
Hyperhidrose (starkes Schwitzen): Ursachen, Behandlung & Kosten
Ab wann starkes Schwitzen als Hyperhidrose gilt, wie sich die primäre von der sekundären Form unterscheidet, welche Warnzeichen ärztlich abgeklärt gehören, wie nach Leitlinie stufenweise behandelt wird – vom Aluminiumchlorid über Iontophorese und Botulinumtoxin bis zur Operation – und was die Krankenkasse zahlt.
Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 20.10.2026
Starkes Schwitzen gilt als Hyperhidrose, wenn der Körper deutlich mehr Schweiß bildet, als er zum Abkühlen braucht, und das Ihren Alltag einschränkt. Die eigenständige, primäre Form betrifft in Deutschland nach Studiendaten rund 4,6 Prozent der Menschen. Sie beginnt meist im Jugendalter und zeigt sich an Achseln, Händen, Füßen oder im Gesicht. Eine zugrunde liegende Krankheit gibt es dabei nicht, belastend kann sie trotzdem sehr sein. Davon zu unterscheiden ist die sekundäre Hyperhidrose, hinter der eine andere Ursache steckt: etwa die Wechseljahre, eine Schilddrüsenerkrankung, ein Infekt oder ein Medikament. Behandelt wird in Stufen, meist zuerst mit einem Aluminiumchlorid-Präparat, das abends aufgetragen wird. An Händen und Füßen folgt häufig die Leitungswasser-Iontophorese, in den Achseln Botulinumtoxin; Operationen stehen ganz am Ende. Schwitzen Sie neu, am ganzen Körper oder vor allem nachts, lassen Sie das zuerst ärztlich abklären.
Wann zum Arzt? Warnzeichen bei starkem Schwitzen
Passt das Schwitzen nicht zum typischen Bild der primären Hyperhidrose, kann eine behandelbare Grunderkrankung dahinterstecken. Gehen Sie dann zeitnah in Ihre hausärztliche Praxis:
- Das Schwitzen beginnt erst im Erwachsenenalter oder betrifft plötzlich den ganzen Körper.
- Sie wachen regelmäßig nachts schweißgebadet auf, besonders zusammen mit Fieber oder ungewolltem Gewichtsverlust. Diese Kombination, oft B-Symptome genannt, kann auf eine Infektion wie Tuberkulose oder auf eine Tumorerkrankung hinweisen. Nicht jeder Nachtschweiß ist ein Alarmzeichen, abklären lassen sollten Sie ihn trotzdem.
- Nur eine Körperseite schwitzt auffällig, etwa nur eine Hand oder eine Gesichtshälfte.
- Neue Beschwerden kommen hinzu, etwa Herzklopfen, Zittern oder eine Gewichtsveränderung ohne erkennbaren Grund.
- Das Schwitzen hat nach Beginn eines neuen Medikaments angefangen. Setzen Sie das Mittel nicht eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit der Praxis, die es verordnet hat.
- Sie haben Diabetes und schwitzen plötzlich stark: Dahinter kann eine Unterzuckerung stecken.
Sofort den Notruf 112 wählen sollten Sie, wenn kalter Schweiß zusammen mit Druck, Enge oder Brennen in der Brust, Atemnot, Übelkeit oder starker Angst auftritt. Das können Zeichen eines Herzinfarkts sein.
Ohne solche Warnzeichen ist die Hautarztpraxis die richtige Adresse, sobald das Schwitzen Sie im Alltag, im Beruf oder im Kontakt mit anderen einschränkt. Einen Mindestwert, ab dem sich eine Behandlung „lohnt“, gibt es nicht. Entscheidend ist, wie sehr Sie darunter leiden.
