
Aktinische Keratose: Anzeichen, Risiko & Behandlung
Aktinische Keratosen (Lichtschwielen) sind raue, schuppige Stellen auf sonnengeschädigter Haut und eine Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, einer Form von weißem Hautkrebs. Woran Sie sie erkennen, wie hoch das Risiko wirklich ist, welche Behandlungen die S3-Leitlinie empfiehlt, was die Krankenkasse zahlt und wann sie als Berufskrankheit gelten.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 20.10.2026
Eine aktinische Keratose, im Alltag auch Lichtschwiele oder solare Keratose genannt, ist eine raue, schuppige Stelle auf Haut, die über Jahrzehnte viel Sonne abbekommen hat. Sie gilt als Vorstufe des Plattenepithelkarzinoms, einer Form von weißem Hautkrebs. Die meisten aktinischen Keratosen werden nie zu Krebs. Welche es doch tun, lässt sich aber nicht vorhersagen, und nicht jede Stelle lässt sich mit bloßem Auge sicher von einem beginnenden Hautkrebs unterscheiden. Deshalb empfiehlt die Leitlinie, aktinische Keratosen zu behandeln. Dafür gibt es mehrere gut untersuchte Wege, von der Vereisung über Cremes bis zur Lichttherapie (PDT). Untersuchung und die meisten Behandlungen zahlt die gesetzliche Krankenkasse, die photodynamische Therapie mit Rotlicht in der Regel nicht.
Was ist eine aktinische Keratose?
Bei einer aktinischen Keratose hat UV-Strahlung die Erbinformation von Zellen der Oberhaut so geschädigt, dass sie auffällig verändert („atypisch“) aussehen und wachsen. Die veränderten Zellen bleiben aber auf die Oberhaut beschränkt. Kommen weitere Schäden hinzu, können sie die Grenze zur Lederhaut durchbrechen. Dann ist aus der Vorstufe ein invasives Plattenepithelkarzinom geworden.
Die deutsche S3-Leitlinie spricht von einer Vorstufe. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft beschreiben die aktinische Keratose als frühe, auf die Oberhaut begrenzte Krebsform (Carcinoma in situ). Eng verwandt ist der Morbus Bowen, den die Leitlinie als Plattenepithelkarzinom in situ bezeichnet. An der Lippe heißt die aktinische Keratose Cheilitis actinica.
Aktinische Keratosen sind sehr häufig. Laut Patientenleitlinie sind in Deutschland schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen deswegen in hautärztlicher Behandlung. In Daten der gesetzlichen Krankenkassen hatten 27 von 1.000 Versicherten eine aktinische Keratose, Männer mit 39 von 1.000 deutlich häufiger als Frauen mit 15 von 1.000. Bei den 60- bis 70-Jährigen waren es 115 von 1.000.
Nicht verwechseln sollte man sie mit Alterswarzen (seborrhoischen Keratosen). Die tragen zwar ebenfalls „Keratose“ im Namen, sind aber gutartig und keine Krebsvorstufe. Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber zum Entfernen von Alterswarzen.
Woran erkennt man eine aktinische Keratose?
Typisch sind kleine Stellen von wenigen Millimetern bis etwa einem Zentimeter, die rau oder schuppig sind und rötlich, hautfarben oder seltener bräunlich aussehen. Manche tragen eine feste Hornauflage. Die Oberfläche fühlt sich oft an wie feines Sandpapier, und viele Betroffene ertasten eine solche Stelle, bevor sie sie sehen. Schmerzen bereiten aktinische Keratosen in der Regel nicht, gelegentlich jucken sie.
Sie entstehen dort, wo die Haut am meisten Sonne abbekommt: im Gesicht, an den Ohren, auf den Handrücken und auf der Kopfhaut, vor allem wenn das Haar dünner wird oder fehlt. An der Lippe, fast immer der Unterlippe, zeigt sich die Cheilitis actinica als trockene Schuppung mit weißlichen Auflagerungen; die Grenze zwischen Lippenrot und Haut wirkt verwaschen. Manchmal kommen Schwellung, Rötung und schmerzhafte Einrisse hinzu.
