZfKD vor allem auf wiederkehrende, intensive Belastungen an. Sonnenbrände erhöhen das Risiko in jedem Alter, besonders aber in Kindheit und Jugend.

Ein höheres Risiko haben außerdem Menschen

  • mit vielen Muttermalen oder mit atypischen (dysplastischen) Muttermalen,
  • mit großen angeborenen Pigmentmalen,
  • mit heller, schlecht bräunender Haut,
  • die selbst schon ein Melanom hatten,
  • deren Eltern, Geschwister oder Kinder an einem Melanom erkrankt sind. Laut ZfKD kann das auf ererbte Veränderungen im Erbgut hindeuten, die das Risiko je nach Gen unterschiedlich stark erhöhen.

Ein Melanom entsteht nicht nur an Stellen, die viel Sonne abbekommen. Es kann an jeder Stelle der Haut auftreten, auch an der behaarten Kopfhaut, an Fußsohlen und Handflächen oder unter Finger- und Fußnägeln.

Wer mehrere dieser Merkmale mitbringt, sollte die eigene Haut besonders aufmerksam beobachten und mit der Hautärztin oder dem Hautarzt besprechen, wie oft eine Kontrolle sinnvoll ist. Solarien sind für Minderjährige in Deutschland gesetzlich verboten; gesund.bund.de rät auch Erwachsenen davon ab.

Welche Formen gibt es?

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet vier Haupttypen. Die Anteile stammen aus der Patientenleitlinie Melanom.

FormAnteilTypisches Aussehen und Verhalten
Superfiziell spreitendes Melanometwa 60 Prozentunregelmäßig gefärbter, unscharf begrenzter Fleck, der in den ersten Jahren flach an der Oberfläche wächst; früh erkannt mit günstiger Prognose
Knotiges (noduläres) Melanometwa 20 Prozenterhabener Knoten, braun bis tiefschwarz, manchmal auch hell; blutet leicht, wächst rasch in die Tiefe und streut früh; die aggressivste Form
Lentigo-maligna-Melanometwa 10 Prozententsteht aus einem In-situ-Melanom, breitet sich sehr langsam flächig aus; meist bei älteren Menschen im Gesicht
Akrolentiginöses Melanometwa 5 Prozentan Handflächen, Fußsohlen oder unter den Nägeln; wächst schnell

Die übrigen etwa 5 Prozent verteilen sich auf seltene Sonderformen. Quer zu diesen Typen gibt es außerdem Melanome, die keinen oder kaum Farbstoff bilden. Dieses amelanotische Melanom sieht hautfarben, rosa oder rötlich aus und wird deshalb leicht übersehen. Weniger als 10 Prozent der Melanome der Haut sind amelanotisch. Laut ZfKD haben knotige und amelanotische Melanome eine deutlich ungünstigere Prognose als das häufige oberflächlich wachsende Melanom.

Woran erkenne ich ein Melanom? Warnzeichen

Ein Melanom kann sehr unterschiedlich aussehen. Meist fällt es auf, weil ein Pigmentmal neu entsteht oder sich verändert. Laut gesund.bund.de sprechen diese Zeichen für eine Abklärung:

  • Ein Pigmentmal ist neu aufgetreten.
  • Ein bestehendes Mal verändert sich, etwa in Größe, Form oder Farbe.
  • Es hat eine ungleichmäßige Form oder einen unscharfen, fransigen Rand.
  • Es juckt oder blutet, oder die Haut drumherum ist geschwollen oder gerötet.
  • Es sieht anders aus als alle anderen Male an Ihrem Körper.

Schmerzen verursacht ein Melanom am Anfang in der Regel nicht.

Die ABCDE-Regel fasst die Merkmale für Pigmentmale zusammen:

  • A wie Asymmetrie: Die eine Hälfte sieht anders aus als die andere.
  • B wie Begrenzung: Der Rand ist unregelmäßig, verwaschen oder ausgefranst.
  • C wie Colour (Farbe): Mehrere Farbtöne in einem Mal, etwa Braun, Schwarz, Rot oder helle Stellen.
  • D wie Durchmesser: größer als etwa 5 Millimeter. Größe allein sagt aber wenig; auch kleine Male können auffällig sein.
  • E wie Entwicklung: Das Mal verändert sich oder wird erhaben.

Das „hässliche Entlein“. So nennen Fachleute ein Mal, das wie im letzten Punkt der Liste oben aus der Reihe fällt, also anders aussieht als Ihre übrigen Muttermale.

Die EFG-Regel für knotige Melanome. Knotige Melanome erfüllen die ABCD-Kriterien oft nicht: Sie sind häufig rund, symmetrisch, gleichmäßig gefärbt oder sogar hell. In der Fachliteratur wird dafür eine zusätzliche Merkhilfe genutzt, die in der deutschen Leitlinie nicht vorkommt:

  • E wie erhaben: Die Stelle wölbt sich über die Haut.
  • F wie fest: Sie fühlt sich derb an, nicht weich.
  • G wie Wachstum: Sie wird fortlaufend größer.

