Aufgeschlagenes, unbeschriebenes Notizbuch mit Bleistift, ein Glas Wasser und eine kleine Vase mit Birkenzweigen und Gräsern auf einem Holztisch am Fenster
Illustration (KI-generiert): Notizen zu Beschwerden, etwa in der Pollenzeit, helfen der Ärztin oder dem Arzt, die passenden Tests auszuwählen.

Allergietest: Bei welchem Arzt, welche Tests, was zahlt die Kasse?

Welche Ärztinnen und Ärzte Allergietests machen, wie Prick-, Epikutan-, Blut- und Provokationstests ablaufen, welche Medikamente Sie vorher pausieren, was ein positives Ergebnis bedeutet, was die Krankenkasse zahlt und welche Tests zur Allergiediagnose nicht taugen.

Sorgfältig recherchiert · mit Quellen · Stand 20.10.2026

Einen Allergietest machen in Deutschland vor allem Hautärztinnen und Hautärzte, HNO-Ärzte, Lungenfachärzte sowie Kinder- und Jugendärzte. Am besten aufgehoben sind Sie in einer Praxis mit der Zusatzbezeichnung Allergologie: „Allergologe“ ist kein eigener Facharzt, sondern eine zusätzliche Weiterbildung, die diese Fachärztinnen und Fachärzte erwerben. Welche Praxis passt, richtet sich nach Ihren Beschwerden. Ekzeme und Kontaktallergien gehören zum Hautarzt, Heuschnupfen zum HNO- oder Hautarzt, Asthma zum Lungenfacharzt, Kinder zum Kinder- und Jugendarzt. Bei Beschwerden oder begründetem Verdacht zahlt die gesetzliche Krankenkasse. Ein positiver Test zeigt allerdings nur eine Sensibilisierung; eine Allergie ist es erst, wenn passende Beschwerden dazukommen. IgG-Tests auf Lebensmittel, Bioresonanz oder Kinesiologie sind für die Allergiediagnose nach Einschätzung der Fachgesellschaften ungeeignet. Bei Atemnot, Schwellungen im Mund oder Kreislaufproblemen nach einem möglichen Allergenkontakt rufen Sie sofort den Notruf 112.

Bei welchem Arzt? Hautarzt, HNO, Lungenarzt oder Kinderarzt

Laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München ist bei Allergieverdacht in der Regel eine Ärztin oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung Allergologie die beste Adresse, meist aus Dermatologie, HNO-Heilkunde, Lungenheilkunde (Pneumologie) oder Kinder- und Jugendmedizin. Ob eine Praxis die Zusatzbezeichnung führt, steht oft auf dem Praxisschild oder der Website; sonst fragen Sie bei der Terminvereinbarung nach.

Als Faustregel gilt: Die Praxis sollte zu dem Organ passen, an dem Ihre Beschwerden auftreten.

Ihre BeschwerdenPassende AnlaufstelleHäufige Tests
Juckendes Ekzem nach Kontakt mit Schmuck, Kosmetik, Handschuhen oder ArbeitsstoffenHautarztpraxisEpikutantest (Pflastertest)
Quaddeln, Schwellungen, Reaktionen nach Lebensmitteln, Medikamenten oder InsektenstichenHautarztpraxis mit AllergologiePricktest, Bluttest, ggf. Provokation
Heuschnupfen, Niesattacken, verstopfte Nase, juckende AugenHNO- oder Hautarztpraxis mit AllergologiePricktest, Bluttest, ggf. nasale Provokation
Husten, pfeifende Atmung, AtemnotLungenfachpraxisPricktest, Lungenfunktion, ggf. bronchiale Provokation
Kinder und JugendlicheKinder- und Jugendarztpraxis, idealerweise mit Allergologieje nach Alter Bluttest oder Pricktest

Und der Hausarzt? Die Hausarztpraxis ist eine gute erste Anlaufstelle, um Beschwerden einzuordnen, andere Ursachen auszuschließen und gezielt zu überweisen. Hauttests auf Allergien können laut Einheitlichem Bewertungsmaßstab (EBM), nach dem Kassenpraxen abrechnen, aber nur Fachärzte für Haut-, HNO-, Lungen- sowie Kinder- und Jugendmedizin und Ärztinnen und Ärzte mit Zusatzbezeichnung Allergologie über die Kasse abrechnen. Eine Hausärztin mit dieser Zusatzbezeichnung kann also testen, eine Hausarztpraxis ohne sie nicht als Kassenleistung. Wer an einem Hausarztmodell teilnimmt, braucht für die Facharztpraxis ohnehin eine Überweisung; zur Kinder- und Jugendarztpraxis dürfen Kinder auch dann direkt.