Selten bleibt es bei einer Stelle. Sind in einem Hautareal, etwa an der Stirn oder auf der Kopfhaut, mehrere aktinische Keratosen von weiteren Sonnenschäden umgeben, sprechen Fachleute von Feldkanzerisierung. Solche Schäden zeigen sich als Rötung, fleckig verstärkte oder verminderte Pigmentierung, vermehrte Fältelung und raue Oberfläche. In einem solchen Feld stecken oft weitere, noch nicht sichtbare Veränderungen, und das Risiko für ein Plattenepithelkarzinom ist dort höher.
Ursachen und Risikofaktoren
Hauptursache ist UV-Strahlung aus Sonne oder Solarium, die sich über das Leben summiert. Vor allem UV-B-Strahlung schädigt die Erbinformation der Hautzellen, bis der Körper die Schäden nicht mehr reparieren kann. Deshalb steigt das Risiko mit dem Alter.
Ein höheres Risiko haben
- Menschen mit heller Haut,
- Männer und ältere Menschen,
- Menschen mit lichter werdendem Haar oder Glatze, an der ungeschützten Kopfhaut,
- wer viele Jahre im Freien gearbeitet hat, etwa im Hochbau, als Dachdecker oder in der Landwirtschaft, oder in der Freizeit viel draußen war, zum Beispiel beim Bergsteigen, Segeln, Skifahren oder Golfen,
- Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation. Ihr Risiko für ein Plattenepithelkarzinom ist laut Patientenleitlinie bis zu 65-mal höher als bei Immungesunden, und aktinische Keratosen sprechen bei ihnen häufiger nicht ausreichend auf die Behandlung an.
Auch Medikamente können eine Rolle spielen. Die Patientenleitlinie nennt das Blutdruckmittel Hydrochlorothiazid (HCT) als Beispiel für einen Wirkstoff, der das Risiko für Plattenepithelkarzinome steigern kann. Setzen Sie ein verordnetes Medikament deshalb nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Wie hoch ist das Risiko für Hautkrebs?
Die ehrliche Antwort: Für die einzelne aktinische Keratose lässt sich das Risiko nicht verlässlich beziffern. Die S3-Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass robuste Progressionswerte fehlen. Veröffentlichte Schätzungen reichen von 0,025 bis 16 Prozent, beruhen aber auf unterschiedlich aufgebauten Studien und sind nicht als persönliche Prognose oder direkt vergleichbare Jahresrisiken zu verstehen. Eine große Untersuchung beobachtete im Mittel etwa 6 Übergänge je 1.000 Läsionen und Jahr.
Für die einzelne Stelle ist das Risiko also klein. Weil die meisten Betroffenen aber mehrere aktinische Keratosen haben, summiert es sich. Als ungünstig nennt die Leitlinie ein geschwächtes Immunsystem, eine Feldkanzerisierung und Keratosen, die auf eine Behandlung nicht ansprechen.
Aktinische Keratosen können sich auch von selbst zurückbilden, kehren dann aber oft zurück. Behandelt wird vor allem aus zwei Gründen: Eine aktinische Keratose lässt sich nicht immer sicher von einem beginnenden Plattenepithelkarzinom unterscheiden, und kein bekanntes Merkmal verrät, welche Stelle sich weiterentwickelt. Zur Einordnung gehört auch: Dass Cremes das spätere Krebsrisiko messbar senken, ist laut KBV und Arzneimittelkommission bisher nicht durch Studien belegt. Belegt ist ihre Wirkung auf die Keratosen selbst.
Entsteht doch ein Plattenepithelkarzinom, lässt es sich in der Regel vollständig operativ entfernen und damit heilen. Tochtergeschwülste bildet es nur in einem kleinen Teil der Fälle.
Wann zum Hautarzt?