Primär oder sekundär: was hinter starkem Schwitzen steckt
Schwitzen ist lebenswichtig. Verdunstender Schweiß entzieht der Haut Wärme und schützt so vor Überhitzung; an heißen Tagen oder beim Sport können mehrere Liter am Tag zusammenkommen. Von Hyperhidrose sprechen Fachleute erst, wenn die Schweißbildung über das hinausgeht, was die Wärmeregulation erfordert. Die Leitlinie definiert sie deshalb nicht über eine bestimmte Menge, sondern über die Fehlfunktion.
Primäre Hyperhidrose. Hier lässt sich keine andere Erkrankung als Auslöser finden. Die Schweißdrüsen sind weder vermehrt noch vergrößert, sie werden über das vegetative Nervensystem überstimuliert. Warum das so ist, ist nicht geklärt. In 30 bis 65 Prozent der Fälle gibt es weitere Betroffene in der Familie. Typisch sind:
- Beginn in Kindheit oder Jugend, meist vor dem 25. Lebensjahr; an den Händen oft schon vor der Pubertät
- Schweißausbrüche unabhängig von der Temperatur, unvorhersehbar und nicht willentlich zu steuern
- beide Körperseiten gleichmäßig betroffen, an einer oder mehreren typischen Stellen
- mehr als einmal pro Woche, mit spürbaren Einschränkungen im Alltag
- kein vermehrtes Schwitzen im Schlaf
Die primäre Form ist häufig auf Pubertät und frühes Erwachsenenalter begrenzt und lässt danach oft nach. Die Leitlinie empfiehlt, das zu bedenken, bevor man sich für einen dauerhaften Eingriff entscheidet.
Sekundäre Hyperhidrose. Sie ist die Folge einer anderen Ursache, zeigt sich eher an Kopf und Gesicht oder am ganzen Körper und wird mit dem Alter häufiger, besonders nach dem 60. Lebensjahr. Mögliche Auslöser sind unter anderem:
- Hormone und Stoffwechsel: Wechseljahre, Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse, Diabetes und Unterzuckerung
- Infektionen wie Grippe, Tuberkulose oder HIV
- starkes Übergewicht ab einem Body-Mass-Index von 30
- Medikamente, darunter bestimmte Antidepressiva, Insulin, Opioide oder Tamoxifen
- Alkohol- und Drogenkonsum, außerdem scharfes Essen
- neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Nervenschäden (Polyneuropathie), Folgen eines Schlaganfalls
- Angststörungen und Depressionen
- bestimmte Tumorerkrankungen
Bei der sekundären Hyperhidrose wird in erster Linie die Ursache behandelt. Ergänzend lässt sich das Schwitzen selbst mit denselben Mitteln angehen wie bei der primären Form.
Achseln, Hände, Füße, Kopf: wo starkes Schwitzen auftritt
Die primäre Hyperhidrose bevorzugt Körperstellen mit besonders vielen Schweißdrüsen. Am häufigsten sind die Achseln betroffen (30 bis 60 Prozent der Betroffenen), gefolgt von Handflächen und Fußsohlen (jeweils 10 bis 40 Prozent) sowie Stirn, Kopfhaut und Gesicht (10 bis 20 Prozent). Viele Menschen haben mehrere Stellen zugleich, auch die Leiste kann betroffen sein.
Wie stark die Beschwerden sind, ordnen Ärztinnen und Ärzte grob in drei Grade ein. Bei leichter Hyperhidrose ist die Haut deutlich feucht, unter den Achseln bilden sich Schweißflecken von 5 bis 10 Zentimetern. Bei mittlerer Ausprägung stehen Schweißperlen auf der Haut, die Flecken erreichen 10 bis 20 Zentimeter. Bei starker Hyperhidrose tropft der Schweiß ab; an Händen und Füßen sind dann auch Finger- und Zehenrücken und die seitlichen Ränder nass.
Schwitzen an Kopf und Gesicht verdient einen genaueren Blick, weil die sekundäre Form sich bevorzugt dort oder am ganzen Körper zeigt. Dauerhaft nasse Füße haben eine eigene Folge: Die aufgeweichte Haut begünstigt Fußpilz, Warzen und andere Hautinfektionen. Wer neben dem Schwitzen also auch juckende Zehenzwischenräume oder hartnäckige Warzen an den Fußsohlen hat, sollte beides ansprechen.