Ein knotiges Melanom kann laut Fachliteratur um etwa einen halben Millimeter pro Monat wachsen. Ein neuer, fester, wachsender Knoten gehört deshalb rasch untersucht.

Sie können die ABCDE-Regel mit Beispielbildern in unserem Muttermal-Check Schritt für Schritt durchgehen. Der Check ersetzt keine Untersuchung, hilft aber, auffällige Stellen zu bemerken. Und zur Beruhigung: Viele Male, die Ihnen Sorgen machen, erweisen sich bei der Untersuchung mit dem Dermatoskop als harmlos.

Wann zum Hautarzt?

Zeitnah, innerhalb weniger Wochen sollten Sie eine Hautarzt- oder Hausarztpraxis aufsuchen, wenn

  • ein Pigmentmal neu auftritt oder sich in Größe, Form oder Farbe verändert,
  • ein Mal eines oder mehrere ABCDE-Merkmale zeigt oder aus der Reihe fällt,
  • ein Mal juckt, nässt oder Krusten bildet,
  • eine neue dunkle Stelle an Fußsohle, Handfläche oder unter einem Nagel auftaucht, ohne dass Sie sich dort verletzt haben,
  • eine hautfarbene oder rosa Stelle neu entsteht, wächst und nicht wieder verschwindet.

Schneller, möglichst innerhalb weniger Tage sollten Sie sich kümmern, wenn ein erhabener, fester Knoten neu entsteht und sichtbar wächst oder wenn ein Mal ohne Verletzung blutet oder offen ist. Bei knotigen Melanomen raten Fachleute zu einer dringlichen Abklärung, weil sie schnell in die Tiefe wachsen.

Kein Fall für die 112. Ein verdächtiges Muttermal ist ernst zu nehmen, aber kein lebensbedrohlicher Notfall. Den Notruf 112 brauchen Sie dafür nicht. Blutet eine Stelle stark und hört die Blutung trotz festen Drucks nicht auf, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe; außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

So kommen Sie zu einem Termin. Sagen Sie bei der Terminvereinbarung ausdrücklich, dass Sie einen Verdacht auf Hautkrebs abklären lassen möchten. Erster Ansprechpartner kann auch die Hausarztpraxis sein. Mit einer Überweisung muss die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigungen (116117 oder 116117.de) gesetzlich Versicherten laut § 75 SGB V innerhalb einer Woche einen Facharzttermin vermitteln; die Wartezeit darf dabei in der Regel vier Wochen nicht überschreiten.

Nach einem Melanom gilt zusätzlich: Melden Sie sich vor dem nächsten regulären Nachsorgetermin, wenn Sie in oder neben der Narbe, auf dem Weg zu den Lymphknoten oder in der Achsel, Leiste oder am Hals einen neuen Knoten tasten oder wenn neue Beschwerden länger anhalten.

Während oder nach einer Immuntherapie melden Sie neue Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen, Husten, Atemnot, ungewöhnliche Müdigkeit oder Hautausschlag umgehend Ihrem Behandlungsteam. Solche Nebenwirkungen können laut Produktinformation auch noch nach der letzten Dosis auftreten.

Diagnose: vom Verdacht zum sicheren Befund

Untersuchung und Dermatoskopie

Am Anfang steht der Blick auf die gesamte Haut, einschließlich Kopfhaut, Fußsohlen, Nägeln und angrenzender Schleimhäute. Laut S3-Leitlinie reicht das Anschauen ohne Hilfsmittel, um einen Verdacht zu äußern. Hautärztinnen und Hautärzte sollen zusätzlich das Dermatoskop anbieten, eine beleuchtete Lupe, die Strukturen und Farbmuster unter der Hautoberfläche sichtbar macht. Damit lassen sich viele Verdachtsfälle entkräften.

Bleibt eine Stelle unklar, ohne dringend verdächtig zu sein, kann sie fotografiert und bei späteren Kontrollen verglichen werden (digitale Dermatoskopie). Für Menschen mit hohem Melanomrisiko nennt die Leitlinie auch Ganzkörperfotografien als Möglichkeit. Ob die Krankenkasse solche Zusatzuntersuchungen übernimmt, hängt vom Anlass und Ihrer Versicherung ab; klären Sie das vorher.

Entfernung und feingewebliche Untersuchung

Sicher stellen lässt sich die Diagnose nur unter dem Mikroskop. Besteht der Verdacht weiter, soll der Befund laut S3-Leitlinie vollständig herausgeschnitten werden, und zwar zunächst nur mit einem kleinen Rand von etwa 2 Millimetern gesunder Haut und in der Tiefe bis ins Fettgewebe (Exzisionsbiopsie). Der schmale Rand hat einen Grund: Ein größerer Schnitt würde die Lymphwege zerstören, die später für die Suche nach dem Wächterlymphknoten gebraucht werden. Eine flache Abtragung empfiehlt die Leitlinie bei Melanomverdacht nicht, weil dann oft nicht alle Schnittränder und die Tumorbasis beurteilt werden können. In besonderen Situationen, vor allem bei großen, flächigen Befunden im Gesicht oder an Händen und Füßen, kann zunächst eine Teilprobe entnommen werden; laut Leitlinie verschlechtert das die Prognose nicht.