Lassen Sie eine Stelle hautärztlich ansehen, wenn
- eine raue, schuppige oder gerötete Stelle auf sonnenbelasteter Haut neu auftritt und länger als etwa zwei Wochen bleibt,
- sich eine bekannte aktinische Keratose verändert: Sie wird dicker oder härter, wächst zu einem Knoten, blutet, schmerzt oder wird zu einer Wunde, die nicht abheilt. Solche Zeichen können auf ein Plattenepithelkarzinom hindeuten,
- die Lippe, meist die Unterlippe, dauerhaft schuppt, weißlich verändert ist oder die Lippengrenze verwaschen wirkt,
- eine behandelte Stelle nicht abheilt oder rasch wiederkommt,
- Sie ein geschwächtes Immunsystem haben, etwa nach einer Organtransplantation. Dann sind regelmäßige Hautkontrollen besonders wichtig.
Eine einzelne Lichtschwiele ist in aller Regel kein Notfall. Verhärtet sich eine Stelle aber, blutet sie oder wächst sie zu einem Knoten, nennen Sie bei der Terminvereinbarung ausdrücklich den Verdacht auf Hautkrebs. Ohne konkreten Anlass können gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre das kostenlose Hautkrebs-Screening nutzen, bei dem die gesamte Haut untersucht wird.
Diagnose: meist ein Blick, manchmal eine Gewebeprobe
Meist erkennt die Hautärztin oder der Hautarzt eine aktinische Keratose beim Ansehen und Abtasten, in der Regel bei einer Untersuchung der gesamten Haut. Eine typische aktinische Keratose braucht laut Leitlinie keine Gewebeprobe. Erzählen Sie, wo Ihnen neue oder veränderte Stellen aufgefallen sind, ob Sie beruflich oder in der Freizeit viel in der Sonne waren und welche Medikamente Sie nehmen. Bei unklaren Befunden helfen das Dermatoskop, eine beleuchtete Lupe, oder Verfahren wie die konfokale Lasermikroskopie, die die Haut stark vergrößert zeigen. Manchmal lässt sich so eine Gewebeprobe vermeiden.
Eine Gewebeprobe soll entnommen werden, wenn der Befund unklar ist oder eine aktinische Keratose trotz Behandlung bestehen bleibt, ebenso bei Verdacht auf Cheilitis actinica, Morbus Bowen oder ein Plattenepithelkarzinom. Sie wird in örtlicher Betäubung gewonnen und im Labor feingeweblich untersucht. Für die Planung der Behandlung zählt vor allem, ob es einzelne oder viele Keratosen sind, ob eine Feldkanzerisierung vorliegt und ob das Immunsystem geschwächt ist.
Behandlung nach S3-Leitlinie
Maßgeblich ist in Deutschland die S3-Leitlinie „Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut“ des Leitlinienprogramms Onkologie (AWMF-Registernummer 032/022OL), Version 2.0/2.01 mit Stand Dezember 2022 und einer angegebenen Gültigkeit bis 30. Dezember 2027; Kurzfassungen erschienen 2023. Eine neuere Fassung haben wir bei unserer Recherche im Oktober 2026 nicht gefunden.
Die Leitlinie unterscheidet „soll“ (starke Empfehlung), „sollte“ (Empfehlung) und „kann“ (offene Empfehlung). Für die meisten Verfahren gegen aktinische Keratosen lautet die Empfehlung „sollte“: Es gibt nicht die eine richtige Behandlung, sondern mehrere empfohlene Wege mit eigenen Vor- und Nachteilen.
Läsionsgerichtete Verfahren behandeln gezielt die einzelne sichtbare Stelle. Feldgerichtete Verfahren behandeln eine ganze Fläche und erfassen dabei auch Veränderungen, die man noch nicht sieht. Welcher Weg passt, hängt von Zahl, Größe und Lage der Keratosen ab, von Vorerkrankungen und von Ihren Wünschen, etwa ob Ihnen ein einzelner Praxistermin lieber ist als eine Creme, die Sie wochenlang zu Hause auftragen. Weil keine Methode bei allen Behandelten alle Keratosen beseitigt, empfiehlt die Leitlinie, Verfahren zu kombinieren oder nacheinander einzusetzen, zum Beispiel eine unklare Stelle zuerst abzutragen und feingeweblich zu untersuchen und danach die Umgebung mit einer Creme zu behandeln.
