
Hämangiom (Blutschwämmchen) beim Baby: abwarten oder behandeln?
Woran Sie ein infantiles Hämangiom (Blutschwamm, Blutschwämmchen) erkennen, wie es wächst und sich über Jahre zurückbildet und an welchen Stellen es früh ärztlich angesehen werden sollte. Dazu: die Behandlung mit Propranolol-Saft, worauf Eltern dabei achten, Laser und Operation für Reste, die Abgrenzung zu Storchenbiss und Feuermal, Blutschwämmchen bei Erwachsenen, Hämangiome in Leber und Wirbelsäule, Warnzeichen und Kosten.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 22.10.2026
Ein Hämangiom, umgangssprachlich Blutschwamm oder Blutschwämmchen, ist eine gutartige Wucherung kleiner Blutgefäße. Bei Babys heißt es infantiles Hämangiom. Es ist der häufigste gutartige Tumor im Säuglingsalter: Etwa 4 bis 5 von 100 Säuglingen bekommen eines. Typisch ist der Verlauf: Das Hämangiom wird in den ersten Lebenstagen oder -wochen sichtbar, wächst einige Monate und bildet sich danach über Jahre von selbst zurück. Die meisten müssen nicht behandelt werden. Bei etwa 10 bis 15 von 100 betroffenen Kindern ist eine Behandlung aber sinnvoll, etwa wenn das Hämangiom am Auge, an Nase, Lippe oder Ohr, im Windelbereich oder großflächig im Gesicht wächst. Dann kommt es auf den Zeitpunkt an, denn am meisten bewirkt eine Behandlung in der Wachstumsphase. Standard ist heute ein Saft mit dem Wirkstoff Propranolol. Zeigen Sie deshalb jedes neue rote oder bläuliche Mal, das bei Ihrem Baby größer wird, früh in der Kinderarztpraxis, an den genannten Stellen am besten schon im ersten Lebensmonat.
Was ist ein Hämangiom?
Ein infantiles Hämangiom entsteht durch eine gutartige Vermehrung von Gefäßzellen. Es bildet keine Metastasen, kann je nach Lage und Größe aber Gewebe verdrängen, aufbrechen oder Funktionen wie Sehen, Atmen und Trinken beeinträchtigen. Warum es entsteht, ist nicht geklärt. Diskutiert wird ein örtlicher Sauerstoffmangel im Gewebe. Eltern können ein Hämangiom weder verursachen noch verhindern.
Wie häufig? Die deutsche Leitlinie nennt 4 bis 5 von 100 Säuglingen, das IQWiG etwa 5 von 100. Andere Quellen geben bis zu 10 von 100 an, die Zahlen schwanken also je nach Erhebung. Häufiger betroffen sind:
- Mädchen, etwa dreimal so oft wie Jungen,
- Frühgeborene: Bis zu 30 von 100 Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm entwickeln ein Hämangiom,
- Babys mit heller Haut,
- Kinder nach Auffälligkeiten der Plazenta oder aus Mehrlingsschwangerschaften.
Das Wort „Hämangiom" wird im Alltag für recht unterschiedliche Gefäßveränderungen benutzt. Dieser Ratgeber behandelt vor allem das infantile Hämangiom bei Babys. Weiter unten geht es um Blutschwämmchen bei Erwachsenen und um Hämangiome in Leber oder Wirbelsäule, die mit dem Blutschwämmchen auf der Babyhaut wenig zu tun haben.
So sieht ein Hämangiom aus
Bei der Geburt sieht man meist noch nichts oder nur einen unscheinbaren Vorläufer: einen kleinen blassen oder rötlichen Fleck, ein paar durchscheinende Äderchen oder eine Stelle, die an einen Kratzer oder blauen Fleck erinnert. Ein deutlich ausgebildeter Knoten bei der Geburt spricht eher für eine andere Gefäßveränderung; infantile Hämangiome sind dann meist noch nicht oder nur als unauffälliger Vorläufer sichtbar. In den ersten Tagen und Wochen wird es dann deutlich sichtbar und größer.
Je nachdem, in welcher Hautschicht es wächst, sieht es unterschiedlich aus:
- Oberflächlich (kutan): hell- bis kräftig rot, flach oder erhaben, oft mit leicht unebener Oberfläche. Daher der Name „Erdbeerfleck". Auf dunkler Haut wirkt es eher violett.
- Tief (subkutan): eine weiche Schwellung unter der Haut, hautfarben bis bläulich-violett, manchmal mit feinen Äderchen darüber. Tiefe Hämangiome fallen oft später auf und wachsen meist länger.
- Gemischt: oben rot, darunter eine bläuliche Schwellung.
Etwa 90 von 100 Hämangiomen sind lokalisiert, also scharf begrenzt und um einen Mittelpunkt gewachsen. Am häufigsten sitzen sie an Kopf und Hals. Seltener sind segmentale Hämangiome, die sich flächig über eine ganze Hautregion ausbreiten, etwa über eine Gesichtshälfte; die Leitlinie schätzt sie auf etwa 1 von 1000 Kindern. Von multifokalen Hämangiomen sprechen Fachleute, wenn ein Kind fünf oder mehr auf der Haut hat.
Ein unkompliziertes Hämangiom tut nicht weh. Schmerzen hat ein Kind meist erst, wenn die Oberfläche aufbricht. Klinische Fotos zeigen wir bewusst nicht. Ob ein Mal ein Hämangiom ist, lässt sich im Bildvergleich nicht sicher sagen, gerade am Anfang.