Wie die Entfernung abläuft, wie die Wunde versorgt wird und welche Narbe bleibt, erklärt der Ratgeber zur Hautchirurgie.

Der feingewebliche Befund enthält beim Melanom vor allem:

  • die Tumordicke nach Breslow in Millimetern. Von ihr hängen Stadium, Sicherheitsabstand und weitere Untersuchungen maßgeblich ab.
  • ob der Tumor ulzeriert ist, also die Oberhaut über ihm aufgebrochen ist,
  • den Melanomtyp und weitere Merkmale wie die Zahl der Zellteilungen,
  • ob die Schnittränder frei von Tumorzellen sind.

Wächterlymphknoten

Der Wächterlymphknoten ist der erste Lymphknoten, in den die Lymphe aus der Tumorregion abfließt. Er wird untersucht, um eine Streuung in die Lymphknoten früh zu erkennen, auch wenn sie noch nicht tastbar ist. Laut S3-Leitlinie soll er ab einer Tumordicke von 1,0 Millimetern entnommen und untersucht werden, wenn es sonst keine Hinweise auf Metastasen gibt. Bei 0,75 bis 1 Millimeter sollte das geschehen, wenn weitere Risikomerkmale hinzukommen: ein Geschwür, viele Zellteilungen oder ein Alter unter 40 Jahren.

Vor dem Eingriff wird eine schwach radioaktive Substanz an der Tumorstelle gespritzt; eine Aufnahme (Lymphszintigrafie) zeigt, wohin die Lymphe abfließt. Während der Operation spürt eine Sonde den markierten Lymphknoten auf.

Weitere Untersuchungen je nach Stadium

Wie viel zusätzlich untersucht wird, richtet sich nach dem Stadium. Die S3-Leitlinie empfiehlt:

SituationEmpfohlenNicht als Standard empfohlen
Stadium IAUntersuchung der gesamten Haut und Abtasten der LymphknotenBildgebung wie CT, MRT, Röntgen oder Ultraschall des Bauchs
Stadium IB bis IIBzusätzlich Ultraschall der Lymphknoten; Bluttest auf den Tumormarker S100B möglichCT, MRT, PET/CT, Röntgen der Lunge, Ultraschall des Bauchs, Knochenszintigrafie
Stadium IIC und IIISchnittbilder des Körpers (PET/CT, CT oder MRT), MRT des Kopfes, Ultraschall der Lymphknoten, S100BRöntgen der Lunge, Ultraschall des Bauchs

Ab Stadium IIIB sollte das Tumorgewebe zudem auf Veränderungen im Erbgut untersucht werden, vor allem im BRAF-Gen. Etwa die Hälfte aller Melanome trägt eine solche Veränderung. Sie entscheidet mit darüber, ob zielgerichtete Medikamente infrage kommen. Behandlungsempfehlungen ab Stadium III sollen in einer fachübergreifenden Tumorkonferenz besprochen werden.

Die Stadien des Melanoms

Eingeteilt wird nach der 8. Auflage der Klassifikation des American Joint Committee on Cancer (AJCC 2017), die laut Leitlinie seit 2018 verbindlich ist. Vereinfacht:

StadiumWas es bedeutet
0Melanoma in situ: nur in der Oberhaut
Idünnes Melanom: bis 1 mm dick (IA) oder 1 bis 2 mm ohne Geschwür (IB); keine Metastasen
IIdickeres Melanom: über 1 mm mit Geschwür oder über 2 mm; keine Metastasen. IIC ist die ungünstigste Gruppe: über 4 mm mit Geschwür
IIITumorzellen in Lymphknoten oder als kleine Absiedlungen in der Haut zwischen Tumor und Lymphknoten; unterteilt in IIIA bis IIID
IVFernmetastasen, etwa in entfernten Hautstellen, Lymphknoten, Lunge, Leber, Knochen oder Gehirn

Wichtig für das Verständnis: Die Stadien folgen nicht streng der Reihenfolge der Ziffern. Ein Melanom im Stadium IIC, also dick und ulzeriert, hat eine schlechtere Prognose als eines im Stadium IIIA mit nur mikroskopisch erkennbarem Lymphknotenbefall bei dünnem Tumor.