Einzelne Stellen: Vereisung, Abtragung, Laser
Vereisung (Kryochirurgie). Flüssiger Stickstoff wird auf die Stelle gesprüht oder mit einer Sonde aufgebracht, meist in ein oder zwei Durchgängen von etwa 15 bis 60 Sekunden. Eine Betäubung ist meist nicht nötig. Das vereiste Gewebe stirbt ab und wird abgestoßen; die Wunde heilt in der Regel in ein bis zwei Wochen. Vorübergehend kommt es zu Rötung, Blasen, Schwellung und Krusten. Bleibend kann die Stelle heller abheilen als die Umgebung, weshalb sich die Vereisung vor allem für Keratosen außerhalb des Gesichts eignet. In Übersichtsarbeiten heilten die aktinischen Keratosen bei 25 bis 90 von 100 Behandelten vollständig ab. Empfehlung: sollte, bei einzelnen und mehreren Keratosen.
Abtragung und Operation. Bei der Kürettage oder Shave-Exzision wird die Keratose mit einem scharfen Löffel oder Skalpell flach abgetragen; die Kruste fällt nach ein bis zwei Wochen ab. Ist unklar, ob schon ein invasives Karzinom vorliegt, wird die Stelle vollständig herausgeschnitten. Der große Vorteil: Das Gewebe wird feingeweblich untersucht, die Diagnose ist danach gesichert. Der Eingriff erfolgt meist in örtlicher Betäubung. Nach Einschätzung der Leitliniengruppe ist die Erfolgsaussicht hoch; vergleichende Studien gibt es kaum. Empfehlung: sollte, bei einzelnen Keratosen. Mögliche Folgen sind Blutung, Wundinfektion, Wundheilungsstörung und eine Narbe.
Laser und Peeling. Abtragende Laser wie der CO₂- oder Erbium:YAG-Laser können eingesetzt werden; Vergleichsstudien sind rar, und in einigen schnitt die Vergleichsbehandlung besser ab. Chemische Peelings sind ebenfalls eine Kann-Option, wirken aber schwächer.
Viele Stellen und Felder: Cremes, Gele und Lösungen
Diese Mittel werden ärztlich verordnet, und Sie tragen sie nach Anleitung zu Hause auf. Alle hier genannten haben die Empfehlung „sollte“.
| Wirkstoff | Anwendung | Vollständige Abheilung in Studien |
|---|---|---|
| 5-Fluorouracil 5 % (Creme) | 2-mal täglich, bis zu 4 Wochen | 38 bis 96 von 100 |
| 5-Fluorouracil 4 % (Creme) | 1-mal täglich, 4 Wochen | ähnlich wie 5 %, weniger Nebenwirkungen |
| 5-Fluorouracil 0,5 % mit Salicylsäure 10 % (Lösung) | 1-mal täglich, bis zu 12 Wochen | 33 bis 55 von 100 |
| Diclofenac 3 % (Gel) | 2-mal täglich, bis zu 12 Wochen | 27 bis 50 von 100 |
| Imiquimod 5 % (Creme) | 3-mal pro Woche über Nacht, 4 Wochen; nach 4 Wochen Pause ggf. zweiter Durchgang | 34 bis 85 von 100 |
| Imiquimod 3,75 % (Creme) | täglich 2 Wochen, 2 Wochen Pause, erneut 2 Wochen | 34 bis 36 von 100 |
| Tirbanibulin 1 % (Salbe) | 1-mal täglich an 5 Tagen | 44 bis 54 von 100 |
Die Zahlen geben an, bei wie vielen Behandelten in Studien alle behandelten Keratosen verschwunden waren. Weil die Studien sehr unterschiedlich angelegt waren, eignen sie sich nicht für einen direkten Vergleich der Mittel.
Rechnen Sie bei den meisten Cremes mit einer deutlichen Hautreaktion: Rötung, Schwellung, Juckreiz, Brennen, oberflächliche Wunden und Krusten. Das ist eine erwartete Reaktion auf die Behandlung. Unter 5-Fluorouracil klingt sie etwa zwei bis vier Wochen nach dem Ende der Anwendung ab. Unter Imiquimod treten selten grippeähnliche Beschwerden auf. Während einer Behandlung mit Diclofenac-Gel sollten Sie Sonne meiden, weil die Haut lichtempfindlicher wird. Tirbanibulin reizt die Haut meist milder; in den Studien hatten nach einem Jahr aber etwa zwei von drei Menschen, deren Keratosen zunächst abgeheilt waren, wieder neue.