Diagnostik beim Hautarzt: Gespräch, Minor-Test, Gravimetrie
Die Diagnose beruht vor allem auf dem Gespräch und der Untersuchung. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt, seit wann, wie oft und wo Sie schwitzen, ob es nachts auftritt, welche Medikamente Sie nehmen, welche Vorerkrankungen bestehen und ob es in der Familie ähnliche Fälle gibt. Einen Labor- oder Messwert, der eine Hyperhidrose beweist oder ausschließt, gibt es nicht. Passt die Vorgeschichte klar zur primären Form, sind Blutuntersuchungen oder Bildgebung laut Leitlinie nicht routinemäßig nötig; eine routinemäßige Hormonbestimmung hält sie für überholt. Deutet etwas auf eine sekundäre Ursache hin, folgen gezielte Untersuchungen, etwa von Blutzucker oder Schilddrüsenwerten.
Ergänzend gibt es zwei Tests:
- Jod-Stärke-Test nach Minor: Die Haut wird mit Jodlösung bestrichen und mit Stärkepuder bestäubt. Wo Schweiß austritt, färbt sie sich dunkel bis violett. Der Test zeigt, wo Sie schwitzen, aber nicht, wie viel. Er wird vor allem genutzt, wenn das betroffene Areal nicht eindeutig ist.
- Gravimetrie: Ein Filterpapier nimmt über eine festgelegte Zeit, meist fünf Minuten, den Schweiß auf und wird anschließend auf einer Feinwaage gewogen. Als auffällig gelten Werte über etwa 20 Milligramm pro Minute an den Handflächen und über 50 Milligramm pro Minute in der Achsel. Allgemein anerkannte Grenzwerte gibt es aber nicht, und weil die Schweißmenge im Tagesverlauf schwankt, sagt ein einzelner Messwert nur begrenzt etwas aus.
Mindestens so wichtig wie die Schweißmenge ist die Belastung im Alltag. Praxen erfassen sie mit Fragebögen, etwa der Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS). Dort schätzen Sie auf einer Skala von 1 bis 4 ein, wie sehr das Schwitzen Sie stört: Stufe 1 bedeutet, es fällt nie auf, Stufe 4, es ist unerträglich und schränkt Sie ständig ein. Etwa die Hälfte der Betroffenen berichtet in Studien über eine verminderte Lebensqualität und wünscht sich eine Behandlung.
Behandlung nach Leitlinie: das Stufenschema
Grundlage ist die S1-Leitlinie „Definition und Therapie der primären Hyperhidrose“ der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Stand Februar 2023 und gültig bis Februar 2028. S1 heißt: Die Empfehlungen beruhen auf dem Konsens einer Expertengruppe, nicht auf einer systematischen Auswertung aller Studien. Eine einheitliche internationale Leitlinie gibt es nicht, und für viele Verfahren liegen laut einer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt nur wenige hochwertige Studien vor.
Das Prinzip: Man beginnt mit äußerlichen Mitteln und wechselt zur nächsten Stufe, wenn eine Behandlung nicht ausreicht oder nicht vertragen wird. Manche Verfahren lassen sich kombinieren. Die Reihenfolge ist eine Orientierung, die im Einzelfall angepasst werden kann.