Behandlung nach Leitlinie und aktuellen Zulassungen

Zum Stand der Leitlinie. In Deutschland gilt für das Melanom die S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Melanoms“ des Leitlinienprogramms Onkologie (AWMF-Register 032/024OL). Die neueste veröffentlichte Fassung ist Version 3.3 vom Juli 2020. Ihre Empfehlungen wurden überwiegend 2017 abgestimmt, das Kapitel zur ergänzenden Therapie 2019 überarbeitet; Version 3.3 brachte nur redaktionelle Korrekturen. Die Leitlinie selbst nennt eine Gültigkeitsdauer von höchstens fünf Jahren, die damit überschritten ist. Laut AWMF-Leitlinienregister ist eine Überarbeitung seit Oktober 2023 angemeldet, die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Eine neue Fassung oder eine öffentliche Konsultationsfassung war bei unserer Recherche im Oktober 2026 noch nicht veröffentlicht. Für Operation, Diagnostik und Nachsorge stützen wir uns auf diese Leitlinie; bei den Medikamenten hat sich seit 2019 viel getan. Dort nennen wir zusätzlich die Zulassungen laut den EU-Produktinformationen.

Operation mit Sicherheitsabstand

Die Operation ist die wichtigste Behandlung. Meist geschieht sie in zwei Schritten: Erst wird der verdächtige Fleck mit schmalem Rand entfernt und untersucht. Bestätigt sich das Melanom, wird in einem zweiten Eingriff rundum gesunde Haut nachgeschnitten, um einen Rückfall an derselben Stelle zu verhindern. Bei sehr dünnen Melanomen ist danach oft keine weitere Behandlung nötig.

BefundSicherheitsabstand laut S3-Leitlinie
Melanoma in situvollständige Entfernung mit feingeweblicher Kontrolle der Ränder; außerhalb des Gesichts haben sich etwa 5 mm eingebürgert
Tumordicke bis 2 mm (pT1, pT2)1 cm
Tumordicke über 2 mm (pT3, pT4)2 cm

In der Tiefe reicht es, bis ins Unterhautfettgewebe zu schneiden; die darunterliegende Muskelhaut mitzunehmen, bringt laut Leitlinie keinen Vorteil. An heiklen Stellen wie Gesicht, Ohren, Fingern oder Zehen, etwa beim Lentigo-maligna-Melanom oder bei akralen Melanomen, können kleinere Abstände genügen, wenn die Schnittränder lückenlos unter dem Mikroskop kontrolliert werden (mikroskopisch kontrollierte Chirurgie). Weil die Datenlage dafür begrenzt ist, sollte die Operateurin oder der Operateur das mit Ihnen gemeinsam entscheiden. Ist ein Lentigo-maligna-Melanom wegen Ausdehnung, Lage oder Alter für eine Operation nicht geeignet, sollte laut Leitlinie eine Bestrahlung eingesetzt werden.

Wächterlymphknoten befallen: ausräumen oder beobachten?

Finden sich im Wächterlymphknoten Tumorzellen, liegt ein Stadium III vor. Früher wurden dann meist alle Lymphknoten der Region entfernt. Zwei große Studien haben das infrage gestellt: In der internationalen MSLT-II-Studie mit mehr als 1.900 Teilnehmenden verlängerte die sofortige Ausräumung das melanomspezifische Überleben nicht; nach drei Jahren lag es in beiden Gruppen bei 86 Prozent. Die Ausräumung verbesserte zwar die Kontrolle in der Lymphknotenregion, führte aber bei 24 von 100 Operierten zu einem Lymphödem, also einer dauerhaften Schwellung, gegenüber 6 von 100 bei Beobachtung. Die deutsche DeCOG-SLT-Studie kam zu einem vergleichbaren Ergebnis.

Diese Schwellenregel der abgelaufenen deutschen Leitlinie von 2020 ist überholt: Die aktuelle ESMO-Leitlinie empfiehlt nach positivem Wächterlymphknoten keine routinemäßige komplette Lymphknotenausräumung oder Bestrahlung; das weitere Vorgehen gehört ins interdisziplinäre Tumorboard. Ohne Ausräumung werden die Lymphknoten in der Nachsorge regelmäßig per Ultraschall kontrolliert. Sind Lymphknoten tastbar oder im Ultraschall sichtbar befallen und gibt es keine Fernmetastasen, soll die Region dagegen operativ ausgeräumt werden. Vorsorglich, ohne nachgewiesenen Befall, werden Lymphknoten nicht entfernt.

Ergänzende Behandlung nach der Operation (adjuvant)

Auch wenn alles sichtbare Tumorgewebe entfernt ist, können einzelne Krebszellen im Körper verblieben sein. Eine adjuvante Therapie soll das Rückfallrisiko senken. Sie kommt ab einem gewissen Risiko infrage:

Situation nach vollständiger EntfernungIn der EU zugelassene Optionen (Stand Oktober 2026)
Stadium IIB oder IICImmuntherapie mit einem PD-1-Antikörper (Pembrolizumab oder Nivolumab), bis zu einem Jahr
Stadium IIIPD-1-Antikörper (Pembrolizumab oder Nivolumab); bei BRAF-V600-Veränderung alternativ die Tabletten Dabrafenib plus Trametinib, ein Jahr lang
Stadium IV nach vollständiger Entfernung der MetastasenNivolumab

PD-1-Antikörper lösen eine Bremse des Immunsystems, sodass Abwehrzellen Krebszellen besser angreifen können. Sie werden als Infusion gegeben. Dabrafenib und Trametinib hemmen gezielt den Signalweg, der in Melanomzellen mit BRAF-Veränderung dauerhaft angeschaltet ist.