Wichtig bei 5-Fluorouracil, auch als Creme: Das Gürtelrose-Medikament Brivudin darf nicht gleichzeitig angewendet werden, und nach einer Brivudin-Einnahme müssen laut Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) mindestens vier Wochen vergehen. Die Kombination kann lebensgefährlich sein; Näheres im Ratgeber zur Gürtelrose.
Nicht mehr empfohlen wird Ingenolmebutat, das bis 2020 erhältlich war: Nach seiner Anwendung traten in der Langzeitbeobachtung deutlich mehr Plattenepithelkarzinome auf. Eine frei verkäufliche Kaliumhydroxid-Lösung kann laut Leitlinie angewendet werden, ihre Wirksamkeit ist aber nicht abschließend beurteilbar. Behandeln Sie bitte keine Stelle auf eigene Faust, bevor sie ärztlich angesehen wurde.
Photodynamische Therapie (PDT)
Bei der PDT wird eine Creme mit dem Wirkstoff Aminolävulinsäure oder deren Methylester auf die betroffene Haut aufgetragen. Die Substanz reichert sich in den veränderten Zellen an und macht sie lichtempfindlich. Anschließendes Licht zerstört sie gezielt. Meist wird die PDT feldgerichtet eingesetzt und eignet sich deshalb besonders für größere, sonnengeschädigte Flächen.
Rotlicht-PDT in der Praxis. Die Creme wirkt etwa drei Stunden unter einem lichtdichten Verband ein, für einzelne Stellen gibt es auch ein wirkstoffhaltiges Pflaster. Danach wird die Haut etwa zehn Minuten mit Rotlicht beleuchtet. Das kann schmerzen, deshalb bekommen Sie in der Regel etwa eine Stunde vorher ein Schmerzmittel. Danach ist die Haut gerötet wie nach einem Sonnenbrand, es können Blasen und Krusten entstehen; Narben oder helle Flecken sind selten. In Studien heilten die Keratosen bei 27 bis 90 von 100 Behandelten vollständig ab. Bei Bedarf wird die PDT nach einigen Wochen bis Monaten wiederholt. Empfehlung: sollte, auch bei geschwächtem Immunsystem und an der Lippe.
Tageslicht-PDT. Hier ersetzt natürliches Tageslicht die Lampe. Nach einem Sonnenschutzmittel und dem vorsichtigen Entfernen von Krusten wird die Creme dünn aufgetragen. Innerhalb von 30 Minuten gehen Sie für zwei Stunden ins Freie, bei jedem Wetter, das einen Aufenthalt draußen erlaubt. Alternativ beleuchtet die Praxis mit einer speziellen Tageslichtlampe. Die Wirksamkeit ist in Studien mit der Rotlicht-PDT vergleichbar, die Behandlung schmerzt aber weniger. Empfehlung: sollte.
Nach jeder PDT ist die behandelte Haut besonders lichtempfindlich. Schützen Sie sie laut Krebsinformationsdienst in den folgenden zwei Tagen sorgfältig vor Sonne.
Bei geschwächtem Immunsystem und an der Lippe
Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach einer Organtransplantation, sind weniger Mittel untersucht und zugelassen. Die Leitlinie empfiehlt hier vor allem die Rotlicht-PDT oder Diclofenac-Gel; operative Verfahren kommen ebenfalls infrage. Imiquimod 5 % kann angeboten werden, ist für diese Gruppe aber nicht offiziell zugelassen.