| Region | Zuerst | Wenn das nicht reicht | Letzte Möglichkeit |
|---|---|---|---|
| Achseln | Aluminiumchlorid, Glycopyrronium-Creme | Botulinumtoxin A, Tabletten, Wärmeverfahren | Saugkürettage der Schweißdrüsen |
| Hände | Aluminiumchlorid, Leitungswasser-Iontophorese | Botulinumtoxin A (off-label), Tabletten | Operation am Sympathikus-Nerv |
| Füße | Aluminiumchlorid, Leitungswasser-Iontophorese | Botulinumtoxin A (off-label), Tabletten | Operation am Sympathikus-Nerv |
| Kopf und Gesicht | Aluminiumchlorid, Tabletten | Botulinumtoxin A (off-label) | Operation am Sympathikus-Nerv |
| ganzer Körper | Tabletten | ergänzend äußerliche Mittel oder Botulinumtoxin | – |
Aluminiumchlorid: der erste Schritt
Aluminiumchlorid-Hexahydrat verschließt vorübergehend die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen. Es steckt in Rollern, Lösungen und Cremes mit 10 bis 30 Prozent Wirkstoff und ist an allen Körperstellen die erste Wahl. Damit es wirkt, kommt es auf die Anwendung an:
- Abends auftragen, auf trockene Haut. Menschen mit primärer Hyperhidrose schwitzen nachts kaum, so kann das Mittel über Nacht einwirken.
- Geduld haben: Die Wirkung setzt verzögert ein, ein Versuch sollte über mehrere Wochen laufen.
- Haut schonen: nicht direkt nach der Rasur oder auf gereizte Haut auftragen; in den Achseln keine alkoholischen Lösungen verwenden.
Juckreiz, Brennen und Hautreizungen sind häufig, vor allem in Hautfalten. Zur Sorge um Brustkrebs oder Alzheimer: Laut Leitlinie gibt es keine epidemiologischen Studien, die ein erhöhtes Risiko durch aluminiumhaltige Mittel auf der Haut zeigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den täglichen Gebrauch aluminiumhaltiger Antitranspirantien nach derzeitigem Wissen für unwahrscheinlich.
Glycopyrronium-Creme für die Achseln
Anticholinergika blockieren den Botenstoff Acetylcholin, über den die Nerven die Schweißdrüsen anregen. Seit 2022 ist in Deutschland eine Creme mit dem Wirkstoff Glycopyrroniumbromid zugelassen, und zwar für Erwachsene mit schwerer primärer Hyperhidrose der Achseln. Auch sie wird abends aufgetragen. Geprüft wurde sie gegen ein Scheinpräparat; Vergleichsstudien mit Aluminiumchlorid oder Botulinumtoxin fehlen. Der Gemeinsame Bundesausschuss sah 2023 deshalb keinen belegten Zusatznutzen gegenüber Aluminiumchlorid oder Iontophorese, und die Leitlinie schreibt, die Creme müsse sich im klinischen Alltag noch bewähren. Möglich sind Mundtrockenheit und Hautreaktionen. Gelangt Wirkstoff ins Auge, kann sich die Pupille vorübergehend erweitern. Waschen Sie sich nach dem Auftragen deshalb gründlich die Hände.
Leitungswasser-Iontophorese für Hände und Füße
Bei der Iontophorese legen Sie Hände oder Füße in flache Wasserschalen, durch die ein schwacher Gleichstrom fließt. Wie genau das wirkt, ist nicht abschließend geklärt. Nach einer Einweisung führen Sie die Behandlung meist zu Hause mit einem eigenen Gerät durch. Anfangs sind mehrere Sitzungen pro Woche von je 20 bis 30 Minuten nötig; sobald die Wirkung eintritt, reichen oft ein bis zwei pro Woche. Hören Sie auf, kehrt das Schwitzen innerhalb einiger Wochen zurück, die Iontophorese ist also eine Dauertherapie. Für die Handflächen ist die Wirksamkeit in Studien belegt: In einer kleinen kontrollierten Studie besserte sich das Schwitzen bei 79 Prozent der Behandelten, allerdings auch bei 31 Prozent mit Scheinbehandlung. In den Achseln ist die Methode umständlicher und schlechter untersucht.