Für manche Fragen braucht es eine Klinik: Provokationstests mit Nahrungsmitteln oder Medikamenten sollten laut Allergieinformationsdienst in der Regel nur unter ärztlicher Aufsicht in einer Klinik stattfinden.

Wann zum Arzt und wann sofort 112?

Ein Allergietest lohnt sich, wenn Beschwerden immer wieder nach dem gleichen Muster auftreten und Sie den Auslöser kennen wollen, um ihn zu meiden oder gezielt behandeln zu lassen. Typische Anlässe:

  • Niesen, Fließschnupfen oder juckende Augen, jedes Jahr zur gleichen Zeit oder immer in bestimmten Räumen
  • Husten, Engegefühl oder pfeifende Atmung, besonders in Verbindung mit Pollen, Tieren oder Staub
  • Ekzeme an Stellen, die Schmuck, Uhren, Kosmetik, Handschuhe oder Arbeitsstoffe berühren
  • Kribbeln im Mund, Quaddeln oder Magen-Darm-Beschwerden kurz nach bestimmten Lebensmitteln
  • jede stärkere Reaktion nach einem Insektenstich oder einem Medikament

Nach einer schweren allergischen Reaktion (Anaphylaxie) sollte die Abklärung in jedem Fall folgen. Nur so lässt sich klären, ob Sie ein Notfallset brauchen und ob eine Hyposensibilisierung infrage kommt, wie sie etwa bei Bienen- oder Wespengiftallergie möglich ist. Hinter Quaddeln, die über Wochen kommen und gehen, steckt laut Allergieinformationsdienst dagegen nur selten eine echte Allergie; mehr dazu im Ratgeber Nesselsucht.

Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn nach einem Stich, einem Medikament oder einem Lebensmittel eines dieser Zeichen auftritt: plötzliche Heiserkeit, Atemnot oder pfeifende Atmung, Schwellung von Zunge oder Rachen, Schwindel, Kollaps oder Bewusstlosigkeit, oder Beschwerden an zwei Organsystemen zugleich, etwa Quaddeln zusammen mit Bauchkrämpfen. Wer einen Adrenalin-Autoinjektor hat, setzt ihn zuerst in die Außenseite des Oberschenkels. Bei Atemnot ist aufrechtes Sitzen günstiger, sonst flaches Liegen, bei Bewusstlosigkeit mit erhaltener Atmung die stabile Seitenlage. Betroffene sollten nicht aufstehen oder herumlaufen. Das gilt auch, falls sich solche Zeichen nach einem Test erst zu Hause zeigen.

Welche Allergietests gibt es?

Am Anfang steht immer das Gespräch über Ihre Krankengeschichte, die Anamnese. Laut Allergieinformationsdienst ist sie die wichtigste diagnostische Methode, denn erst die Vorgeschichte bestimmt, welche Tests sinnvoll sind und wie ein Ergebnis zu bewerten ist. Welche Verfahren folgen, hängt vom Allergietyp ab.