Die Leitlinie von 2020 empfiehlt in Stadium III PD-1-Antikörper und bei BRAF-Veränderung die Tablettenkombination. Für Stadium II nennt sie noch eine Interferon-Behandlung. Die Zulassungen der PD-1-Antikörper für die Stadien IIB und IIC kamen erst später; die Leitlinie konnte sie noch nicht bewerten.

Was bringt die Behandlung? Sie senkt das Rückfallrisiko deutlich:

  • In der Zulassungsstudie zu Pembrolizumab in den Stadien IIB und IIC waren nach drei Jahren 76 von 100 Behandelten ohne Rückfall, unter Scheinmedikament 63 von 100.
  • Im Stadium III blieben laut Patientenleitlinie nach einem Jahr 75 von 100 mit Pembrolizumab rückfallfrei, mit Scheinmedikament 53 von 100.

Ob die Behandlung auch das Leben verlängert, ist weniger klar. Für Pembrolizumab war das Gesamtüberleben in beiden Zulassungsstudien zum Zeitpunkt der Auswertungen, die in der EU-Produktinformation beschrieben sind, nicht formal bewertet. Bei Dabrafenib plus Trametinib lag das Sterberisiko nach fast zehn Jahren Beobachtung um 20 Prozent niedriger als unter Scheinmedikament; dieser Unterschied war statistisch aber nicht gesichert. Die Leitlinie nennt das Gesamtüberleben den maßgeblichen Endpunkt, um den Nutzen einer adjuvanten Behandlung zu bewerten.

Die Kehrseite sind Nebenwirkungen. Unter Pembrolizumab im Stadium III traten laut Patientenleitlinie bei 14 von 100 Behandelten stärkere Nebenwirkungen auf. Die Immuntherapie kann Entzündungen in Darm, Lunge, Leber, Nieren oder Hormondrüsen auslösen. Sind Hormondrüsen wie Schilddrüse, Hirnanhangdrüse oder Nebenniere betroffen, kann laut Produktinformation eine dauerhafte Hormoneinnahme nötig werden. Unter Dabrafenib und Trametinib sind Fieber, Erschöpfung und Übelkeit häufig; laut Patientenleitlinie brach etwa ein Viertel der Studienteilnehmenden die Behandlung deshalb vorzeitig ab.

Die Entscheidung ist deshalb sehr persönlich. Laut Patientenleitlinie können Sie eine ergänzende Behandlung nach der Aufklärung auch ablehnen; dann folgt eine regelmäßige Nachbeobachtung. Fragen Sie nach Ihrem persönlichen Rückfallrisiko und danach, wie viel die Behandlung daran in Ihrer Situation ändern würde. Eine ergänzende Misteltherapie soll laut Leitlinie nicht gegeben werden.

Behandlung vor der Operation (neoadjuvant)

Neu ist der Ansatz, die Immuntherapie schon vor der Operation zu geben, solange der Tumor noch im Körper ist. In der NADINA-Studie erhielten Menschen mit klinisch erkennbar befallenen Lymphknoten (Stadium III) Nivolumab plus Ipilimumab vor der Operation. Nach zwölf Monaten waren 84 Prozent ohne Ereignis wie Fortschreiten, Rückfall oder Tod, in der Vergleichsgruppe mit Operation und anschließender Nivolumab-Behandlung 57 Prozent. Schwere Nebenwirkungen waren mit 30 gegenüber 15 Prozent allerdings häufiger. In den EU-Produktinformationen der beteiligten Wirkstoffe war eine solche Anwendung beim Melanom bei unserer Prüfung im Oktober 2026 nicht als Anwendungsgebiet aufgeführt. Ob dieser Weg für Sie infrage kommt, etwa im Rahmen einer Studie, klären Sie am besten in einem Hauttumorzentrum.

Fortgeschrittenes Melanom

Lässt sich ein Melanom nicht mehr vollständig entfernen oder hat es in andere Organe gestreut (Stadium IV oder nicht operables Stadium III), plant eine fachübergreifende Tumorkonferenz die Behandlung. Die wichtigsten Optionen:

  • Immuntherapie mit Checkpoint-Hemmern. Zugelassen sind die PD-1-Antikörper Nivolumab und Pembrolizumab allein, die Kombination Nivolumab plus Ipilimumab sowie für Melanome mit sehr geringer PD-L1-Bildung die Kombination Nivolumab plus Relatlimab als erste Behandlung. Der relative Vorteil der Kombination gegenüber Nivolumab allein war in den Zulassungsdaten bei niedriger PD-L1-Expression deutlicher; die Therapiewahl darf daraus nicht allein abgeleitet werden.
  • Zielgerichtete Tabletten bei BRAF-Veränderung. Zugelassen sind die Kombinationen aus einem BRAF- und einem MEK-Hemmer: Dabrafenib plus Trametinib, Encorafenib plus Binimetinib und Vemurafenib plus Cobimetinib. Welche Reihenfolge von Tabletten und Immuntherapie am besten ist, ist laut Leitlinie nicht geklärt.
  • Operation einzelner Metastasen, wenn sie sich vollständig entfernen lassen, und Bestrahlung, etwa bei Metastasen in Gehirn oder Knochen.
  • Talimogen laherparepvec, ein abgeschwächtes Herpes-simplex-Virus, das direkt in Metastasen in Haut, Unterhaut oder Lymphknoten gespritzt wird. Es ist nur für nicht operable Melanome der Stadien IIIB bis IVM1a ohne Befall von Knochen, Gehirn, Lunge oder anderen inneren Organen zugelassen.
  • Chemotherapie, etwa mit Dacarbazin, nur noch dann, wenn die wirksameren Behandlungen nicht infrage kommen.

Die Fortschritte sind real. In der Studie CheckMate 067 lebte unter Nivolumab plus Ipilimumab die Hälfte der Menschen mit fortgeschrittenem Melanom länger als 71,9 Monate, also knapp sechs Jahre; unter Nivolumab allein lag dieser Wert bei 36,9 Monaten, unter Ipilimumab allein bei 19,9 Monaten. Nach mindestens zehn Jahren Beobachtung lebten in der Kombinationsgruppe noch 37 von 100 Teilnehmenden. Wer drei Jahre nach Beginn noch ohne Fortschreiten lebte, starb danach selten am Melanom: In dieser Gruppe lag das melanomspezifische Überleben nach zehn Jahren unter der Kombination bei 96 Prozent. Zum Vergleich: Unter der früheren Standard-Chemotherapie lebte laut Patientenleitlinie nach knapp einem Jahr noch die Hälfte der Behandelten. Mit BRAF- und MEK-Hemmern erreichten Studienteilnehmende im Durchschnitt Überlebenszeiten von 22 bis 33 Monaten.

Die Kombination hat ihren Preis: In der zusammengefassten Auswertung der Produktinformation über mehrere Krebsarten traten unter Nivolumab plus Ipilimumab bei 66 von 100 Behandelten schwere Nebenwirkungen (Grad 3 bis 5) auf, etwa 1 von 100 starb daran. Häufig sind Erschöpfung, Hautausschlag, Durchfall und Übelkeit. Die meisten immunvermittelten Nebenwirkungen bildeten sich laut Produktinformation von Pembrolizumab zurück und ließen sich durch eine Therapiepause, Kortison oder unterstützende Maßnahmen beherrschen. Unter Vemurafenib wird die Haut sehr lichtempfindlich, ein Sonnenbrand ist laut Patientenleitlinie sogar hinter großen Fensterscheiben möglich.

Neue Verfahren wie personalisierte Impfungen werden laut Hautkrebs-Netzwerk Deutschland in Studien erprobt. Fragen Sie in einem Hauttumorzentrum, ob eine Studie für Sie offen ist.

Prognose: Wie gut sind die Heilungschancen?

Über alle Stadien hinweg liegt die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate laut ZfKD bei 96 Prozent für Frauen und 94 Prozent für Männer. „Relativ“ heißt: Die Zahl vergleicht Betroffene mit gleichaltrigen Menschen ohne Melanom. Dazu trägt bei, dass die meisten Melanome früh entdeckt werden.

Wie es im Einzelnen aussieht, zeigt die große internationale Datenbank mit mehr als 46.000 Betroffenen, auf der die aktuelle Stadieneinteilung beruht. Angegeben ist der Anteil, der nach fünf beziehungsweise zehn Jahren nicht an seinem Melanom gestorben ist:

Stadiumnach 5 Jahrennach 10 Jahren
IA99 Prozent98 Prozent
Stadium I insgesamt98 Prozent95 Prozent
Stadium II insgesamt90 Prozent84 Prozent
IIC82 Prozent75 Prozent
Stadium III insgesamt77 Prozent69 Prozent
IIIA93 Prozentkeine Angabe
IIID32 Prozentkeine Angabe

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens wurden die Betroffenen seit 1998 diagnostiziert, die meisten also noch ohne die heutigen adjuvanten Medikamente; die Werte für die Stadien II und III könnten heute etwas besser sein, belegt ist das aber nicht. Zweitens sind es Durchschnittswerte, keine Vorhersage für den Einzelfall. Für Stadium IV gibt es keine vergleichbare Zahl aus dieser Datenbank; die Studienergebnisse oben zeigen, wie stark die Immuntherapie die Aussichten verbessert hat.

Wie Ihr eigener Befund einzuordnen ist, kann Ihnen nur Ihr Behandlungsteam sagen. Bitten Sie ruhig darum, dass man Ihnen Tumordicke, Ulzeration und Lymphknotenbefund erklärt.