Bei einer Cheilitis actinica soll zuerst eine Gewebeprobe Klarheit schaffen. Empfohlen wird unter anderem die PDT mit Rotlicht oder Tageslicht. Ist das Lippenrot flächig betroffen, soll auch die operative Entfernung des Lippenrots angeboten werden. Danach heilt die Lippe bei fast allen Behandelten ab; bei 10 bis 33 von 100 kommt es aber zu Gefühlsstörungen an der Lippe.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Die Behandlung einer aktinischen Keratose ist keine Kosmetik, sondern medizinisch begründet. Für gesetzlich Versicherte ergibt sich daraus folgendes Bild:
| Leistung | Gesetzlich Versicherte |
|---|---|
| Untersuchung, Gewebeprobe, feingewebliche Untersuchung | Kassenleistung |
| Vereisung, Kürettage, Operation | in der Regel Kassenleistung |
| Cremes, Gele, Lösungen auf Rezept | Kassenleistung; Zuzahlung 10 % des Preises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro pro Packung |
| Tageslicht-PDT | Wirkstoff laut KBV auf Kassenrezept verordnungsfähig; Kosten für die Durchführung vorher klären |
| Rotlicht-PDT | keine Regelleistung; bei einigen Kassen über Sonderverträge, sonst in der Regel Selbstzahlerleistung |
| Laser | Kostenübernahme vorher mit der Kasse klären |
Zur Rotlicht-PDT halten KBV und Arzneimittelkommission fest, dass die Wirkstoffe bei Anwendung mit Rotlicht als Teil einer vom Gemeinsamen Bundesausschuss nicht bewerteten Methode keine Kassenleistung sind. Ob Ihre Kasse die Behandlung über einen Sondervertrag dennoch übernimmt, erfahren Sie nur dort.
Die Leitlinie enthält Kostenkategorien aus dem Jahr 2021. Sie bilden weder heutige Preise noch den Eigenanteil gesetzlich Versicherter verlässlich ab. Lassen Sie sich für Selbstzahlerleistungen die voraussichtlichen Kosten vorab schriftlich nennen und fragen Sie nach Kassenalternativen. Privatversicherte klären die Erstattung mit ihrem Tarif; bei anerkannter Berufskrankheit übernimmt die gesetzliche Unfallversicherung die medizinisch erforderlichen Leistungen im Zusammenhang mit der Berufskrankheit.
Aktinische Keratose als Berufskrankheit (BK 5103)
Seit dem 1. Januar 2015 können Plattenepithelkarzinome und multiple aktinische Keratosen durch natürliche UV-Strahlung als Berufskrankheit Nr. 5103 anerkannt werden; dazu zählt auch der Morbus Bowen. Als multipel gelten nach den Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mehr als fünf aktinische Keratosen innerhalb von zwölf Monaten oder eine Feldkanzerisierung auf einer zusammenhängenden Fläche von mehr als 4 cm².
Typisch betroffen sind etwa Bauarbeiter im Hochbau, Dachdecker, Beschäftigte in Landwirtschaft und Gartenbau sowie Menschen, die beruflich lange in sonnenreichen Ländern tätig waren. Als Orientierung für eine langjährige Belastung nennt die DGUV zum Beispiel 18 Jahre Arbeit im Freien bei einem Alter von 60 Jahren oder 21 Jahre bei einem Alter von 70 Jahren. Ob die Voraussetzungen im Einzelfall erfüllt sind, prüft der Unfallversicherungsträger.
Erzählen Sie Ihrer Hautärztin oder Ihrem Hautarzt deshalb von Ihrer Arbeit im Freien. Besteht der Verdacht auf eine Berufskrankheit, meldet die Praxis ihn an den zuständigen Unfallversicherungsträger. Wird die Berufskrankheit anerkannt, übernimmt und koordiniert die Unfallversicherung die medizinisch erforderlichen Leistungen im Zusammenhang mit der anerkannten Berufskrankheit. Fragen beantwortet die Infoline der gesetzlichen Unfallversicherung unter 0800 6050404. Wie in unserem Ratgeber zum Basaliom beschrieben, gilt das nicht für Basalzellkarzinome und Melanome: Sie sind von der BK 5103 nicht erfasst.
Nachsorge und Selbstkontrolle
Auch nach erfolgreicher Behandlung entstehen oft neue aktinische Keratosen, denn die sonnengeschädigte Haut bleibt. Hautareale mit Feldkanzerisierung sollten laut Patientenleitlinie regelmäßig ärztlich kontrolliert werden. Einen festen Kontrollplan nur für aktinische Keratosen nennen die von uns ausgewerteten Leitlinientexte nicht; wie oft Sie kommen sollten, legt Ihre Hautärztin oder Ihr Hautarzt individuell fest. Nach einem Plattenepithelkarzinom richtet sich die Nachsorge ausdrücklich auch nach der Zahl der aktinischen Keratosen.