TestWofürSo läuft er abErgebnis
PricktestSoforttyp-Allergien: Pollen, Milben, Tiere, Nahrungsmittel, InsektengiftTestlösung auf Unterarm oder Rücken, oberflächlicher Stich mit einer Lanzettenach 15–20 Minuten
IntrakutantestUnklarer Pricktest, vor allem Insektengift und MedikamenteTestlösung wird mit feiner Nadel in die Haut gespritztnach etwa 20 Minuten
Epikutantest (Pflastertest)Kontaktallergien (Spättyp), z. B. Nickel, Duft- oder KonservierungsstoffePflaster mit Testsubstanzen auf dem Rückennach 2–3 Tagen, teils später
Bluttest (spezifisches IgE)Soforttyp-Allergien, wenn ein Hauttest nicht geht oder unklar istBlutentnahme, Auswertung im Labornach 2–7 Tagen
ProvokationstestBestätigung, wenn Vorgeschichte und Tests nicht zusammenpassenAllergen wird an Nase, Auge oder Bronchien angewendet oder geschlucktnach Minuten bis Stunden

Pricktest. Er ist der Standardtest bei Soforttyp-Allergien, also bei Reaktionen, die innerhalb von Minuten bis etwa zwei Stunden auftreten. Ein Tropfen je Allergen kommt auf die Haut, durch den Tropfen wird oberflächlich gestochen. Zwei Kontrollen gehören dazu: Histamin muss eine Quaddel auslösen, Kochsalzlösung darf es nicht. Eine Quaddel ab 3 Millimetern Durchmesser gilt als positiv. Bei Obst und Gemüse testet man häufig mit dem frischen Lebensmittel (Prick-zu-Prick-Test), weil dieser Weg dort empfindlicher ist als fertige Testlösungen.

Intrakutantest. Er ist empfindlicher als der Pricktest, aber aufwendiger und mit einem etwas höheren Risiko für Allgemeinreaktionen verbunden. Heute kommt er vor allem bei Insektengift- und Medikamentenallergien zum Einsatz, bei Insektengift oft in mehreren, schrittweise stärkeren Verdünnungen.

Epikutantest. Er klärt Kontaktallergien, die sich erst nach ein bis zwei Tagen als juckendes Ekzem zeigen. Meist wird zuerst eine Standardreihe mit rund 30 häufigen Kontaktallergenen getestet, ergänzt um Reihen für bestimmte Berufe oder Produkte. Auch eigene Kosmetika oder Arbeitsstoffe lassen sich nach Aufbereitung in der Praxis testen. Die Pflaster bleiben 24 bis 48 Stunden auf dem Rücken; abgelesen wird beim Abnehmen und ein bis zwei Tage später. Weil manche Stoffe erst nach fünf bis sieben Tagen reagieren, kann eine dritte Kontrolle folgen. Positiv ist eine ekzemartige Reaktion an der Teststelle.

Bluttest. Das Labor misst spezifisches Immunglobulin E (IgE) gegen einzelne Allergene und gibt das Ergebnis oft in Klassen an. Der alte Name RAST hält sich bis heute. Sinnvoll ist der Bluttest als Ergänzung oder wenn Hauttests nicht möglich sind, etwa bei ausgedehntem Ekzem, Hautveränderungen im Testfeld oder Medikamenten, die sich nicht pausieren lassen. Das Gesamt-IgE allein verrät nicht, worauf Sie reagieren, denn es kann auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein, häufig etwa bei Neurodermitis.

Komponentendiagnostik. Diese Weiterentwicklung des Bluttests misst IgE gegen einzelne Eiweiße einer Allergenquelle und hilft, eine eigenständige Allergie von einer Kreuzreaktion zu unterscheiden. Beispiel Erdnuss: Ist nur Ara h 8 positiv, spricht das für eine Kreuzallergie zu Birkenpollen mit meist auf Mund und Rachen begrenzten Beschwerden. Sind Ara h 1, 2 oder 3 positiv, ist das Risiko schwerer Reaktionen erhöht.

Provokationstest. Das verdächtige Allergen wird gezielt dort angewendet, wo die Beschwerden auftreten: an der Nasenschleimhaut, am Auge, an den Bronchien oder als Lebensmittel bzw. Medikament zum Schlucken. Für Nahrungsmittelallergien gilt die doppelblinde, placebokontrollierte Provokation als Goldstandard. Bei Medikamenten ist die Provokation oft der einzige Weg zu einer sicheren Diagnose oder zu einem verträglichen Ausweichpräparat. Spezialverfahren wie der Basophilen-Aktivierungstest sind laut Nahrungsmittelallergie-Leitlinie aufwendig und teuer und für die meisten Lebensmittel bislang nicht als Routinetest etabliert.