Nachsorge

Die Nachsorge soll Rückfälle und neue Melanome früh erkennen. Laut S3-Leitlinie sollte sie über zehn Jahre laufen, in Abständen je nach Stadium. Danach genügen regelmäßige Selbstuntersuchungen und eine jährliche Untersuchung der ganzen Haut.

StadiumJahr 1 bis 3Jahr 4 und 5Jahr 6 bis 10
IAalle 6 Monatejährlichjährlich
IB bis IIBalle 3 Monatealle 6 Monatealle 6 bis 12 Monate
IIC bis IV (nach vollständiger Entfernung)alle 3 Monatealle 3 Monatealle 6 Monate

Bei jedem Termin wird die gesamte Haut angesehen, und Narbe, Lymphbahnen und Lymphknoten werden abgetastet. Diese einfache Untersuchung deckt laut Patientenleitlinie etwa die Hälfte aller Rückfälle auf. Ab Stadium IB kommen ein Ultraschall der Lymphknoten und in den ersten Jahren der Bluttest auf S100B hinzu, ab Stadium IIC in den ersten drei Jahren alle sechs Monate Schnittbilder. Röntgenbilder der Lunge, Ultraschall des Bauchs oder Knochenszintigrafien gehören nicht zur Routine.

Die engen Abstände am Anfang haben einen Grund: Rund 80 Prozent der Rückfälle treten laut Leitlinie in den ersten drei Jahren auf, nur etwa 5 Prozent nach mehr als zehn Jahren. Auch ein zweites Melanom ist in den ersten beiden Jahren am wahrscheinlichsten. Danach bleibt das Risiko niedrig, aber dauerhaft etwas höher als bei Menschen ohne Melanom, und zwar unabhängig davon, wie weit das erste fortgeschritten war.

Zwischen den Terminen ist die Selbstuntersuchung ein fester Bestandteil der Nachsorge. Sehen Sie Ihre gesamte Haut regelmäßig an, für Rücken und Kopfhaut mit Spiegel oder mit Hilfe einer vertrauten Person, und tasten Sie Narbe und Lymphknotenregionen ab. Lassen Sie sich in der Praxis zeigen, worauf Sie achten sollen.

Leben nach dem Melanom

Sonnenschutz bleibt wichtig. Wer ein Melanom hatte, sollte sich laut gesund.bund.de wie Gesunde auch vor übermäßiger Sonne schützen und die eigene Haut regelmäßig ansehen.

Familie informieren. Eltern, Geschwister und Kinder haben ein höheres Melanomrisiko. Erzählen Sie ihnen von Ihrer Diagnose, damit sie ihre Haut kontrollieren lassen können.

Bewegung tut gut. Laut Patientenleitlinie ist belegt, dass Sport und Bewegung das seelische und körperliche Wohlbefinden verbessern und krebsbedingte Erschöpfung lindern. Wichtig ist, dass das Training zu Ihren Kräften passt.

Rehabilitation. Eine medizinische Rehabilitation kann bei erfüllten sozialrechtlichen Voraussetzungen beansprucht werden; die Leitlinie sieht vor, dass Betroffene darüber informiert werden. Für die Rückkehr in den Beruf gibt es die stufenweise Wiedereingliederung.

Schwerbehinderung. Nach den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen wird nach Entfernung eines Melanoms fünf Jahre lang eine sogenannte Heilungsbewährung abgewartet. Für ein Melanom im Stadium I ist in dieser Zeit ein Grad der Schädigung von 50 vorgesehen, für andere Stadien von 80; das Melanoma in situ ist davon ausgenommen. Ab einem Grad der Behinderung von 50 gibt es einen Schwerbehindertenausweis. Festgelegt wird der Grad im Einzelfall vom Versorgungsamt, bei dem Sie den Antrag stellen.

Die seelische Seite. Angst vor einem Rückfall, Unruhe vor jedem Nachsorgetermin oder Erschöpfung sind verständlich und kein Zeichen von Schwäche. Sprechen Sie Ihr Behandlungsteam darauf an; psychoonkologische Unterstützung und Krebsberatungsstellen sind genau dafür da (siehe unten).

Vorbeugung und Früherkennung

Einen sicheren Schutz vor dem Melanom gibt es nicht, aber Sie können das Risiko senken. Laut gesund.bund.de helfen vor allem diese Maßnahmen:

  1. Starke Sonne meiden, im Sommer besonders zwischen 11 und 15 Uhr, und den Schatten suchen. Auch im Schatten kommt noch etwas UV-Strahlung an.
  2. Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnenbrille mit UV-Schutz tragen.
  3. Sonnencreme reichlich auf alle Stellen, die nicht bedeckt sind.
  4. Kein Solarium.
  5. Kinder besonders sorgfältig schützen, denn Sonnenbrände in jungen Jahren wiegen beim Melanom besonders schwer.