Verlauf: wachsen, pausieren, zurückbilden
Ein infantiles Hämangiom durchläuft drei Phasen. Wie lange jede dauert, ist von Kind zu Kind verschieden.
- Wachstumsphase: Am schnellsten wächst ein Hämangiom zwischen dem ersten und dritten Lebensmonat. Mit drei Monaten ist nach der Leitlinie meist schon etwa 80 Prozent des Wachstums erreicht. Laut der US-Leitlinie ist das Wachstum bei den meisten Hämangiomen mit etwa fünf Monaten abgeschlossen; tiefe wachsen nach der deutschen Leitlinie oft länger. Insgesamt dauert die Wachstumsphase etwa bis zum sechsten bis neunten Lebensmonat, selten länger. Bei mehreren Hämangiomen können bis zum Ende des ersten Lebensjahres noch neue dazukommen.
- Übergangsphase: Das Hämangiom verändert sich eine Zeit lang kaum.
- Rückbildungsphase: Es wird langsam kleiner und blasser. Bei etwa 80 bis 90 von 100 Kindern ist die Rückbildung mit vier Jahren abgeschlossen. Große Hämangiome brauchen bis zu acht bis zehn Jahre.
Kleine Hämangiome auf der Haut verschwinden meist vollständig. Bei größeren bleiben ohne Behandlung nach der Leitlinie in 55 bis 70 Prozent der Fälle Reste: feine Äderchen, blasse oder dünne Haut, Farbunterschiede, schlaffe Haut, ein weiches Fettpolster oder Narben, wenn das Hämangiom zwischendurch aufgebrochen war.
Tipp für zu Hause: Fotografieren Sie das Mal alle ein bis zwei Wochen bei Tageslicht, mit einem Maßband oder Lineal daneben. So kann die Praxis besser einschätzen, wie schnell es wächst. Auch die Leitlinie sieht für die ärztliche Verlaufskontrolle Fotos mit Größenmaßstab vor.
Wann ein Hämangiom behandelt werden sollte
Die Leitlinie unterscheidet unkomplizierte Hämangiome (85 bis 90 Prozent) von komplizierten (10 bis 15 Prozent). Kompliziert heißt: Das Hämangiom beeinträchtigt eine Funktion, bricht auf, geht mit Fehlbildungen einher oder droht dauerhaft zu entstellen. Darauf kommt es an:
- Auge: Hämangiome am Lid oder um das Auge, die größer als etwa einen Zentimeter sind, können das Lid herunterdrücken, das Sehfeld verdecken oder auf den Augapfel drücken. Weil sich das Sehvermögen im Säuglingsalter erst entwickelt, droht eine bleibende Schwachsichtigkeit (Amblyopie) oder eine Hornhautverkrümmung. Die Leitlinie rät hier früh zu einer augenärztlichen Mitbetreuung.
- Nase, Lippe, Ohr: An der Nase kann ein Hämangiom die Form dauerhaft verändern oder die Nasenatmung behindern, an Lippe und Mund das Trinken erschweren und die Lippe verformen, am Ohr den Knorpel. Nach der Leitlinie machen Hämangiome an Auge, Nase, Lippe und Ohr ohne frühe Behandlung am häufigsten spätere Operationen nötig.
- Atemwege: Selten wächst ein Hämangiom unterhalb der Stimmritze. Das kann lebensbedrohlich werden. Gefährdet sind vor allem Babys mit einem großflächigen Hämangiom im „Bartbereich", also an Kinn, Unterlippe, Unterkiefer und Hals. Typisches Warnzeichen ist ein pfeifendes oder ziehendes Geräusch beim Einatmen (Stridor), das beim Trinken oder bei einer Erkältung oft stärker wird.
- Geschwüre (Ulzeration): Besonders im Windel- und Genitalbereich, in Hautfalten wie Hals oder Achsel und bei segmentalen Hämangiomen kann die Oberfläche aufbrechen. Das schmerzt, kann bluten und sich entzünden und hinterlässt meist Narben.
- Großflächige (segmentale) Hämangiome an Kopf und Hals: Ab etwa fünf Zentimetern Größe können sie Teil eines PHACE-Syndroms sein. Dabei kommen Fehlbildungen im Gehirn, an den Hirn- und Halsarterien, am Herzen und an der Hauptschlagader, an den Augen oder am Brustbein hinzu. Das wird mit Ultraschall, MRT samt Gefäßdarstellung und Herzultraschall abgeklärt.
- Großflächige Hämangiome am unteren Rücken, am Steiß oder am Damm: Sie können mit Fehlbildungen am Rückenmark, an Harn- und Geschlechtsorganen oder am After einhergehen (LUMBAR-, PELVIS- oder SACRAL-Syndrom). Ultraschall und gegebenenfalls MRT klären das.
- Fünf oder mehr Hämangiome auf der Haut: Dann können auch innere Organe betroffen sein, vor allem die Leber. Die Leitlinie empfiehlt einen Ultraschall von Leber und Kopf und eine Blutuntersuchung der Schilddrüsenwerte. Sehr große oder viele Hämangiome können eine Schilddrüsenunterfunktion auslösen und im Extremfall das Herz belasten.
- Weibliche Brust: Größere Hämangiome dort können die Entwicklung der Brustdrüse und der Brustwarze beeinträchtigen.
- Aussehen: Große Hämangiome im Gesicht können sichtbare Reste hinterlassen und Kinder später belasten, etwa durch Blicke oder Kommentare.
Wann zum Arzt?