Möglich sind Kribbeln, Schmerzen, Rötungen und kleine Bläschen. Bei aktiven Implantaten wie Herzschrittmachern sowie bei Metallimplantaten im Elektrodenbereich darf die Iontophorese nur nach Rücksprache mit Geräte- und Implantathersteller angewendet werden. Offene oder akut entzündete Haut im Elektrodenbereich ist eine Gegenanzeige; in der Schwangerschaft gelten die Vorgaben des jeweiligen Geräts und die ärztliche Rücksprache.
Botulinumtoxin A
Botulinumtoxin hemmt für mehrere Monate die Nervensignale an die Schweißdrüsen. Es wird mit einer feinen Nadel in die Haut gespritzt: in jeder Achsel an etwa 15 bis 20 Punkten, an Händen und Füßen an etwa 40 bis 50 Punkten, dort meist mit Betäubung. Die Leitlinie nennt es die am besten untersuchte Therapie der fokalen Hyperhidrose; in den Achseln reichen meist ein bis zwei Behandlungen pro Jahr. Zugelassen ist es in Deutschland nur für die Achseln, wenn äußerliche Mittel nicht ausreichen. An Händen, Füßen und im Gesicht wird es außerhalb der Zulassung (off-label) eingesetzt. An den Händen kann die Griffkraft vorübergehend nachlassen; wer feinmotorisch arbeitet, sollte das vorher ansprechen. Ablauf, Nebenwirkungen und Wirkdauer beschreibt unser Ratgeber zur Behandlung mit Botulinumtoxin ausführlich.
Tabletten: Anticholinergika und Salbei
Tabletten wirken im ganzen Körper. Sie kommen vor allem bei Schwitzen am ganzen Körper oder im Gesicht infrage, sonst eher ergänzend oder bei Bedarf, etwa vor einem wichtigen Termin, weil sie das Schwitzen für einige Stunden dämpfen. Der Wirkstoff Methantheliniumbromid ist ab 12 Jahren für anhaltende primäre Hyperhidrose der Achseln zugelassen, wenn äußerliche Mittel nicht ausreichen. Oxybutynin wird außerhalb der Zulassung verwendet. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Probleme beim Scharfsehen, Herzrasen, Beschwerden beim Wasserlassen und Konzentrationsstörungen. Sie können dazu führen, dass die Dosis gesenkt oder die Behandlung abgebrochen werden muss. Rezeptfreie Salbeitabletten wurden nicht in kontrollierten Studien geprüft. Die meisten Betroffenen mit örtlich begrenztem Schwitzen berichten laut Leitlinie über keine oder eine unzureichende Wirkung.
Wärmeverfahren: Radiofrequenz, Mikrowelle, Ultraschall
Diese Geräte zerstören Schweißdrüsen in der Achsel durch Hitze, meist in örtlicher Betäubung. Die Wärme wirkt nicht nur auf die Drüsen, sondern kann auch Nerven und Fettgewebe schädigen. Deshalb werden die Verfahren nur in den Achseln eingesetzt. Ihre Studienlage ist laut Leitlinie deutlich schlechter als bei Botulinumtoxin: überwiegend kleine Studien ohne Vergleichsgruppe, kaum Daten über mehr als ein Jahr. Am besten untersucht ist die Radiofrequenz mit Mikronadeln, die mehrere Sitzungen braucht. Zur Mikrowellen-Thermolyse gibt es weniger Studien, und die meisten Berichte über schwere Nebenwirkungen betreffen sie: Vor allem bei schlanken Menschen wurden teils erhebliche Nervenschäden beschrieben, selten mit einer Armschwäche über Monate.
Operationen
Bleibt alles andere ohne ausreichende Wirkung, kommen Eingriffe infrage. In der Achsel werden die Schweißdrüsen über wenige kleine Schnitte von der Unterseite der Haut abgeschabt und abgesaugt (Saugkürettage), meist in örtlicher Betäubung. Möglich sind Blutergüsse, Wundheilungsstörungen und Ansammlungen von Lymphflüssigkeit; die Wirkung kann nach einigen Jahren nachlassen. Das früher übliche großflächige Ausschneiden der Achselhaut wird wegen der Narben nur noch im Einzelfall gemacht.