Ausführliche Empfehlungen enthält die S3-Leitlinie „Prävention von Hautkrebs“. Gültig ist laut Leitlinienprogramm Onkologie derzeit ihre Version 2.1. Zu einer überarbeiteten Version 3 lief bis zum 23. August 2026 eine öffentliche Konsultation; die Kommentare werden derzeit geprüft, eine endgültige neue Fassung lag bei unserer Recherche noch nicht vor.

Früherkennung. Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein kostenloses Hautkrebs-Screening, bei dem die gesamte Haut untersucht wird. Wie es abläuft und was Zusatzangebote kosten, steht im Ratgeber zum Hautkrebs-Screening. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 15. Oktober 2026 ein Verfahren begonnen, um die Regeln zu überprüfen, unter anderem ein Screening abhängig vom persönlichen Risiko und die Häufigkeit der Untersuchung. Bis zu einer Entscheidung gilt das bisherige Angebot. Ob das Screening die Zahl der Todesfälle senkt, ist bisher nicht sicher belegt; die Sterberaten haben sich seit seiner Einführung kaum verändert.

Unabhängig vom Alter und vom Screening-Rhythmus gilt: Eine auffällige Hautveränderung darf jederzeit ärztlich abgeklärt werden. Wenn Sie ein Muttermal entfernen lassen möchten, ob aus medizinischen oder kosmetischen Gründen, finden Sie Ablauf und Kosten im Ratgeber zur Leberfleck-Entfernung. Wer ein Basalzellkarzinom hatte, findet die Besonderheiten im Ratgeber zum Basaliom.

Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Ein Melanom ist eine Krankheit. Gesetzlich Versicherte haben nach § 27 SGB V Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie notwendig ist, um eine Krankheit zu erkennen oder zu heilen.

LeistungGesetzlich Versicherte
Hautkrebs-Screening ab 35, alle zwei Jahrekostenlose Früherkennungsleistung
Abklärung eines Verdachts, Dermatoskopie, Entfernung, Histologiekann bei medizinischem Verdacht in jedem Alter und unabhängig vom Screening zulasten der GKV abgerechnet werden
Nachoperation, Wächterlymphknoten, Lymphknoten-Ultraschall, Bildgebung nach Stadiumkann bei medizinischer Notwendigkeit und passender Indikation zulasten der GKV abgerechnet werden
Zugelassene Arzneimittel, auch Immuntherapie und zielgerichtete Therapieim Rahmen der Zulassung und medizinischen Notwendigkeit verordnungsfähig; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen 10 Prozent des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro
KrankenhausaufenthaltKassenleistung; gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren zahlen 10 Euro pro Tag für höchstens 28 Tage im Jahr
Medizinisch notwendige Nachsorgekann als Krankenbehandlung zulasten der GKV erfolgen; sie ist keine Früherkennungsuntersuchung
Digitale Verlaufskontrolle oder GanzkörperfotografieKostenübernahme hängt von Anlass und Versicherung ab, vorher klären; als Selbstzahlerleistung kein belastbarer Pauschalpreis

Alle Zuzahlungen zusammen sind grundsätzlich auf 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen begrenzt; für schwerwiegend chronisch Kranke, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, gilt eine Grenze von 1 Prozent; die Befreiung beantragen Sie bei Ihrer Krankenkasse. Sollen Sie einzelne Untersuchungen in der Nachsorge selbst bezahlen, lassen Sie sich erklären, warum sie keine Kassenleistung sein sollen, und fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Krankenkasse nach. Privatversicherte klären die Erstattung mit ihrem Tarif.

Hilfe, Beratung und Anlaufstellen

  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: kostenfrei unter 0800 420 30 40 oder per E-Mail an krebsinformationsdienst@dkfz.de.
  • INFONETZ KREBS der Deutschen Krebshilfe: kostenfrei unter 0800 80708877, Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr.
  • Psychosoziale Krebsberatungsstellen bieten Erkrankten und Angehörigen Beratung und Unterstützung. Seit 2020 werden ambulante Krebsberatungsstellen von den Krankenkassen mitfinanziert (§ 65e SGB V). Beratungsstellen in Ihrer Nähe nennen Ihnen der Krebsinformationsdienst und das INFONETZ KREBS.
  • Selbsthilfe: Das Hautkrebs-Netzwerk Deutschland e. V. ist eine bundesweite Selbsthilfeorganisation und war an der Melanom-Leitlinie beteiligt.
  • Zertifizierte Hauttumorzentren der Deutschen Krebsgesellschaft finden Sie über das Verzeichnis OncoMAP. Fragen Sie dort auch nach klinischen Studien.

Ausführliche, allgemein verständliche Informationen bietet die Patientenleitlinie Melanom des Leitlinienprogramms Onkologie. Sie stammt vom Januar 2021 und ist bei den Medikamenten nicht mehr auf dem neuesten Stand, erklärt Untersuchungen, Stadien und Nachsorge aber gut.

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Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.