Lassen Sie jedes neue rote oder bläuliche Mal, das bei Ihrem Baby wächst, in der Kinder- und Jugendarztpraxis ansehen. Ein Termin zu den üblichen Sprechzeiten genügt, wenn das Mal klein ist, an einer unproblematischen Stelle wie Rumpf, Arm oder Bein sitzt und Ihr Kind sonst gesund wirkt. Die U3 in der vierten bis fünften Lebenswoche ist ein guter Anlass, das Mal anzusprechen. Bei den folgenden Zeichen sollten Sie aber nicht bis dahin warten.
Innerhalb weniger Tage, idealerweise noch im ersten Lebensmonat, gehört ein Hämangiom in die Praxis, wenn es
- am oder um das Auge, an Nase, Lippe, Mund oder Ohr sitzt,
- im Windel-, Genital- oder Pobereich oder in einer Hautfalte liegt,
- sich flächig über eine Gesichtspartie, an Kinn und Hals oder am unteren Rücken ausbreitet,
- sichtbar schnell wächst oder Ihr Kind fünf oder mehr Hämangiome hat.
Die Leitlinie der American Academy of Pediatrics empfiehlt, solche Kinder möglichst bis zum Ende des ersten Lebensmonats ärztlich einschätzen oder an eine spezialisierte Stelle überweisen zu lassen, weil das Zeitfenster für eine wirksame Behandlung früh beginnt.
Noch am selben Tag (außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117), wenn
- das Hämangiom aufgebrochen ist, nässt, eine Kruste bildet oder Ihrem Kind sichtlich Schmerzen bereitet, etwa beim Wickeln,
- es blutet oder Zeichen einer Entzündung zeigt, etwa Eiter oder eine sich ausbreitende Rötung,
- ein Hämangiom am Auge das Lid so weit herunterdrückt, dass Ihr Kind das Auge nicht mehr richtig öffnen kann.
Sofort in die Notaufnahme oder Kinderklinik, bei Atemnot über die 112, wenn
- Ihr Baby beim Einatmen pfeifende oder ziehende Geräusche macht oder schwer Luft bekommt,
- es wegen eines Hämangioms an Mund oder Hals kaum noch trinken kann oder auffallend schläfrig und schwer aufzuwecken ist,
- eine Blutung trotz zehn Minuten festen, ununterbrochenen Drucks nicht aufhört; bei starker, unkontrollierbarer Blutung oder Kreislaufzeichen rufen Sie 112.
Unter einer Propranolol-Behandlung gelten zusätzliche Warnzeichen. Sie stehen weiter unten im Abschnitt „Worauf Eltern bei Propranolol achten".
Diagnose: Was in der Praxis passiert
Meist erkennt die Ärztin oder der Arzt ein Hämangiom am Aussehen und an der Vorgeschichte. Drei Fragen helfen nach der Leitlinie bei der Unterscheidung von einer angeborenen Gefäßfehlbildung: War das Mal bei der Geburt schon da? Ist es größer geworden? Ist es kleiner geworden? Ein Hämangiom erscheint typischerweise erst nach der Geburt, wächst dann rasch und bildet sich später zurück. Eine Fehlbildung ist meist schon bei Geburt vorhanden, wächst nur mit dem Kind mit und verschwindet nicht.
Ist das am Anfang noch nicht eindeutig, folgen kurzfristige Kontrollen. Die Leitlinie nennt als Faustregel eine Woche Abstand pro vollendetem Lebensmonat, bei einem einen Monat alten Baby also etwa wöchentlich, bei einem zwei Monate alten etwa alle zwei Wochen. Ein Ultraschall mit Farbdoppler zeigt, wie tief das Hämangiom reicht und wie aktiv es noch wächst.
Ein eindeutiges, unkompliziertes Hämangiom braucht keine weiteren Untersuchungen. Weitere Abklärung richtet sich nach Art und Lage:
| Situation | Mögliche zusätzliche Untersuchungen |
|---|---|
| Fünf oder mehr Hämangiome auf der Haut | Ultraschall von Leber und Kopf, Schilddrüsenwert (TSH) im Blut |
| Großflächiges Hämangiom an Kopf und Hals | Ultraschall, Herzultraschall, MRT von Kopf und Augenhöhle mit Darstellung der Hirn- und Halsgefäße |
| Großflächiges Hämangiom am unteren Rücken | Ultraschall, gegebenenfalls MRT von Wirbelsäule und Becken |
| Großes Hämangiom an Kinn oder vorderem Hals | Ultraschall, gegebenenfalls Kehlkopfspiegelung und MRT |
| Hämangiom am oder um das Auge | augenärztliche Untersuchung, gegebenenfalls Ultraschall oder MRT |
| Unklarer Gefäßtumor | selten eine Gewebeprobe |
Behandlung: Was hilft, was nicht
Grundlage in Deutschland ist die S2k-Leitlinie „Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter" mehrerer Fachgesellschaften unter Federführung der Kinderchirurgie, Version 6.0 vom Oktober 2020. Ihre nächste Überprüfung war für Oktober 2023 geplant; eine neuere Fassung haben wir bei unserer Recherche im Oktober 2026 nicht gefunden. Sie ist damit nicht mehr auf dem neuesten Stand. Ihre Kernaussagen zur Behandlung decken sich aber mit der EU-Zulassung von Propranolol für diese Anwendung (2014), der Gesundheitsinformation des IQWiG (2023) und der Leitlinie der American Academy of Pediatrics (2019).