Ablauf beim Hautarzt: Schritt für Schritt

  1. Gespräch und Untersuchung. Wann treten die Beschwerden auf, wo, und wie schnell nach welchem Kontakt? Ein Symptomtagebuch, Fotos von Hautreaktionen und eine Liste aller Medikamente, auch der nur gelegentlich eingenommenen, machen die Testauswahl gezielter.
  2. Auswahl der Tests. Getestet wird nicht „alles“, sondern was zur Vorgeschichte passt.
  3. Durchführung. Pricktest: wenige Minuten Auftragen, dann 15 bis 20 Minuten warten. Epikutantest: Pflaster aufkleben, Ablesetermine vereinbaren. Bluttest: eine Blutentnahme.
  4. Ablesung und Beobachtung. Allgemeinreaktionen auf Hauttests sind selten und treten meist innerhalb von 30 Minuten auf. Deshalb muss eine Notfallversorgung bereitstehen, und Sie bleiben nach dem Test so lange in der Praxis, wie man Ihnen sagt.
  5. Befundbesprechung. Erst der Abgleich von Testergebnis und Beschwerden ergibt die Diagnose. Nach einer schweren Reaktion gehören ein Allergiepass und gegebenenfalls ein Notfallset mit Einweisung dazu.

Während eines Epikutantests dürfen Sie den Rücken bis zur letzten Ablesung nicht duschen und sollten starkes Schwitzen vermeiden, sonst werden Testsubstanzen und Markierungen ausgewaschen. Rechnen Sie mit mehreren Terminen innerhalb von etwa einer Woche.

Vorbereitung: Welche Medikamente müssen Sie pausieren?

Allergietabletten und einige andere Mittel können die Hautreaktion beim Pricktest unterdrücken und ein falsch negatives Ergebnis verursachen. Der zitierte europäische Standard stammt aus dem Jahr 2013; die nötige Pause kann je nach Präparat, Dosis und Praxis kürzer oder länger sein. Die folgende Tabelle ist deshalb keine Absetzanweisung, sondern eine Orientierung, die die testende Praxis bestätigen muss:

MittelPause vor dem Pricktest
Moderne Antihistaminika (Allergietabletten, z. B. Cetirizin, Loratadin)7 Tage
Ältere, müde machende Antihistaminikamehr als 2 Tage
Kortison- oder Calcineurin-Hemmer-Creme auf der Testflächemehr als 1 Woche
Kortisontabletten kurzzeitig, unter 50 mg Prednisolon-Äquivalent pro Tagmehr als 3 Tage
Kortisontabletten kurzzeitig, über 50 mg pro Tagmehr als 1 Woche
Kortisontabletten dauerhaft, über 10 mg pro Tagmehr als 3 Wochen, je nach Dosis und Dauer
Bestimmte trizyklische Antidepressiva3 bis 7 Tage, je nach Wirkstoff
Anti-IgE-Antikörper (Spritzentherapie)mehr als 4 Wochen
Kortisonhaltige Nasensprays, Asthmasprays mit Kortison oder Beta-2-Mimetika, Montelukastkeine Pause nötig

Setzen Sie nichts eigenmächtig ab. Besprechen Sie den Plan mit der testenden Praxis und mit der Ärztin oder dem Arzt, die das Medikament verordnet haben. Wer wegen Asthma oder chronischer Hautbeschwerden auf seine Mittel angewiesen ist, bekommt unter Umständen eher einen Bluttest, den Antihistaminika nicht stören. Nehmen Sie Betablocker gegen Bluthochdruck oder Herzbeschwerden, sagen Sie das unbedingt: Sie verfälschen den Test nicht, können aber die Notfallbehandlung einer schweren Reaktion erschweren.

Für den Epikutantest gelten eigene Regeln. Laut Allergieinformationsdienst sollte ein akutes Ekzem seit mindestens zwei Wochen abgeheilt sein, Kortison sollte nicht in höherer Dosis eingenommen werden, und der Rücken sollte in den vier Wochen davor keiner starken Sonne und keiner UV-Therapie ausgesetzt gewesen sein.