Zwischen den Terminen hilft das eigene Tasten: Raue Stellen an Stirn, Ohren, Kopfhaut oder Handrücken spürt man oft früher, als man sie sieht. Bleibt eine Stelle trotz Behandlung bestehen oder verändert sie sich, gehört sie erneut angesehen, notfalls mit Gewebeprobe.
UV-Schutz: Was Sie selbst tun können
Gegen bestehende Sonnenschäden hilft UV-Schutz nicht mehr, gegen neue schon. Der Krebsinformationsdienst empfiehlt eine klare Reihenfolge:
- Intensive Sonne meiden und Schatten suchen.
- Kleidung tragen: lange, lichtundurchlässige Kleidung, eine Kopfbedeckung und eine Sonnenbrille. Bei lichtem Haar oder Glatze ist die Kopfbedeckung besonders wichtig, denn ungeschützte Kopfhaut ist ein typischer Ort für aktinische Keratosen.
- Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor nur für die Stellen, die sich nicht anders bedecken lassen.
Auf Solarien sollten Sie verzichten, denn auch künstliches UV-Licht steigert das Hautkrebsrisiko. Wer im Freien arbeitet, sollte Sonnenschutz auch am Arbeitsplatz einfordern. Die DGUV nennt als Maßnahmen etwa, Arbeiten in sonnenärmere Tageszeiten zu verlegen, schützende Kleidung zu tragen und Hautschutzmittel zu nutzen.
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Verwandte Behandlungen
Quellen
- Leitlinienprogramm Onkologie / Deutsche Krebshilfe: Patientenleitlinie Plattenepithelkarzinom der Haut und Vorstufen (Stand Dezember 2022, auf Basis der S3-Leitlinie Version 2.0) (abgerufen 2026-10-20)
- Heppt MV, Leiter U et al.: S3-Leitlinie Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut, Update 2023, Teil 1 (Therapie der aktinischen Keratose, Cheilitis actinica, Berufskrankheit). JDDG 2023, open access (abgerufen 2026-10-20)
- Leiter U, Heppt MV et al.: S3-Leitlinie Aktinische Keratose und Plattenepithelkarzinom der Haut, Update 2023, Teil 2 (Epidemiologie, Diagnostik, Nachsorge, Prävention). JDDG 2023, open access (abgerufen 2026-10-20)
- KBV und Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Wirkstoff AKTUELL – Topische Wirkstoffe bei aktinischer Keratose (Ausgabe 01/2023) (abgerufen 2026-10-20)
- DGUV BK-Info: Berufskrankheit Nr. 5103 (Plattenepithelkarzinome oder multiple aktinische Keratosen durch natürliche UV-Strahlung) (abgerufen 2026-10-20)
- DGUV: Hautkrebs durch arbeitsbedingte UV-Strahlung (abgerufen 2026-10-20)
- Krebsinformationsdienst (DKFZ): Hautkrebs erkennen – Symptome (abgerufen 2026-10-20)
- Krebsinformationsdienst (DKFZ): Weißer Hautkrebs – Behandlung (abgerufen 2026-10-20)
- Krebsinformationsdienst (DKFZ): Hautkrebs vorbeugen (abgerufen 2026-10-20)
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Weißer Hautkrebs (abgerufen 2026-10-20)
- Bundesgesundheitsministerium: Zuzahlung und Erstattung von Arzneimitteln (abgerufen 2026-10-20)
- BfArM: Rote-Hand-Brief zu Brivudin – potenziell tödliche Toxizität von Fluoropyrimidinen (auch topisches 5-Fluorouracil) innerhalb von 4 Wochen (abgerufen 2026-10-20)
- Beispiel eines Kassen-Sondervertrags: Heimat Krankenkasse – Photodynamische Therapie bei aktinischer Keratose (abgerufen 2026-10-20)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.