Ziel einer Behandlung ist, das Wachstum früh zu stoppen, die Rückbildung zu beschleunigen, Komplikationen zu verhindern und offene Stellen abheilen zu lassen. Am meisten bewirkt sie, wenn sie früh in der Wachstumsphase beginnt, nach Leitlinie und IQWiG idealerweise im zweiten bis fünften Lebensmonat. Ist das Hämangiom ausgewachsen, rät die Leitlinie meist zum Abwarten.
Beobachten und abwarten
Für die allermeisten Hämangiome ist das die richtige Wahl. Abwarten heißt nicht, nichts zu tun: Die Praxis kontrolliert in der Wachstumsphase regelmäßig, Sie dokumentieren mit Fotos. Wächst das Hämangiom unerwartet schnell oder bricht es auf, wird neu entschieden.
Propranolol-Saft: die Standardbehandlung
Propranolol ist ein Betablocker, der sonst unter anderem gegen Bluthochdruck eingesetzt wird. Die deutsche und die US-Leitlinie nennen ihn als Mittel der Wahl, wenn ein Hämangiom behandelt werden muss; auch laut IQWiG wird dann meist Propranolol verschrieben. Wie er genau wirkt, ist nicht abschließend geklärt; vermutet werden eine Verengung der Gefäße und eine Hemmung von Wachstumsfaktoren für neue Blutgefäße.
Zulassung: Seit April 2014 ist ein Propranolol-Saft in der EU für wachsende Hämangiome zugelassen, die eine Behandlung über den ganzen Körper erfordern: wenn sie lebensbedrohlich sind oder eine Funktion beeinträchtigen, wenn sie aufgebrochen sind und schmerzen oder mit einfacher Wundpflege nicht abheilen, und wenn bleibende Narben oder eine Entstellung drohen. Die Behandlung wird im Alter von fünf Wochen bis fünf Monaten begonnen. Bei Frühgeborenen zählt das korrigierte Alter, also gerechnet ab dem errechneten Geburtstermin. Alternativ kann ein Saft nach einer standardisierten Rezeptur in der Apotheke hergestellt werden. Soll die Behandlung außerhalb dieser Altersgrenzen beginnen, ist das ein Einsatz außerhalb der Zulassung (Off-Label-Use), über den die Ärztin oder der Arzt Sie ausführlich aufklären muss.
Vor dem Start wird Ihr Kind gründlich untersucht, Herz und Lunge werden abgehört und die Herzfrequenz gemessen. Die Leitlinie empfiehlt auch bei gesunden Babys ein EKG, einen Herzultraschall bei Verdacht auf eine Herzerkrankung. Bei einem großflächigen Hämangiom im Gesicht wird vorher per MRT nach Gefäßveränderungen im Kopf gesucht; die Dosis wird dann besonders vorsichtig gesteigert. Ist das Hämangiom bedrohlich, etwa weil es die Sicht oder die Atemwege einengt, kann die Behandlung laut Fachinformation auch schon vor der Bildgebung beginnen.
Beginn unter Aufsicht: Laut Fachinformation soll die Therapie von Ärztinnen und Ärzten mit Erfahrung in der Hämangiom-Behandlung begonnen werden, in einer Umgebung, in der Nebenwirkungen sofort behandelt werden können. Nach der ersten Gabe wird mindestens zwei Stunden lang die Herzfrequenz kontrolliert. Bei reif geborenen, sonst gesunden Babys kann die Einstellung ambulant erfolgen. Stationär empfiehlt die Leitlinie sie bei einem korrigierten Alter unter acht Wochen, bei Herz- oder Lungenerkrankungen, bei begleitenden Fehlbildungen und wenn die Versorgung zu Hause schwierig ist.
Ablauf: Die Dosis wird über etwa zwei Wochen schrittweise gesteigert. Ihr Kind bekommt den Saft zweimal täglich, mit mindestens neun Stunden Abstand, jeweils zu oder direkt nach einer Mahlzeit. Etwa einmal im Monat wird es kontrolliert und die Dosis an das gestiegene Gewicht angepasst. Zugelassen ist eine Dauer von sechs Monaten. Weil Rückfälle nach längerer Behandlung seltener sind, wird sie in der Praxis oft bis zum ersten Geburtstag fortgesetzt. Am Ende muss das Mittel nicht ausgeschlichen werden.
Wirkung: In der Zulassungsstudie war das Hämangiom nach sechs Monaten bei 61 von 101 Kindern mit der wirksamsten Dosis vollständig oder fast vollständig verschwunden, unter einem Scheinmedikament bei 2 von 55, also bei etwa 60 gegenüber 4 Prozent. Laut IQWiG scheint das Hämangiom bei fast allen behandelten Kindern zumindest nicht weiterzuwachsen oder sich teilweise zurückzubilden. Bei etwa 10 bis 25 von 100 Kindern wächst es nach dem Absetzen noch einmal etwas, oft aber so wenig, dass keine zweite Behandlung nötig ist. Häufiger ist das nach einem frühen Therapieende, bei tiefen und gemischten Hämangiomen und bei Mädchen.