Für Pricktests gilt außerdem: Unmittelbar nach einer schweren allergischen Reaktion kann die Haut vorübergehend schwächer reagieren. Die deutsche Hauttest-Leitlinie von 2010 rät deshalb, in der ersten Woche danach nicht zu testen.

Was das Ergebnis bedeutet: Sensibilisierung ist nicht gleich Allergie

Ein positiver Pricktest oder ein erhöhter IgE-Wert zeigt nur, dass Ihr Immunsystem auf einen Stoff vorbereitet ist. Fachleute sprechen von Sensibilisierung oder Allergiebereitschaft. Eine Allergie liegt erst vor, wenn Sie bei Kontakt mit diesem Stoff auch Beschwerden bekommen. Stumme Sensibilisierungen ohne Symptome haben meist keine praktischen Folgen.

Zwei Beispiele aus dem Alltag:

  • Der Pricktest auf Birkenpollen ist positiv, aber Sie hatten im Frühjahr nie Heuschnupfen. Dann gibt es in der Regel nichts zu behandeln.
  • Der Bluttest zeigt IgE gegen Haselnuss, doch Sie essen seit Jahren problemlos Nusskuchen. Laut Nahrungsmittelallergie-Leitlinie rechtfertigt ein positiver Test allein keinen Verzicht. Besprechen Sie den Befund trotzdem in der Praxis.

Umgekehrt sind Tests nicht unfehlbar. Ein negatives Ergebnis mit dem passenden Allergen schließt eine Sensibilisierung laut Allergieinformationsdienst recht gut aus, eine Allergie aber nicht in jedem Fall. Bei Pollen und Hausstaubmilben sind Hauttests relativ verlässlich, bei Nahrungsmitteln und Schimmelpilzen schwieriger. Passen Vorgeschichte und Testergebnis nicht zusammen, bringt oft erst ein Provokationstest Klarheit.

Nicht empfohlene Tests: IgG, Bioresonanz, Kinesiologie, Heimtests

Gerade bei Verdauungsbeschwerden nach dem Essen werden Tests angeboten, die viele „Unverträglichkeiten“ auf einmal versprechen. Die deutschsprachigen allergologischen Fachgesellschaften raten in ihrer Leitlinie zu Nahrungsmittelallergien ausdrücklich davon ab:

  • IgG- oder IgG4-Tests auf Lebensmittel. Gemessen wird technisch korrekt, gedeutet aber irreführend. IgG gegen ein Lebensmittel zeigt nur, dass Sie es wiederholt gegessen haben; das ist eine normale Reaktion des Immunsystems und auch bei Gesunden nachweisbar. Der IGeL-Monitor bewertete den IgG-Test als „negativ“ (Bewertung von 2012, inzwischen archiviert). Die Verbraucherzentrale nennt je nach Anbieter und Zahl der getesteten Lebensmittel Kosten von bis zu 500 Euro.
  • Bioresonanz, Elektroakupunktur, Kinesiologie, Haaranalyse, Irisdiagnostik und zytotoxische Bluttests (ALCAT). Laut Leitlinie fehlen hier eine tragfähige theoretische Grundlage, eine Validierung und reproduzierbare Ergebnisse. In einer kleinen Doppelblindstudie erkannte die Kinesiologie eine nachgewiesene Wespengiftallergie nicht besser als Raten.

Teuer ist dabei nicht nur der Test. Wer aufgrund solcher Befunde viele Lebensmittel weglässt, riskiert laut Allergieinformationsdienst eine unnötig eingeschränkte Ernährung bis hin zu Mangelerscheinungen, besonders bei Kindern, und eine wirksame Behandlung kann sich verzögern.

Allergietests für zu Hause aus Apotheke oder Internet ersetzen die Praxis ebenfalls nicht. Selbst wenn ein Heimtest IgE misst, zeigt er bestenfalls eine Sensibilisierung, die erst zusammen mit Ihrer Vorgeschichte etwas bedeutet. Und wer Lebensmittel schlecht verträgt, hat nicht unbedingt eine Allergie: Auch Unverträglichkeiten wie eine Laktoseintoleranz oder eine Zöliakie verursachen ähnliche Beschwerden und werden anders untersucht.