Gegen sehr nasse Hände kann der sympathische Grenzstrang im Brustkorb in einer Schlüssellochoperation durchtrennt oder mit einem Clip blockiert werden (Sympathektomie). Ziel ist, dass die Hände direkt danach trocken sind; das Schwitzen kann nach einigen Wochen aber abgeschwächt zurückkehren. Der Preis ist hoch: In Studien entwickelten 76 bis 90 Prozent der Operierten ein kompensatorisches Schwitzen an anderen Körperstellen, etwa jede fünfte Person in starker Form. Selten kommt es zu einem Horner-Syndrom mit hängendem Oberlid und enger Pupille. Die Leitlinie rät, den Eingriff sorgfältig abzuwägen und nicht an den Anfang der Behandlung zu stellen.
Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?
Untersuchung und Beratung sind Kassenleistung. Bei der Behandlung kommt es auf das Verfahren an:
| Behandlung | Wer zahlt? |
|---|---|
| Untersuchung, Beratung, Abklärung möglicher Ursachen | Gesetzliche Kasse |
| Aluminiumchlorid-Präparate (Antitranspirant, Rezeptur aus der Apotheke) | Erwachsene meist selbst; ärztlich verordnete Rezepturen für Kinder bis 12 Jahre kann die Kasse übernehmen |
| Glycopyrroniumbromid-Creme bei schwerer primärer axillärer Hyperhidrose | Zugelassenes verschreibungspflichtiges Arzneimittel; bei Verordnung zulasten der GKV fällt grundsätzlich die gesetzliche Arzneimittelzuzahlung an. Aktuelle Lieferbarkeit in der Apotheke erfragen |
| Leitungswasser-Iontophorese-Gerät für zu Hause | Kann nach ärztlicher Verordnung und erfolgreicher Erprobung als Hilfsmittel übernommen werden; Genehmigung, Leihversorgung und Zuzahlung vorab mit der Kasse klären |
| Botulinumtoxin in den Achseln | Kasse nur in schweren Fällen nach Antrag, wenn andere Mittel nicht reichen; sonst Selbstzahlerleistung |
| Botulinumtoxin an Händen, Füßen, im Gesicht (off-label) | Meist Selbstzahlerleistung, Übernahme nur ausnahmsweise nach Antrag |
| Radiofrequenz, Mikrowelle, Ultraschall | Überwiegend Selbstzahlerleistung |
| Saugkürettage, Operation am Sympathikus-Nerv | Kasse nach vorherigem Antrag und Genehmigung |
Rezeptfreie Arzneimittel sind für Erwachsene grundsätzlich von der Kassenleistung ausgeschlossen (§ 34 SGB V); für Aluminiumchlorid-Rezepturen hat der Gemeinsame Bundesausschuss das ausdrücklich festgehalten. Das Iontophorese-Gerät stellen manche Kassen, etwa die DAK, zunächst leihweise für eine dreimonatige Testphase; wie Ihre Kasse das regelt, erfahren Sie dort.
Der IGeL-Monitor bewertete Botulinumtoxin gegen Schwitzen 2017 als „unklar“: Er sah Hinweise auf Nutzen, aber auch auf Nebenwirkungen. Seine damalige Preisangabe ist für heutige Kosten nicht belastbar. Lassen Sie sich bei einer Selbstzahlerbehandlung vorab einen schriftlichen Kostenvoranschlag geben. Für Wärmeverfahren wie die Mikrowellen-Thermolyse gibt es keine verlässlichen Pauschalpreise aus unabhängigen Quellen. Lassen Sie sich bei jeder Selbstzahlerleistung vorab einen Kostenvoranschlag geben.