Nebenwirkungen: Nach der Leitlinie treten bei etwa 30 von 100 Kindern Nebenwirkungen auf, die meist vorübergehend und harmlos sind. Die Fachinformation nennt als sehr häufig (mehr als 1 von 10) Schlafstörungen, Durchfall, Erbrechen und einen schwereren Verlauf von Atemwegsinfekten wie Bronchitis. Häufig sind kalte Hände und Füße, Unruhe, Albträume, weniger Appetit, ein niedrigerer Blutdruck, ein Wundsein im Windelbereich und Verkrampfungen der Atemwege (Bronchospasmus). Gelegentlich (bis zu 1 von 100) verlangsamt sich der Herzschlag oder der Blutzucker sinkt. Außerdem wurden Krampfanfälle durch eine schwere Unterzuckerung berichtet; wie häufig sie sind, ist nicht bekannt. Ob Propranolol die geistige Entwicklung beeinflusst, wird diskutiert; die bisherigen Studien geben darauf nach Leitlinie und IQWiG keinen ausreichenden Hinweis, abschließend geklärt ist es aber nicht.
Nicht geeignet ist Propranolol unter anderem bei Frühgeborenen unter fünf Wochen korrigiertem Alter, bei Asthma oder früheren Verkrampfungen der Atemwege, bei bestimmten Herzerkrankungen wie einem zu langsamen Herzschlag oder zu niedrigem Blutdruck, bei Neigung zu Unterzuckerung und bei gestillten Kindern, deren Mutter ein Medikament nimmt, das sich nicht mit Propranolol verträgt.
Worauf Eltern bei Propranolol achten
Die Fachinformation und die Packungsbeilage geben Eltern klare Regeln an die Hand. Lassen Sie sich alles in der Praxis zeigen, auch das Abmessen mit der beiliegenden Spritze.
- Immer mit Essen: Geben Sie den Saft während oder direkt nach einer Mahlzeit. Die letzte Gabe sollte nicht kurz vor dem Schlafengehen liegen. Bei Bedarf darf er mit wenig Milch oder Saft gemischt werden, aber nicht in die volle Flasche.
- Eine Person, ein Ablauf: Am sichersten ist es, wenn dieselbe Person füttert und den Saft gibt. Teilen sich mehrere Menschen die Betreuung, sprechen Sie genau ab, wer was gegeben hat.
- Isst Ihr Kind nicht genug, erbricht es oder ist es krank, lassen Sie die Dosis aus. Die nächste Gabe erst wieder, wenn es ausreichend gegessen hat. Spuckt es den Saft aus, geben Sie nicht nach.
- Atemwegsinfekt mit Atemnot, Pfeifen oder Keuchen: Saft nicht mehr geben und umgehend ärztlich abklären lassen, bei deutlicher Atemnot über die 112.
- Anzeichen einer Unterzuckerung: Blässe, Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Unruhe, Hunger, ungewöhnliche Müdigkeit oder ein Kind, das schwer aufwacht. Schwere Zeichen sind sehr langes Schlafen, kaum Reaktion, Nahrungsverweigerung, Auskühlen, Krampfanfälle, Atemaussetzer und Bewusstlosigkeit. Dann: Saft nicht mehr geben, sofort ärztliche Hilfe holen oder direkt ins Krankenhaus fahren und dem Kind, wenn es wach ist, etwas Zuckerhaltiges zu trinken geben. Bei Krampfanfall, Bewusstlosigkeit oder Atemaussetzern rufen Sie die 112.
- Zeichen für zu niedrigen Blutdruck oder zu langsamen Herzschlag: auffallende Müdigkeit, Kälte, Blässe, bläuliche Haut oder Ohnmacht. Auch dann den Saft nicht mehr geben und sofort ärztlichen Rat holen.
- Vor einer Narkose oder Operation muss das Behandlungsteam von der Therapie wissen. Laut Fachinformation soll Propranolol mindestens 48 Stunden vor einem geplanten Eingriff abgesetzt werden; besprechen Sie das mit der Praxis.
Die Herstellerfirma stellt Eltern außerdem Schulungsmaterial zur Verfügung, das die Warnzeichen erklärt. Fragen Sie in der Praxis danach.
Timolol zum Auftragen
Für sehr kleine, flache, oberflächliche Hämangiome wird manchmal ein Betablocker zum Auftragen verwendet, meist Timolol als Gel oder Augentropfen. Nach Leitlinie (2020) und IQWiG (2023) ist dafür kein Mittel zugelassen, es ist also ein Off-Label-Use. Die US-Leitlinie hält Timolol bei ausgewählten kleinen, dünnen und oberflächlichen Hämangiomen für eine Möglichkeit. Die Belege sind schwach: Laut einer Cochrane-Übersicht kann Timolol die Rötung möglicherweise verringern, die Aussagekraft der Studien ist aber gering. Der Wirkstoff gelangt auch über die Haut ins Blut, sodass Nebenwirkungen auf Herz und Kreislauf möglich sind, wenn auch offenbar selten. Die deutsche Leitlinie mahnt deshalb zu Vorsicht nahe an Schleimhäuten, in Hautfalten und auf offenen Stellen; dort ist der Saft unter Kontrolle die sicherere Wahl.
Andere Medikamente
Atenolol oder Nadolol, zwei andere Betablocker, scheinen in Fallserien ähnlich gut zu wirken, sind aber nicht für Hämangiome zugelassen. Sie kommen nur selten infrage, etwa wenn ein Kind Propranolol nicht einnehmen darf. Kortison zum Einnehmen war früher üblich, wird heute wegen der häufigeren Nebenwirkungen aber nicht mehr allein empfohlen. Nach der Leitlinie bleibt es Ausnahmefällen vorbehalten: ergänzend zu Propranolol, wenn dieses nicht wirkt, oder in unmittelbar lebensbedrohlichen Situationen, etwa bei Hämangiomen der Atemwege oder der Leber.