Kosten: Was zahlt die Krankenkasse?

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf Krankenbehandlung, wenn sie nötig ist, um eine Krankheit zu erkennen (§ 27 SGB V). Bei Beschwerden oder einem konkreten Allergieverdacht sind Gespräch, Haut-, Blut- und Provokationstests deshalb Kassenleistung. Der IGeL-Monitor bringt es auf den Punkt: Einem konkreten Verdacht nachzugehen zahlt die Kasse, ein IgG-Test als „Allergie-Check“ ist dagegen immer eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL).

LeistungWer zahlt?
Allergietest bei Beschwerden oder begründetem VerdachtGesetzliche Kasse
Test ohne Beschwerden, rein vorsorglich oder auf eigenen Wunschin der Regel Sie selbst (IGeL)
IgG-Tests, Bioresonanz, Kinesiologie und ähnliche VerfahrenSie selbst
Heimtests aus Apotheke oder InternetSie selbst

Zwei Regeln der Kassenabrechnung sind gut zu kennen. Hauttests dürfen nur die oben genannten Facharztgruppen und Ärztinnen und Ärzte mit Zusatzbezeichnung Allergologie abrechnen. Und für den IgE-Bluttest setzt der EBM grundsätzlich voraus, dass vorher Haut- oder Provokationstests gemacht wurden; ausgenommen sind Kinder bis zum sechsten Geburtstag. Die Laborkosten je Behandlungsfall sind außerdem gedeckelt. Die Kasse zahlt also gezielte Tests passend zur Vorgeschichte, keine breiten Suchtests auf gut Glück. Kann ein Hauttest bei Ihnen nicht gemacht werden, klärt die Praxis, wie der Bluttest abgerechnet wird.

Was kostet ein Allergietest als Selbstzahlerleistung? Einen Pauschalpreis gibt es nicht. Abgerechnet wird nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ), und zwar je Einzeltest. Ein Rechenbeispiel auf Basis der GOÄ: Beim üblichen 2,3-fachen Satz kostet ein Pricktest rund 6 Euro je Allergen (Nr. 385, für die ersten 20 Tests), ein Epikutantest rund 4 Euro je Testsubstanz (Nr. 380, für die ersten 30). 20 Pricktests oder eine Reihe mit 30 Epikutantests kommen so jeweils auf rund 120 Euro reine Testgebühr. Beratung, Untersuchung und gegebenenfalls Laborkosten kommen hinzu, und je nach Aufwand kann der Satz abweichen. Ist absehbar, dass die Kasse nicht zahlt, muss die Praxis Sie vorab in Textform über die voraussichtlichen Kosten informieren (§ 630c BGB). Privatversicherte erhalten eine GOÄ-Rechnung; was erstattet wird, hängt vom Tarif ab.

Allergietest bei Kindern und in der Schwangerschaft

Kinder können in jedem Alter getestet werden. Auch ein Pricktest ist im Säuglingsalter möglich, fällt dort aber häufig schwächer aus und muss besonders sorgfältig interpretiert werden. Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie entscheidet die kinderärztliche Praxis je nach Vorgeschichte, ob ein Hauttest, spezifisches IgE im Blut oder beides sinnvoll ist. Nach dem EBM kann spezifisches IgE bei Kindern bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr auch ohne vorheriges Haut- oder Provokationstestergebnis abgerechnet werden. Weil manche Nahrungsmittelallergien wieder verschwinden, etwa gegen Kuhmilch oder Hühnerei, wird die Diagnose im Verlauf ärztlich überprüft.

In der Schwangerschaft gilt der Pricktest nach den europäischen Standards als relative Gegenanzeige. Das Risiko einer Allgemeinreaktion ist sehr klein, sie könnte aber Wehen auslösen oder eine Adrenalingabe nötig machen. Ob ein planbarer Hauttest bis nach der Geburt warten kann, wird deshalb abgewogen; ein Bluttest kommt ohne Allergenkontakt aus. Für den Epikutantest sind Schwangerschaft und Stillzeit laut Allergieinformationsdienst keine grundsätzlichen Hinderungsgründe, auch hier wird aber abgewogen, ob er warten kann.