Was Sie im Alltag selbst tun können
Alltagsmaßnahmen ersetzen keine Behandlung, können sie aber sinnvoll ergänzen:
- Antitranspirant richtig einsetzen: abends auf trockene, unverletzte Haut, nicht direkt nach der Rasur.
- Verstärker reduzieren: Alkohol, Kaffee, Nikotin und sehr scharfes Essen können das Schwitzen anfachen; bei Übergewicht kann Abnehmen helfen. Lassen Sie auch Ihre Medikamente prüfen.
- Füße trocken halten: Socken täglich und bei Bedarf öfter wechseln, Schuhe abwechselnd tragen und gut auslüften lassen. Das schützt auch vor Fußpilz.
- Vorsorgen statt verstecken: ein Wechselshirt in der Tasche, luftige Kleidung und Stoffe, auf denen Flecken weniger auffallen, nehmen im Alltag Druck heraus.
- Belastung ernst nehmen: Wenn Scham oder die Angst vor dem nächsten Schweißausbruch Ihren Alltag bestimmen, sprechen Sie das in der Praxis an.
Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)
Gesetzliche Kasse (GKV): Diagnostik und Beratung sind Kassenleistung. Ein Iontophorese-Heimgerät kann nach ärztlicher Verordnung und erfolgreicher Erprobung als Hilfsmittel übernommen werden; das Verfahren und die Zuzahlung richten sich nach der Kasse. Aluminiumchlorid-Präparate zahlen Erwachsene meist selbst. Für Botulinumtoxin und operative Verfahren ist häufig eine vorherige Genehmigung nötig; Wärmeverfahren sind überwiegend Selbstzahlerleistungen.
Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.
Passende Hautarzt-Praxis finden
Beschreiben Sie einfach, was Sie suchen — Ort, Versicherung, Wünsche. Unsere Suche versteht ganze Sätze.
Beispiele — antippen und Ort ergänzen:
Ihre Eingabe wird zur Interpretation automatisiert verarbeitet. Keine persönlichen Daten eingeben. Datenschutz
Die Suche gibt Orientierung — sie stellt keine Diagnose.
Beliebte Städte: Berlin · Hamburg · München · Köln · Frankfurt · Stuttgart · Düsseldorf · Leipzig
Häufige Fragen
Verwandte Behandlungen
Quellen
- AWMF S1-Leitlinie Definition und Therapie der primären Hyperhidrose (013-059, Stand 02/2023, gültig bis 02/2028) (abgerufen 2026-10-20)
- Schreiner W, Rapprich S, Rzany B, Wiegering A: Hyperhidrosis: Prevalence, Diagnosis, and Stepwise Treatment. Dtsch Arztebl Int 2026; 123: 253–60 (abgerufen 2026-10-20)
- Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Beschluss zur Nutzenbewertung von Glycopyrronium bei schwerer primärer axillärer Hyperhidrose (19.01.2023) (abgerufen 2026-10-20)
- IQWiG: Glycopyrronium (schwere primäre axilläre Hyperhidrose) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V, Kurzfassung (A22-82, 2022) (abgerufen 2026-10-20)
- IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund): Pressemitteilung zur Bewertung von Botulinumtoxin-Injektionen gegen übermäßiges Schwitzen (20.11.2017) (abgerufen 2026-10-20)
- DAK-Gesundheit: Leitungswasser-Iontophoresegeräte (Hilfsmittel) (abgerufen 2026-10-20)
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu Aluminium in Antitranspirantien (Neubewertung 2020, aktualisiert 2023) (abgerufen 2026-10-20)
- § 34 SGB V – Ausgeschlossene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel (abgerufen 2026-10-20)
- Fachinformation zum Wirkstoff Methantheliniumbromid 50 mg (Stand 06/2026) (abgerufen 2026-10-20)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Exzessives Schwitzen (abgerufen 2026-10-20)
- Deutsche Herzstiftung: Herzinfarkt rechtzeitig erkennen – auf diese Anzeichen sollten Sie achten (abgerufen 2026-10-20)
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.