Kälte, Laser und Operation
- Kältetherapie (Kryotherapie): Sie wurde für kleine, flache Hämangiome bis etwa einen Zentimeter Durchmesser entwickelt und ist heute weniger gebräuchlich. Nach der Leitlinie bleiben bei 10 bis 15 von 100 Behandelten dauerhaft hellere Hautstellen, deshalb eignet sie sich im Gesicht eher nicht.
- Farbstofflaser und Blitzlampe (IPL): Als Erstbehandlung empfiehlt die Leitlinie sie nicht, außer wenn Propranolol nicht vertragen wird oder nicht wirkt. Bei großflächigen Gesichtshämangiomen rät sie wegen der Gefahr von Geschwüren ab. Ihr Hauptplatz ist die Behandlung von roten Resten und Äderchen nach dem vierten Geburtstag, wenn die natürliche Rückbildung weitgehend abgeschlossen ist. Wie Gefäßlaser grundsätzlich funktionieren, erklärt unser Ratgeber zur Couperose-Behandlung.
- Laser bei unkompliziertem Hämangiom: Der IGeL-Monitor hat 2022 die Farbstofflaserbehandlung unkomplizierter Blutschwämmchen beim Säugling erneut als „tendenziell negativ" bewertet. Die Rötung ging mit dem Laser zwar etwas stärker zurück, einen eindeutigen Vorteil gegenüber dem kontrollierten Abwarten fand der IGeL-Monitor aber nicht. Dafür war die Haut bei mehr als einem Viertel der gelaserten Kinder dünner (ohne Behandlung bei unter einem Zehntel) und bei knapp jedem zweiten heller als die Umgebung (ohne Behandlung bei jedem sechsten).
- Nd:YAG-Laser: Dieser tiefer wirkende Laser bleibt Sonderfällen vorbehalten, etwa wenn Propranolol nicht infrage kommt, und braucht eine Vollnarkose.
- Embolisation: In sehr seltenen Fällen werden zuführende Gefäße über einen Katheter verschlossen, zum Beispiel bei starker Belastung des Herzens oder lebensbedrohlicher Blutung.
- Operation: Während der Wachstumsphase wird nur in Ausnahmefällen operiert, wenn eine lebensbedrohliche Komplikation anders nicht zu beherrschen ist. Meist dient eine Operation später dazu, Reste wie überschüssige Haut, Narben oder ein Fettpolster zu entfernen, an der behaarten Kopfhaut etwa eine kahle Stelle. Als günstiger Zeitpunkt gilt nach der Leitlinie das vierte bis fünfte Lebensjahr, möglichst vor der Einschulung. Mehr zu Eingriffen an der Haut lesen Sie im Ratgeber Hautchirurgie.
Pflege zu Hause und wenn das Hämangiom offen ist
Ein unkompliziertes Hämangiom braucht keine besondere Pflege. Halten Sie die Stelle sauber und trocken. Liegt es in einer Hautfalte oder dort, wo Kleidung reibt, kann laut einer Elterninformation der britischen Kinderklinik Alder Hey eine Fettsalbe vor Reibung schützen; fragen Sie in Ihrer Praxis, was passt.
Behandeln Sie ein Hämangiom nicht selbst. Für Hausmittel wie Apfelessig oder Rizinusöl gibt es laut IQWiG keine Belege, sie können der Haut aber schaden. Kratzen Sie ein Hämangiom nicht auf und stechen Sie es nicht an: Es kann stark bluten und sich entzünden.
Wenn es blutet: Bluten tut ein Hämangiom meist nur, wenn die Oberfläche aufgebrochen ist. Drücken Sie mit einer sauberen Kompresse fest und ohne Unterbrechung auf die Stelle, etwa fünf Minuten lang; dann hört es meist auf. Lassen Sie die Stelle noch am selben Tag ansehen.
Wenn es offen ist: Ein aufgebrochenes Hämangiom braucht ärztliche Behandlung. Es tut weh, kann sich infizieren und vernarben, und manchmal ist ein Wundverband nötig. Auch die Zulassung von Propranolol nennt schmerzhafte offene Hämangiome, die mit einfacher Wundpflege nicht abheilen, als Grund für die Behandlung. Im Windelbereich ist eine wunde Haut zwar meist eine Windeldermatitis, eine offene Stelle auf einem Hämangiom gehört aber in jedem Fall in die Praxis.
Abgrenzung: Storchenbiss, Feuermal und angeborene Hämangiome
Neugeborene haben oft rote Male, und nicht jedes ist ein Hämangiom. Für Laien sind sie anfangs kaum zu unterscheiden.
- Storchenbiss (Naevus simplex): Er ist schon bei der Geburt da, flach und hell- bis mittelrot, meist an Stirn, Augenlidern oder im Nacken. 40 bis 50 von 100 Neugeborenen haben einen. Er wächst nicht und verblasst meist in den ersten Lebensmonaten oder -jahren von selbst.
- Feuermal (Naevus flammeus, Portweinfleck): eine angeborene Fehlbildung kleinster Blutgefäße bei etwa 3 von 1000 Neugeborenen. Es ist ab Geburt da, wächst proportional mit dem Kind mit und bildet sich nicht zurück; mit den Jahren kann es dunkler und dicker werden. Sitzt es nahe am Auge, sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen wichtig, weil das Risiko für einen grünen Star steigt. Eine Lasertherapie kann es aufhellen.
- Angeborene (kongenitale) Hämangiome: Anders als infantile sind sie bei der Geburt schon voll ausgebildet und wachsen danach nicht weiter. Manche bilden sich rasch zurück (RICH), andere gar nicht (NICH), wieder andere teilweise (PICH).