Wie aktuell sind die Empfehlungen?

Mehrere deutsche Leitlinien zur Allergiediagnostik sind älter oder abgelaufen: Die Hauttest-Leitlinie stammt von 2010, die S3-Leitlinie zum Epikutantest von 2019 ist abgelaufen und in Überarbeitung, und die S2k-Leitlinie zur IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergie von 2021 wurde nach inhaltlicher Prüfung bis 29. Juni 2026 verlängert und ist inzwischen ebenfalls abgelaufen. Diese Seite nutzt deshalb zusätzlich die europäischen Pricktest-Standards, Patienteninformationen öffentlicher Stellen und den aktuellen EBM.

Kosten: Kasse vs. Selbstzahler (IGeL)

Gesetzliche Kasse (GKV): Bei Beschwerden oder begründetem Allergieverdacht zahlt die gesetzliche Kasse Gespräch, Haut-, Blut- und Provokationstests. Tests ohne Verdacht sowie IgG-Tests, Bioresonanz und ähnliche Verfahren sind Selbstzahlerleistungen; abgerechnet wird dann nach GOÄ je Einzeltest, einen Pauschalpreis gibt es nicht.

Richtwerte — die tatsächlichen Kosten legt die Praxis individuell fest.

Kosten & Kasse in Österreich und der Schweiz

Die Angaben oben beziehen sich auf Deutschland. So ist es in Österreich und der Schweiz (Stand Oktober 2026):

Österreich

  • Allergien abklären können unter anderem Fachärztinnen und Fachärzte für Haut, HNO, Kinderheilkunde oder Lunge sowie Allergieambulatorien und Allergieambulanzen in Spitälern. Notwendige und zweckmäßige Diagnose- und Therapiemaßnahmen übernimmt die Sozialversicherung; bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt anfallen.
  • Ob ein Präparat für die Hyposensibilisierung ohne Weiteres auf Kassenrezept verordnet werden kann, hängt von seiner Einstufung im Erstattungskodex ab. Ist eine Bewilligung nötig, holt die verordnende Ärztin sie vorab beim Medizinischen Dienst ein – je nach Präparat unterschiedlich.
  • Bei Wahlärztinnen und Wahlärzten zahlen Sie zunächst selbst. Die ÖGK erstattet grundsätzlich 80 % des Betrags, den sie einer Vertragsärztin gezahlt hätte, höchstens die tatsächlichen Kosten – meist also deutlich weniger als die Rechnung.

Quellen: Gesundheitsportal (gesundheit.gv.at): Pollenallergie · ÖGK: Bewilligung von Medikamenten · ÖGK: Wahlärztinnen und Wahlärzte (Kostenerstattung)

Schweiz

  • Allergietests, die Ihre Ärztin wegen Beschwerden oder eines Allergieverdachts veranlasst, übernimmt in der Regel die Grundversicherung, abzüglich Franchise und 10 % Selbstbehalt (höchstens 700 Franken pro Jahr; Stand 2026). Ihre Ärztin muss Sie informieren, ob eine Leistung übernommen wird.
  • Für die Hyposensibilisierung stehen zahlreiche Allergenpräparate, etwa gegen Pollen, Hausstaubmilben und Bienengift, auf der Spezialitätenliste. Die Grundversicherung vergütet sie dann abzüglich Franchise und Selbstbehalt.
  • Im Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell gehen Sie zuerst zur vereinbarten Anlaufstelle; sie entscheidet, ob Sie zur Allergologin oder zum Hautarzt überwiesen werden. Prüfen Sie die Bedingungen Ihres Modells, bevor Sie direkt eine Fachpraxis aufsuchen.

Quellen: BAG: Ratgeber „Die obligatorische Krankenversicherung“ (Stand 1. Januar 2026) · BAG: Spezialitätenliste (SL) · Fedlex: Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10), Art. 25

Leistungen unterscheiden sich je nach Kasse bzw. Versicherungsmodell – fragen Sie im Zweifel vorab nach.

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Quellen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.