- Andere Gefäßtumoren und -fehlbildungen: Venöse oder lymphatische Fehlbildungen, das Granuloma pyogenicum oder sehr seltene Gefäßtumoren können ähnlich aussehen. Eine ausgeprägte Gefäßveränderung, die schon bei der Geburt da ist, sollte deshalb fachärztlich eingeordnet werden.
Ein Hämangiom kann in den ersten Wochen wie ein Feuermal als flacher roter Fleck erscheinen und wird erst später erhabener und dunkler. Deshalb sind Kontrollen in kurzen Abständen sinnvoll. Ältere Bezeichnungen wie „kavernöses Hämangiom" werden uneinheitlich verwendet; steht so etwas im Befund, fragen Sie nach, was genau gemeint ist.
Blutschwämmchen bei Erwachsenen: Rubinflecken und Spider-Nävi
Wenn Erwachsene von „Blutschwämmchen" sprechen, meinen sie meist kleine, kräftig rote Pünktchen auf der Haut. Mit dem infantilen Hämangiom haben die meisten davon nichts zu tun.
Rubinflecken (Kirschangiome, senile Hämangiome): kleine, hellrote bis violette Knötchen, meist am Rumpf und an Oberarmen oder Oberschenkeln. Sie entstehen meist ab dem 30. Lebensjahr, werden mit dem Alter mehr und bilden sich nicht zurück. Mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen hat mindestens eines. Nach dem MSD Manual sind sie gutartig und werden nicht bösartig. Behandelt werden müssen sie nur, wenn sie bluten oder kosmetisch stören. Dann kommen Laser, Elektrochirurgie, Kälte- oder Verödungsbehandlung infrage; keine Methode ist eindeutig überlegen. Unter dem Dermatoskop zeigen Rubinflecken typische rote, violette oder blauschwarze Hohlräume.
Ärztlich ansehen lassen sollten Sie
- einen neuen, sehr dunklen oder fast schwarzen Fleck, der sich verändert, blutet oder krustet: Er kann ein Angiom sein, aber auch etwas anderes, das mit dem Dermatoskop abgeklärt gehört, etwa im Rahmen eines Hautkrebs-Screenings,
- ein plötzliches Auftreten sehr vieler Rubinflecken. Das ist selten, kann laut MSD Manual aber mit bestimmten Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems zusammenhängen.
Muttermale und Leberflecken sind dagegen pigmentierte Male und keine Gefäßveränderungen; wie sie beurteilt und entfernt werden, steht im Ratgeber Leberflecken entfernen.
Spider-Nävus (Gefäßspinne, Naevus araneus): ein roter Punkt mit feinen, strahlenförmigen Äderchen, meist kleiner als einen halben Zentimeter. Drückt man auf die Mitte, verblasst er und füllt sich danach von innen wieder. Einzelne Gefäßspinnen sind bei Kindern und Erwachsenen häufig und harmlos. In der Schwangerschaft oder unter der Pille treten sie öfter auf und bilden sich meist etwa sechs bis neun Monate nach der Geburt oder dem Absetzen zurück. Viele Gefäßspinnen können dagegen auf eine Lebererkrankung hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden. Erweiterte Äderchen im Gesicht sind ein eigenes Thema, siehe Couperose.
Hämangiom in Leber oder Wirbelsäule
Hämangiome kommen auch im Körperinneren vor, etwa in der Leber oder in Knochen, meist in Wirbelkörpern. Sie werden in der Regel zufällig entdeckt, zum Beispiel bei einem Ultraschall, einer CT oder MRT aus anderem Grund.
- Leber: Nach dem MSD Manual haben bis zu etwa 20 von 100 Erwachsenen, meist Frauen, kleine Leberhämangiome ohne Beschwerden; die Zahl stammt aus den USA. Behandelt werden müssen sie nicht. Beschwerden wie Bauchschmerzen oder ein Völlegefühl werden erst ab etwa vier Zentimetern wahrscheinlicher. Einen belegten Zusammenhang mit Alkohol haben wir in den ausgewerteten Quellen nicht gefunden.
- Wirbelsäule: Auch Hämangiome in Wirbelkörpern müssen nach dem IQWiG nur behandelt werden, wenn sie Probleme verursachen.
Für solche Befunde ist die Praxis zuständig, die die Untersuchung veranlasst hat, oder die entsprechende Fachrichtung, nicht die Hautarztpraxis. Bei Babys mit vielen Hämangiomen auf der Haut ist die Leber dagegen ein Thema der Hämangiom-Abklärung (siehe oben).
Wer behandelt ein Hämangiom?
Erste Anlaufstelle ist die Kinder- und Jugendarztpraxis. Sie beurteilt das Mal, kontrolliert den Verlauf und überweist bei Bedarf. Für die weitere Abklärung und Behandlung kommen infrage:
- Hautarztpraxen mit Erfahrung in Kinderdermatologie,
- Hämangiom- oder Gefäßanomalien-Sprechstunden an Kinderkliniken und Universitätskliniken, oft kinderchirurgisch oder dermatologisch geleitet und fachübergreifend organisiert. Die Leitlinie rät bei komplizierten Hämangiomen im Einzelfall zur Vorstellung bei erfahrenen Kolleginnen und Kollegen oder in einer solchen Spezialsprechstunde,
- je nach Lage Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kinderkardiologie und Kinderradiologie.
Nicht jede Hautarztpraxis behandelt Säuglinge. Fragen Sie bei der Terminvereinbarung nach, ob die Praxis Erfahrung mit Hämangiomen hat, und sagen Sie dazu, wo das Mal sitzt und wie alt Ihr Kind ist. Einen Überblick über weitere Hautkrankheiten im Kindesalter und bei Erwachsenen gibt unser Ratgeber Hautkrankheiten.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Gesetzlich Versicherte haben nach § 27 SGB V Anspruch auf die notwendige Krankenbehandlung. Ob eine Maßnahme notwendig ist, entscheidet sich im Einzelfall. Für Hämangiome ergibt sich daraus folgendes Bild:
| Leistung | Gesetzlich Versicherte |
|---|---|
| Untersuchung, Ultraschall, Kontrollen und Behandlung eines behandlungsbedürftigen Hämangioms | kann bei medizinischer Notwendigkeit in der Kinderarzt-, Hautarzt- oder Klinikambulanz über die gesetzliche Kasse abgerechnet werden; der IGeL-Monitor bezeichnet die Behandlung komplizierter Blutschwämmchen als Kassenleistung |
| Propranolol-Saft im zugelassenen Rahmen | verschreibungspflichtig, Abgabe auf Kassenrezept; Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen keine Zuzahlung |
| Mittel außerhalb der Zulassung (z. B. Timolol, Atenolol, Propranolol außerhalb der Altersgrenzen) | gesetzliche Kassen zahlen Off-Label-Verordnungen laut IQWiG grundsätzlich nur in Ausnahmefällen; vorab mit Praxis und Kasse klären |
| Farbstofflaser bei unkompliziertem Hämangiom im Säuglingsalter | Selbstzahlerleistung (IGeL); vom IGeL-Monitor als „tendenziell negativ" bewertet |
| Laser oder Operation von Resten nach der Rückbildung | bei funktioneller Beeinträchtigung oder Narben nach einem Geschwür kann eine medizinische Notwendigkeit bestehen; für rein kosmetische Korrekturen ist keine allgemeine Erstattung belegt; vorab mit Praxis und Kasse klären |
| Entfernung von Rubinflecken bei Erwachsenen | meist kosmetisch und dann selbst zu zahlen; einen belastbaren Pauschalpreis gibt es nicht, lassen Sie sich vorab einen Kostenvoranschlag geben |
Privat Versicherte klären die Erstattung nach ihrem Tarif. Bei Laser- und Korrekturbehandlungen lohnt es sich, vor Beginn eine schriftliche Kostenzusage einzuholen.
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Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie u. a.: S2k-Leitlinie Infantile Hämangiome im Säuglings- und Kleinkindesalter (Register-Nr. 006/100, Version 6.0, Stand 10/2020, nächste Überprüfung war für 10/2023 geplant; Kopie der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie) (abgerufen 2026-10-22)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Hämangiom (Blutschwämmchen), erstellt 18.10.2023 (abgerufen 2026-10-22)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Wie werden Blutschwämmchen bei Kindern (infantile Hämangiome) behandelt? (erstellt 18.10.2023) (abgerufen 2026-10-22)
- EMA: Produktinformation Propranolol 3,75 mg/ml Lösung zum Einnehmen bei infantilem Hämangiom (Fachinformation und Packungsbeilage, deutsch) (abgerufen 2026-10-22)
- EMA: EPAR-Übersicht Propranolol-Lösung zum Einnehmen bei infantilem Hämangiom (EU-Zulassung 23.04.2014, Studienergebnisse) (abgerufen 2026-10-22)
- Krowchuk DP et al.: Clinical Practice Guideline for the Management of Infantile Hemangiomas. American Academy of Pediatrics, Pediatrics 2019;143(1):e20183475 (abgerufen 2026-10-22)
- Novoa M et al.: Interventions for infantile haemangiomas of the skin. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018, CD006545 (abgerufen 2026-10-22)
- IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund): Kein Zusatznutzen bei Laserbehandlung frühkindlicher Blutschwämmchen, Pressemitteilung 02.06.2022 (abgerufen 2026-10-22)
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Hämangiom (Blutschwamm), letzte Aktualisierung 31.08.2022 (abgerufen 2026-10-22)
- Subglottic hemangiome in childhood (Fallbericht; Einleitung zum typischen Beschwerdebild). Brazilian Journal of Otorhinolaryngology 2012;78(1):143, Open Access (abgerufen 2026-10-22)
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Feuermal (Naevus flammeus) und Storchenbiss (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual (Ausgabe für medizinische Fachkreise): Kirschangiome (aktualisiert 08/2025) (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual (Ausgabe für medizinische Fachkreise): Naevus araneus (Spider-Nävus) (abgerufen 2026-10-22)
- MSD Manual (Ausgabe für Patienten): Hämangiome der Leber (aktualisiert 03/2026) (abgerufen 2026-10-22)
- Alder Hey Children's NHS Foundation Trust (Großbritannien): Haemangioma, Information for parents and carers (Überprüfung war für 05/2025 vorgesehen) (abgerufen 2026-10-22)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Off-Label-Use: Worauf muss man achten? (abgerufen 2026-10-22)
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Früherkennung bei Kindern (Übersicht der U-Untersuchungen) (abgerufen 2026-10-22)
- Sozialgesetzbuch V (SGB V) § 27: Krankenbehandlung (abgerufen 2026-10-22)
- Bundesministerium für Gesundheit: Zuzahlung und Erstattung von Arzneimitteln (abgerufen 2026-10-22)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.